Aktionsprogramm Kreislaufwirtschaft der Bundesregierung

Verbände fordern mehr Verbindlichkeit

Die Bundesregierung hat ihr Aktionsprogramm zur Umsetzung der Nationalen Kreislaufwirtschaftsstrategie beschlossen. In der Wirtschaft, der Recyclingbranche und bei Umweltorganisationen stößt der Schritt grundsätzlich auf Zustimmung. Zugleich fehlt es nicht an Kritik

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Lässt sich mithilfe des Programms die Kreislaufwirtschaft vorantreiben? Die Akteure zweifeln.

Mit dem Aktionsprogramm zur Umsetzung der Nationalen Kreislaufwirtschaftsstrategie will die Bundesregierung den Übergang zu einer ressourcenschonenderen Wirtschaftsweise beschleunigen. Das Bundeskabinett hat das Programm am 3. Juni 2026 beschlossen. Es bündelt Maßnahmen, die bis Ende 2027 angestoßen oder umgesetzt werden sollen. Dazu zählen unter anderem Investitionsförderung, Digitalisierung, der Abbau bürokratischer Hemmnisse, eine stärkere Nutzung von Sekundärrohstoffen sowie Vorgaben für eine zirkuläre öffentliche Beschaffung.

Das Aktionsprogramm braucht deutlich mehr Verbindlichkeit und echte Marktanreize."

Dr. Christine bunte, Hauptgeschäftsführerin Plastics Europe Deutschland

„Angesichts der sich verlangsamenden Transformation zur Kreislaufwirtschaft, insbesondere bei Kunststoffen in Europa, und des wachsenden globalen Wettbewerbs braucht das Aktionsprogramm deutlich mehr Verbindlichkeit und echte Marktanreize“, sagt Hauptgeschäftsführerin von Plastics Europe Deutschland Dr. Christine Bunte.

Das Aktionsprogramm adressiere zentrale Themen wie den Rezyklateinsatz, den Einsatz biobasierter und bioabbaubarer Kunststoffe sowie den Rezyklateinsatz in Verpackungen und Fahrzeugen. Gleichzeitig bleibe es weitgehend auf der Ebene von Prüfaufträgen und allgemeinen Zielsetzungen stehen. Damit erfülle das Programm zwar formal die Vorgaben des Koalitionsvertrags, gehe jedoch kaum über bestehende Ansätze hinaus.

Plastics Europe Deutschland: kein struktureller Markausbau 

Begrüßenswert seien die angekündigten Investitionen in die Kreislaufwirtschaft, welche unter anderem für Pilot- und Demonstrationsprojekte sowie Start-ups bereitgestellt werden sollen. Aus Sicht der Industrie reiche Innovationsförderung jedoch allein nicht aus. Entscheidend für die Transformation sei ein funktionierender Markt für Sekundärrohstoffe mit verlässlicher Nachfrage, stabilen regulatorischen Rahmenbedingungen und langfristiger Investitionssicherheit.

Mit Blick auf die absehbare Rezyklatlücke ab 2030 greife der Ansatz zu kurz, so ein weiterer Kritikpunkt von Plastics Europe Deutschland. Das Aktionsprogramm setze stark auf künftige europäische Vorgaben, ohne nationale Maßnahmen ausreichend zu konkretisieren. Die vorgesehene, zeitlich begrenzte Ansparphase könne kurzfristig Impulse setzen, ersetze jedoch keinen strukturellen Marktausbau.

Öffentliche Beschaffung bleibt ungenutzter Hebel

Ein zentraler Hebel zur Stärkung der Kreislaufwirtschaft, die öffentliche Beschaffung, werde zudem im Aktionsprogramm nicht konsequent genutzt, heißt es weiter beim Verband. Es fehlten: verbindliche Vorgaben für den Einsatz von Rezyklaten, klare Zielgrößen und eine breite Anwendung über zentrale Sektoren hinweg. Damit bleibe eine wichtige Möglichkeit ungenutzt, gezielt Nachfrage zu schaffen und Märkte zu stabilisieren.

Auch beim chemischen Recycling bleibe das Aktionsprogramm hinter den Erwartungen zurück. Über bestehende Projekte hinaus fehlten klare Anreize für den Ausbau, ein nachvollziehbarer Entwicklungspfad und verbindliche Aussagen zur Anerkennung von Rezyklaten. Ohne diese Klarheit seien die angestrebten Rezyklateinsatzquoten, insbesondere in anspruchsvollen Anwendungen wie Lebensmittelverpackungen, kaum erreichbar sein.

Kritik auch von Entsorgern und Umweltverbänden

Der Bundesverband der Deutschen Entsorgungs-, Wasser- und Kreislaufwirtschaft (BDE) sieht im Aktionsprogramm eine Chance, Kreislaufwirtschaft stärker als industriepolitisches Instrument zu verankern – auch mit Blick auf Rohstoffsicherheit, Standortresilienz und Klimaschutz. Entscheidend sei jedoch die konkrete Umsetzung. Kritisch bewertet der Verband, dass viele Maßnahmen zunächst programmatisch bleiben. Besonders bei der öffentlichen Beschaffung sieht der BDE Nachbesserungsbedarf.

Aus Sicht des Der Bundesverband Sekundärrohstoffe und Entsorgung (bvse) fehlen insbesondere messbare Zielgrößen und verbindliche Zwischenziele für den Einsatz von Sekundärrohstoffen. Ohne verbindliche Nachfrageimpulse könnten Investitionen in Recyclingkapazitäten, Sortiertechnik und hochwertige Aufbereitung schwerer zu kalkulieren sein.

 Umweltorganisationen bewerten das Aktionsprogramm ebenfalls als Schritt in die richtige Richtung, halten es aber für nicht ausreichend. Der WWF kritisiert, dass konkrete Zielwerte und Zwischenziele zur Reduktion des Primärrohstoffverbrauchs fehlen. Damit bleibe ein zentrales Leitbild der Nationalen Kreislaufwirtschaftsstrategie politisch nicht ausreichend abgesichert. Der Naturschutzbund Deutschland (NABU) hatte im Vorfeld ebenfalls verbindlichere Regeln für eine umweltfreundliche öffentliche Beschaffung gefordert. Der Staat könne durch sein Einkaufsvolumen Märkte für kreislauffähige Produkte stärken. Voraussetzung seien jedoch klare ökologische Kriterien und eine konsequente Anwendung in Vergabeverfahren.

Die Kritik vieler Akteure trifft vor allem den Punkt der öffentlichen Beschaffung. Bund, Länder und Kommunen könnten durch Vorgaben zu Recyclingfähigkeit, Rezyklatanteilen, Wiederverwendbarkeit und Reparierbarkeit stabile Märkte schaffen, heißt es.

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