Entwicklung und Einsatz einer Verpackungsprozess-App

Digitale Prozessintelligenz statt Zettelwirtschaft

Mit einer SAP-integrierten Low-Code-App hat Saertex seine Verpackungs- und Verladeprozesse digitalisiert. Die Lösung sorgt für korrekte Zuordnung von Rollen, transparente Abläufe und weniger Fehler – und hebt die Verpackung vom papierbasierten Prozess auf ein digitales Niveau.

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Die technischen Textilien und Verbundwerkstoffe von Saertex kommen unter anderem in der Windkraft zum Einsatz.

Vom tiefen Ozean bis ins Weltall: So riesig ist der Einsatzspektrum der Saertex-Produkte. Die textilen Verstärkungsmaterialien für Faserverbundwerkstoffe ersetzen schwere Metallstrukturen in unter anderem Flugzeugflügeln, Bootsrümpfen oder auch tragenden Komponenten in Bussen, Zügen und Autos durch leichte und leistungsstarke Composite-Lösungen. Die verarbeiteten Glas-, Carbon-, Aramid- und Naturfasern sind Meister der extremen Bedingungen und verbessern aerodynamische Eigenschaften, erhöhen die Widerstandsfähigkeit gegen Umwelteinflüsse und tragen zu energieeffizienteren sowie nachhaltigeren Anwendungen bei – und das branchenübergreifend. 

Der IT-Kern ist die SAP

 Über 3.333 Verstärkungsmaterialien stellt das Traditionsunternehmen aus dem Münsterland her und setzt dabei auf modernste Fertigungsmethoden wie unter anderem eine digitale Materialinspektion und Rollenberichte sowie ein Smart Detect Control System für die Innenlageninspektion. Auf dem Weg zum volldigitalisierten Unternehmen stießen bisherige Lösungen sowohl in punkto Funktionalität als auch Wartung und Konnektivität aber an Grenzen, denn der IT-Kern ist und bleibt SAP und das zugehörige ERP-System.

Rollenware auf dem Verpackungstisch.

Ein Beispiel dafür war das Verpacken von Carbon-Gelegen als Rollenware sowie deren Verladen auf die richtige Palette. Die Herausforderung dabei: Die Rollen können unterschiedlich breit sein, so dass teils unterschiedliche Größen in derselben Verpackung landeten. Die Folge: Die bestellte Ware wurde nicht korrekt verpackt und ausgeliefert, Zusatzkosten entstanden. Zudem wurde die Charge falsch in die SAP-Lösung für den Produktionsauftrag zurückgebucht, was im nächsten Schritt weitere Korrekturen erforderte, falsche Reportings erzeugte und immer noch viel zu papierlastig war.

 AI-infused Apps für Verpackungsprozesse

Mit der Low-Code-Plattform Simplifier und Artificial Intelligence (AI) hat der Mittelständler für seine SAP-basierten Verpackungsprozesse nun eine stabile und zukunftssichere Lösung entwickelt und profitiert heute von einer einheitlichen Tool-Kette ohne Systembrüche. Oder anders formuliert: Das Verpacken der Waren erfolgt dank eigens entwickelten Low-Code-Anwendung nun mobil, ist skalierbar und lückenlos transparent und punktet obendrauf mit einem durchdachtem Governance-Konzept für IT, Testing und Data. Ein weiterer Vorteil: Mit der so genannten „Verpackungsprozess-App“ lassen sich auch ungelernte Fachkräfte ohne umfangreiche Einweisung in den digital geführten Prozess integrieren. Dank des automatisierten Prozesses sind auch Übertragungsfehler Geschichte, denn bei Fertigstellung eines Transports wird der Vorgang sowohl in der Low-Code-Plattform als auch im SAP-System abgeschlossen. Außerdem sorgt ein dynamisch generierter QR-Code dafür, dass keine manuelle Eingabe von Artikeldaten mehr notwendig ist, was weitere Fehler vermeidet.

„Mit der Plattform von Simplifier sind wir in der Lage, schnell, unkompliziert und kosteneffizient Lösungen zu schaffen, die einen echten Mehrwert bilden. Systemgrenzen sind für uns kein Problem mehr und transaktionale Daten werden dort gesichert, wo sie hingehören und nicht in irgendwelchen redundanten ‚Datentöpfen‘.“

Ingo Tegeder, Head of Global IT & SAP, Saertex GmbH & Co. KG

Die App-Entwicklung ging schnell und problemlos vonstatten, und das hat vor allem zwei Gründe: Erstens ist Simplifier voll in SAP und zweitens in die vorhandenen Schnittstellen zu bestehenden Systemen im Shopfloor und Topfloor von Sertex integrierbar. Alles in allem hat sich der Low-Code-Einsatz für den Weltmarktführer mehr als gerechnet: Die Fehlerquote wurde unter 0,5 % gesenkt, die Folgekosten falsch verpackter Transportrollen minimiert. Die „Verladekontrolle-App“ erhöht außerdem die Qualität im Verlade- und Versandprozess, der nun digital in einer einzigen Anwendung gemanagt wird anstelle wie früher über unstrukturierte, papierbasierte Prozesse und eine Vielzahl unterschiedlicher Systeme, die nicht mehr gewartet werden konnten.

Low-Code als Türöffner für die App-Entwicklung

Des Weiteren kann Saertex über die Verladekontrolle hinaus weitere Anwendungen wie beispielsweise für das MDE-Terminal oder auch einen KI-Chatbot für die SAP Sales and Service Cloud nun um ein Drittel schneller auf den Markt bringen und somit bis zu 20 Projekttage pro Lösung einsparen – und somit auch die dringend erforderliche bidirektionale SAP-Kommunikation zwischen Produktion und Verwaltung dauerhaft etablieren. Und vor allem denkt Saertex jetzt nicht mehr in Funktionen, sondern in durchgängigen SAP-Prozessen. Und da keine Setup- und Service-Kosten anfallen und nur die reine Nutzung abgerechnet wird, werden die oft begrenzten Ressourcen im Mittelstand weiter geschützt: Denn Low-Code stellt wiederverwendbare Bausteine und Templates bereit, die man anpassen und weiterentwickeln kann. Hinzu kommt der flexible Betrieb nutzungsbasierter Cloud-Modelle bis hin zu lokalen AI-Modellen auf eigener Hardware, insbesondere für Industrieanwender ein großer Vorteil, denn selbst in rauen, netzschwachen Umgebungen wie Baustellen oder Fabrikhallen bleibt die AI-unterstützte App verlässlich und performant nutzbar. Allesamt dringend erforderliche Eigenschaften, die im Zuge der Digitalisierung sowie innovativer und wettbewerbsfähiger IT-Lösungen vor allem im Mittelstand wichtig sind.

Die Simplifier-Plattform

Simplifier legt großen Wert auf die Erklärbarkeit und Transparenz von AI-Funktionalitäten, so dass Unternehmen ihren Anwendern jederzeit zeigen können, wie und warum ein AI-basiertes Ergebnis zustande kommt. Typische Transparenzmechanismen sind zum Beispiel erklärbare Regeln und Workflows. Das heißt, die AI wird in klar definierte Low-Code-Workflows integriert, die visuell modelliert sind. Jeder Schritt wie zum Beispiel Vorverarbeitung, Modellaufruf oder Nachbearbeitung ist im Designer sichtbar und nachvollziehbar – Nutzer und Entwickler können also jederzeit prüfen, welche Logik hinter einer Entscheidung steckt. Zudem existieren konfigurierbare Confidence Scores, die in der App-Oberfläche angezeigt werden, damit Nutzer sehen, wie sicher die Erkennung wirklich ist. Apps können so beispielsweise Schwellenwerte festlegen, ab wann ein Ergebnis automatisch übernommen oder lieber manuell geprüft wird. Gerade bei sensiblen Prozessen wird AI damit zum Assistenzsystem statt Entscheidungsautomat. Ein weiterer wichtiger Dienst sind auch die Ergebniserläuterungen (Explainable AI) im User Interface (UI): Für bestimmte Modelle wie Bildklassifikation kann die App zusätzlich erläutern, welche Merkmale zur Entscheidung geführt haben.