Digitale Services werden im Verpackungsmaschinenbau zum Differenzierungsmerkmal. Sweetconnect zeigt, wie eine gemeinsame Plattform Hersteller, Betreiber und Serviceprozesse zusammenbringen kann – ohne dass jeder OEM seine eigene Insellösung bauen muss.
Redaktion .Redaktion.neue verpackung
4 min
OpenAI
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Wenn eine Verpackungsmaschine ausgeliefert, montiert und in
Betrieb genommen ist, beginnt ihr wirtschaftlich entscheidender
Lebensabschnitt. Über viele Jahre produziert sie beim Kunden, benötigt
Ersatzteile, Wartung, Dokumentation und schnelle Unterstützung. Digital aber
endet die Beziehung zwischen Hersteller und Betreiber häufig viel zu früh. Tim
Hellwig, Geschäftsführer von Sweetconnect und im After-Sales bei
Theegarten-Pactec verantwortlich, bringt das Problem auf eine prägnante Formel:
„Digital endet die Kundenbeziehung oft an der Laderampe.“
Genau hier setzt Sweetconnect an. Die Plattform organisiert
die digitale Kundenbeziehung über die gesamte Laufzeit einer Maschine – nicht
als weiteres isoliertes Herstellerportal, sondern als gemeinsame Infrastruktur
für die Süßwarenmaschinen-Industrie. Beteiligt sind die Gesellschafter
Theegarten-Pactec, Sollich, Aasted sowie Winkler und Dünnebier. Hinzu kommen
Chocotech sowie die Partner Hänsel Processing, OKA und Proform. Entscheidend
ist das Prinzip: Mehrere Maschinenbauer, darunter Wettbewerber, nutzen eine
gemeinsame digitale Basis.
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Schluss mit der Plattformflut
Der Handlungsdruck ist klar: Maschinen werden stärker
vernetzt, Kunden erwarten digitale Services auf Abruf, und die Differenzierung
verschiebt sich in den Lifecycle. Der naheliegende Reflex vieler Hersteller ist
ein eigenes Kundenportal. Doch damit entstehen neue Inseln – mit eigenen
Logins, Oberflächen, Datenmodellen und Serviceprozessen.
Tim Hellwig, Geschäftsführer von SweetconnectRonja Prokosch
Aus Sicht der Betreiber ist das wenig attraktiv. In einer
Produktion stehen häufig Maschinen zahlreicher Hersteller. Wenn jeder OEM sein
eigenes Portal betreibt, steigt die Komplexität, während die Nutzung einzelner
Plattformen sinkt. Sweetconnect verfolgt deshalb einen anderen Ansatz: eine
Plattform, getragen von Maschinenbauern und aus der Branche heraus entwickelt. „Wir
wollen die digitale Kundenbeziehung in der Maschinenbauerhand behalten – und
sie nicht an Drittanbieter verlieren.“ Damit adressiert Hellwig einen
strategischen Kernpunkt: Wer den digitalen Zugang zur installierten Basis
kontrolliert, kontrolliert auch einen wesentlichen Teil des künftigen
After-Sales-Geschäfts.
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Daten allein reichen nicht
Ein zentrales Problem im digitalen Service liegt in der
geteilten Wissenslage. Der Maschinenbauer kennt seine Maschine, ihre Mechanik
und typische Störbilder. Ihm fehlen aber häufig die Betriebsdaten, weil Kunden
sie nicht freigeben oder Maschinen nicht angebunden sind. Der Betreiber
wiederum verfügt über Daten aus dem laufenden Betrieb, hat aber nicht immer das
tiefe Erzeugnisverständnis, um daraus belastbare Maßnahmen abzuleiten.
Sweetconnect soll diese Lücke schließen. Die Plattform
bietet einen Rahmen, in dem Betreiber Zugriff auf relevante Informationen
erhalten und OEMs ihr Maschinenwissen in digitale Services übersetzen können.
Entscheidend ist dabei die Datenarchitektur: getrennte Mandanten,
unidirektionaler Datenfluss und klare Datentrennung. Maschinendaten werden
gelesen und visualisiert, aber nicht zentral als gemeinsamer Datenpool
gespeichert. Das Knowhow bleibt beim jeweiligen OEM.
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Damit adressiert Sweetconnect einen der sensibelsten Punkte
kooperativer Plattformstrategien: Vertrauen. Wettbewerber können nur dann auf
derselben Infrastruktur arbeiten, wenn ihre Daten, Kundenbeziehungen und IP
sauber getrennt bleiben. Für Betreiber entsteht der Nutzen gerade dadurch, dass
sie herstellerübergreifend auf Informationen zugreifen können.
Vom QR-Code zur dynamischen Wartung
Der praktische Nutzen zeigt sich in den Anwendungen. Neue
Maschinen werden mit einem QR-Code versehen, der direkt zum konkreten digitalen
Asset führt. Der Kunde gelangt so an aktuelle Dokumentation, Schaltpläne und
Wartungsinformationen. Was früher als Papierdokumentation oder PDF in
verschiedenen Ablagen lag, wird maschinenspezifisch verfügbar.
Der nächste Schritt ist die Wartung. Ohne Datenanbindung
laufen Wartungsintervalle statisch nach Zeit. Wird die Maschine angebunden,
kann der Wartungsbedarf stärker an der tatsächlichen Nutzung ausgerichtet
werden. Damit wandelt sich Wartung von einem starren Plan zu einem
dynamischeren Prozess. Sweetconnect kann künftig nicht nur auf anstehende
Wartungen hinweisen, sondern auch benötigte Ersatz- und Verschleißteile,
Wiederbeschaffungszeiten und Bestellstatus berücksichtigen.
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Das ist besonders bei hochindividuellen Maschinen relevant.
Viele Anlagen haben geringe Wiederholraten bei Ersatzteilen, lange Lieferzeiten
und kundenspezifische Ausprägungen. Wenn der Betreiber erst zum Wartungstermin
feststellt, dass ein Teil fehlt, entsteht Stillstand. Die Plattform soll
deshalb frühzeitig signalisieren, welche Teile benötigt werden und ob eine
Bestellung rechtzeitig angestoßen werden sollte.
Aftermarket ohne Medienbruch
Ein weiteres Beispiel ist der Weg vom Serviceeinsatz zur
Ersatzteilbestellung. Lädt ein Techniker nach einem Einsatz den Montagebericht
auf die Plattform, kann dieser direkt mit Ersatzteilvorschlägen verbunden
werden. Der Kunde erhält den Bericht, sieht die empfohlenen Teile und gelangt
über Artikel-Links in den Webshop. Aus einem Servicebericht wird so ein
durchgängiger Prozess bis zur Nachbestellung.
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Für den Maschinenbauer ist das mehr als Komfort. Es geht
darum, Aftermarket-Umsatz zurück ins eigene Haus zu holen. Für den Betreiber
sinkt der Aufwand, weil Informationen, Empfehlungen und Bestellmöglichkeit
zusammengeführt werden. Hellwig formuliert den Nutzen bewusst pragmatisch: „Am
Ende möchte ich ja nur die Ersatzteile verkaufen – und damit mein Geld
verdienen oder einen guten Service bieten.“
KI als Assistenz für den Service
Auch KI ist in Sweetconnect bereits ein Thema – allerdings
nicht als Selbstzweck. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie Betreiber schneller
zu belastbaren Lösungsvorschlägen kommen. In vielen Produktionen wechselt
Personal häufig, Schichten sprechen unterschiedliche Sprachen, und bekannte
Fehler treten wiederholt auf. Gleichzeitig sind statische Hinweise in
Betriebsanleitungen schnell veraltet, weil Entwickler und Serviceexperten
längst bessere Lösungen kennen.
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Die KI-Assistenz soll deshalb bei bekannten Fehlercodes
aktuelle Lösungsvorschläge liefern, inklusive dokumentierter Quelle und
benötigter Teile. In Entwicklung sind zudem Funktionen, bei denen
Schwellwertüberschreitungen oder auffällige Fehlerdaten automatisch analysiert
und in kurzen Reports zusammengefasst werden. Der entscheidende Punkt liegt für
Hellwig nicht im KI-Framework selbst, sondern im OEM-Wissen dahinter. „Es
ist nicht die KI-Lösung, worin sich Maschinenbauer unterscheiden. Am Ende zählt
der Inhalt: Wie repariere ich diese konkrete Verpackungsmaschine?“
Von reaktiv zu proaktiv
Sweetconnect zahlt damit auf ein Ziel ein, das im
Maschinenbau seit Jahren diskutiert wird: weg vom reaktiven Service, hin zu
proaktiver Unterstützung. Statt erst nach einem Crash zu reagieren, sollen
Betreiber früher erkennen, wenn sich Performanceverluste, wiederkehrende Fehler
oder Wartungsbedarfe abzeichnen.
Besonders wertvoll wird das, wenn Maschinendaten, OEM-Wissen
und Serviceprozesse zusammenlaufen. Dann kann die Plattform nicht nur anzeigen,
dass ein Problem existiert, sondern auch einordnen, was zu tun ist. Bei
Hochleistungsmaschinen, die tausende Produkte pro Minute verarbeiten, kann
schon eine kleine Ursache große wirtschaftliche Auswirkungen haben.
Nach Angaben aus dem Vortrag sind bereits 933
Kundenstandorte und 8.311 Maschinen auf der Plattform angelegt. Damit ist Sweetconnect
kein Konzeptpapier mehr, sondern eine wachsende installierte Basis. Gerade sie
ist für Hellwig der entscheidende Hebel: „Die installierte Basis ist das
nächste Geschäft – nicht nur der nächste Maschinenverkauf, sondern die nächsten
zwanzig Jahre.“
Gemeinsame Infrastruktur, eigener Mehrwert
Ein häufiges Missverständnis bei gemeinsamen Plattformen ist
die Sorge, alle Anbieter würden dadurch austauschbar. Sweetconnect setzt
bewusst anders an: Die Infrastruktur wird geteilt, der Mehrwert bleibt
OEM-spezifisch. Hersteller können eigene Dashboard-Apps, Kennzahlen,
Serviceinhalte oder KI-Wissensbestände aufsetzen und sich darüber
differenzieren. Die Plattform vereinheitlicht also nicht das Angebot, sondern
senkt die Eintrittshürde für digitale Services.
Für Maschinenbauer bedeutet das geringere
Entwicklungskosten, geteilte Infrastruktur und schnellere Skalierung. Für
Betreiber entsteht ein zentralerer Zugang zu Dokumentation, Ersatzteilen,
Wartung und Support über mehrere Maschinen hinweg. Die Lehre aus Sweetconnect
ist deshalb klar: Plattformstrategien entfalten ihren Wert nicht durch
möglichst viele Funktionen, sondern durch Nutzung, Vertrauen und relevante
Inhalte.