Für geschlossene Mehrweg-Kreisläufe
Hersteller-Allianz: Glas-Mehrweg für vorverpackte Lebensmittel
24 Lebensmittelhersteller wollen gemeinsam mit dem Berliner Systemanbieter Dotch Einwegglas durch ein standardisiertes Mehrwegsystem ersetzen. Die Allianz „Glas kann mehrweg“ zielt auf Produkte wie Obst- und Gemüsekonserven, Speiseöle, Essige, Senf, Saucen und Sirup. Treiber sind steigende Kosten für Einwegverpackungen, regulatorische Vorgaben und ökologische Einsparpotenziale.
Produktauswahl von Allianz-Mitgliedern.
Glas kann mehrWeg
Glas gilt im Lebensmittelbereich als etabliertes
Verpackungsmaterial, steht jedoch wegen des hohen Energieeinsatzes bei
Herstellung und Recycling zunehmend unter Druck. Eine neue Hersteller-Allianz
will nun Glasverpackungen für vorverpackte Lebensmittel stärker in
geschlossenen Mehrwegkreisläufen einsetzen. Unter dem Namen „Glas kann mehrWeg“
haben sich 24 Hersteller aus verschiedenen Warengruppen zusammengeschlossen.
Ziel ist es, standardisierte Mehrweg-Glasgebinde im Handel breiter verfügbar zu
machen und damit eine Alternative zu Einwegglas aufzubauen.
Beteiligt sind Unternehmen aus den Bereichen Obst- und
Gemüsekonserven, Speiseöle, Essige, Senf, Saucen und Sirup. In der
Pressemeldung genannt werden unter anderem Carl Kühne, Feinkost Dittmann,
Werder Feinkost, Andros, Develey, Alfred Paulsen, Marschland, Bauck Mühle, Bio
Planète, Allgäuer Ölmühle, Teutoburger Ölmühle, VFI, Mani Bläuel, Brändle,
Brökelmann, Monin, Il Cesto, Dreher, Jordan, Lamotte, Unser Land, Wasgau
Ölmühle, Kappelbauer Ölmühle und Teikei. Organisiert wird das System von dotch,
einem Berliner Anbieter für markenoffene Mehrweg-Glasverpackungen.
Wirtschaftlicher Druck steigt
Der Schritt kommt zu einem Zeitpunkt, an dem Einwegglas für
Hersteller wirtschaftlich anspruchsvoller wird. Laut Pressemeldung verweist die
Allianz unter anderem auf einen erwartbar steigenden CO₂-Industriepreis für
Einwegglas sowie auf höhere Lizenzkosten für Verpackungen. Nach Daten des
Preisarchivs von Verpackungslizenz24 sollen die Lizenzkosten für
Glasverpackungen 2026 rund 71 % über dem Niveau von 2020 liegen. Hinzu kommen
regulatorische Entwicklungen auf EU-Ebene, etwa im Zusammenhang mit der EU-Verpackungsverordnung
PPWR.
Neben den Kostenargumenten stellt die Allianz ökologische
Einsparpotenziale in den Vordergrund. Nach Angaben auf der Website könnten
durch den Umstieg auf Glas-Mehrweg bei vorverpackten Lebensmitteln jährlich bis
zu 710.000 t Verpackungsabfall und 409.000 t CO₂-Emissionen vermieden werden.
Über die Lebensdauer einer Glasverpackung sollen sich im Schnitt rund 50 % der
CO₂-Emissionen einsparen lassen, wenn Mehrweg genutzt wird.
Wiederverwendbare Glasgebinde
Ein zentraler Punkt des Konzepts ist die Standardisierung.
Das von Dotch gemanagte System basiert derzeit auf sechs wiederverwendbaren
Glasgebinden, die sich laut Unternehmen in bestehende Prozesse bei Herstellern
und Handel integrieren lassen. Dotch übernimmt dabei als Full-Service-Anbieter
die Bereitstellung der Gebinde, Logistik, Reinigung, Rückführung und das
Poolmanagement. Für die Hersteller soll dadurch die Einstiegshürde sinken, weil
sie keine eigenen Strukturen für Rücknahme, Sortierung und Reinigung aufbauen
müssen. Für den Handel steht ein einheitliches Handling im Vordergrund.
Auf der Website der Initiative heißt es, Mehrweg müsse
zentral gesteuert und organisiert werden, um bei vorverpackten Lebensmitteln
skalierbar zu sein. Die Gebinde seien bereits bei gängigen Pfandautomaten
rückführbar; die Rückhollogistik sei im Groß- und Biofachhandel in Deutschland
und Österreich etabliert. Das Dotch-System ist nach Unternehmensangaben bereits
bei Speiseölen im Biofachhandel sowie im Großhandel im Einsatz und umfasst mehr
als 1.800 angebundene Filialen in Deutschland und Österreich.
Gemeinsame Gebindeentwicklung
Auch technische und wirtschaftliche Aspekte spielen für die
teilnehmenden Unternehmen eine Rolle. Auf der Website der Allianz betont Mark
Pauw, Geschäftsführer von Brökelmann & Co., dass Dotch die Gebinde
gemeinsam mit Herstellern entwickelt habe und diese auf bestehende Abläufe
abgestimmt seien. Bei hohen Stückzahlen könne Mehrweg zudem günstiger sein als
Einweg, insbesondere im Eigenmarkengeschäft. Stefan Schult, Geschäftsführer von
Werder Feinkost, bezeichnet das System als skalierbare Lösung für den Handel.
Für Dotch ist die Hersteller-Allianz ein Schritt, das
bereits im Ölbereich etablierte Mehrwegsystem auf weitere
Lebensmittelkategorien auszuweiten. „Nachdem unser Mehrweg-Ansatz bei Ölen
flächendeckend in Deutschland und Österreich funktioniert, haben wir gemeinsam
mit vielen Herstellern eine Mehrwegglasserie für weitere Kategorien wie Obst-
und Gemüsekonserven, Saucen und Marmeladen entwickelt“, sagt Veronika Pfender,
Mitgründerin und Co-Geschäftsführerin von Dotch.