Ucima-Studie: Marktvolumen steigt auf über 220 Mrd. Euro
Verpackungsindustrie wächst trotz globaler Unsicherheiten
Die globale Verpackungsindustrie bleibt trotz geopolitischer Krisen, steigender Energiepreise und Handelskonflikte auf Wachstumskurs. Besonders flexible Verpackungen und die Verpackungstechnik entwickeln sich weiterhin dynamisch.
Ucima-Präsident Riccardo Cavanna skizzierte vier weltweite Branchentrends.
Ultima Media Germany
Die globale Verpackungsindustrie zeigt sich trotz
geopolitischer Unsicherheiten, steigender Energiepreise und neuer
Handelsbarrieren weiterhin robust. Nach aktuellen Marktanalysen wird der
Gesamtmarkt aus Verpackungsmaterialien, Verpackungstechnik sowie Maschinen für
die Lebensmittel- und Getränkeverarbeitung in den kommenden vier Jahren weiter
wachsen, so Luca Baraldi, Chief Research Manager des Mecs Study Center auf der
Pressekonrerenz des italienischen Branchenverbands Ucima. Das weltweite
Marktvolumen liegt demnach derzeit bei über 220 Mrd. Euro.
Für die kommenden Jahre erwarten Branchenbeobachter ein
durchschnittliches jährliches Wachstum von rund 2,7 %. Zwar wurde die Prognose
zuletzt leicht nach unten korrigiert, dennoch bleibt die Entwicklung insgesamt
positiv. Noch vor rund einem Jahr lagen die Erwartungen bei etwa 4,5 % Wachstum
pro Jahr. Die aktuellen weltwirtschaftlichen Rahmenbedingungen bremsen die
Dynamik zwar etwas, ändern aber nichts an der grundsätzlich stabilen
Entwicklung der Branche.
Der Markt für Verpackungsmaterialien erreicht aktuell ein
Volumen von rund 92 Mrd. Euro. Den größten Anteil nehmen flexible Verpackungen
ein, die etwa ein Drittel des Gesamtmarktes ausmachen. Gleichzeitig gelten sie
als das Segment mit den höchsten Wachstumsraten in den kommenden Jahren.
Dahinter folgen starre Kunststoff- sowie Metallverpackungen.
Die anhaltende Nachfrage nach flexiblen Verpackungslösungen
wird insbesondere durch Anforderungen an Materialeffizienz, Produktschutz und
Logistik begünstigt. Gleichzeitig treiben Nachhaltigkeitsvorgaben und neue
regulatorische Anforderungen die Weiterentwicklung der Materialien.
Lebensmittel- und Getränketechnik wächst weiter
Auch die Maschinen für die Lebensmittel- und
Getränkeverarbeitung entwickeln sich stabil. Das Marktvolumen liegt bei knapp
75 Mrd. Euro. Den größten Anteil nimmt dabei die Lebensmittelverarbeitung mit
rund 60 bis 64 Mrd. Euro ein, während die Getränketechnik etwa 9 Mrd. Euro
erreicht.
Zum Technologiespektrum gehören unter anderem Kühl- und
Gefriertechnik, Koch- und Erhitzungssysteme sowie Abfülltechnik und
Wärmetauscher. Für diesen Bereich wird in den kommenden Jahren ein jährliches
Wachstum von rund 3 % erwartet.
Besonders dynamisch entwickelt sich weiterhin die
Verpackungstechnik. Der Markt hat sich innerhalb von etwa 15 Jahren nahezu
verdoppelt. Zwischen 2020 und 2029 wird ein zusätzlicher Zuwachs von mehr als
20 Mrd. US-Dollar erwartet.
Die Branche gilt trotz der derzeitigen Unsicherheiten als
vergleichsweise widerstandsfähig. Für die Verpackungstechnik rechnen Analysten
weiterhin mit jährlichen Wachstumsraten von rund 3 %. Damit zeigt sich der
Sektor stabiler als viele andere Industriebranchen.
Europa bleibt Produktionszentrum für Verpackungsmaschinen
Europa ist weiterhin der wichtigste Produktionsstandort für
Verpackungsmaschinen weltweit. Rund die Hälfte aller Maschinen wird hier
gefertigt. Dahinter folgen Asien und Amerika.
Auf der Nachfrageseite hat sich Asien inzwischen zum größten
Absatzmarkt entwickelt. Europa und Nordamerika folgen auf den weiteren Plätzen.
Vergleichsweise kleine, aber dynamisch wachsende Märkte finden sich in
Lateinamerika, Afrika und Ozeanien.
Im internationalen Exportgeschäft dominieren weiterhin
Italien und Deutschland. Beide Länder gelten mit Abstand als die wichtigsten
Exportnationen für Verpackungsmaschinen. Gleichzeitig gewinnt China als
Wettbewerber zunehmend an Bedeutung. Chinesische Hersteller exportieren zwar
noch weniger Maschinen als europäische Anbieter, wachsen jedoch deutlich
schneller.
Italien baut Spitzenposition aus
Italien konnte demnach seine Rolle als weltweit größter
Hersteller von Verpackungsmaschinen weiter ausbauen. In den vergangenen 25
Jahren hat sich die Produktion vervierfacht. Für 2025 wird ein
Produktionsvolumen von rund 10 Mrd. Euro erwartet.
Die italienische Branche umfasst mehr als 600 Unternehmen
mit rund 40.000 Beschäftigten. Auch die aktuellen Geschäftszahlen zeigen
weiterhin eine stabile Entwicklung: Im ersten Quartal 2026 stieg der Umsatz der
Unternehmen um rund 2 %.
Allerdings zeigen sich erste Bremsspuren bei den
Auftragseingängen, die im gleichen Zeitraum um etwa 5,8 % zurückgingen. Dennoch
bleibt die Auslastung hoch: Der durchschnittliche Auftragsbestand entspricht
derzeit fast acht Monaten Produktion.
Wachstum in allen Weltregionen erwartet
Für die kommenden vier Jahre rechnen Marktbeobachter in
allen Regionen mit weiterem Wachstum. Besonders dynamisch entwickeln sich Asien
mit erwarteten 3,2 % sowie Afrika mit etwa 3,5 % jährlichem Wachstum. Auch
Nordamerika und die Europäische Union sollen weiterhin um knapp 3 % pro Jahr
wachsen.
Die größten Absatzmärkte für Verpackungsmaschinen bleiben
die USA und China. Dahinter folgen Japan, Deutschland und Italien. Gleichzeitig
gewinnen einzelne Länder mit besonders hohen Wachstumsraten an Bedeutung. Dazu
zählen unter anderem Polen, Argentinien sowie mehrere asiatische Märkte. Auch
große Industriestandorte wie China, Brasilien, Italien und Deutschland sollen
überdurchschnittlich wachsen.
Trotz der aktuell angespannten geopolitischen Lage erwarten
Experten mittelfristig selbst im Nahen Osten wieder deutliche Wachstumsimpulse
für die Verpackungsindustrie.
Vier Branchentrends
Ucima-Präsident Riccardo Cavanna skizzierte auf der
Pressekonferenz die vier zentralen Trends der Branche:
1. Regionalisierung der Wertschöpfungsketten
Produktionskapazitäten werden zunehmend näher an die Absatzmärkte verlagert.
Dadurch steigt die Nachfrage nach flexiblen, schnell umrüstbaren und
kompakteren Anlagen, die unterschiedliche Losgrößen effizient abbilden können.
2. Nachhaltigkeit als verbindliche Anforderung
CO₂-Reduktionsziele, Kreislaufwirtschaft und Vorgaben zur Verpackungsreduktion
erhöhen den Druck auf Industrieunternehmen. Für Maschinenbauer bedeutet dies
vor allem höhere Anforderungen an Energieeffizienz, Materialflexibilität,
geringe Prozessverluste und lange Anlagenlebenszyklen.
3. Intelligente und vernetzte Prozesse
Moderne Maschinen erfassen Prozessdaten in Echtzeit, ermöglichen Predictive
Maintenance und integrieren sich nahtlos in die IT-Systeme der Kunden. Die
Maschine entwickelt sich damit zunehmend zu einem intelligenten Bestandteil des
Produktionsprozesses.
4. Globale Marktpräsenz und Anpassungsfähigkeit
In einem geopolitisch und regulatorisch komplexeren Umfeld gewinnen flexible
Geschäftsmodelle, resiliente Lieferketten und internationale Präsenz an
Bedeutung. Wettbewerbsvorteile entstehen laut Cabana vor allem durch
Anpassungsfähigkeit und starke Netzwerke entlang der gesamten
Wertschöpfungskette.