Podiumsdiskussion bei Domino auf der Interpack 2026

Wie 2D-Codes Produktkommunikation und Lieferketten revolutionieren

Welche Auswirkungen hat die Einführung von 2D-Codes nach GS1-Standard auf die Produktkommunikation und Lieferketten? Dieser Fragestellung widmete sich ein Panel auf der Interpack 2026. Am Ende stand die Erkenntnis: Das ist mehr als ein technisches Update – sondern ein grundlegender Wandel in der globalen Wertschöpfung und Kundenkommunikation.

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Die Podiumsdiskussion fand während der Interpack 2026 an Stand von Domino statt.
Die Podiumsdiskussion fand während der Interpack 2026 an Stand von Domino statt.

Am Morgen des zweiten Tages der Interpack fanden sich Thomas Fell, CEO GS1 Germany, Monica Ravi, Director Global Amazon Transparency sowie Craig Stobie, Director Global Sector Development bei Domino Printing Sciences und Adem Kulauzovic, Director Automation and Integration bei bei Domino Printing Sciences in Halle 8b bei Domino ein, um über die Treiber, Potenziale und Herausforderungen der neuen Codiergeneration nach GS1-Standard zu diskutieren.

Vom Strichcode zur digitalen Identität

Die Ausgangslage ist klar: Der klassische 1D-Barcode stößt an seine Grenzen. „Die Barcodes, die wir heute nutzen, wurden 1973 entwickelt – für eine Welt mit Kassen und einfacher Bestandsprüfung“, erklärte Ravi. Heute hingegen dominieren globale, digitale und stark konsumgetriebene Lieferketten. Die Konsequenz: Der Wechsel zu 2D-Codes ist keine Option mehr, sondern eine Notwendigkeit. Oder wie es Ravi auf den Punkt brachte: „Es geht nicht mehr darum, ob wir umstellen – sondern ob wir es strategisch tun oder hektisch reagieren.“

Vier zentrale Treiber der Entwicklung

Die Diskussion identifizierte vier maßgebliche Kräfte, die den Wandel beschleunigen:

  1. Regulatorik: Neue Vorgaben wie der EU Digital Product Passport (DPP) machen eine digitale Produktidentität verpflichtend.
  2. Handelstransformation: Bis Ende 2027 sollen laut GS1 alle Handelsunternehmen in der Lage sein, 2D-Codes an der Kasse zu scannen.
  3. Verbraucherverhalten: Kunden erwarten Transparenz zu Herkunft, Nachhaltigkeit oder Inhaltsstoffen – Informationen, die 1D-Codes nicht liefern können.
  4. Resilienz der Lieferketten: Die Pandemie hat Schwächen in der Rückverfolgbarkeit offengelegt. Rückrufe dauerten Wochen statt Tage.

Der entscheidende Unterschied: Serialisierung

Fell erläuterte den zentralen Fortschritt von 2D-Codes: „Der klassische Barcode identifiziert nur ein Produkt – aber nicht das einzelne Exemplar.“ 2D-Codes hingegen ermöglichen eine Serialisierung bis auf Einzelproduktebene. Dadurch entstünden völlig neue Möglichkeiten wie

  • eine lückenlose Rückverfolgung
  • gezielte Rückrufe auf Chargenebene
  • Schutz vor Fälschungen
  • individuelle Kundeninteraktion

2D für Effizienz, Sicherheit und neue Geschäftsmodelle

In der Diskussion wurde deutlich, dass der Mehrwert weit über Compliance hinausgeht.

  1. Effizientere Prozesse im Handel: Durch die Integration von Daten wie Haltbarkeitsdatum kann ein Kassensystem beispielsweise den Verkauf abgelaufener Ware automatisch verhindern.
  2. Schnellere und präzisere Rückrufe: „Was heute Wochen dauert, kann auf Tage reduziert werden“, erklärte Ravi mit Blick auf chargengenaue Rückrufprozesse.
  3. Verbraucherschutz und Authentifizierung: Serialisierte Codes ermöglichen es, Originalprodukte eindeutig zu identifizieren und Fälschungen zu verhindern. Das beweist die Pharmaindustrie, die bereits seit vielen Jahren serialisiert, jeden Tag.
  4. Neue Formen der Kundeninteraktion: Produkte werden zum direkten Kommunikationskanal. Je nach Kontext – Ort, Zeit oder Nutzer – lassen sich unterschiedliche Inhalte ausspielen. Das zeigt Fell live anhand eines CR-Codes der – abhängig davon, ob er von einem Android- oder Apple-Gerät gescannt wurde – bei den anwesenden Vertretern der Fachpresse zu unterschiedlichen Inhalten führte.

Potenziale entlang der gesamten Wertschöpfung

Die beschriebenen Effizienzen in Handel und Lieferketten hätten auch konkrete ökologisch sowie ökonomische Auswirkungen:

  • Reduktion von Lebensmittelverschwendung um bis zu 40 %
  • Steigerung der Lieferketteneffizienz um rund 20 %
  • Verbesserte Marketingsteuerung durch Daten aus dem Handel

Studien zufolge sind außerdem insbesondere jüngere Käufer bereit, bis zu 20 % mehr für transparente Produkte zu zahlen.

Herausforderungen in der Umsetzung der 2D-Codes

Bei allen Vorteilen, die die 2D-Codes bieten: Die Einführung ist kein Selbstläufer, sondern bringt technische Anforderungen mit sich:

  • variable Daten statt statischer Codes
  • eine Vernetzung der Produktionslinien
  • Sicherstellung der langfristigen Druck- und Lesbarkeit

Stobie betonte außerdem: „Das ist kein reines Engineering-Projekt – es ist eine Transformation des gesamten Unternehmens.“

Beteiligte Bereiche sind (unter anderem):

  • IT
  • Logistik
  • Recht & Compliance
  • Packaging
  • Marketing

Fazit: Jetzt handeln entscheidet über den Erfolg

Die vielleicht wichtigste Botschaft der Diskussion: Der Zeitpunkt des Einstiegs ist entscheidend. Der Unterschied zwischen Unternehmen, denen der Übergang leicht fallen wird, und denen, die kämpfen werden, sei verbunden mit der Frage, wie früh sie starten.

„Be ready for the opportunity, not the challenges,” schloss Stobie.

Der Digitale Produktpass auf der Packaging Machinery Conference

Der Digitale Produktpass (DPP) ist natürlich auch Thema auf der diesjährigen Packaging Machinery Confernce:

Marcus Keppelen-Frech, Corporate Solution Center Electronics Product Solution Central Functions bei SEW-Eurodrive ordnet das Thema mit Blick auf dem Verpackungsmaschinenbau ein.

Weitere Infos zur Veranstaltung finden Sie im Kasten unten.

Packaging Machinery Conference 2026

Termin: 16.–17. Juni 2026

Ort: Messezentrum Nürnberg

Die Packaging Machinery Conference ist der zentrale Branchentreffpunkt für den Verpackungsmaschinenbau. Sie bringt Entscheider aus dem Maschinenbau, der Automatisierung und der Anwendung zusammen, um aktuelle Herausforderungen und Zukunftsthemen der Verpackungsindustrie zu diskutieren.

Im Fokus stehen unter anderem Künstliche Intelligenz, Regulatorik, nachhaltige Verpackungskonzepte, Best Practices aus der Industrie sowie strategische Zukunftsfragen des Maschinenbaus.

Hochkarätige Keynotes, praxisnahe Vorträge und umfangreiche Networking Möglichkeiten – inklusive begleitender Fachausstellung und Abendveranstaltung – zeichnen das zweitägige Event aus.

Die Packaging Machinery Conference findet 2026 bereits zum dritten Mal statt und wird von Ultima Media (neue verpackung) in Kooperation mit der Nürnberg Messe (Fachpack) und dem Packaging Valley veranstaltet.

Zielgruppe: Entscheider und Fachleute aus Verpackungsmaschinenbau, Maschinen und Anlagenbau, Automatisierung, Digitalisierung sowie Anwenderindustrien.

Alle Informationen zum Event gibt es hier.