Welche Auswirkungen hat das EU-Indien-Freihandelsabkommen für den Verpackungsmaschinenbau?

„Schnellere Lieferketten und hoffentlich weniger Bürokratie“

Das EU Indien Freihandelsabkommen stärkt den deutschen Verpackungsmaschinenbau, wie Richard Clemens vom VDMA im Interview erklärt: weniger Zölle, schnellere Lieferketten und reduzierte Hürden für KMU. „Made in Germany“ gewinnt an Wettbewerbsfähigkeit – und Indien an strategischer Bedeutung.

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Das EU-Indien-Freihandelsabkommen ist beschlossen. Aber wer profitiert davon wie?
Das EU-Indien-Freihandelsabkommen ist beschlossen. Aber wer profitiert davon wie?

Redaktion: Herr Clemens, wie bewerten Sie das EU Indien Freihandelsabkommen grundsätzlich aus Sicht des deutschen Verpackungsmaschinenbaus?

Richard Clemens, Geschäftsführer Fachverband Nahrungsmittel- und Verpackungsmaschinen, VDMA
Richard Clemens, Geschäftsführer Fachverband Nahrungsmittel- und Verpackungsmaschinen, VDMA

Richard Clemens: Der Verpackungsmaschinenbau ist sehr exportorientiert. Da brauchen wir klare und berechenbare Rahmenbedingungen. Das Freihandelsabkommen zwischen Indien und der EU ist nicht nur eine willkommene Konjunkturhilfe, sondern setzt auch ein unübersehbares Signal für einen regelbasierten Handel in einer Welt, die zunehmend von Handelskonflikten dominiert wird.

Redaktion: Welche Bedeutung hat Indien heute bereits als Absatzmarkt für deutsche Verpackungsmaschinen – und wie könnte sich diese Position durch das Abkommen verändern?

Clemens: Indien ist ein wachstumsstarker und strategisch wichtiger Markt. In den vergangenen fünf Jahren hat sich der Export von Verpackungsmaschinen nach Indien mit einem Volumen von über 760 Mio. Euro nahezu verdoppelt, die Hauptplayer sind dabei China, Deutschland und Italien.

Das Freihandelsabkommen könnte die Investitionsbereitschaft in Indien zusätzlich beleben. Außerdem baut das Abkommen regulatorische Hürden ab und soll die Prozesse vereinfachen, sodass die Marktzugänge beschleunigt werden.

Redaktion: Durch das Abkommen sollen die Zölle für Maschinen teils deutlich sinken oder ganz entfallen. Welche unmittelbaren Effekte erwarten Sie dadurch für deutsche Hersteller?

Clemens: Die schrittweise weitgehende Abschaffung der Zölle – für Verpackungsmaschinen derzeit 7,5 % – verbessert die Wettbewerbsposition des deutschen Verpackungsmaschinenbaus, beispielsweise gegenüber China. Für China gilt nach wie vor der Standardzoll von 7,5 %.

Redaktion: Das neue Abkommen kann die Wettbewerbsposition von „Made in Germany“ gegenüber also stärken?

Clemens: Davon bin ich überzeugt. Durch die weitgehende Abschaffung der Zölle haben deutsche Verpackungsmaschinenlieferanten einen Wettbewerbsvorteil gegenüber China. Indien bietet daher mit Blick auf das doch eher schwierige Verhältnis zu China eine Option zum Derisking.

Ein Abkommen allein reicht jedoch nicht um die Wettbewerbsposition zu verbessern. Es müssten auch politischen Rahmenbedingungen geschaffen werden, um Indien auch als Produktionsstandort attraktiv zu machen. Dazu gehören beispielsweise die Standardharmonisierung und der Abbau technischer Hürden und eine gute Infrastruktur und Energiezuverlässigkeit.

Redaktion: Im Zuge des Abkommens sollen auf beiden Seiten spezielle Kontaktstellen eingerichtet werden, die KMU beim Export unterstützen werden. Fällt darunter auch die BIS-Zertifizierung?

Clemens: Eine BIS-Zertifizierung (Bureau of Indian Standards) ist für deutsche Unternehmen, die Produkte nach Indien exportieren, von entscheidender Bedeutung, da sie die Einhaltung der indischen Qualitäts- und Sicherheitsstandards gewährleistet und so einen reibungslosen Markteintritt ermöglicht.

Zwar übernehmen die KMU-Kontaktstellen die BIS-Zertifizierung nicht, aber sie unterstützen die Unternehmen bei technischen Anforderungen, beispielsweise mit Informationen, welche Teile BIS-pflichtig sind.

Redaktion: Welche kurzfristigen und langfristigen Entwicklungen erwarten Sie für den deutsch-indischen Maschinenbauhandel?

Clemens: Der Export deutscher Verpackungsmaschinen wird spürbar steigen, es wird schnellere Lieferketten geben und hoffentlich weniger Bürokratie. Die Markteintrittshürden für KMU werden geringer.

Da Indien eine stark wachsende Lebensmittel-, Verpackungs- und Pharmaindustrie hat, haben unsere Mitgliedsunternehmen das Land schon länger im Fokus – nicht nur als wachstumsstarkes Zielland, sondern auch als konkurrenzfähigen Produktionsstandort.

Redaktion: Welche Empfehlungen geben Sie Ihren Mitgliedsunternehmen: Wie sollten sie sich jetzt strategisch aufstellen, um vom Abkommen optimal zu profitieren?

Clemens: Da Indien nur Maschinen mit nachweisbarem EU‑Ursprung Zollfreiheit oder Zollsenkungen gewährt, ist es wichtig für Unternehmen, zu prüfen, ob ihre Maschinen vollständig in der EU hergestellt oder ausreichend in der EU be- oder verarbeitet wurden, ob sie also den Ursprungsregeln (RoO) entsprechen.

Das heißt, kritische Bauteile müssen geprüft werden, ob sie aus der EU stammen und gegebenenfalls müssen Unternehmen ihren Einkauf umstellen auf Bezugsquellen aus der EU.

Natürlich gehört zu einer strategischen Ausrichtung auch dazu, den Vertrieb und Service in Indien auszubauen und sich dort durch eine solide Positionierung im Markt zu sichern.

Richard Clemens auf der Packaging Machinery Conference

Unser Interview-Partner Richard Clemens ist auch in diesem Jahr in seiner Funktion als Fachbeirat aktiv an der Gestaltung des Programms der Packaging Machinery Conference beteiligt – und wird auch wieder die Keynote zur Eröffnung der Veranstaltung halten.

Alle Infos zum Event gibt es unter https://www.packaging-machinery-conference.de/