Fertigungsindustrie: Zwischen KI, Regulierung und Fachkräftemangel
Die Fertigungsbranche befindet sich im Umbruch. Geopolitische Unsicherheiten, steigende Energie- und Rohstoffkosten sowie der zunehmende Fachkräftemangel zwingen Unternehmen dazu, ihre Strategien zu überdenken. Der Software-Anbieter und ERP-Spezialisten Proalpha hat fünf Trends für 2026 identifiziert.
Die Produktionswirtschaft befindet sich im Umbruch.
OpenAI
KI optimiert Prozesse – doch das Vertrauen muss erst
wachsen
Künstliche Intelligenz hält Einzug in nahezu alle Bereiche: von
Produktionsprozessen bis zu Softwaresystemen. Bereits mehr als die Hälfte der
Fertigungsunternehmen nutzt KI für das Management von Lieferketten und
Beständen. In PLM (Product Lifecycle Management)-Systemen beschleunigt sie die
Informationsbereitstellung und automatisiert Workflows.
Gerade in den DACH-Ländern bleibt die Skepsis jedoch hoch:
29 % der Unternehmen äußern Vorbehalte gegenüber KI, zudem beklagen 42 %
fehlende Kompetenzen. Experten raten daher zu einem kritischen Umgang mit
KI-Ergebnissen – Vertrauen muss sich erst entwickeln.
Digitaler Produktpass – ab 2027 wird es ernst
Ab 2027 verpflichtet die EU-Hersteller und Zulieferer
schrittweise zur Einführung eines digitalen Produktpasses. Er dokumentiert den
gesamten Produktlebenszyklus einschließlich Material- und Nachhaltigkeitsdaten.
Laut einer Forterro-Umfrage wissen jedoch nur 42 % der deutschen
Industrieunternehmen, was der digitale Produktpass konkret umfasst.
Herausforderungen liegen vor allem in fehlenden
Compliance-Ressourcen, der Komplexität der Anforderungen und mangelnder
Orientierung. Dabei ist der digitale Produktpass eng mit PLM-Lösungen verknüpft
und kann neben regulatorischer Erfüllung auch Transparenz für Kunden schaffen.
Technisch basiert er auf bestehenden ERP (Enterprise Resource Planning)-Systemen
und standardisierten Datenstrukturen wie der Verwaltungsschale (Asset
Administration Shell)
Geopolitische Risiken – näher ran an die Märkte
Handelskonflikte und Zölle beeinflussen globale Lieferketten
zunehmend. 52 Prozent der Hersteller in den DACH-Ländern haben ihre
Abhängigkeit von Hochzollregionen reduziert, 22 % den US-Markt sogar
depriorisiert. Diversifizierung und Regionalisierung der Produktion rücken in
den Fokus, unterstützt durch digitale Risk-Management-Tools.
Fachkräftemangel – ohne Weiterbildung geht es nicht
Der Fachkräftemangel verschärft sich weiter. Laut dem
MINT-Frühjahrsreport fehlen in Deutschland rund 163.600 qualifizierte
Arbeitskräfte. Gleichzeitig steigen die Anforderungen an digitale Kompetenzen, nicht
nur in der Konstruktion, sondern auch in Qualitätsmanagement, Compliance und
Kundenkontakt. Unternehmen setzen daher verstärkt auf kontinuierliche
Weiterbildung.
Plattformkonsolidierung – weniger ist mehr
Viele Fertigungsunternehmen konsolidieren ihre
Technologie-Stacks, um Komplexität und Integrationsprobleme zu reduzieren.
Vereinfachte Plattformlandschaften senken Kosten, beschleunigen Innovationen
und verbessern die Zusammenarbeit. Interoperabilität wird damit zum zentralen
Kriterium bei Softwareinvestitionen.
Fazit: Datengetriebene Resilienz als Schlüssel
„2026 wird zum Wendepunkt für die Fertigungsindustrie“, so
Wolfram Menser, Business Process Architect bei Proalpha. „Unternehmen, die
digitale Technologien über den gesamten Produktlebenszyklus integrieren und auf
Echtzeitdaten setzen, gewinnen an Flexibilität und Wettbewerbsfähigkeit. Der
digitale Produktpass kann dabei weit mehr sein als ein Regulierungsinstrument –
er wird zum Schlüssel für datengetriebene Nachhaltigkeit und resiliente
Strukturen.“