Chancen und Herausforderungen im Bereich Automotive Packaging

Gel_RF_„Den größten Hebel hat die frühzeitige Einbindung aller Partner“

Die Automobilindustrie steckt im Wandel – und Verpackung wird zum strategischen Faktor. MM zeigt, wie faserbasierte Lösungen Kosten senken, Nachhaltigkeit stärken und Supply-Chain-Pain-Points lösen.

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Um so früher im Entwicklungsprozess an die Verpackung gedacht wird, um so besser fügt sie sich in den gesamten Prozesse ein.
Je früher im Entwicklungsprozess an die Verpackung gedacht wird, umso besser fügt sie sich in den gesamten Prozesse ein.

Redaktion: Die MM Group ist in vielen Branchen aktiv. Welche Rolle spielt der Automotive-Sektor heute in Ihrem Portfolio – und wie hat sich diese in den vergangenen Jahren verändert?

Michael Strobl: Die Automobilindustrie hat sich für MM zu einer wichtigen Referenzbranche entwickelt. Mit ihren hohen Anforderungen an Performance, Effizienz, Supply-Chain-Stabilität und Nachhaltigkeit fungiert sie für uns als Innovationstreiber. Wir sehen eine steigende Zahl an Kundenprojekten und übertragen Erfahrungen aus anderen Industrien gezielt auf Automotive-Anwendungen. Insbesondere der Wandel hin zu nachhaltigen Verpackungskonzepten – befeuert durch Klimaziele wie Net Zero 2050 oder die geplanten 50 % Emissionsreduktion bis 2030 – eröffnet Wachstumspotenzial sowohl für klassische Faltschachteln als auch für Formfaserlösungen.

Neue Angebote wie MM Moulded Pulp oder unsere Barrier-Grease-Lösungen erhöhen dabei die Relevanz von MM als Partner für die Branche. Wir können mit unseren Verpackungen Lösungen anbieten von der Faltschachtel für Ersatzteile bis zu komplexen Formteilen aus Faserstoff für Batterien und Getriebe.

Redaktion: Auf welche Trends und Anforderungen treffen Sie aktuell am häufigsten?

Strobl: Die Branche befindet sich in einem massiven Transformationsprozess. Für unsere Automotive-Kunden gewinnt Verpackung zunehmend strategische Bedeutung – insbesondere im Kontext der Dekarbonisierung. Wir beobachten eine starke Nachfrage nach faserbasierten, kreislauffähigen Lösungen, die Abfall reduzieren und Prozesse effizienter machen. Gleichzeitig verstärkt die zunehmende Regionalisierung der Lieferketten die Bedeutung unseres globalen Footprints.

Mit unserem Multi-Mill-Konzept bieten wir zuallererst Versorgungssicherheit. Und natürlich bleibt der Kostendruck hoch. Dank unserer Expertise können wir Kunststoffverpackungen durch wirtschaftlich attraktive, funktionale Papierlösungen ersetzen. Wir bieten hier umweltfreundliche Alternativlösungen für Industrieanwendungen.

Redaktion: Wie eng arbeiten die Bereiche Moulded Pulp und Board & Paper in der Entwicklung für Automotive-Kunden zusammen?

Artur Fiktus: Die beiden Bereiche bündeln Expertise aus Materialentwicklung, Additiven oder Funktionsbarrieren. Hier arbeiten Spezialisten beider Divisionen Hand in Hand, um leistungsfähige Alternativen zu Kunststofflösungen zu entwickeln. Wir erschließen Synergien in beiden Unternehmensbereichen, um bessere Lösungen für unsere Kunden zu schaffen.

Redaktion: Die Kostenbelastung im Automotive-Bereich ist derzeit hoch. Welche Auswirkungen spüren Sie – und wie können Sie OEMs und Zulieferer unterstützen?

Strobl: Wir stehen in sehr engem Austausch mit unseren Kunden und kennen die Herausforderungen. Als Entwicklungspartner bringen wir neue Perspektiven ein – vor allem im Bereich Kunststoffersatz – und bieten nachhaltige wie ökonomisch attraktive Alternativen.

Gleichzeitig sorgen wir dafür, dass Verpackungen einfach in Produktionsabläufe integrierbar sind und Transportvolumen optimal nutzen. Es geht letztlich darum, Funktion und Wirtschaftlichkeit in Einklang zu bringen. Das bringt Kostenvorteile über die gesamte Wertschöpfungskette hinweg.

Redaktion: Welche typischen Pain-Points in der automobilen Supply-Chain lassen sich durch optimierte Verpackung entschärfen?

Fiktus: Optimierte Verpackung kann zahlreiche Engpässe auflösen – von ineffizienter Raumausnutzung über Transportschäden bis hin zu arbeitsintensivem Handling. Unsere Formfaserlösungen ermöglichen etwa präzise Schutzfunktionen gegen Oberflächenkontamination oder Vibrationen. Zudem helfen faserbasierte Materialien dabei, Nachhaltigkeits- und Recyclingtauglichkeitsanforderungen zu erfüllen. Wir versuchen auch den Einsatz der Verpackung zu verstehen, um auch im internen Handling Optimierung sicherzustellen.

Redaktion: Inwiefern beeinflusst die volatile globale Lage – etwa Materialknappheit oder geopolitische Risiken – Ihre Entwicklungen?

Strobl: Dank unserer vertikalen Integration – eigener Faser-, Karton- und Papierproduktion sowie Konvertierung und Formfaserfertigung – sind wir deutlich unabhängiger von volatilen globalen Lieferketten. Unsere Lösungen basieren überwiegend auf europäischen Material- und Recyclingströmen. Darüber hinaus können wir mit unseren Recyclingstandorten sogar Rückführungsmodelle für Verpackungen anbieten. Lückenlose Kreislaufwirtschaft.

Redaktion: Die PPWR betrifft vor allem Konsumgüter, wirkt aber indirekt auf B2B-Strukturen. Welche Folgen sehen Sie für die Automobilindustrie?

Fiktus: Die PPWR markiert einen Paradigmenwechsel. Verpackung wird vom reinen Logistikelement zum regulierten Bestandteil der Wertschöpfungskette – inklusive Transport- und Industrieverpackung. Das zwingt Hersteller zu einem Wechsel vom linearen Modell hin zu geschlossenen Kreisläufen. Harmonisierung, Standardisierung und langlebige, nachhaltige Verpackungslösungen rücken stärker in den Fokus. Wir unterstützen Kunden dabei mit TCO- und CO₂-Analysen sowie einem breiten Fiber-Portfolio.

Redaktion: Wie wichtig sind Themen wie Rezyklierbarkeit, Materialeffizienz oder CO₂-Reduktion für Ihre Automotive-Kunden?

Strobl: Diese Anforderungen sind heute nicht mehr optional. Sie sind zu zentralen strategischen Kennzahlen geworden – getrieben von Regulierung und dem Ziel der Kreislaufwirtschaft. Verpackung wird damit zum strategischen Berührungspunkt zwischen Logistikleistung und Nachhaltigkeitsambition. Sie prägt zunehmend auch die Wahrnehmung der Marke und die Effizienz des gesamten Systems.

Redaktion: Wie schaffen Sie den Spagat zwischen Nachhaltigkeit und funktionaler Performance – insbesondere bei schweren oder sensiblen Bauteilen?

Fiktus: Wir verfolgen einen integrativen Ansatz, der Schutzfunktion und Nachhaltigkeit nicht gegeneinander ausspielt. Formfaserlösungen wie MM Moulded Pulp ermöglichen stabile, stoßabsorbierende und passgenaue Verpackungen – ideal auch für schwere oder empfindliche Komponenten. Mit unserer technischen Expertise entwickeln wir maßgeschneiderte Verpackungen, die optimal schützen und gleichzeitig die Anforderungen an Kreislauffähigkeit erfüllen.

Redaktion: Welche Auswirkungen haben neue Antriebstechnologien, insbesondere Batterietechnologien, auf die Verpackungsentwicklung?

Fiktus: Der Einfluss auf das Verpackungsdesign ist weniger fundamental als oft angenommen, aber spürbar. Es steigt der Bedarf an maßgeschneiderten Polsterungen, antistatischen Eigenschaften, Isolation und Rückverfolgbarkeit. Zudem verlangen Batteriemodule häufig verstärkte Strukturen und flexible Innenlayouts. Wichtig ist auch die Reduktion komplexer Multimaterialkombinationen – und die enge Zusammenarbeit entlang der gesamten Wertschöpfungskette.

Redaktion: Wo liegt aus Ihrer Sicht das größte Optimierungspotenzial im Zusammenspiel von Logistik, Verpackungsentwicklung und Produktion?

Strobl: Den größten Hebel hat die frühzeitige Einbindung aller Partner. Wenn Packaging bereits in der Designphase mitgedacht wird, entstehen „smarte“ Lösungen, die Material sparen, Transportdichte erhöhen und automatisierte Abläufe unterstützen. Transparenz, offener Informationsaustausch und Co-Development sind entscheidend – ebenso wie ein ganzheitlicher Blick auf den kompletten Materialfluss bis in den Kreislauf zurück.

Michael Strobl, Director Innovation, Product Development and Technical Services bei der MM Group im Bereich Board & Paper

Michael Strobl, Director Innovation, Product Development and Technical Services bei der MM Group im Bereich Board & Paper

Michael Strobl ist Innovations- und technischer Leiter, der die Produktentwicklung bei der MM Group im Bereich Board & Paper vorantreibt. Er bringt seine langjährige Führungserfahrung in den Bereichen Innovation, Produktentwicklung und technischer Service ein und konzentriert sich dabei auf Lösungen, die für Kunden in einer Vielzahl von Branchen einen Mehrwert schaffen.

Mit seinem tiefen technischen Know-how und strategischen Einblicken aus leitenden Positionen im Produktmanagement und Betrieb in der Papier- und Beschichtungsbranche hilft Strobl Kunden, von optimierten, nachhaltigen Verpackungslösungen und maßgeschneidertem technischem Support zu profitieren. Seine Führungsqualitäten verbinden Prozessinnovation mit Marktkenntnissen und verbessern so die Qualität und operative Effektivität für globale Partner.

Artur Fiktus, Head of Moulded Pulp bei MM Packaging

Artur Fiktus, Head of Moulded Pulp bei MM Packaging

Artur Fiktus, Head of Moulded Pulp bei MM Packaging, ist ein Branchenexperte, der operative Kompetenz, technisches Know-how und kontinuierliche Verbesserung in komplexe Produktionsprozesse einbringt.

Kunden aus unterschiedlichen Industrien profitieren von seiner Expertise in der Papierherstellung und im Druck, die für mehr Konsistenz, Effizienz und Zuverlässigkeit in ihren Verpackungsportfolios sorgt.

In enger Zusammenarbeit mit Produktionsteams und funktionsübergreifenden Partnern stellt Fiktus sicher, dass Kunden und Endverbraucher differenzierte faserbasierte Verpackungslösungen – wie etwa Formfaser (Moulded Pulp) – erhalten, die Leistungsfähigkeit und Nachhaltigkeit in Einklang bringen.

Mit seinem ingenieurtechnischen Verständnis unterstützt er Unternehmen dabei, sich auf sich wandelnde regulatorische, operative und ökologische Anforderungen einzustellen und ihre Marken langfristig wettbewerbsfähiger zu positionieren.