Aktuelle Allensbach-Studie

Maschinenbauer fürchten Verlust der Technologieführerschaft

Die deutsche Maschinen- und Anlagenbauindustrie blickt mit wachsender Skepsis in die Zukunft. Mehr als die Hälfte der Unternehmen rechnet damit, dass die technologische Führungsrolle künftig nicht mehr in Deutschland liegt. Vor allem Wettbewerber aus China und den USA holen rasant auf.

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Die Herausforderungen werden nicht kleiner in den kommenden Jahren.

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Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Befragung des Instituts für Demoskopie Allensbach im Auftrag der Unternehmensberatung FTI-Andersch.

Demnach gehen 53 % der deutschen Maschinen- und Anlagenbauer davon aus, dass die Technologieführerschaft künftig vom Ausland übernommen wird oder bereits verloren gegangen ist. Sieben von zehn Unternehmen (70 %) erwarten in diesem Fall starke oder sogar sehr starke Auswirkungen auf das eigene Geschäft. Noch vor wenigen Jahren wäre eine solche Einschätzung in der traditionell selbstbewussten Branche kaum vorstellbar gewesen.

China und USA als größte Wettbewerbsherausforderung

Als wichtigste Treiber des technologischen Wettbewerbs nennen die Befragten vor allem Anbieter aus China und den USA. Nahezu alle Unternehmen (93 %) halten einen Markteintritt chinesischer Hersteller in Europa in den kommenden Jahren für wahrscheinlich, mehr als die Hälfte (52 %) sogar für sehr wahrscheinlich. Weitere 10 % geben an, dass dieser Eintritt in ihrem Segment bereits Realität ist.

Die Auswirkungen wären erheblich: 57 % der Unternehmen rechnen mit starken oder sehr starken Konsequenzen für das eigene Geschäft. Besonders betroffen sehen sich Unternehmen in Segmenten mit hohem Preis- und Technologiewettbewerb, etwa im Werkzeug- oder Spritzgussmaschinenbau.

„Dass eine Mehrheit der Maschinenbauer den Verlust der Technologieführerschaft erwartet, hätte vor wenigen Jahren noch als undenkbar gegolten“, sagt Philipp Oemler, Senior Managing Director bei FTI-Andersch. „Wir sehen diese Entwicklung im Markt heute schon in einzelnen Segmenten sehr konkret.“

Services geraten unter Druck – Drittanbieter übernehmen

Neben dem technologischen Wettbewerb verschärfen sich die Rahmenbedingungen auch im Servicegeschäft. Knapp jeder dritte Maschinenbauer (29 %) berichtet von finanziellen Nachteilen, weil Wartungs-, Support- und Serviceleistungen zunehmend von Drittanbietern übernommen werden. Treiber sind unter anderem Künstliche Intelligenz, Automatisierung sowie digitale Plattformmodelle, die klassische After-Sales-Strukturen infrage stellen.

Gerade das Servicegeschäft galt lange als stabiler Ertragspfeiler im Maschinenbau. Dass nun auch hier Umsatzanteile verloren gehen, erhöht den Anpassungsdruck zusätzlich. „Der Wettbewerbsdruck nimmt auf mehreren Ebenen gleichzeitig zu – durch neue regionale Wettbewerber ebenso wie durch Akteure aus Software und Service“, so Oemler. „Das führt in Teilen zu spürbaren Umsatzrückgängen im Servicegeschäft.“

Reaktionen der Unternehmen: Investitionen, Fokus, Verlagerung

Methodik

Für den German Economic Pulse 2025 hat das Institut für Demoskopie Allensbach im Auftrag von FTI-Andersch 169 deutsche Industrieunternehmen telefonisch befragt. Im Fokus standen die Branchen energieintensive Industrie (64 Unternehmen), Maschinen- und Anlagenbau (58) sowie Automobilindustrie (47). Rund 80 % der Interviews wurden mit Vorständen oder Geschäftsführern geführt, die übrigen mit Bereichsleitern aus Finance, Strategie und Vertrieb

Die Studie zeigt, dass die Unternehmen die Herausforderungen durchaus erkannt haben – allerdings mit unterschiedlichen strategischen Antworten. Bei den Maschinenbauern, die sich vom möglichen Verlust der Technologieführerschaft betroffen sehen, investieren 86 % verstärkt in den Aufbau eigener Software- und IT-Kompetenz, weitere 3 % planen entsprechende Maßnahmen kurzfristig. 73 % arbeiten daran, ihre Innovationszyklen zu beschleunigen.

Zudem intensivieren rund zwei Drittel (66 %) die Zusammenarbeit mit Universitäten und Forschungseinrichtungen oder planen dies. Ebenso viele richten ihr Geschäft stärker auf spezialisierte Nischenmärkte aus, weitere 14 % sind bereits heute stark nischenorientiert.

Deutlich verbreitet ist auch die Verlagerung von Produktionsschritten: 72 % der Unternehmen reagieren auf die strukturellen Brüche mit einer Verlagerung in Regionen mit niedrigeren Kosten oder bereiten diesen Schritt vor.

Kooperationen und neue Geschäftsmodelle bleiben die Ausnahme

Auffällig zurückhaltend zeigen sich viele Unternehmen hingegen bei internationalen Technologiepartnerschaften. Nur 14 % der Maschinenbauer haben bislang Kooperationen mit US-amerikanischen oder asiatischen Unternehmen aufgebaut, weitere 21 % planen dies. Beteiligungen an spezialisierten (KI-)Start-ups ziehen lediglich 20 % in Betracht.

Auch neue Erlösmodelle spielen bislang eine untergeordnete Rolle: Nur gut ein Drittel (37 %) plant, Modelle wie Pay-per-Use oder Monitoring-as-a-Service einzuführen. Dabei gelten gerade diese Ansätze als potenzieller Hebel, um sich vom reinen Produktgeschäft zu lösen.

„Klassische Instrumente wie Fokussierung können im Einzelfall sinnvoll sein, greifen aber zu kurz, wenn sie nicht Teil einer ganzheitlichen Transformation sind“, warnt Oemler. „Ein reines ‚Weiter-mit-dem-Markt-wachsen‘ wird in vielen Fällen nicht mehr ausreichen.“

Transformation statt Einzelmaßnahmen

Aus Sicht von FTI-Andersch entscheidet sich die Wettbewerbsfähigkeit im Maschinenbau künftig weniger an einzelnen Maßnahmen, sondern an der Kohärenz des gesamten Geschäftsmodells. Technologie, Serviceangebot und kommerzielle Logik müssten zu einem stimmigen Gesamtbild verbunden werden.

„Für jedes Unternehmen stellt sich sehr konkret die Frage, in welchen Bereichen es sich differenzieren kann – und wo nicht“, sagt Oemler. „Diese Klarheit ist Voraussetzung, um Investitionen gezielt zu steuern und Fehlallokationen zu vermeiden.“ Entsprechend beobachte man derzeit einen deutlichen Anstieg umfassender Transformationsprojekte im Maschinen- und Anlagenbau.

Transformation statt Einzelmaßnahmen

Aus Sicht von FTI-Andersch entscheidet sich die Wettbewerbsfähigkeit im Maschinenbau künftig weniger an einzelnen Maßnahmen, sondern an der Kohärenz des gesamten Geschäftsmodells. Technologie, Serviceangebot und kommerzielle Logik müssten zu einem stimmigen Gesamtbild verbunden werden.

„Für jedes Unternehmen stellt sich sehr konkret die Frage, in welchen Bereichen es sich differenzieren kann – und wo nicht“, sagt Oemler. „Diese Klarheit ist Voraussetzung, um Investitionen gezielt zu steuern und Fehlallokationen zu vermeiden.“ Entsprechend beobachte man derzeit einen deutlichen Anstieg umfassender Transformationsprojekte im Maschinen- und Anlagenbau.

FTI-Andersch ist eine Unternehmensberatung für Restrukturierung, Performance-Verbesserung und Transformation. Das Unternehmen unterstützt mittelständische Firmen und Konzerne bei strategischen, operativen und finanzwirtschaftlichen Herausforderungen. FTI-Andersch ist Teil der FTI-Consulting-Gruppe (NYSE: FCN) mit weltweit mehr als 8.100 Mitarbeitenden.