Im Maschinenbau sorgt Security für Unruhe – nicht zuletzt wegen der neuen Maschinenverordnung ab 2027. Viele fürchten komplexe Maßnahmen und hohe Kosten. Doch René Heidl von Indu-Sol relativiert: Oft ist weniger neu als gedacht. Mit der richtigen Perspektive lassen sich viele Herausforderungen überraschend einfach und kostengünstig lösen.
Dipl.-Wirt. Ing. Alex HomburgDipl.-Wirt. Ing. AlexHomburgRedaktionsbüro Stutensee
5 min
Nur wer grob fahrlässig handelt, verliert den Versicheerungsschutz.OpenAI
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Was ist das Ziel von Security-Maßnahmen, die in der
Maschinenverordnung, dem Cyber Resilience Act oder NIS2 gefordert werden? Viele
denken schnell an den Schutz vor russischen Hackerangriffen oder Ähnlichem; also
an hochkompetente Angreifer mit einer hohen Motivation, Schaden anzurichten. Dieses
Szenario führt zu Angst und diese eher zu einem Erstarren als zu positivem
Handeln. Ein genauerer Blick in die Maschinenverordnung zeigt allerdings, dass
diese Angst in der Regel unbegründet ist, weil sie den Großteil der
Maschinenbauer nicht betrifft.
Sieben Maßnahmen der IEC 62443 mit der die notwendigen Safety Level erreicht werden können.Indu-Sol
Raus aus der Kaninchenstarre
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Der Aufwand für die Vernetzung
in automatisierten Maschinen/Anlagen nimmt stetig zu. Die
Connectivity-Anforderungen der fortschreitenden Digitalisierung stellen die
Automatisierer vor schier unlösbare Aufgaben und erhöhen die Kosten. Gut
gestaltete Netzwerke gewährleisten die notwendige Connectivity bei gleichzeitig
hoher Security und geringen Kosten. Für derartige OT-Netzwerke sieht sich
Indu-Sol als kompetenter Partner, angefangen von Netzwerkconsulting/-planung
über die Lieferung von Komponenten (Infrastruktur und Diagnose) bis hin zur
Unterstützung bei Inbetriebnahme, Wartung und Fehlersuche. Praxisorientierte
Schulungen komplettieren das Angebot
René Heidl, Geschäftsführer Technik & Entwicklung bei der Indu-Sol GmbHIndu-Sol
Das Thema Security ist an sich nichts Neues. Ähnliches hat der
Maschinenbau bereits erlebt in Bezug auf die elektrische Sicherheit von
Maschinen oder die Safety von Industrieanlagen. Bevor es hier rechtliche
Vorgaben gab, wurde elektrische Sicherheit beziehungsweise Safety bei der
Entwicklung von Maschinen und Anlagen kaum berücksichtigt. Es kam zu Schäden,
Verletzungen oder gar Todesfällen. Diese führten einerseits zu Forderungen von
Ausgleichszahlungen, andererseits aber auch zur Verbesserung der Sicherheit. Diese
wurde unter anderem von Versicherungen vorangetrieben, deren Interesse am
Auszahlen von Schadensersatzzahlungen naturgemäß gering ist. Es entstand über
Richtlinien, Gesetze und Verordnungen ein Stand der Technik, an den sich
Maschinenbauer fortan halten mussten. Eine Risikobetrachtung in Bezug auf die
elektrische Sicherheit oder die Safety einer Maschine oder Anlage zum
Abschätzen benötigter Schutzmaßnahmen ist für einen Maschinenbauer heute nichts
Fremdes, ebenso wie das Einhalten von Performance Leveln (PL a bis e) oder
Safety Integrity Leveln (SIL 1 bis 4). Sehr ähnlich verhält es sich im Grunde
ab Januar 2027 mit den Security Leveln. Bislang führten mangelnde Security-Maßnahmen
nicht zu rechtlichen oder finanziellen Konsequenzen bei Maschinenbauern. Die
Versicherungen übernahmen die Schadensersatzzahlungen. Mit Inkrafttreten der
Maschinenverordnung tun sie das nur noch dann, wenn der Maschinenbauer nachweisen
kann, dass er in Bezug auf seine Security-Maßnahmen nicht grob fahrlässig
gehandelt hat. Das schafft ein Maschinenbauer aber leichter als gedacht.
Überblick über die Safety-Level und jeweiligen Angreiferprofile.OpenAI
Security Level verstehen
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Auch in Bezug auf die Security steht eine Risikobewertung am
Anfang und zwar nach der IEC 62443. Diese ermittelt ein Target Security Level
(SL-T), also das Schutzniveau, das von dem System mindestens gefordert ist.
Ähnlich wie beim SIL definieren auf der anderen Seite Hersteller für ihre
Komponenten eine Security-Level-Capability (SL-C), also welches Niveau die
Komponente in Bezug auf Security erreichen kann. Dann schlägt die IEC 62443
sieben Maßnahmen vor, mit deren Hilfe die geforderten Security-Level erreicht
werden können (Bild 1). Die Komponente allein muss es allerdings nicht „richten“,
sondern sie ist wiederum Teil des gesamten Systemdesigns (Achieved Security
Level – SL‑A), das ebenfalls Einfluss nehmen kann auf die Security. Kurz
gesagt: Der geforderte Target-Security-Level muss vom Achieved-Security-Level
abgedeckt werden. Die Komponente spielt dabei eine wichtige, aber nicht die
einzige Rolle. René Heidl (Bild 2) fragt: „Was ist denn aber, wenn der
geforderte Security-Level deutlich geringer ist, als viele denken? Das eingangs beschriebene Szenario mit den russischen
Hackern wäre ein SL4, die meisten Anwendungen in der Industrie fordern aber
höchsten SL2, manche vielleicht auch SL3 wie die SL-Grafik in Bild 3 zeigt.“
Betrachten wir dazu den SL2 anhand eines Beispiels. Hier geht
es um den „Schutz vor vorsätzlichem Missbrauch“ mit folgendem
Angreiferprofil: Angreifer mit einfachen Mitteln, geringen Ressourcen,
allgemeinen Fähigkeiten und niedriger Motivation. „Welchen Grund hätte ein
Angreifer, z.B. die Temperatur eines Kessels aufwändig aus einem SPS-Protokoll auszulesen?“,
fragt Heidl und antwortet gleich darauf: „Vielleicht, um die Temperatur zu
manipulieren und damit die Produktionscharge zu zerstören? Aber was hätte er
davon? Davon mal abgesehen, gelänge ihm das nicht mit einfachen Mitteln. Er
müsste einen Spiegelport an einem Switch einrichten können und sich dann per
Wireshark einhacken, um den Datenverkehr auszulesen und anschließend zu
manipulieren. Das macht man nicht mit allgemeinen Fähigkeiten, geringen
Ressourcen und einfachen Mitteln. Und andersrum gesagt: Wer über die nötigen Mittel
verfügt, hätte keinerlei Interesse am Angriff, weil es keinen Nutzen bringt.“ Die
meisten Industrieanlagen sind vor diesem Hintergrund für externe Hacker schlicht
uninteressant. Anders sieht das aus, wenn man zum Beispiel wertvolle Rezepte,
personenbezogene Daten oder dergleichen stehlen kann. Aber dieses Problem
betrifft nur den kleinsten Teil industrieller Anlagen.
Anders als in der Büro-Welt ist es in der OT-Welt kaum möglich, den Zugang zum Netzwerk physisch zu unterbinden. Switches sitzen in Schaltschränken, die sich per Schaltschrankschlüssel einfach öffnen lassen.Indu-Sol
Schlimmster anzunehmender SL2-Angreifer
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Ohnehin wäre das Absichern eines Angriffs von außen Sache
derjenigen, die die Lösung für den Fernzugriff bereitstellen, nicht der internen
Netzwerkkommunikation und die Connectivity von „außen“ endet heute noch in 95%
aller Fälle an der SPS, ohne direkte Verbindung in das Maschinennetzwerk.
Interessanter ist es daher, einen Blick auf den schlimmsten anzunehmenden
Level-2-Angreifer zu werfen. Der kommt nämlich nicht von außerhalb des
Unternehmens, sondern von innen. Heidl beschreibt: „Denken Sie an einen
Mitarbeiter, dem aus seiner Sicht zu Unrecht gekündigt wurde und der nun sauer
ist. Ihm ist es ein Leichtes, sich über den USB-Port seines Handys, oder mit
einem Laptop, ans Maschinennetzwerk anzuschließen und unbewusst (da SL 2,
„allgemeine Mittel und Fähigkeiten“) z.B. einen Windows-Wurm einzuschleusen,
welcher den Visualisierungs-PC lahmlegt.“ Anders als in der Büro-Welt ist es in
der OT-Welt nämlich kaum möglich, den Zugang zum Netzwerk physisch zu
unterbinden. Switches sitzen in Schaltschränken, die sich per
Schaltschrankschlüssel einfach öffnen lassen (Bild 4) und an den Enden von
Linien sitzen an vielen Stellen in der Maschine/Anlage, Profinet-Geräte mit
einem offenen Port. Heidl ergänzt: „Anhand des Beispiels wird deutlich, wie
wenig Sinn es ergibt, in Trusted Zones und Untrusted Zones zu unterscheiden. Viel
wichtiger ist es, solche Eingriffe von Internen ins Netzwerk zu erkennen und
darauf rechtzeitig zu reagieren.“
Über Indu-Sol
Der Aufwand für die Vernetzung
in automatisierten Maschinen/Anlagen nimmt stetig zu. Die
Connectivity-Anforderungen der fortschreitenden Digitalisierung stellen die
Automatisierer vor schier unlösbare Aufgaben und erhöhen die Kosten. Gut
gestaltete Netzwerke gewährleisten die notwendige Connectivity bei gleichzeitig
hoher Security und geringen Kosten. Für derartige OT-Netzwerke sieht sich
Indu-Sol als kompetenter Partner, angefangen von Netzwerkconsulting/-planung
über die Lieferung von Komponenten (Infrastruktur und Diagnose) bis hin zur
Unterstützung bei Inbetriebnahme, Wartung und Fehlersuche. Praxisorientierte
Schulungen komplettieren das Angebot.
Der Promesh Diagnose-Switch ist derzeit der einzige managed OT-Switch am Markt, der eine Meldung absetzen kann, wenn eine neue MAC-Adresse im Netzwerk auftaucht.Indu-Sol
Diese Erkenntnisse führen zu einer zweiteiligen Lösung. Erstens
müssen Maschinenbauer in Bezug auf ihre OT-Netzwerkkommunikation glaubhaft
nachweisen können, dass sie eine Security-Risikoanalyse durchgeführt haben, die
zur Erkenntnis führt, dass im konkreten Fall beispielsweise ein Security Level
2 benötigt wird. „Das ist kein Hexenwerk“, berichtet Heidl. „Dennoch unterstützen
wir unsere Kunden gern auch beim Erstellen des Nachweises.“ Zweitens müssen
dann die notwendigen Maßnahmen umgesetzt werden. Im beschriebenen Fall ginge es
dabei um Lösungen, die den Angreifer zeitnah entdecken und aufgreifen lassen,
um im besten Fall den Schaden zu vermeiden und im schlimmsten Fall für einen
Schaden haftbar machen zu können. „Auch das ist leichter als gedacht“, weiß
Heidl. „Ich kann ja sehr genau sagen, welche Geräte
Teil meines Netzwerks sind und welche neu hinzukommen. Jeder Managed Switch hat
einen Überblick über alle vergebenen MAC-Adressen im Netzwerk. Derzeit sind
unsere Switches jedoch die einzigen am Markt, die eine Meldung absetzen können,
wenn eine neue MAC-Adresse im Netzwerk auftaucht. Natürlich können wir das auch
mit unserer Software Promanage oder dem Profinet-Inspektor überwachen, samt
weiterer interessanter Informationen. Aber in den meisten Fällen ist ein Promesh
Diagnose-Switch die ausreichende und kostengünstigste Lösung (Bild 5). Genau
genommen entstehen keine zusätzlichen Kosten, weil ein Switch für die
Netzwerkkommunikation ohnehin benötigt wird.“
Security einfach mal einfach
Die vorherrschende Angst in Bezug auf die
Maschinenrichtlinie ist, dass eine Anlage durch die Umsetzung von
Security-Maßnahmen im fünfstelligen Bereich teurer wird. Da in einem Großteil
der Maschinenbauanwendungen aber keine personenbezogenen Daten oder wertvolle
Informationen wie patentierte Rezepte übertragen werden, ist das meist nicht
der Fall. Heidl resümiert: „Es ergibt ja keinen Sinn, eine Latzhose mit
Hosenträger und Gürtel abzusichern. Wichtig ist jedoch, dass Maschinenbauer
jetzt endlich aus dem Knick kommen und konkrete Lösungen entwickeln. Wir
beraten gerne dabei, welche Lösung in jeweiligen Fall sinnvoll ist oder übernehmen auf Wunsch auch die
Risikobewertung.“
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Packaging Machinery Conference 2026
Termin: 16.–17. Juni 2026
Ort: Messezentrum Nürnberg
Die Packaging Machinery Conference ist der zentrale Branchentreffpunkt für den Verpackungsmaschinenbau. Sie bringt Entscheider aus dem Maschinenbau, der Automatisierung und der Anwendung zusammen, um aktuelle Herausforderungen und Zukunftsthemen der Verpackungsindustrie zu diskutieren.
Im Fokus stehen unter anderem Künstliche Intelligenz, Regulatorik, nachhaltige Verpackungskonzepte, Best Practices aus der Industrie sowie strategische Zukunftsfragen des Maschinenbaus.
Hochkarätige Keynotes, praxisnahe Vorträge und umfangreiche Networking Möglichkeiten – inklusive begleitender Fachausstellung und Abendveranstaltung – zeichnen das zweitägige Event aus.
Die Packaging Machinery Conference findet 2026 bereits zum dritten Mal statt und wird von Ultima Media (neue verpackung) in Kooperation mit der Nürnberg Messe (Fachpack) und dem Packaging Valley veranstaltet.
Zielgruppe: Entscheider und Fachleute aus Verpackungsmaschinenbau, Maschinen und Anlagenbau, Automatisierung, Digitalisierung sowie Anwenderindustrien.