Angesichts der vielen Unwägbarkeiten ist es schwierig, die Chancen und Risiken für 2026 abzuschätzen.Ideogram
Wir haben Akteure aus der Branche, gleichermaßen Maschinenbauer, Automatisierer, Packmittelhersteller, Verbandsvertreter sowie Messeverantwortliche, um eine Prognose für 2026 gebeten. Die Antworten überraschen durchaus.
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Die vergangenen Jahre waren alles andere als erfreulich, betrachtet man die wirtschaftliche Entwicklung Deutschlands. In den Jahren 2023 und 2024 sank das BiP spürbar, für 2025 wird bestenfalls ein Plus von 0,4 % erwartet. Im Vergleich zu anderen europäischen Volkswirtschaften ein ernüchterndes Ergebnis. Manche Branchen wie die Automobilindustrie, aber auch der Maschinenbau standen und stehen besonders unter Druck. Auch die Verpackungsindustrie muss kämpfen. Zwar rechnen die Hersteller von Maschinen mit einem leichten Wachstum, dank des hohen Exportanteils. In Summe aber ist der Produktionswert in Deutschland 2025 weiter gesunken: um 2,6 Mrd. Euro gegenüber dem Vorjahr, sagen die Experten von Apenberg [&] Partner.
Auch wenn es angesichts der vielen verschiedenen Parameter alles andere als leicht ist, die Chancen und Risiken für 2026 abzuschätzen: Wir wollten von Akteuren aus der Branche wissen:
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Was erwarten Sie für Ihr Geschäft vom kommenden Jahr?
Was macht Ihnen Mut?
Welche Innovationen oder Investitionen planen Sie für 2026?
Richard Clemens, Geschäftsführer VDMA Fachverband Nahrungsmittelmaschinen und Verpackungsmaschinen
Nach einer
aktuellen VDMA-Umfrage bleiben die Marktaussichten für die deutschen
Maschinenbauer weiterhin unsicher. Die Zollpolitik
der USA, geopolitische Spannungen, unklare politische Rahmenbedingungen und
überbordende Bürokratie erschweren es Unternehmen, verlässlich zu planen. Im
Fachzweig Nahrungsmittelmaschinen und Verpackungsmaschinen sind die
Einschätzungen im Vergleich zum gesamten Maschinenbau wesentlich positiver.
Die
globale Verpackungs- und Verarbeitungsindustrie ist einer der dynamischsten
Wachstumssektoren. Gegessen und getrunken wird immer. Laut Euromonitor International soll der
weltweite Absatz verpackter Lebensmittel von 871 Mio. t (2024) bis 2029 um
11 % auf 967 Mio. Tonnen steigen. Das Welthandelsvolumen mit
Nahrungsmittelmaschinen und Verpackungsmaschinen erreichte 2024 einen
Höchstwert von rund 54,5 Mrd. Euro. Mit einem durchschnittlichen Exportumsatz
von 84 % gehört der Fachzweig Nahrungsmittelmaschinen und Verpackungsmaschinen zu den
exportstärksten Branchen des deutschen Maschinenbaus. In den ersten acht
Monaten 2025 stiegen die Auslandslieferungen um 4,1 % über das hohe Niveau des
Vorjahres.
Die
Kundenbranche steht unter starkem Wettbewerbs- und Kostendruck. Gut gerüstet
sind unsere Hersteller von Nahrungsmittel- und Verpackungsmaschinen, da sie
leistungsstarke Technologien zur Steigerung der Effizienz, Flexibilität und die
Nachhaltigkeit für Verarbeitungs- und Verpackungsprozessen bieten, in die
gerade vermehrt investiert wird. Die Nachfrage ist wieder gestiegen.
Äußerst positiv
war auch die große Resonanz auf den Messen wie der IFFA, Drinktec oder der
Gulfood Manufacturing. Im kommenden Jahr erwarten wir kräftige Impulse von der
interpack. Leitthemen wie Smart Manufacturing und Innovative Materialien geben
die Richtung vor. Die Besucher sind schon gespannt auf die gezeigten
Innovationen.
Trotz der
schwierigen Rahmenbedingungen blickt die Branche optimistisch in die Zukunft.
Es geht nicht mehr nur um Maschinen, sondern um Lösungen. Nicht mehr nur um
Technik, sondern um Geschäftsmodelle. Und nicht mehr nur um Produkte, sondern
um Partnerschaften und Allianzen. Foto: VDMA
Christian Traumann, Geschäftsführender Direktor (CEO), MULTIVAC Group
Was
erwarten Sie für Ihr Geschäft vom kommenden Jahr?
Trotz
aller Unsicherheiten, die die globale Wirtschaft auch 2026 prägen werden,
blicken wir optimistisch in die Zukunft. Steigende Rohstoff- und Energiekosten,
strengere Nachhaltigkeitsvorgaben und ein wachsender Fachkräftemangel bleiben
für unsere Kunden zentrale Herausforderungen. Unternehmen reagieren mit
Investitionen in Automatisierung, Digitalisierung und nachhaltige Lösungen, um
ihre Wettbewerbsfähigkeit zu sichern.
Mit
unseren automatisierten und digitalisierten Linien adressieren wir diese
Herausforderungen – und werden auch zukünftig neue Standards für eine effiziente
und nachhaltige Verarbeitung und Verpackung von Lebensmitteln, Pharmazeutika
und Medizingütern setzen. Dabei kommen in unseren Produktionslinien zunehmend Robotik,
digitale Services und KI-gestützte Systeme zum Einsatz, um Prozesse noch effizienter,
flexibler und nachhaltiger zu gestalten.
Was
macht Ihnen Mut?
Auch
in einem anspruchsvollen Umfeld erkennen wir Chancen. Die positive Resonanz aus
den Märkten und die Vielzahl vielversprechender Projekte zeigen: Die Zukunft
bietet Potenzial – ein Signal für nachhaltiges Wachstum. Mut macht mir, dass
wir auch im aktuellen Umfeld, im Einklang mit unserer Wachstumsstrategie investieren,
um für zukünftige Anforderungen gerüstet zu sein: sowohl lokal, am Stammsitz in
Wolfertschwenden sowie bei Fritsch in Markt Einersheim, als auch international mit
Produktionsstätten, z. B. in China, Indien, Japan, USA und Brasilien. Das
schafft nicht nur Kundennähe, sondern ermöglicht uns auch, spezifische Lösungen
für die gesetzlichen Vorgaben und Marktanforderungen der jeweiligen Länder
anzubieten.
Welche
Innovationen oder Investitionen planen Sie für 2026?
Die
größte Zukunftsinvestition in unserer mehr als 60-jährigen
Unternehmensgeschichte entsteht aktuell mit dem Bau eines zweiten
Produktionswerks am Allgäuer Hauptsitz. Dank neuester Produktionstechnologien
und einem hohen Automatisierungsgrad wird das Werk 2 unsere Leistungsfähigkeit
in den Bereichen Teilefertigung und Ersatzteillogistik deutlich steigern. Dabei
wird das neue Logistikzentrum zukünftig als strategischer Knotenpunkt für die
gesamte Unternehmensgruppe fungieren, mit dem wir die Lieferperformance für
unsere Kunden weltweit optimieren können.
Auf
der Interpack, dem Branchehighlight 2026, werden wir unsere Innovationen rund
um die Themen Smart Packaging, Smart Production, vernetzte Lösungen und
Nachhaltigkeit vorstellen. Wir freuen uns auf den Austausch mit Kunden,
Partnern und Branchenvertretern! Foto: Multivac
Phuong Anh Do, Director Fachpack
Wie nutzen Sie das kommende Jahr für die Fachpack?
„Wir werden das Jahr 2026 dafür nutzen, das
bestehende Messekonzept weiterzuentwickeln und neue Impulse aufzunehmen. Intensive
Gespräche mit der Branche ermöglichen uns, ihren Bedürfnissen auf der Fachpack 2027 noch besser gerecht zu werden. Zudem beobachten wir aktuelle
Marktentwicklungen und rücken Themen wie die PPWR, Kreislaufwirtschaft,
Automatisierung oder KI in den Fokus, um sie 2027 optimal zu integrieren. Unser 'Brückenjahr', wie ich es gern nenne, gibt uns die Chance, neue Themen
anzupacken. Außerdem freuen wir uns natürlich sehr darauf, von 16. bis 17. Juni
2026 zusammen mit Hüthig Medien und dem Packaging Valley e.V. die Packaging
Machinery Conference 2026 hier bei uns im Messezentrum auszurichten. Gemeinsam
konzentrieren wir uns auf die neuesten Entwicklungen und Trends in der
Verpackungsmaschinenindustrie und bringen Fachleute, Hersteller und Anwender
zusammen.“
Was erwartet die Branche auf der Fachpack 2027?
„Auch die Fachpack 2027 wird wieder ein wichtiger Wegweiser für die
Verpackungsindustrie in Zeiten der Veränderungen sein und Inspiration, Orientierung und
konkrete Lösungen für die großen Herausforderungen der Branche bieten.
Es warten wegweisende
Innovationen, neue Technologien, frische Ideen von Start-ups, aber auch Pionieren
der Verpackungsbranche. Neben der Produktschau werden wir Themen
diskutieren, die die Branche bewegen – von der Umsetzung der PPWR-Regularien über nachhaltige Materialien bis hin
zu digitalisierten Prozessen. Wir wollen eine Messe bieten, die ihren Anspruch „Wir machen Zukunft“ weiter
stärkt. Damit bleibt die Fachpack der wichtigste Treffpunkt der
Verpackungsindustrie im europäischen Raum.“
Was macht Ihnen Mut?
„Mut
machen mir die vielen positiven Rückmeldungen aus der Branche. Deren Innovationskraft,
Anpassungsfähigkeit und Lösungsorientierung sind einfach einmalig. Trotz aktueller Unsicherheiten spüre ich eine
starke Aufbruchsstimmung bei Unternehmen und Verbänden. Wir wissen, dass sich die
Akteurinnen und Akteure nicht unterkriegen lassen und Herausforderungen und
Wandel als Chance begreifen. Die Vielzahl an Ideen, Projekten und neuen Materialien, die aktuell
entstehen, zeigt: Die Branche packt an. Ich bin überzeugt, dass wir 2027
beeindruckende Innovationen sehen werden. Der Wille und die Leidenschaft der
Unternehmen, Verantwortung zu übernehmen und aktiv Transformation zu gestalten,
ist überall spürbar. Und so werden wir auch 2027 wieder gemeinsam Zukunft
machen.“ Foto: Messe Nürnberg
Jakob Rinninger, CEO STI Group
Was erwarten Sie für Ihr Geschäft vom kommenden Jahr?
„Mit einer weiterhin gut gefüllten Projektpipeline und unserem breiten, dadurch resilienten Kundenportfolio blicken wir grundsätzlich zuversichtlich auf das kommende Geschäftsjahr und erwarten erneut ein signifikantes Wachstum. Gleichzeitig spüren wir, dass die anhaltend schwache Auslastung in der Verpackungsindustrie den Preiswettbewerb weiter verschärft. Insgesamt rechnen die Marktteilnehmer im kommenden Jahr mit einer stabilen, aber weiterhin schwachen Entwicklung und erst ab 2027 wieder mit klaren Wachstumsimpulsen. Entscheidend wird sein, ob die angekündigten fiskalpolitischen Maßnahmen greifen und den Konsum tatsächlich stimulieren.“
Was macht Ihnen Mut?
"Auch wenn die aktuelle Marktlage wenig Anlass zur Zuversicht gibt und politische Reformbemühungen hinter den Erwartungen zurückbleiben, glauben wir weiterhin an die starke Innovations- und Erneuerungsfähigkeit der deutschen und europäischen Wirtschaft. Darüber hinaus können auch derzeit unerwartete Entwicklungen neue Chancen schaffen und positive Impulse bewirken.“
Welche Innovationen oder Investitionen planen Sie für 2026?
"2026 werden wir eine Reihe von Innovationen an den Markt bringen. In den vergangenen Jahren haben wir gezielt in unsere Entwicklungs- und Innovationskompetenz investiert und freuen uns jetzt darauf, gemeinsam mit unseren Kunden neue Lösungen zu implementieren. Parallel dazu werden wir – wie bereits in den Vorjahren – weiterhin deutlich in unseren Anlagenpark sowie in die Optimierung unserer Prozesse und Strukturen investieren.“ Foto: STI Group
Prof. Dr.-Ing. Matthias Niemeyer; CEO Uhlmann Group Holding
Was erwarten Sie für Ihr Geschäft vom kommenden Jahr?
Wir gehen davon aus, dass das Marktumfeld weiterhin
herausfordernd bleibt: Handelskonflikte, die mit verschärfter bzw. sich
erratisch ändernder Zollpolitik und Lieferstopps ausgetragen werden, wirken
sich weiterhin negativ auf den Export, die Verlässlichkeit der weltweiten
Lieferketten und auch auf die Investitionsbereitschaft vieler Unternehmen aus.
Die Uhlmann Gruppe begegnet diesen exogenen gesteigerten Risiken mit flexibler
und vorausschauender Planung und strukturiertem Risikomanagement.
Die Uhlmann Group kann sich aber über stabile Nachfrage
in ihren Kernsegmenten freuen, für das nächste Jahr rechnen wir mit moderatem
Wachstum. Die letzten Monate haben uns außerdem gezeigt, dass unser
Lieferkettennetzwerk bereits sehr resilient ist: Auf die Nexperia-Krise waren
wir entsprechend vorbereitet und konnten die Auswirkungen erfolgreich
mitigieren. Wir können die steigende Nachfrage nach unseren Lösungen auch bei
überraschend aufflammenden Krisen durch gute Vorsorge zuverlässig bewältigen.
Dazu sehen wir ein weiterhin wachsendes Service- und Umbaugeschäft: Im
aktuellen volatilen Umfeld fällt es einigen Kunden leichter, hier zu
investieren.
Was macht Ihnen Mut?
Die letzten Monate haben gezeigt: Die Gruppe insgesamt
hat eine beeindruckende Resilienz gegenüber der wachsenden Unsicherheit im
Weltmarkt aufgebaut. Die intensiven strategischen Weiterentwicklungen, die wir
in den letzten Jahren umgesetzt haben, erweisen sich als richtig. Außerdem
steigt bei uns auch die Nachfrage nach automatisierten und digitalen
Verpackungslösungen deutlich an. Hier zahlt es sich für die Gruppe aus, dass
wir bereits seit Jahren stark in die Forschung und Entwicklung von digitalen
Lösungen investieren und bereits
praxiserprobte Produkte und Services am Markt etabliert haben. Unsere
F&E-Quote liegt seit Jahren deutlich über dem Durchschnitt unserer Branche:
im letzten Geschäftsjahr waren es 6,3 Prozent, der Durchschnitt liegt laut VDMA
bei 4,7. Wir investieren weiterhin in die Digitale Transformation und setzen
einen starken Fokus auf den Bereich KI. Hier folgen wir einer ambitionierten,
klar strukturierten Roadmap mit einem Wide und Deep-Ansatz, d.h. in der Breite
mit niederschwelligen Angeboten alle unsere Mitarbeitende zu befähigen und mit
ausgewählten Use-Cases unsere Prozesse zu revolutionieren. Bereits für 2026
haben wir spannende Produkte in der Pipeline, mit denen wir uns neue Bereiche
erschließen werden.
Welche Innovationen oder Investitionen planen Sie für
2026?
Wir investieren an unseren Standorten weltweit in
dezentrale lokale Wertschöpfung, außerdem halten wir unsere hohe F&E-Quote nicht
nur, wir werden sie weiter ausbauen. Sichtbar für unsere Kunden wird das durch
die Erweiterung unseres Portfolios um flexible Automatisierungs- und
Robotik-Lösungen (v.a. mit Goldfuß engineering). Koch Pac-Systeme stellt eine
automatisierte Siegelprüfung vor sowie weitere Funktionsmodule für die flexible
und modulare KMO. Das Konzept einer modularen Maschine wird aber auch über die
gesamte Gruppe vorangetrieben. Uhlmann Pac-Systeme erweitert das Portfolio für
das Verpacken von Parenteralia. Preissensitive Märkte adressieren wir mit der
Weiterentwicklung der ECO-Maschinenserie von WONDER. 2026 werden die
Unternehmen der Gruppe darüber hinaus Vision-Systeme sowie KI-gestützte
Lösungen auf den Markt bringen. Die Unternehmen der Uhlmann Gruppe präsentieren
somit einen großen Blumenstrauß an innovativen Lösungen. Foto: Uhlmann / KD Busch.com
Daniel Rostan, Branchenmanagement Packaging, Beckhoff Automation
Was erwarten
Sie für Ihr Geschäft vom kommenden Jahr?
Die Verpackungsindustrie erweist sich für Beckhoff als sehr stabier
Markt, besonders da wir in allen Bereichen der Industrie aktiv sind. Dementsprechend
erwarten wir für das kommende Jahr ein gesundes Wachstum.
Was macht
Ihnen Mut?
Viele unserer Neuprodukte eignen sich sehr gut für Anwendungen im
Verpackungsumfeld. Paradebeispiele sind das MX-System als steckbare Systemlösung für die
schaltschranklose Automatisierung sowie die mit Beckhoff Vision in Hard- und
Software nahtlos in die Steuerungstechnik integrierte Bildverarbeitung und auch
das kostenoptimierte Economy Drive System – u. a. mit den Servoverstärkern
AX1000 und den Frequenzumrichtern AF1000. Durch die damit verbundenen
Marktchancen – nicht nur für uns, sondern auch für unsere Kunden – ergeben sich
positive Aussichten. So hören wir jetzt schon, dass es zur Messe interpack im
Mai 2026 viele neue und innovative Maschinen mit Beckhoff Technik geben wird.
Die interpack ist immer eine gute Möglichkeit, die Marktsituation zu beobachten,
und es macht Spaß, jedes Mal mehr mit Beckhoff Steuerungs- und Antriebstechnik
ausgestattete Maschinen zu sehen – auch wenn natürlich nach wie vor viel Raum
für Wachstum besteht.
Welche
Innovationen oder Investitionen planen Sie für 2026?
Beckhoff sieht sich als Innovationstreiber in der Verpackungsbranche. Daher
sind auch weiterhin viele Entwicklungen geplant. Ziel ist es, unseren Kunden
immer neue Möglichkeiten für die Maschinenkonzeption zu eröffnen, sodass sie in
Zukunft Innovationsführer in ihren Märkten bleiben können. Die genannten
aktuellen Produktneuheiten MX-System, Beckhoff Vision und Economy Drive System
werden ebenfalls kontinuierlich ausgebaut und verdeutlichen das hohe, durch die
Beckhoff Technologie eröffnete Leistungs- und Effizienzpotenzial im
Verpackungsmaschinenbau. Foto: Beckhoff
Martin Buchwitz, Geschäftsführer Packaging Valley
Was erwarten Sie für Ihr Geschäft vom kommenden Jahr?
Die Mitgliedsunternehme des Packaging Valley kommen aus den
Bereichen Verpackungsmaschinenbau, Automatisierungstechnik sowie Lösungen aus der
Wertschöpfungskette rund um die Verpackungsmaschine. Dementsprechend sind die
Prognosen auch unterschiedlich. Der Bereich Pharma kann nach wie vor volle
Auftragsbücher verzeichnen, während es in anderen Bereichen mehr oder weniger
gut läuft. Maschinenbauer, die nahe an der Kunststoffverarbeitung sind leiden
nach wie vor unter den Unsicherheiten des Marktes. Die Automatisierer haben ein
sehr hartes Jahr hinter sich und blicken vorsichtig optimistisch in die
Zukunft.
Was macht Ihnen Mut?
Als Geschäftsführer des Packaging Valley komme ich viel in
die Mitgliedsunternehmen. Sehr häufig komme ich sehr ermutigt von diesen
Besuchen zurück, weil ich sehe und wahrnehme, mit welchem Engagement und
welchem Innovationsgeist die Unternehmen unterwegs sind. Das gilt insbesondere,
aber nicht nur, für die kleineren bis mittleren Unternehmen – die
Maschinenbauer im Speziellen. Die meisten dieser Unternehmen haben schon
mehrfach bewiesen, dass sie sich auch in einem schwierigen Marktumfeld bewähren
können und gestärkt daraus hervorgehen. Wohl wissend, dass die aktuelle strukturell
und politisch geprägte wirtschaftliche Situation bis dato einzigartig ist und viel
tiefgreifendere Veränderungen und Anpassungen erfordert.
Welche Innovationen oder Investitionen planen Sie für
2026?
Wir stellen fest, dass das Thema Digitalisierung im
Verpackungsmaschinebau massiv Fahrt aufnimmt. Nach Jahren der Industrie 4.0
Ernüchterung und des eher inkrementellen Fortschritts stehen nun
standardisierte Technologien zur Verfügung, die eine Umsetzung wesentlich
erleichtern. Aber auch der Marktdruck durch den Wettbewerb aus Asien beflügelt
diese Entwicklung. Die unglaubliche Dynamik von KI gibt dem ganzen einen
zusätzlichen Schub, wobei die große Kunst darin liegt unter der unzählbaren
Anzahl an Angeboten und Möglichkeiten die richtigen Entscheidungen zu treffen. In
dem gesamten Bereich der Digitalisierung liegt ein großes Potenzial in der
Zusammenarbeit von Automatisierungsherstellern, Maschinenbauern und Endkunden,
was wir als Packaging Valley aktiv fördern. Foto: Packaging Valley / Martin Gollin
Thomas Dohse, Director Interpack
Was
erwarten Sie für Ihr Geschäft vom kommenden Jahr?
2026 ist
wieder ein interpack-Jahr – und das merkt man. Die Erwartungen sind hoch, die
Vorfreude ist groß. Viele Unternehmen wollen investieren, zeigen, was sie
entwickelt haben, und den direkten Austausch nutzen. Die Branche hat Lust auf
Begegnung, auf Tempo, auf klare Signale.
Gerade
deshalb gehen wir mit viel Rückenwind ins kommende Jahr und in die heiße Phase
der Vorbereitungen hinein. Zwar ist bereits vieles auf den Weg gebracht, doch
es gibt noch einiges zu organisieren, zu koordinieren und zu verfeinern.
Die Energie
aus den Gesprächen mit Ausstellern und Partnern ist deutlich spürbar. 2026 wird
ein starkes Jahr für die Branche, und wir arbeiten mit Hochdruck daran, dass
die interpack dieses Momentum perfekt aufgreift.
Was macht
Ihnen Mut?
Mich stimmt
die Dynamik in unserer Branche optimistisch. Sowohl im Maschinenbau als auch im
Packmittelsektor sehen wir eine stabil hohe Nachfrage und klare
Investitionssignale. Der internationale Handel mit Verarbeitungs- und
Verpackungsmaschinen bewegt sich weiter auf hohem Niveau und viele unserer
deutschen Anbieter sind in diesen Märkten maßgebliche Impulsgeber. Auch der
Markt für Konsumgüterverpackungen bleibt stabil. Bis 2029 rechnen wir mit einem
Plus von zehn %.
Diese
Einschätzungen bestätigen uns auch unsere Pressekonferenzen in Amerika, Asien
und Afrika in den vergangenen zwei Monaten. Die Gespräche zeigen deutlich: Die
Unternehmen schauen trotz globaler Unsicherheiten nach vorn, investieren
gezielt und treiben Innovationen mit hoher Geschwindigkeit voran. Dieser klare
Zukunftsblick ist ein starkes Signal.
Welche
Innovationen oder Investitionen planen Sie für 2026?
Wenn wir als
Messeveranstalter von Innovationen und Investitionen sprechen, dann geht es
weniger um Maschinen oder Materialien, sondern darum, wie wir die Plattform
interpack selbst weiterentwickeln. Für die Ausgabe im Jahr 2026 haben wir gezielt
in Angebote investiert, die allen Teilnehmenden echten Mehrwert liefern. Dazu
gehören digitale Services, die den Austausch und die Planung vereinfachen,
bessere Matchmaking-Tools und Formate, die Fachwissen noch wirksamer bündeln.
Auf der Messe
erwartet die Besucherinnen und Besucher ein konzentriertes Programm voller
Impulse: Startups, Women in Packaging, das neue Spotlight Forum, Save Food,
eine erweiterte Components sowie die Worldstar Packaging Awards. Und mit Interpack TV live nehmen wir die internationale Community direkt mit auf die
Messe.
Kurz: 2026
bieten wir ein Messeerlebnis, das Innovationen sichtbar macht und die Branche
in ihrer ganzen Vielfalt zusammenbringt.
Foto: Messe Düsseldorf / Constanze Tillmann
Dr. Natalie Brandenburg, Geschäftsführerin des Deutschen Verpackungsinstituts e. V. (dvi)
Was erwarten Sie für Ihr Geschäft vom kommenden Jahr?
Menschen und Unternehmen entlang der Supply-Chain vernetzen,
Innovationen fördern, entscheidende Informationen vermitteln und Impulse setzen,
Zugang zu relevantem Wissen bieten, das Image der Verpackung in der
Öffentlichkeit verbessern, Fachkräfte weiterbilden und Nachwuchsarbeit fördern
wird auch 2026 Hochkonjunktur haben. Von daher erwarten wir auch im kommenden
Jahr viel Arbeit im und für das Netzwerk. Wir freuen uns darauf.
Was macht Ihnen Mut?
Wenn ich auf unsere
über 250 Mitgliedsunternehmen schaue, bin ich zuversichtlich. Ich sehe viel
Entschlossenheit, Kraft und Kreativität, die vielfältigen Herausforderungen gemeinsam
anzugehen. Die Bedeutung der Zusammenarbeit entlang der Supply Chain nimmt
weiter zu. Immer mehr Unternehmen erkennen das und agieren auch entsprechend. Jetzt
ist nicht die Zeit, zu erstarren. Im Gegenteil gilt es, die Chancen zu
identifizieren und beispielsweise über Geschäftsmodelle nachzudenken.
Welche Innovationen oder Investitionen planen Sie für
2026?
Wir haben sehr erfolgreiche Formate wie den Deutschen
Verpackungskongress, den Tag der Verpackung, den Deutschen Verpackungspreis und
die Dresdner Verpackungstagung, die wir inhaltlich weiterentwickeln werden.
Auch im Bereich Weiterbildung sind wir mit der Verpackungsakademie und der
Packaging School schon sehr gut aufgestellt. Hier werden wir beispielsweise die
Angebote rund um die PPWR weiter ausbauen. Das gilt auch für unsere
Expertenforen, in denen sich unsere Mitglieder in kleiner Runde treffen, um über
aktuelle Herausforderungen und Innovationen zu sprechen. Aktuell haben wir
Foren für Markenartikler, Verpackungshersteller und Automatisierung. 2026
werden wir zusätzlich ein Trendforum „Kontaktsensitive Verpackungen“ für den
Pharma- und Kosmetikbereich starten. Außerdem bauen wir unsere Arbeit für den
Logistik- und Transportbereich aus, wo die PPWR durch ihre Fokussierung auf
Verkaufsverpackungen für besonders viel Unschärfe sorgt. Insgesamt werden wir
unser Angebot an Round-Tables und Ausschüssen rund um Schlüsselthemen der
Branche erweitern. Es gibt sehr viel Expertise und Kompetenz in unserem
Netzwerk, das wir für unsere Mitglieder, aber auch für die Branche insgesamt erschließen
wollen. Und nicht zuletzt benötigen auch die Entscheiderinnen und Entscheider
in der Politik mehr Fachwissen und Einblicke in die Realwirtschaft. Foto: Andre Wagenzik
Winfried Mühling, Director Marketing & Communication Pro Carton
Was erwarten Sie für Ihr Geschäft vom kommenden Jahr?
2026 erwarten wir
fortlaufende Konsumzurückhaltung. In diesem Umfeld sehen wir für Karton ein
moderates Wachstum von 2-3%. Dieses entsteht sowohl durch organische Nachfrage
als auch durch die fortschreitende Substitution von Kunststoff zugunsten
umweltfreundlicher, faserbasierter Verpackungen. Der Trend zu nachhaltigen
Materialien bleibt stark, getrieben durch Handel und Markeninhaber, die bewusst
auf erneuerbare Lösungen setzen. Diese genießen sehr großes Vertrauen der
Verbraucher. Der „Pull“-Effekt ist eindeutig: 89 % der Verbraucher bevorzugen
Karton gegenüber Kunststoff.
Was macht Ihnen Mut?
Zuversichtlich stimmt uns die
Entwicklung auf europäischer Ebene. Neue gesetzliche Rahmenbedingungen wie PPWR
und EUDR schaffen Planungssicherheit und unterstützen langfristige
Investitionsentscheidungen. Entscheidend wird eine zügige und harmonisierte Umsetzung
in allen EU-Mitgliedstaaten sein.
Ergänzend stärkt die
Bioökonomiestrategie der Europäischen Kommission Europas Weg zu grünem Wachstum
und einer stärkeren Unabhängigkeit von fossilen Rohmaterialien. Die
Kartonindustrie ist ein zentraler Treiber dieser Transformation und fördert
aktiv den Übergang zu einer biobasierten Kreislaufwirtschaft.
In den letzten Jahren wurden
erhebliche Investitionen getätigt, um die CO₂-Emissionen weiter zu senken.
Diese zeigen die gewünschten Ergebnisse; wir werden noch vor Jahresende
aktuelle Zahlen veröffentlichen. Gleichzeitig tragen Verbraucher durch getrennte
Sammlung und hohe Recyclingbeteiligung maßgeblich zum Funktionieren des
Kreislaufsystems bei. Wir streben an, die Recyclingquote bis 2030 auf 90 % zu
erhöhen.
Welche Innovationen oder Investitionen planen Sie für
2026?
Für 2026 setzen unsere
Mitglieder klare Innovationsschwerpunkte: Die Entwicklung biobasierter
Barrieren erschließt neue Anwendungen für Karton und erhöht den Anteil
erneuerbarer Bestandteile in Endverpackungen. Zudem investieren die Werke in
die Verbesserung der Recyclingfähigkeit ihrer Anlagen, um ein noch breiteres
Spektrum an Kartonqualitäten effizient recyceln zu können. Diese Fortschritte
entstehen durch industrieübergreifende Zusammenarbeit – insbesondere innerhalb
von Initiativen wie 4evergreen. Europaweite getrennte Sammlung von
faserbasierten Verpackungen hilft uns hier für weitere Schritte. Foto: Pro Carton
Dr. Christine Bunte, Hauptgeschäftsführerin von Plastics Europe Deutschland
Was
waren die wichtigsten Entwicklungen in Ihrer Branche und wie sind Sie diesen
begegnet?
Die größte Aufgabe bleibt, in einem immer schärferen
internationalen Wettbewerb konkurrenzfähig zu bleiben und gleichzeitig die
Kreislaufwirtschaft voranzubringen. Neben der Innovationskraft und Resilienz
der Unternehmen ist der politische Rahmen entscheidend. Daher setzen wir uns
für eine Industriepolitik ein, die den Standort wieder stärkt – Stichworte:
Energiekosten, Modernisierungsagenda und Bürokratieabbau. Gleichzeitig fordern
wir Regelungen, die es ermöglichen, Geschäftsmodelle für die Kreislaufwirtschaft
zu entwickeln, beispielsweise im neuen Verpackungsdurchführungsgesetz.
Was sind die zentralen Herausforderungen,
die im kommenden Jahr auf Ihre Branche zukommen?
Die Wirtschaftslage wird auch 2026 schwierig bleiben. Wir
sehen in Deutschland und der EU, dass erste richtige Schritte ergriffen
wurden, um die Wettbewerbsfähigkeit zu stärken. Diese Politik muss
konsequent fortgeführt werden, damit Deutschland ein attraktiver Standort
bleibt.
Was gibt Ihnen Anlass zu Optimismus für
die Zukunft?
Technologisch ist die europäische Kunststoffindustrie stark
aufgestellt. Vom verbesserten Design für Mehrweg und Recyclingfähigkeit
über neue Technologien bis hin zu biobasierten Lösungen – auf der K 2025
wurde sichtbar, welche Fortschritte wir bei der Kreislaufwirtschaft in den
letzten Jahren erzielt haben. Und wir haben immer noch ein einzigartiges, eng
vernetztes Industrienetzwerk. Beides macht Mut. Foto: Plastics Europe Deutschland, The Tailors Photography
Nicolas Buchta, Chief Commercial Officer Faller Packaging
Was erwarten Sie für Ihr Geschäft vom kommenden Jahr?
Wir blicken zuversichtlich auf das kommende Jahr und
erwarten für die Faller Gruppe ein Umsatzwachstum von rund acht Prozent im
Vergleich zum Vorjahr. Zwar entwickeln sich die einzelnen Ländergesellschaften
unterschiedlich, doch wir gehen davon aus, dass alle Standorte ein positives
Ergebnis erzielen und damit ihren Beitrag zur Gesamtentwicklung leisten werden.
Diese Einschätzung ergibt sich aus den internen Planungsannahmen sowie den
bislang vorliegenden Prognosen und dient uns als Orientierung für das kommende
Geschäftsjahr.
Was macht Ihnen Mut?
Besonders ermutigend ist für uns die Vertrauensbasis, die
wir mit vielen Kunden seit Jahrzehnten pflegen. Diese langfristigen
Partnerschaften geben uns Sicherheit und zeigen, dass unsere Leistungen und Zuverlässigkeit
im Markt geschätzt werden. Einige unserer Kunden verzeichnen aktuell ein
überdurchschnittliches Wachstum, weil sie mit innovativen Arzneimitteln
erfolgreich sind oder sich neue internationale Märkte erschließen. Dass wir sie
dabei begleiten dürfen, ist für uns ein starkes Signal. Wir wachsen gemeinsam
und dieses partnerschaftliche Miteinander stärkt uns auch in wirtschaftlich
herausfordernden Zeiten.
Welche Innovationen oder Investitionen planen Sie für
2026?
Mit Blick auf das Jahr 2026 stehen bei uns gezielte
Investitionen im Mittelpunkt, die unsere Wettbewerbsfähigkeit weiter steigern
sollen. Ein zentraler Schwerpunkt ist die Erweiterung des neuen Standorts in
Gebesee (Thüringen), an dem wir zusätzliche Produktionskapazitäten aufbauen.
Damit schaffen wir nicht nur mehr Flexibilität und Liefersicherheit für unsere
Kunden, sondern bereiten uns auch auf zukünftiges Wachstum und neue
technologische Anforderungen vor. Foto: Faller Packaging