Preisstrategien im Maschinenbau für die Verpackungsindustrie
Mehr Wert statt nur mehr Technik
Technologie allein reicht nicht mehr. Wer im Verpackungsmaschinenbau profitabel wachsen will, muss den Kundennutzen konsequent monetarisieren. Wertorientierte Preisstrategien werden zum Game-Changer.
Daniel SeegerDanielSeegerDaniel SeegerSenior Projektleiter bei Prof. Roll & Pastuch
Steffen KampmannSteffenKampmannSteffen KampmannPartner bei Prof. Roll & Pastuch
4 min
Erfolgreiche Unternehmen setzen heute auf anwendungs- und wertorientierte Preisstrategien.OpenAI
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Der Maschinenbau zählt weltweit zu den zentralen
Industriezweigen und gilt als Rückgrat der deutschen Volkswirtschaft.
Gleichzeitig steht die Branche zunehmend unter Druck. Globale Wettbewerber
drängen in etablierte Märkte, Lieferketten bleiben volatil und Kunden erwarten
immer stärker individualisierte Lösungen. Hinzu kommen steigende Energie-, Material-
und Personalkosten sowie ein wachsender Innovationsdruck durch KI, Digitalisierung
und Automatisierung. Für Maschinenbauer wird es daher immer wichtiger,
technologische Stärke nicht nur in mehr Features, sondern auch in nachhaltige
Profitabilität zu übersetzen.
Daniel Seeger ist Senior Projektleiter bei Prof. Roll & Pastuch. Er hat über 20 Jahre Erfahrung in Beratung und Industrie, darunter mehrere Jahre in leitender Verantwortung bei einem globalen Automobilzulieferer in den Bereichen Strategie, Controlling und Shared Services.Prof. Roll & Pastuch
Diese Entwicklung zeigt sich besonders deutlich im
Maschinenbau für die Verpackungsindustrie. Verpackungshersteller stehen selbst
unter Transformationsdruck: Konsumgüterunternehmen fordern höhere
Produktionsgeschwindigkeiten, mehr Flexibilität bei kleineren Losgrößen sowie
nachhaltigere Verpackungslösungen. Gleichzeitig steigen regulatorische
Anforderungen und der Wettbewerb entlang der gesamten Wertschöpfungskette.
Maschinenbauer müssen daher nicht nur technologisch überzeugen, sondern ihren
Kunden auch messbare Effizienz- und Kostenvorteile bieten.
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In diesem Umfeld wird Pricing zu einem zentralen
strategischen Hebel. Während Preise lange Zeit vor allem kostenbasiert
kalkuliert wurden, setzen erfolgreiche Unternehmen heute zunehmend auf anwendungs-
und wertorientierte Preisstrategien. Gerade im Maschinenbau entscheidet nicht
allein die technische Leistungsfähigkeit über den Markterfolg – sondern auch
die Fähigkeit, den wirtschaftlichen Nutzen einer Lösung konsequent zu
monetarisieren.
Value-Pricing: Den Kundennutzen erfolgreich monetarisieren
Traditionell orientierten sich viele Maschinenbauer am
sogenannten Cost-plus-Ansatz: Produktionskosten werden ermittelt und
anschließend mit Blick auf die Margenerwartung beaufschlagt. Dieses Vorgehen
erscheint zunächst logisch, hat jedoch entscheidende Schwächen. Es
berücksichtigt weder die Zahlungsbereitschaft der Kunden noch den tatsächlichen
Nutzen der angebotenen Lösung.
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Value-Pricing verfolgt einen anderen Ansatz: Hier steht der
wirtschaftliche Mehrwert für den Kunden im Mittelpunkt. Ein Beispiel sind
Formatwechsel. Die Fähigkeit einer Verpackungsmaschine, unterschiedliche
Formate ohne hohen Umrüstaufwand zu verarbeiten, ist für Hersteller ein
zentraler Hebel zur Verbesserung der Prozesseffizienz.
Dennoch erfolgt die Preisfindung für Formatteile und andere
Werkzeuge in vielen Fällen weiterhin rein kostenbasiert und basiert nicht auf
einer differenzierten Systematik.
Steffen Kampmann ist Partner bei Prof. Roll & Pastuch. Er ist seit über 15 Jahren als Berater im internationalen Umfeld für multinationale Konzerne und mittelständische Unternehmen tätig. Herr Kampmann bringt umfangreiche Erfahrung aus einer Vielzahl an Strategie-, Pricing- und Vertriebsprojekten mit.Prof. Roll & Pastuch
Unternehmen, die Formatpreise strategisch gestalten,
berücksichtigen dagegen nicht nur die Herstellungskosten, sondern auch Faktoren
wie Komplexität, Wechselhäufigkeit, Produktionsvolumen oder die Bedeutung
einzelner Formate für das Produktportfolio des Kunden. Das Ertragspotenzial
hängt zudem erheblich vom Zeitpunkt der Beschaffung der Formatteile ab, da sich
für Kunden im Zeitverlauf der Zugang zu alternativen Lieferanten verändern
kann.
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Eine strukturierte Formatpreisstrategie kann somit einen
erheblichen Beitrag zur Profitabilität leisten.
Preisstrategie über den gesamten Maschinenlebenszyklus
Eine Verpackungsmaschine begleitet den Kunden meist über
viele Jahre. Entsprechend verändern sich im Laufe ihres Lebenszyklus auch die
Bedürfnisse der Betreiber – und damit die Ansatzpunkte für eine erfolgreiche
Preisstrategie.
Zu Beginn steht vor allem Flexibilität in der Spezifikation
im Vordergrund. In der Pre-Sales-Phase wird die Maschine auf Produkte, Formate
und Produktionsprozesse des Kunden ausgelegt. Individuelle Anpassungen sind
dabei häufig und sollten entsprechend transparent bepreist werden.
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Nach Auftragserteilung verschiebt sich der Fokus auf
Installation und Anpassung. Zwischen Bestellung, Lieferung und Inbetriebnahme
entstehen in vielen Projekten Änderungswünsche. Strukturierte Prozesse zur
Bepreisung solcher Change-Requests helfen, Anpassungen effizient umzusetzen und
wirtschaftliches Potenzial zu sichern.
Im laufenden Betrieb rückt vor allem die Verfügbarkeit der
Anlage in den Mittelpunkt. Ersatzteile, schnelle Lieferfähigkeit und
technischer Support werden für Verpackungshersteller entscheidend. Mit
zunehmender Laufzeit gewinnen zudem Instandhaltung, Upgrades und
Modernisierungen an Bedeutung.
FAQ: Preisstrategien im Maschinenbau
Was steckt hinter Value-Pricing?
Dabei orientiert sich der Preis nicht nur an den Herstellkosten, sondern vor allem an dem Nutzen, den eine Maschine oder Leistung dem Kunden tatsächlich bringt.
Warum stößt die reine Kostenkalkulation an Grenzen?
Weil sie den konkreten Mehrwert für den Kunden oft nicht ausreichend abbildet. Dadurch bleiben Ertragspotenziale häufig ungenutzt.
Warum spielen Formatteile in der Preisstrategie eine wichtige Rolle?
Sie bieten oft Spielraum für eine differenzierte Preisgestaltung – etwa je nach Komplexität, Einsatzhäufigkeit oder Relevanz im Produktionsprozess.
Warum lohnt sich der Blick auf den gesamten Lebenszyklus?
Weil die Erträge nicht mit dem Verkauf der Maschine enden. Auch Service, Ersatzteile, Umbauten und Upgrades tragen wesentlich zum Geschäft bei.
Welche Bedeutung haben digitale Services?
Sie können Abläufe verbessern, Stillstände reduzieren und zusätzliche Erlöse schaffen. Damit werden sie auch für die Preisstrategie immer relevanter.
Worin liegt der Unterschied zwischen Value-Pricing und Value-Selling?
Value-Pricing bestimmt den Preis auf Basis des Kundennutzens. Value-Selling liefert dem Vertrieb die Argumente, um diesen Preis nachvollziehbar zu vermitteln.
Warum ist Preisdisziplin im Vertrieb so entscheidend?
Weil eine gute Preisstrategie schnell an Wirkung verliert, wenn Rabatte zu großzügig vergeben werden. Klare Leitlinien helfen, die Marge zu sichern.
Gerade das Ersatzteilgeschäft bietet erhebliches Potenzial.
Eine differenzierte Preisstrategie berücksichtigt beispielsweise die
Kritikalität einzelner Komponenten oder alternative Bezugsquellen sowie Lieferzeiten.
Bei besonders kritischen Teilen, deren Ausfall zu Produktionsstillständen führen
kann, ist die Zahlungsbereitschaft der Kunden
deutlich höher. Aber auch der reine Kostenwert eines Teils hat Auswirkungen auf
die zu erzielende Marge. Ein Penny-Part verträgt ganz andere Aufschläge als
beispielsweise ein Antrieb oder eine Steuerung für mehrere tausend Euro. Entscheidend
ist in jedem Fall die intelligente Differenzierung der Mark-ups.
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Ergänzend gewinnen Serviceleistungen und digitale Services
wie Remote Monitoring, Predictive Maintenance und viele weitere datenbasierte Value-added-Services an Bedeutung, da sie die Effizienz steigern und Stillstände
reduzieren können.
Entscheidend ist dabei der Blick auf den Lifetime-Revenue
einer Maschine. Der wirtschaftliche Erfolg entsteht nicht nur beim
ursprünglichen Verkauf, sondern über den gesamten Lebenszyklus hinweg.
Unternehmen, die Pricing entlang dieser Phasen strategisch gestalten, können
Umsatz und Profitabilität deutlich steigern.
Digitale Services als neues Geschäftsmodell
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Mit zunehmender Digitalisierung verschiebt sich auch die
Wertschöpfung im Maschinenbau. Neben der Hardware gewinnen Softwarelösungen,
Datenservices und digitale Plattformen an Bedeutung.
Digitale Services wie Remote Monitoring, Fernwartung oder
datenbasierte Produktionsanalysen ermöglichen eine kontinuierliche Überwachung
von Maschinen und Anlagen. Potenzielle Störungen lassen sich so frühzeitig
erkennen und ungeplante Stillstände vermeiden.
Für Maschinenbauer entstehen dadurch neue Geschäftsmodelle –
etwa in Form von Serviceverträgen oder nutzungsabhängigen digitalen Leistungen.
Gleichzeitig stärken solche Angebote die langfristige Kundenbindung und
schaffen zusätzliche Differenzierung gegenüber Wettbewerbern.
Value-Selling: Differenzierung konsequent im Vertrieb
nutzen
Value-Pricing funktioniert jedoch nur, wenn der Vertrieb den
Kundennutzen auch überzeugend vermitteln kann. Erfolgreiche Maschinenbauer
analysieren daher systematisch, welche Leistungen Wettbewerber anbieten und wo
echte Differenzierungsmerkmale liegen.
Entscheidend ist dabei die Frage: Wofür ist der Kunde
tatsächlich bereit, mehr zu bezahlen? Höhere Linienverfügbarkeit, geringere
Stillstandzeiten, kürzere Set-up-Zeiten, schnellere Formatwechsel oder eine
bessere Integration in bestehende Produktionssysteme können für
Verpackungshersteller einen erheblichen wirtschaftlichen Mehrwert darstellen.
Unternehmen, die diese Vorteile klar herausarbeiten und im
Vertrieb konsequent kommunizieren, schaffen die Grundlage für höhere Preise und
stabilere Margen.
Preisdisziplin im Vertrieb sichern
Selbst die beste Preisstrategie bleibt wirkungslos, wenn sie
im Vertrieb nicht konsequent umgesetzt wird. In vielen Unternehmen entstehen
Margenverluste nicht durch falsche Listenpreise, sondern durch zu hohe Rabatte
in individuellen Verhandlungen.
Gerade im projektbasierten Maschinenbau ist dies ein
häufiges Problem. Vertriebsteams stehen unter hohem Abschlussdruck und nutzen
Preisnachlässe als einfaches Instrument in Verhandlungen.
Unternehmen, die ihre Preisperformance verbessern möchten,
investieren daher gezielt in Pricing-Governance. Klare Rabattregeln,
transparente Freigabeprozesse und Schulungen für den Vertrieb helfen,
Preisargumentation stärker auf den Kundennutzen auszurichten – und
Preisnachlässe als letztes statt als erstes Verhandlungsinstrument einzusetzen.
Die Verpackungsindustrie bleibt ein innovationsgetriebener
Markt. Doch technologische Differenzierung allein reicht zunehmend nicht mehr
aus. Unternehmen, die ihre Preisstrategie systematisch entwickeln, sichern sich
einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil.
Pricing entwickelt sich damit von einer operativen Aufgabe
zu einer strategischen Managementdisziplin. Wer den Wert seiner Lösungen
versteht, kommuniziert und konsequent monetarisiert, wird auch in einem
anspruchsvollen Marktumfeld profitabel wachsen können.
Gerade mit Blick auf internationale Leitmessen wie die Interpack
zeigt sich: Innovation entscheidet über Aufmerksamkeit – doch erst die richtige
Preisstrategie entscheidet über nachhaltigen wirtschaftlichen Erfolg.