Studie zum 11. Tag der Verpackung

Das denkt und weiß Deutschland über Verpackungen

Die Deutschen erwarten viel von ihren Verpackungen – und bewerten sie im Durchschnitt überwiegend gut oder sehr gut. So ein Ergebnis der repräsentativen Studie, die das Deutsche Verpackungsinstitut e. V. (DVI) gemeinsam mit elf Branchenverbänden durchführen ließ. Doch es gibt auch deutlich Handlungsbedarf.

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Die Deutschen sind durchaus zufrieden mit den Verpackungen.

„Es ist eine materialübergreifende Rekord-Kombination mit elf Verbänden“, würdigte Natalie Brandenburg, Geschäftsführerin des DVI das gemeinsame Vorgehen auf der Pressekonferenz. Bei der Umfrage zum Thema Verpackung sollten fünf Fragen beantwortet werden. Befragt wurden in Deutschland rund 1000 Menschen im Alter von 18 bis 79 Jahren.

Gefragt, welche Aspekte aus persönlicher Sicht zu den Top-5 gehören, dominieren bei den Funktionen die Sicherstellung der Hygiene (37,6 %), das einfache Öffnen, Verwenden und Wiederverschließen (33,1 %), der Schutz des Produkts vor Schäden (32,6 %) und die Verlängerung der Haltbarkeit (32,1 %).

Sparsamkeit beim Material rangiert hinten.

Blickt man übergeordnet auf die Erwartungen, die die Deutschen insgesamt an eine Verpackung stellen, steht unter allen 13 abgefragten Aufgaben und Erwartungen die Recyclingfähigkeit klar auf Platz eins. Für 48 % gehört sie zu den Top-5-Erwartungen an eine Verpackung. Auf Platz zwei folgt der sparsame Einsatz von Verpackungsmaterial (40,3 %). Aber auch möglichst geringe Umweltauswirkungen (36,1 %) und – wo das ökologisch und praktisch sinnvoll ist – die Mehrwegfähigkeit (33,3 %) sind Teil der Gesamt-Top-5.

Umweltbezogene Aspekte dominieren

 „Es zeigt sich, dass Nachhaltigkeit und Kreislaufwirtschaft für die Deutschen weiterhin eine sehr große Rolle spielen. Die Verpackung hat hier traditionell eine Leuchtturmfunktion, weil wir sie täglich nutzen und in den Händen halten. Wenn vier der Top-5-Erwartungen an eine Verpackung aus dem Bereich Nachhaltigkeit und Kreislaufwirtschaft kommen, dann ist das ein klares Statement“, so Natalie Brandenburg im Namen der Verbändegemeinschaft. „Gleichzeitig wissen die Bürgerinnen und Bürger um den wichtigen Job, den Verpackungen rund um Produktschutz, Hygiene und Sicherheit übernehmen. Auch in diesen Bereichen gibt es einen klaren Auftrag an die Verpackung.“

Allerdings, das räumte Natalie Brandenburg ein, gibt es durchaus einen Gap zwischen dem Wunsch nach nachhaltigen Verpackungen und dem tatsächlichen Kaufverhalten. Mehr Geld wollen wenige Konsumenten und Konsumentinnen dafür investieren, räumte Brandenburg ein. Am ehesten seien jüngere und wohlhabende Menschen dazu bereit, so die Verbandsfrau mit Verweis auf andere Studien.

Das Handling könnte besser sein

Auf die Frage, wie gut die Verpackungen die jeweiligen Aufgaben und Erwartungen im Alltag erfüllen, geben die Deutschen im Durchschnitt meist ein gutes bis sehr gutes Zeugnis. Bei den 13 abgefragten Aspekten entfallen die ersten drei Plätze in der Zufriedenheitsskala auf die Sicherstellung von Hygiene (sehr gut oder gut: 81,7 %), den Produktschutz (sehr gut oder gut: 78,18 %) und die Verlängerung der Haltbarkeit (sehr gut oder gut: 70,3 %). Jeweils fast 70 % fühlen sich gut oder sehr gut durch Verpackung informiert (69,6 %) und beim Einkauf unterstützt (Wiederauffindbarkeit im Regal 68,3 %).

Interessant: „Nur eine knappe Mehrheit von 52,5 % der Menschen beurteilt das leichte Öffnen, Verwenden und Wiederverschließen mit gut oder sehr gut. Zwar sprechen nur 12,9 % davon, dass ihre Verpackungen diese Aufgabe schlecht oder sehr schlecht lösen, aber das ist trotzdem nicht der Anspruch unserer Branche. Hier gibt es offensichtlich Nachholbedarf, wobei die funktionierenden Lösungen existieren – aber vielleicht konsequenter eingesetzt werden müssen“, so Brandenburg.

Besser als gedacht: die Recyclingquoten von Verpackungen.

Es braucht mehr Aufklärung

Den zweiten Auftrag an die Branche sieht die Geschäftsführerin im Bereich der Kommunikation: „Der sparsame Einsatz von Verpackungsmaterial wurde lediglich von 35,6 % mit gut oder sehr gut bewertet. Das ist das schlechteste Zeugnis aller 13 Aspekte und wirklich bedenklich – denn die Realität sieht ganz anders aus. Wir benötigen deutlich weniger Material und Ressourcen als früher, um unsere Produkte zu verpacken. Diesen Fakt müssen wir als Branche viel deutlicher machen.“

Nicht nur, wenn es um den Ressourcen-Verbrauch von Verpackungen geht. Die Ergebnisse machen deutlich, dass es auch bei anderen Themen wie der Recyclingfähigkeit diverser Materialien oder dem Verpackungsaufkommen bei den Produkten signifikante Fehleinschätzungen der Befragten gibt und es demzufolge noch mehr an Kommunikation im Sinne von Aufklärung braucht.

Fehleinschätzungen bei den Recyclingquoten

Von Papier und Karton über Metall und Glas bis zu Kunst- und Verbundstoffen: In Deutschland werden Verpackungen nach Gebrauch gesammelt, um sie wiederzuverwerten. Das Ziel der Kreislaufwirtschaft: Rohstoffe sollen erhalten werden und nicht verloren gehen. Bei der Frage, wie viele der eingesammelten Verpackungen so recycelt werden, dass daraus erneut Verpackungen oder andere Produkte entstehen können, unterschätzen mehr als zwei Drittel der Deutschen die Realität – und das über alle Materialien hinweg. Nur 31,2 % wissen, dass Glas zu über 80 % recycelt wird (2024: 82,9 %). Auch bei Papier, Pappe und Karton schätzen nur 31,2 % die Recyclingquote von über 80 % richtig ein (2024: 91,8 %). Das gilt auch für Metall, wo 83,4 % an eine Recyclingquote unter 80 % glauben, wobei Metall in Wirklichkeit die höchste Recyclingquote insgesamt aufweist. Bei Kunststoff vermuten 67,5 % eine Recyclingquote von unter 60 % (Realität 2024: 70,8 %). Bei Verbundstoffen glauben 70,7 % an eine Recyclingquote von unter 60 % (Realität 2024: 69,5 %).

Das Fazit der Verbände: „Unsere Bürger und Bürgerinnen können stolz auf das sein, was sie für die Kreislaufwirtschaft leisten.“ Dass am Ende alles, was vorher getrennt gesammelt wurde, am Ende wieder zusammengeschüttet und verbrannt werde, sei ein Mythos“, betont Brandenburg.

Es wird weniger Material eingesetzt

Gefragt, ob wir heute im Vergleich zu vor 10, 20 oder 30 Jahren mehr oder weniger Verpackungsmaterial benötigen, um ein Produkt zu verpacken, schätzten nur 18,2 % der Befragten die Sache richtig ein: Wir brauchen heute weniger oder sogar viel weniger Verpackungsmaterial pro Produkt. Im Durchschnitt, das zeigt eine Studie der Gesellschaft für Verpackungsmarktforschung aus dem Jahr 2022, konnten wir 2020 im Vergleich zu 1991 bei Verpackungen aus Papier, Pappe und Karton 17 % Material einsparen, bei Aluminium 38,5 %, bei Glas 6,9 % und bei Kunststoffverpackungen sogar 76,9 %.

Natalie Brandenburg: „Zum Tag der Verpackung 2022 haben wir nicht nur die Gesamtmenge der verbrauchten Verpackungsmaterialien und der verpackten Produkte verglichen, sondern wir haben uns auch konkrete Beispiele angeschaut. So wurde eine Aluminiumschale mit 100 Gramm Katzenfutter 2020 mit 29 % weniger Material produziert als 1991. Eine Weinflasche kam mit 23,5 % weniger Glas aus. Eine Zahnpastatube aus Kunststoff benötigte 18,9 % weniger Material. Und die Innovationen gehen weiter. Auch beim Einsatz von Energie oder Wasser arbeiten die Unternehmen immer effizienter. Als Verbraucherin oder Verbraucher denken wir oft an das eine Negativbeispiel oder die kleine Dose im riesigen Versandkarton. Insgesamt aber haben wir zwar immer mehr Produkte, aber immer weniger Verpackung pro Produkt.“

Der Materialeinsatz wird massiv überschätzt.

Klimawirkung geringer als gedacht

Eine der wichtigsten Aufgaben der Verpackung ist der Schutz des verpackten Produkts. Diese Leistung kommt nicht ganz umsonst, denn jede Verpackung verbraucht bei ihrer Herstellung Material, Energie und andere Ressourcen. Die Frage ist, ob sich der Aufwand lohnt. Genauer gesagt: Was passiert, wenn wir auf die Verpackung verzichten und dafür das Produkt verdirbt oder kaputt geht? Hat die Verpackung den größeren ökologischen Fußabdruck oder das verpackte Produkt? Die Umfrage zeigt, dass nur knapp einer von fünf Deutschen das Verhältnis richtig einschätzt. 19,5 % wissen, dass die Verpackung im Durchschnitt einen deutlich kleineren ökologischen Fußabdruck hat als das verpackte Produkt. Mehr als zwei Drittel der Deutschen schätzt es falsch ein. 41,3 % vermuten den größeren Fußabdruck bei der Verpackung. 31,2 % glauben, dass der Fußabdruck ungefähr gleich groß ist.

Der ökologische Fußabdruck von Verpackungen ist vergleichsweise klein.

Natalie Brandenburg weist darauf hin, dass „im Durchschnitt nur 3,0 bis 3,5 % der Klimawirkungen verpackter Lebensmittel durch die Verpackung entstehen. In unseren Produkten stecken viele wertvolle Rohstoffe, Energie, Wasser und andere Ressourcen. Das sind ökologische und ökonomische Schätze, die wir schützen müssen. Die Verpackung macht das mit einem minimalen Aufwand. Vielen ist das gar nicht bewusst. Dabei ist ganz klar: Der wirkliche Schaden für die Umwelt und unseren Geldbeutel entsteht dann, wenn das Produkt verdirbt oder kaputt geht. Die Verpackung schützt uns genau davor.“

Die Kooperation

Als Verbände beteiligt sind Aluminium Deutschland e. V., AVU Allianz Verpackung und Umwelt, Bundesverband Glasindustrie e. V., Die Papierindustrie e. V., DFTA Flexodruck Fachverband e. V., Fachverband Faltschachtel-Industrie e. V. (FFI), Flexible Packaging Europe, IK Industrievereinigung Kunststoffverpackungen e. V., IPV Industrieverband Papier- und Folienverpackungen e. V., VDW Die Wellpappenindustrie und der Verband Metallverpackungen e. V. (VMV). In Kooperation mit elf Hochschulen entstand zudem eine Videokampagne, in deren Rahmen Studierende, Azubis und Alumni verpackungsnaher Studiengänge und Ausbildungsberufe erzählen, warum sie aus Verpackung ihren Beruf machen.