Die Keynote der Packaging Machinery Conference 2026 von VDMA-Geschäftsführer Johannes Schmid-Wiedersheim

Was der Verpackungsmaschinenbau vom Bergsteigen lernen kann

Zwischen Unsicherheit und neuen Chancen: VDMA-Chef Johannes Schmid-Wiedersheim zeichnete in seiner Keynote auf der Packaging Machinery Conference 2026 ein aktuelles Bild der Branche – und appellierte, dass gerade jetzt Kooperation, Innovation und Mut über den Erfolg entscheiden können.

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Deutsche Verpackungsmaschinenbauer haben voraussichtlich einen mühsamen Weg vor sich – aber einen machbaren.
Deutsche Verpackungsmaschinenbauer haben voraussichtlich einen mühsamen Weg vor sich – aber einen machbaren.
Johannes Schmid-Wiedersheim während seines Vortrags auf der Packaging Machinery Conference 2026.
Johannes Schmid-Wiedersheim während seines Vortrags auf der Packaging Machinery Conference 2026.

Die Keynote von Johannes Schmid-Wiedersheim, Geschäftsführer VDMA Fachverbände Nahrungsmittel- und Verpackungsmaschinen, auf der Packaging Machinery Conference 2026 war bewusst keine klassische Branchenpräsentation, sondern eine breit angelegte Analyse der wirtschaftlichen Großwetterlage – und ihrer konkreten Konsequenzen für den Maschinenbau und insbesondere den Verpackungsmaschinenbau.

Schon zu Beginn machte der neue VDMA-Geschäftsführer deutlich, in welcher Phase sich die Branche befindet: Die Zeiten des unbeschwerten Wachstums seien vorbei, stattdessen dominierten Unsicherheit und strukturelle Herausforderungen.

Bildhaft beschrieb er diesen Wandel mit einem Vergleich aus der eigenen Kommunikationswelt: Wo früher Sonnenaufgänge oder Containerschiffe Präsentationen bildsprachlich einleiteten, sehe er heute vor allem Seilschaften, die schwere Berge besteigen müssen. Ein klarer Hinweis darauf, dass sich die Branche in einem anspruchsvollen Transformationsprozess befindet – und Kooperationen immer wichtiger werden.

Die Unsicherheit steigt – vor allem in Deutschland.
Die Unsicherheit steigt – vor allem in Deutschland.

Diese Unsicherheit sei nicht nur ein subjektives Gefühl, sondern lasse sich auch empirisch nachweisen: Ein global erhobener Unsicherheitsindex, basierend auf medialen Berichten, zeige seit 2022 einen deutlichen Anstieg – besonders stark in Deutschland. Das habe auch damit zu tun, dass zentrale Industrien wie Automobilbau und Maschinenbau gegenwärtig ihre Orientierung verlieren. Schmid-Wiedersheim formulierte zugespitzt, man wisse derzeit „nicht mehr ganz, wo vorne und hinten und oben und unten ist“.

Das Thema Fachkräftemangel bleibt

Die ökonomischen Kennzahlen unterstreichen dieses Bild: Die Kapazitätsauslastung im Maschinenbau befindet sich aktuell auf einem Niveau von unter 80 % – ein Wert, der nicht nur das schwache Geschäft widerspiegelt, sondern auch eine sich selbst verstärkende Wirkung entfaltet. Denn wer seine eigenen Kapazitäten nicht auslastet, investiert in der Regel auch nicht in neue Maschinen. Entsprechend verhalten fällt die Investitionsdynamik innerhalb der Branche aus. Parallel dazu ist auch die Zahl der Beschäftigten rückläufig.

Allerdings warnte Schmid-Wiedersheim ausdrücklich vor vorschnellen Schlüssen: Während in einigen Bereichen – insbesondere bei akademischen Profilen – tatsächlich eine Abkühlung zu beobachten sei, bleibe der Fachkräftemangel in vielen technischen und gewerblichen Bereichen bestehen. Gleichzeitig drohe durch den demografischen Wandel ein massiver Rückgang der Erwerbsbevölkerung, sodass das Thema Fachkräfte mittelfristig erneut an Brisanz gewinnen dürfte.

Warum jetzt Zeit für Reformen ist

Besonders kritisch fällt der Blick auf das gesamtwirtschaftliche Wachstum aus. Die Prognosen für Deutschland zeigen ein langfristig schwaches Potenzialwachstum, das ohne strukturelle Reformen bis 2040 auf Werte um lediglich 0,1 % sinken könnte. Damit fehle der entscheidende Rückenwind für die Industrie.

Dennoch blieb die Analyse nicht rein pessimistisch. Im Gegenteil: Schmid-Wiedersheim betonte, dass bereits vergleichsweise moderate Anpassungen erhebliche Wirkung entfalten könnten. Eine höhere Erwerbsbeteiligung, gezielte Investitionsanreize, Produktivitätssteigerungen – etwa durch den Einsatz von KI – sowie ein Ausbau des Humankapitals könnten das Wachstum wieder deutlich anheben. Seine Botschaft war klar: „Es lohnt sich, was zu verändern.“

Auch ein Blick auf die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands zeigte, dass strukturelle Verbesserungen möglich sind. Historisch habe man bereits bewiesen, dass sich durch Reformen erhebliche Fortschritte erzielen lassen, beispielsweise im Zuge der Agenda-2010-Maßnahmen. Der heutige Rückgang sei also kein irreversibler Trend, sondern vielmehr eine Herausforderung, die politisch und wirtschaftlich gestaltbar bleibt.

Im weiteren Verlauf rückte Schmid-Wiedersheim näher an die eigene Branche heran. Hier zeigt sich ein differenziertes Bild: Die aktuelle Lage wird zwar überwiegend verhalten eingeschätzt, doch die Erwartungen für die kommenden Monate liegen leicht darüber, was als vorsichtig positives Signal gewertet werden kann.

Innerhalb des VDMA gehört der Bereich Nahrungsmittel- und Verpackungsmaschinen weiterhin zu den stärksten Segmenten und nimmt im Umsatzranking einen Spitzenplatz ein. Rückblickend war insbesondere das Jahr 2025 erfolgreich, mit deutlichen Zuwächsen in Produktion und Exporten, wobei der Verpackungsmaschinenbereich besonders stark zulegte. Der Start in das Jahr 2026 verlief hingegen schwächer. Dennoch gibt sich der Verband weiterhin vorsichtig optimistisch und rechnet für das Gesamtjahr mit einem leichten Wachstum – nicht zuletzt in der Hoffnung auf positive Impulse durch die kürzlich geendete interpack.

China: vom Absatzmarkt zum Wettbewerber

In 2025 stieg die Produktion von Verpackungsmaschinen noch.
In 2025 stieg die Produktion von Verpackungsmaschinen noch.

Deutlich wurde auch, wie stark sich die globalen Absatzmärkte verschieben. Während Europa aktuell wieder stabilisierend wirkt, zeigen sowohl die USA als auch China Schwächen. Besonders der chinesische Markt bereitet Sorgen: Er verliert zunehmend an Bedeutung als Absatzmarkt und gewinnt gleichzeitig als Wettbewerber an Gewicht. Schmid-Wiedersheim zeichnete ein differenziertes Bild der chinesischen Wirtschaft, die unter schwachem Konsum und Problemen im Immobiliensektor leidet, gleichzeitig aber durch starke Industrieproduktion und Exportdynamik geprägt ist.

Diese Entwicklung führt dazu, dass chinesische Anbieter verstärkt in internationale Märkte drängen und auch in klassischen Absatzregionen europäischer Hersteller an Einfluss gewinnen. Der Konkurrenzdruck nimmt damit nicht nur im Inland, sondern zunehmend auch in Drittregionen wie Südostasien deutlich zu.

Vor diesem Hintergrund überrascht es nicht, dass die aktuellen Produktionshemmnisse in der Branche weniger in strukturellen Engpässen liegen als vielmehr in fehlenden Aufträgen. „Gibt es kein Geschäft, wird auch nichts gemacht“, fasste Schmid-Wiedersheim die Situation nüchtern zusammen. Während Themen wie Materialmangel oder Fachkräfte zeitweise dominierend waren, steht derzeit eindeutig die schwache Nachfrage im Zentrum der Probleme – wobei sich bereits erste Anzeichen dafür zeigen, dass auch Materialverfügbarkeiten wieder zu einem Thema werden könnten.

Strukturelle Stärke und globale Wachstumschancen

Trotz all dieser Herausforderungen betonte der VDMA-Geschäftsführer nachdrücklich die strukturellen Stärken der Branche. Der Verpackungsmaschinenbau bleibe eng an stabile Endmärkte gekoppelt, insbesondere an die Nahrungsmittel- und Pharmaindustrie. Diese seien deutlich weniger konjunkturanfällig und böten weiterhin Wachstumsperspektiven. Die Nachfrage sei hoch geblieben, und die Produkte der Branche seien unverzichtbar.

Diese Stabilität spiegelt sich auch in globalen Wachstumstrends wider. Insbesondere in Asien und Afrika steigen Konsum und Nachfrage nach verpackten Lebensmitteln und pharmazeutischen Produkten deutlich an. Gerade Afrika, bislang oft unterschätzt, könnte sich mit hohen Wachstumsraten zu einem wichtigen Zukunftsmarkt entwickeln.

Den inhaltlichen Schlusspunkt setzte Schmid-Wiedersheim mit einem Ausblick auf die strategische Weiterentwicklung der Branche, basierend auf einem Workshop mit führenden Unternehmensvertretern. Dabei wurde deutlich, dass die klassische Maschinenperformance allein künftig nicht mehr ausreichen wird, um sich im Wettbewerb zu differenzieren. Vielmehr verschiebt sich der Fokus hin zu ganzheitlichen Lösungen, die Maschinen, Services und Verbrauchsmaterialien integrieren. Ebenso gewinnt das bestehende Prozess- und Kundenwissen an Bedeutung – ein Bereich, in dem deutsche Anbieter traditionell stark sind.

Die Digitalisierung eröffnet in diesem Kontext neue Möglichkeiten, etwa durch datenbasierte Services, Remote-Lösungen oder KI-gestützte Analysen. Gleichzeitig könnte selbst die oft kritisierte europäische Regulatorik zum Wettbewerbsvorteil werden, da sie Know-how schafft, das sich auch in anderen Märkten nutzen lässt.

Am Ende blieb ein klarer Appell: Die Branche sollte ihre Handlungsspielräume aktiv nutzen und bei sich selbst beginnen. Produktivitätssteigerungen, stärkere Kooperationen, lokalisierte Wertschöpfung und die gezielte Erschließung neuer Märkte seien zentrale Ansatzpunkte. Die Herausforderungen seien groß, aber keineswegs unüberwindbar. Oder, um das eingangs gewählte Bild aufzugreifen: Der Aufstieg ist mühsam – aber er bleibt machbar.