Der entscheidende Faktor im digitalen Einkaufserlebnis
Studie: Verpackung wird im E-Commerce zum Kaufargument
Mit dem Einsatz von KI verändert sich der Onlinehandel rasant – doch ausgerechnet ein physisches Element gewinnt dabei weiter an Bedeutung: die Verpackung. Das zeigt der E-Commerce Trend Report 2026 von Mondi und Retailx. Die Studie basiert auf einer Befragung von 6.000 Konsumentinnen und Konsumenten in Europa und der Türkei, ergänzt durch Experteninterviews.
Redaktion .Redaktion.neue verpackung
5 min
Der europäische E-Commerce-Markt ist 2025 um rund sieben Prozentpunkte gewachsen.Freddie Mycock / Mondi
Anzeige
Verpackungen im E-Commerce stehen unter wachsendem
Erwartungsdruck. Sie sollen Produkte schützen, einfach zu öffnen sein, sich für
Retouren eignen, nachhaltig wirken, recyclingfähig sein und zugleich ein
positives Auspackerlebnis schaffen. Der neue E-Commerce-Trendbericht zeigt,
dass die Verpackung für viele Online-Käufer längst nicht mehr nur
Transportmittel ist. Sie beeinflusst, ob Kunden erneut bei einem Händler
kaufen, wie sie eine Marke wahrnehmen und ob sie bereit sind, einen Aufpreis zu
zahlen.
Der Produktschutz ist laut Studie weiterhin die zentrale
Erwartung an E-Commerce-Verpackungen. 98 % der Befragten stufen schützende
Verpackungen als wichtig oder sehr wichtig ein. Damit liegt der Wert über dem
Vorjahresniveau von 95 %. Auffällig ist zudem, dass 71 % den Produktschutz
inzwischen als sehr wichtig bewerten, gegenüber 56 % im Jahr 2025.
Ebenfalls 98 % der Befragten erwarten, dass die
Verpackung hochwertigen Produkten gerecht wird. Auch hier hat die Bedeutung
zugenommen: 67 % sehen diesen Aspekt als sehr wichtig an, nach 53 % im Vorjahr.
Für Händler bedeutet das: Die Verpackung muss nicht nur Beschädigungen
vermeiden, sondern auch zum Wertversprechen des Produkts passen. Eine
unpassende oder minderwertig wirkende Versandverpackung kann die Wahrnehmung
des gesamten Kauferlebnisses beeinträchtigen.
Eine weitere funktionale Anforderung betrifft Retouren.
91 % der Verbraucher halten es für wichtig, dass sich E-Commerce-Verpackungen
für Rücksendungen leicht wieder verschließen lassen. Fast die Hälfte bewertet
diese Eigenschaft als sehr wichtig.
Anzeige
Nachhaltigkeit wird zur Erwartung
Neben Schutz und Funktionalität rückt die Nachhaltigkeit
weiter in den Vordergrund. 88 % der Befragten wünschen sich recycelbare E-Commerce-Verpackungen,
nach 78 % im Jahr 2025. Für 86 % sind nachhaltige Verpackungen wichtig oder
sehr wichtig.
Die Bedeutung nachhaltiger Verpackungen zeigt sich auch
im Kaufverhalten. Mehr als ein Viertel der Verbraucher gibt an, dass
Kunststoffverpackungen anstelle von Karton oder Papier sie vom Kauf abhalten
würden. 2025 lag dieser Wert noch bei 20 %. Besonders deutlich ist dieser
Effekt in Großbritannien, Frankreich und der Türkei, wo rund ein Drittel der
Verbraucher durch nicht nachhaltige Verpackungen vom Kauf abgeschreckt wird.
Anzeige
Gleichzeitig nehmen viele Verbraucher Fortschritte wahr.
Etwa vier von zehn Befragten haben in den vergangenen zwölf Monaten
Verbesserungen bei der Verpackung registriert. Genannt werden vor allem besser
dimensionierte Verpackungen, mehr recycelte Materialien und insgesamt weniger
Verpackungsmaterial. In Deutschland fallen den Befragten laut Report besonders
der verstärkte Einsatz von Recyclingmaterialien sowie ein geringerer
Materialeinsatz auf.
Überdimensionierte Verpackungen schrecken ab
Ein deutliches Signal an Online-Händler liefert die
Studie beim Thema Überverpackung. 72 % der Verbraucher geben an, nicht erneut
bei Händlern kaufen zu wollen, die überdimensionierte Verpackungen einsetzen.
69 % reagieren ablehnend auf überflüssige Innenverpackungen. Ebenfalls 69 %
lassen sich von schwer recycelbaren Verpackungen abschrecken.
Damit hat sich die Sensibilität gegenüber Verpackungsmüll
im Vergleich zum Vorjahr verstärkt. 2025 gaben 45 % der Befragten an, Händler
mit überdimensionierten Verpackungen meiden zu wollen; bei überflüssiger
Innenverpackung waren es 40 %.
Anzeige
Für Verpackungshersteller und E-Commerce-Anbieter ergeben
sich daraus klare Anforderungen: Versandverpackungen müssen näher am
Produktvolumen liegen, Hohlräume reduzieren und gleichzeitig ausreichend Schutz
bieten. Lösungen für Rightsizing, variable Verpackungsformate und
automatisierte Verpackungsprozesse gewinnen dadurch an Bedeutung.
Mehr als die Hälfte zahlt für passende Verpackung mehr
Die Studie zeigt auch, dass Verbraucher den Wert
geeigneter Verpackungen anerkennen. 53 % der Befragten sind bereit, für eine
Verpackung, die ihren Anforderungen entspricht, einen Aufpreis zu zahlen. 41 %
würden bis zu 5 % mehr bezahlen, 10 % bis zu 10 %. Weitere 2 % wären bereit,
mehr als 10 % zusätzlich zu zahlen.
Anzeige
Armand Schoonbrood, COO E-Commerce bei Mondi: "Verbraucher:innen sind nicht länger bereit, Kompromisse zwischen Leistung und Umweltverantwortung einzugehen."
Die Zahlungsbereitschaft unterscheidet sich nach Alter
und Land. Millennials und Angehörige der Generation Z zeigen sich offener für
Aufpreise als Babyboomer. Bei letzteren lehnen 60 % einen Aufpreis ab. Im
Ländervergleich sind Verbraucher in der Türkei und in Polen eher bereit,
Mehrkosten zu akzeptieren, während Befragte in Schweden und Frankreich
zurückhaltender reagieren.
Für Händler ist diese Entwicklung ambivalent. Einerseits
eröffnet sie Spielräume für höherwertige Verpackungslösungen. Andererseits
bleibt die Bereitschaft begrenzt und muss durch sichtbaren Nutzen begründet
werden – etwa durch besseren Schutz, einfachere Rücksendung, nachhaltigere
Materialien oder ein überzeugenderes Unboxing.
Verpackung beeinflusst das Auspackerlebnis
Anzeige
Das Auspackerlebnis bleibt ein relevanter Faktor für
Wiederkäufe. Zwei Drittel der Verbraucher geben an, dass Verpackungsmerkmale
wie Form, Material oder Personalisierung ein Unboxing-Erlebnis schaffen können,
das sie zu einem erneuten Kauf motiviert. 2025 lag dieser Wert bei 59 %. Jeder
Fünfte bewertet diesen Einfluss als sehr wichtig.
Besonders ausgeprägt ist dieser Effekt bei jüngeren
Zielgruppen. 79 % der Generation Z geben an, dass Verpackungsmerkmale ein
positives Auspackerlebnis schaffen und Wiederkäufe fördern können. Bei den
Babyboomern ist dieser Einfluss geringer, aber ebenfalls vorhanden.
Bei den konkreten Faktoren für ein gutes Unboxing stehen
praktische Aspekte im Vordergrund. 56 % nennen eine angemessen dimensionierte
Verpackung, 50 % eine einfache Handhabung beim Öffnen. Nachhaltige
Außenverpackungen sind für 41 % relevant, nachhaltige Innenverpackungen für 31
%. Design spielt ebenfalls eine Rolle: 28 % legen Wert auf eine ansprechende
Gestaltung. Rund ein Viertel wünscht sich Informationen auf der Verpackung,
etwa Produktinformationen oder Hinweise zur umweltgerechten Entsorgung.
Personalisierung wirkt vor allem bei jüngeren Kunden
Personalisierte Verpackungen sind laut Report ein
weiterer Hebel für das Kundenerlebnis, erreichen aber nicht alle Zielgruppen
gleichermaßen. Insgesamt geben 15 % der Befragten an, dass personalisierte
Botschaften auf E-Commerce-Verpackungen zu einem positiven Auspackerlebnis
beitragen. Bei der Generation Z liegt dieser Anteil bei 23 %, bei Babyboomern
bei 7 %.
Der Report nennt als mögliche Elemente individuell
gedruckte Botschaften oder QR-Codes, die auf dynamische Inhalte verweisen.
Damit können Verpackungen nicht nur emotionalisiert, sondern auch funktional
erweitert werden – etwa durch Gebrauchsinformationen, Retourenhinweise,
Nachhaltigkeitsinformationen oder markenspezifisches Storytelling. Gleichzeitig
können solche digitalen Elemente gedruckte Beilagen ersetzen und so Material
einsparen.
Recycling: Anspruch und Verhalten klaffen auseinander
Ein kritischer Punkt der Studie ist das
Recyclingverhalten. 52 % der Befragten geben an, E-Commerce-Verpackungen dem
Recycling zuzuführen. 34 % bewahren Verpackungen zur Wiederverwendung auf, etwa
für Retouren oder Lagerung. Fast jeder Zehnte entsorgt Verpackungen im
Restmüll.
Zwischen den Generationen zeigen sich deutliche
Unterschiede. Babyboomer recyceln am häufigsten: 59 % führen Verpackungen dem
Recycling zu. Bei der Generation Z sind es 42 %. Gleichzeitig entsorgen jüngere
Verbraucher Verpackungen häufiger im Restmüll. 16 % der Generation Z werfen
Verpackungen weg, gegenüber 3 % der Babyboomer.
Besonders relevant ist, dass ein Teil der Befragten
bewusst nicht recycelt. Insgesamt wissen 13 %, dass Verpackungen recycelbar
sind, werfen sie aber trotzdem in den Restmüll. Bei der Generation Z liegt
dieser Anteil bei 19 %, bei Millennials bei 18 %, bei Babyboomern bei 5 %. Als
Gründe werden unter anderem Unsicherheit über die Recyclingfähigkeit,
überfüllte Recyclingcontainer und Zeitmangel genannt.
Hier sieht die Studie Handlungsbedarf bei Händlern und
Marken. 51 % der Verbraucher wünschen sich Materialien, die leichter zu
recyceln sind. 37 % fordern klare Recyclinganweisungen. 40 % würden sich durch
finanzielle Anreize wie Rabatte stärker zum Recycling motivieren lassen, 27 %
wünschen sich Rücknahme- und Recyclingangebote durch Händler.
Kommunikation auf der Verpackung gewinnt an Bedeutung
Gedruckte Informationen auf Verpackungen werden für
Verbraucher relevanter. 80 % stufen sie als wichtig ein, nach 68 % im Vorjahr.
Im Fokus stehen vor allem Nachhaltigkeitsbotschaften. 68 % der Befragten
möchten auf der Verpackung den Hinweis sehen, dass diese zu 100 % recycelbar
ist. 50 % wünschen sich Informationen darüber, dass die Verpackung aus
recycelten Materialien besteht. 40 % möchten konkrete Hinweise zur richtigen
Entsorgung.
Damit wird Verpackung auch zum Kommunikationsmedium. Sie
soll nicht nur schützen und transportieren, sondern Orientierung geben. Gerade
beim Recycling kann eine klare, verständliche Kennzeichnung dazu beitragen,
Unsicherheiten zu verringern und Fehlwürfe zu reduzieren. Für Marken bietet
sich zugleich die Möglichkeit, Nachhaltigkeitsmaßnahmen sichtbar zu machen. Der
Report macht jedoch auch deutlich, dass Glaubwürdigkeit entscheidend bleibt:
Etwa jeder Fünfte vertraut Aussagen von Händlern zur Nachhaltigkeit ihrer
Verpackungen nicht.
Verpackung wird strategischer Leistungsfaktor
Die Studienergebnisse verdeutlichen, dass Verpackungen im
E-Commerce zunehmend strategisch betrachtet werden müssen. Sie beeinflussen
Produktschutz, Retouren, Transporteffizienz, Markenwahrnehmung,
Nachhaltigkeitsbilanz und Kundenbindung. Acht von zehn Verbrauchern sind der
Ansicht, dass Händler mehr tun sollten, um Verpackungsmüll zu reduzieren. Nur
jeder Zehnte meint, es werde bereits genug getan.
Für die kommenden Jahre erwarten 65 % der Verbraucher,
dass nahezu alle Online-Bestellungen in recycelbaren oder kompostierbaren
Verpackungen geliefert werden. 30 % rechnen mit Rückerstattungen für
zurückgegebene oder abgeholte Verpackungen, 20 % erwarten, dass Zusteller
Verpackungen direkt mitnehmen.
Für die Verpackungsbranche ergeben sich daraus mehrere
Entwicklungsfelder: recyclingfähige Materialien, papierbasierte Alternativen zu
Kunststofflösungen, bedarfsgerechte Verpackungsgrößen, automatisierte
Rightsizing-Systeme, klare Verbraucherkommunikation und digitale Elemente wie
QR-Codes oder vernetzte Verpackungen. Entscheidend wird sein, Schutz,
Nachhaltigkeit und effiziente Fulfillment-Prozesse miteinander zu verbinden.