Nachhaltigkeit wird zum zwingenden Wettbewerbsfaktor

Globaler Regulierungsneustart zwingt Industrie zum Umdenken

Strengere und zunehmend harmonisierte Verpackungsvorschriften in den USA, der EU und Australien erhöhen den Anpassungsdruck auf Hersteller und Markenartikler. Laut den Marktforschern von Global Data steht die Branche vor tiefgreifenden operativen Veränderungen.

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Auch regulatorisch wächst die Welt immer mehr zusammen.

Weltweit verschärfen Regierungen ihre Vorgaben für Verpackungen. Fragmentierte nationale Regelwerke werden schrittweise durch umfassendere, teilweise harmonisierte Rahmensetzungen ersetzt. Ziel ist es, Umweltwirkungen zu reduzieren, Greenwashing einzudämmen und Recyclingstrukturen zu stärken. Für Unternehmen bedeutet das jedoch wachsende regulatorische Komplexität entlang der gesamten Lieferkette, wie die Marktforschungs- und Analyseplattform Global Data betont.

„Wir beobachten derzeit einen grundlegenden regulatorischen Neustart bei Verpackungen“, sagt Bokkala Parthasaradhi Reddy, Lead Consumer Analyst bei Global Data. „Unternehmen müssen ihre Nachhaltigkeitsaussagen ebenso kritisch überprüfen wie ihre Materialentscheidungen und operativen Prozesse.“

USA: Einheitlicher Rahmen für „grüne“ Aussagen

Besonders dynamisch entwickelt sich die Lage in den USA. Dort erschweren sowohl geplante bundesweite Maßnahmen als auch eine wachsende Zahl einzelstaatlicher Gesetze zunehmend die Nutzung umweltbezogener Marketingaussagen. Der vorgeschlagene Pack Act soll erstmals einen national einheitlichen Rahmen für „grüne“ Claims schaffen. Vorgesehen ist unter anderem, der Federal Trade Commission (FTC) die Befugnis zu geben, Begriffe wie „recycelbar“ oder „kompostierbar“ verbindlich zu definieren und deren Nutzung zu überwachen.

Parallel verschärfen zahlreiche Bundesstaaten Materialbeschränkungen. Im Fokus stehen dabei vor allem per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen (PFAS) in Lebensmittelverpackungen. Auch Polystyrolschaum gerät weiter unter Druck: New York weitet bestehende Verbote auf zusätzliche Anwendungen aus, während Virginia plant, ab Mitte 2026 sämtliche Anbieter im Außer-Haus-Verzehr einzubeziehen.

Zusätzliche Brisanz erhält das Thema durch eine Entscheidung der US-Umweltbehörde EPA. Diese hat Mikroplastik jüngst als „prioritäre Kontaminantengruppe“ eingestuft – ein Schritt, der auf künftige Überwachungs- und Compliance-Pflichten hindeutet.

Australien: Mehr Rezyklat durch klarere EPR-Strukturen

Auch Australien treibt seine Verpackungsreformen voran. Ziel ist es, Recyclingfähigkeit und Rezyklateinsatz deutlich zu erhöhen und so die Kluft zwischen vorhandenen Recyclingkapazitäten und der bislang schwachen Nachfrage nach Recyclingmaterial zu schließen. Die Australian Packaging Covenant Organisation (APCO) verweist darauf, dass günstige Importe von Neuware aus Kunststoff Investitionen in das heimische Recycling bislang unattraktiv machen.

Ein klarer und verbindlicherer Rahmen für die erweiterte Herstellerverantwortung (EPR) soll künftig für fairere Kostenverteilung sorgen, die Beteiligung der Unternehmen erhöhen und den Einsatz von Rezyklaten stärken.

Dominoeffekt auf globale Lieferketten

Für Global Data steht fest: Die regulatorischen Veränderungen in den beiden größten Importmärkten für Fast Moving Consumer Goods werden weltweit Wirkung entfalten. „Da die USA und die EU ihre Verpackungsvorschriften neu aufstellen, müssen Unternehmen äußerst vorsichtig agieren und ihre Strategien anpassen“, so Reddy. „Das wird einen Dominoeffekt auslösen – nicht nur für Exporteure, sondern auch für Unternehmen in anderen Märkten, die mit ähnlichen Regelungen rechnen müssen.“

Für die Verpackungsindustrie heißt das: Der regulatorische Rahmen wird global enger – und Nachhaltigkeit rückt endgültig vom freiwilligen Differenzierungsmerkmal zum zwingenden Wettbewerbsfaktor.