Was die Verpackungsindustrie jetzt beachten muss

Wenn Kosten steigen, bevor Engpässe sichtbar werden

Steigende Energiepreise, volatile Märkte: Die Blockade der Straße von Hormus treibt Kosten entlang der Lieferkette – oft schleichend. Warum der Einkauf in Verpackungsunternehmen in solchen Situationen anders steuern muss und welche Materialien besonders betroffen sind.

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Eine klare Datenbasis zu Lieferketten, Kosten und Risiken ist ein zentrales Handlungsfeld für Unternehmen, die Kostendruck frühzeitig abfedern wollen.
Eine klare Datenbasis zu Lieferketten, Kosten und Risiken ist ein zentrales Handlungsfeld für Unternehmen, die Kostendruck frühzeitig abfedern wollen.

Die Blockade der Straße von Hormus wirkt sich unmittelbar auf die globale Energieversorgung aus – und damit auf zahlreiche nachgelagerte Industrien. Vor Kriegsbeginn passierten täglich rund 20 Mio. Barrel Öl sowie ein erheblicher Anteil des weltweiten Flüssigerdgases diese Meerenge. Entsprechend führt die aktuelle Situation zu steigenden Energiepreisen, angespannten Logistikmärkten und zunehmender Unsicherheit entlang globaler Lieferketten.

Für die Verpackungsindustrie ist dabei entscheidend: Die Auswirkungen zeigen sich aktuell weniger in flächendeckenden Versorgungsengpässen als in einer Kostenentwicklung, die sich schrittweise entlang der Wertschöpfungskette aufbaut. Volatilität ersetzt dabei den klassischen Engpass und wird damit zur eigentlichen Herausforderung für den Einkauf. Denn Kosten bewegen sich derzeit oft schneller, als interne Entscheidungsprozesse reagieren können.

Woran lässt sich schleichender Kostendruck erkennen?

Nicht einzelne Preissprünge sind das Problem, sondern die kumulative Wirkung vieler kleiner Anpassungen.
Nicht einzelne Preissprünge sind das Problem, sondern die kumulative Wirkung vieler kleiner Anpassungen.

Die aktuelle Marktsituation ist geprägt von Volatilität, nicht von vollständigen Unterbrechungen. Genau das macht sie für den Einkauf besonders anspruchsvoll: Während klare Engpässe unmittelbaren Handlungsdruck erzeugen, untergräbt Volatilität schrittweise bestehende Planungsannahmen.

Typische Frühindikatoren sind bereits sichtbar:

  • häufigere Preisanpassungen und kürzere Angebotsgültigkeiten
  • zusätzliche Zuschläge, etwa für Energie oder Transport
  • Anpassungen von Preismechaniken, beispielsweise durch häufigere Indexierungen

Hinzu kommt eine Dynamik, die in vielen Organisationen unterschätzt wird: Kostensteigerungen entstehen nicht mehr punktuell, sondern schrittweise und oft zunächst unbemerkt.

Ein Beispiel dafür sind die zuletzt stark gestiegenen Kosten für Schiffstreibstoff. Seit Anfang Februar hat sich der Preis für schwefelarmes Schweröl um rund 78 % erhöht. Das schlägt sich direkt in höheren Frachtkosten nieder.

Gleichzeitig versuchen Anbieter, Preisbindungen zu verkürzen, Zuschläge häufiger anzupassen und wirtschaftliche Risiken schneller an ihre Kunden weiterzugeben. Für den Einkauf bedeutet das: Nicht einzelne Preissprünge sind das Problem, sondern die kumulative Wirkung vieler kleiner Anpassungen.

Welche Verpackungsmaterialien sind besonders betroffen?

Die Auswirkungen verlaufen entlang klarer Übertragungsmechanismen: Primäre Effekte bei Energie und Logistik wirken sich auf nachgelagerte Kategorien aus – darunter Verpackungen.

Besonders exponiert sind Materialien mit hoher Energieintensität oder starker Abhängigkeit von petrochemischen Vorprodukten. Dazu zählen insbesondere kunststoffbasierte Verpackungen (aus Kunstharz), die direkt an petrochemische Märkte gekoppelt sind, und Aluminium, dessen Herstellung sehr energieintensiv ist. Papierbasierte Verpackungen zeigen sich aktuell etwas stabiler, bleiben jedoch ebenfalls indirekt von Energiepreisentwicklungen beeinflusst.

Dabei zeigt sich ein zentrales Muster: In vielen Fällen bleibt die Versorgung zunächst stabil, während die Kostenbasis steigt. Für den Einkauf bedeutet das, dass Risiken nicht allein über Verfügbarkeiten bewertet werden können, sondern über die zugrunde liegenden Kostenstrukturen und deren Entwicklung.

Lieferantenbeziehungen unter Volatilität: Struktur schlägt Reaktion

In einem Umfeld steigender Unsicherheit beobachten viele Unternehmen ein verändertes Verhalten auf Lieferantenseite. Anbieter versuchen zunehmend, bestehende Vertragsbedingungen neu zu verhandeln, Preisbindungen zu verkürzen oder zusätzliche Zuschläge einzuführen. Die eigentliche Herausforderung liegt jedoch tiefer: Temporäre Kostensteigerungen drohen dauerhaft in Preisstrukturen überzugehen, wenn sie nicht sauber gesteuert werden.

Für den Einkauf ergeben sich daraus klare Anforderungen:

  • konsequente Trennung von Basispreisen und variablen Zuschlägen
  • Kopplung von Preisbestandteilen an transparente, nachvollziehbare Indizes
  • Definition klarer Anpassungsmechanismen inklusive Ober- und Untergrenzen
  • Verankerung vertraglicher De-Eskalationsregeln, damit temporäre Zuschläge tatsächlich wieder entfallen

Zentral ist dabei die Fähigkeit, zwischen tatsächlichen Kostensteigerungen und opportunistischen Preisaufschlägen zu unterscheiden. Unternehmen, die Preisforderungen ungeprüft akzeptieren, laufen Gefahr, kurzfristige Marktbewegungen dauerhaft in ihre Kostenbasis zu übernehmen.

Spezifikationen und Beschaffung: Wo Flexibilität tatsächlich entsteht

Neben der Lieferantenseite rückt die eigene Nachfragegestaltung stärker in den Fokus. Gerade in Kategorien mit begrenzter Differenzierung können Spezifikationen entscheidend dafür sein, wie flexibel Unternehmen auf Marktveränderungen reagieren können.

Wichtige Ansatzpunkte sind:

Überprüfung der Energieintensität einzelner Materialien

Bewertung von Abhängigkeiten bei Vorprodukten und Herkunftsregionen

Identifikation von Alternativen auf Material- oder Lieferantenseite

Ein zentraler Hebel liegt dabei in der frühzeitigen Analyse von Spezifikationsspielräumen. Unternehmen sollten prüfen, wo Anpassungen möglich sind, bevor Substitutionen unter Zeitdruck erfolgen müssen.

Was machen erfolgreiche Unternehmen anders?

Die Unterschiede zwischen Unternehmen zeigen sich vor allem in der Geschwindigkeit und Systematik ihrer Reaktion. Organisationen, die Kostendruck frühzeitig abfedern, orientieren sich an fünf zentralen Handlungsfeldern:

  • Entscheidungsfähigkeit: schnelle Einbindung relevanter Stakeholder
  • Transparenz: klare Datenbasis zu Lieferketten, Kosten und Risiken
  • Flexibilität: Entwicklung alternativer Sourcing- und Logistikoptionen
  • Kostendisziplin: konsequente Analyse von Preisbestandteilen
  • Vertragliche Absicherung: Einsatz geeigneter Preis- und Risikomechanismen

Ein entscheidender Unterschied liegt in der Herangehensweise: Erfolgreiche Unternehmen reagieren nicht nur schnell, sondern vor allem strukturiert und diszipliniert. Unternehmen, die hingegen abwarten, reagieren häufig erst, wenn Preiserhöhungen bereits umgesetzt oder Engpässe sichtbar werden. Zu diesem Zeitpunkt haben sich Marktbedingungen jedoch meist bereits zu ihren Ungunsten verschoben. In volatilen Märkten ist nicht die Geschwindigkeit der entscheidende Faktor, sondern die Qualität der Prozesse und Strukturen, mit denen Unternehmen darauf reagieren.

Fazit: Einkauf wird zum Steuerungsinstrument in volatilen Märkten

Die aktuelle Entwicklung zeigt deutlich, dass sich Risiken in der Supply Chain nicht mehr ausschließlich über Verfügbarkeit definieren. Vielmehr entstehen sie durch das Zusammenspiel von Energiepreisen, Logistikdynamiken und geopolitischer Unsicherheit.

Für die Verpackungsindustrie bedeutet das: Kosten- und Risikomanagement müssen stärker integriert gedacht werden. Entscheidend ist die Fähigkeit, Marktveränderungen frühzeitig zu erkennen, strukturiert zu bewerten und in konkrete Maßnahmen zu übersetzen. Dazu gehört, Abhängigkeiten auch jenseits direkter Tier-1-Lieferanten sichtbar zu machen, die Resilienz kritischer Verpackungskategorien realistisch einzuschätzen und Lieferanten nicht nur zu Preisannahmen, sondern auch zu belastbaren Notfallplänen in die Pflicht zu nehmen.

In einem Umfeld, in dem sich Kosten schrittweise und oft unbemerkt aufbauen, wird der Einkauf damit zu einem zentralen Steuerungsinstrument für Stabilität und Wettbewerbsfähigkeit.

Packaging Machinery Conference 2026

Termin: 16.–17. Juni 2026

Ort: Messezentrum Nürnberg

Die Packaging Machinery Conference ist der zentrale Branchentreffpunkt für den Verpackungsmaschinenbau. Sie bringt Entscheider aus dem Maschinenbau, der Automatisierung und der Anwendung zusammen, um aktuelle Herausforderungen und Zukunftsthemen der Verpackungsindustrie zu diskutieren.

Im Fokus stehen unter anderem Künstliche Intelligenz, Regulatorik, nachhaltige Verpackungskonzepte, Best Practices aus der Industrie sowie strategische Zukunftsfragen des Maschinenbaus.

Hochkarätige Keynotes, praxisnahe Vorträge und umfangreiche Networking Möglichkeiten – inklusive begleitender Fachausstellung und Abendveranstaltung – zeichnen das zweitägige Event aus.

Die Packaging Machinery Conference findet 2026 bereits zum dritten Mal statt und wird von Ultima Media (neue verpackung) in Kooperation mit der Nürnberg Messe (Fachpack) und dem Packaging Valley veranstaltet.

Zielgruppe: Entscheider und Fachleute aus Verpackungsmaschinenbau, Maschinen und Anlagenbau, Automatisierung, Digitalisierung sowie Anwenderindustrien.

Alle Informationen zum Event gibt es hier.