Hintergründe zur Studie „Der Verpackungsmarkt im Wandel: Trends und Implikationen“

„Ziel ist es, auch in Zukunft Weltmarktführer zu bleiben“

Wie bleibt der Verpackungsmaschinenbau wettbewerbsfähig? André Philipp von Ensign Advisory und Martin Buchwitz vom Packaging Valley geben Einblicke in die Studie zum Markt im Wandel – von Regulierung und KI bis zu strategischen Chancen für OEMs.

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Was ist für Verpackungsmaschinenbauer heute wichtig, um auch morgen wettbewerbsfähig zu bleiben? Ensign Advisory und Packaging Valley gingen dieser Frage in einer Studie nach.
Was ist für Verpackungsmaschinenbauer heute wichtig, um auch morgen wettbewerbsfähig zu bleiben? Ensign Advisory und Packaging Valley gingen dieser Frage in einer Studie nach.

Redaktion: Zu Beginn vielleicht einmal ganz grundsätzlich: Warum hat das Packaging Valley die Studie in Auftrag gegeben, und welchen strategischen Zweck verfolgt sie?

Martin Buchwitz, Geschäftsführer beim Packaging Valley
Martin Buchwitz, Geschäftsführer beim Packaging Valley

Martin Buchwitz: Wir haben als Packaging Valley beobachtet, dass Markt und Managementthemen aufgrund der weltwirtschaftlichen Entwicklung und veränderter Wettbewerbssituation an Bedeutung gewonnen haben. Daraufhin haben wir uns auf den Weg gemacht, über konkrete Angebote nachzudenken. Dabei waren wir auch mit Ensign Advisory in Kontakt, die uns dann angeboten haben, auf eine für uns als Verein umsetzbare Weise eine Marktstudie Verpackungsmaschinenbau durchzuführen. Basierend auf anonymisierten Interviews mit Vertretern der Mitgliedsunternehmen und angereichert um allgemein zugängliche Marktinformationen.

Redaktion: Wie stark beeinflussen regulatorische Vorgaben wie die PPWR die strategische Ausrichtung der OEMs?

André Philipp, Associate Partner bei Ensign Advisory
André Philipp, Associate Partner bei Ensign Advisory

André Philipp: Regulatorische Vorgaben wie die PPWR sind bei den OEMs klar im strategischen Fokus und setzen grundsätzlich wichtige Impulse für die Ausrichtung ihrer Aktivitäten. Der aktuell wahrgenommene Handlungsdruck wird jedoch überwiegend als moderat eingeschätzt, da hinsichtlich der konkreten Ausgestaltung und praktischen Umsetzung noch Unsicherheiten bestehen. Gleichzeitig bleibt die Wirtschaftlichkeit ein zentraler Entscheidungsfaktor: Investitionen in nachhaltigere Lösungen werden vor allem dort priorisiert, wo sie neben der Erfüllung regulatorischer Anforderungen auch einen klaren ökonomischen Mehrwert bieten.

Zudem zeigen sich regional deutliche Unterschiede in der Relevanz und Dynamik regulatorischer Vorgaben. Entsprechend wirken sich diese derzeit eher differenziert auf die Strategien der OEMs aus, anstatt flächendeckend disruptiv zu sein.

Redaktion: Welche technologischen Trends verändern aktuell die Verpackungsprozesse am deutlichsten?

Philipp: Am deutlichsten verändern derzeit drei Entwicklungen die Verpackungsprozesse: erstens KI-gestützte Automatisierung, zweitens datenbasierte Vernetzung und drittens die zunehmende Standardisierung und Modularisierung von Maschinen und Software.

KI und Automatisierung reduzieren insbesondere die Abhängigkeit von fachlich hochqualifiziertem Bedienpersonal und wirken damit dem Fachkräftemangel entgegen. Datenbasierte Ansätze wie Predictive Maintenance oder KI-gestützte Parametrierung erhöhen zudem die Prozessstabilität und helfen, Stillstandszeiten zu reduzieren. Standardisierung und Modularisierung führen dazu, dass Maschinen schneller angepasst, integriert und betrieben werden können. Technologien wie automatische Formatverstellung, digitale Zwillinge und Simulation tragen wesentlich dazu bei, Rüstzeiten und Engineering-Aufwände zu reduzieren.

Redaktion: Davon abgeleitet: Wo sehen Sie die größten Chancen für OEMs?

Philipp: Die größten Chancen für OEMs liegen darin, die zentralen Themenfelder Automatisierung, Digitalisierung und KI, Nachhaltigkeit sowie internationale Wettbewerbsfähigkeit gezielt und proaktiv im Einklang mit den eigenen Fähigkeiten und Ressourcen zu adressieren. Entscheidend ist dabei, klare Prioritäten zu setzen und diese konsequent umzusetzen, insbesondere vor dem Hintergrund eines zunehmend volatilen Umfelds.

Auf dieser Grundlage entsteht insbesondere im Servicebereich erhebliches Potenzial. Standardisierte, modulare und datenfähige Maschinen ermöglichen es, Lifecycle-Services, Upgrades oder Refurbishments systematisch auszubauen und so zusätzliche, wiederkehrende Erlösquellen zu erschließen.

Gleichzeitig gewinnt Automatisierung weiter an Bedeutung. Sie stellt einen zentralen Hebel dar, um dem Fachkräftemangel zu begegnen, und ermöglicht darüber hinaus eine nachhaltige Steigerung von Effizienz, Qualität und Prozessstabilität.

Redaktion: Welche strategischen Prioritäten leitet Packaging Valley für die kommenden Jahre ab?

Buchwitz: Zunächst einmal ist festzustellen, dass die Bedeutung von Kooperation und Zusammenarbeit und – das ist in diesem Maße neu, auch das Verständnis dafür – in unserer Branche stark gestiegen sind. Das heißt praktisch, dass Netzwerke wie das Packaging Valley an Bedeutung gewinnen.

Die Studienergebnisse sowie die Ergebnisse einer parallel stattfindenden Mitgliederbefragung geben uns die notwendigen Informationen, um das Packaging Valley strategisch so zu positionieren, dass wir den Mitgliedsunternehmen Angebote schaffen können, die ihnen einen klaren Nutzen bringen. Ziel ist es diese dabei zu unterstützen, auch in Zukunft Weltmarktführer zu bleiben.

Redaktion: Gab es bei der Recherche oder in den Interviews überraschende Erkenntnisse, die so nicht erwartet wurden?

Philipp: Überraschend war vor allem, dass die Dringlichkeit der aktuellen Veränderungen nicht über alle Unternehmen hinweg gleichermaßen wahrgenommen wird. Viele Gesprächspartner gehen weiterhin von grundsätzlich robusten Geschäftsmodellen aus und sehen sich durch Spezialisierung und Innovationskraft gut im Wettbewerb positioniert. Gleichzeitig zeigen die Interviews, dass die zentralen Herausforderungen weniger in technologischen Grenzen liegen, sondern vielmehr in organisatorischen und strukturellen Themen wie Fachkräftemangel, Datenverfügbarkeit, Geschwindigkeit und fehlender Standardisierung. Diese Faktoren werden häufig als die eigentlichen Engpässe für Transformation und Skalierung wahrgenommen.

Redaktion: Was erwarten Sie von der Packaging Machinery Conference, bei der die Ergebnisse erstmals präsentiert werden?

Buchwitz: Wir werden die Ergebnisse auf der PMC 2026 nicht vollumfänglich präsentieren können, da die Studie erst im Laufe des Junis abgeschlossen sein wird, werden aber doch schon sehr spannende Einblicke geben können. Die Packaging Machinery Conference ist der richtige Platz für solche einen Sneak Peak, da dort viele Experten aus der Branche vor Ort sind. Wir freuen uns schon sehr auf die durch die Präsentation entstehenden Diskussionen. Die offizielle und vollumfängliche Präsentation findet im Rahmen des Packaging Valley C-Level-Meetings am 21. Juli statt.

Packaging Machinery Conference 2026

Termin: 16.–17. Juni 2026

Ort: Messezentrum Nürnberg

Die Packaging Machinery Conference ist der zentrale Branchentreffpunkt für den Verpackungsmaschinenbau. Sie bringt Entscheider aus dem Maschinenbau, der Automatisierung und der Anwendung zusammen, um aktuelle Herausforderungen und Zukunftsthemen der Verpackungsindustrie zu diskutieren.

Im Fokus stehen unter anderem Künstliche Intelligenz, Regulatorik, nachhaltige Verpackungskonzepte, Best Practices aus der Industrie sowie strategische Zukunftsfragen des Maschinenbaus.

Hochkarätige Keynotes, praxisnahe Vorträge und umfangreiche Networking Möglichkeiten – inklusive begleitender Fachausstellung und Abendveranstaltung – zeichnen das zweitägige Event aus.

Die Packaging Machinery Conference findet 2026 bereits zum dritten Mal statt und wird von Ultima Media (neue verpackung) in Kooperation mit der Nürnberg Messe (Fachpack) und dem Packaging Valley veranstaltet.

Zielgruppe: Entscheider und Fachleute aus Verpackungsmaschinenbau, Maschinen und Anlagenbau, Automatisierung, Digitalisierung sowie Anwenderindustrien.

Alle Informationen zum Event gibt es hier.