Mit einer SAP-integrierten Low-Code-App hat Saertex seine Verpackungs- und Verladeprozesse digitalisiert. Die Lösung sorgt für korrekte Zuordnung von Rollen, transparente Abläufe und weniger Fehler – und hebt die Verpackung vom papierbasierten Prozess auf ein digitales Niveau.
Christian KleinschrothChristianKleinschrothChristian KleinschrothCTO Simplifier AG
2 min
Die technischen Textilien und Verbundwerkstoffe von Saertex kommen unter anderem in der Windkraft zum Einsatz.Saertex
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Vom tiefen Ozean bis ins Weltall: So riesig ist der
Einsatzspektrum der Saertex-Produkte. Die textilen Verstärkungsmaterialien für
Faserverbundwerkstoffe ersetzen schwere Metallstrukturen in unter anderem
Flugzeugflügeln, Bootsrümpfen oder auch tragenden Komponenten in Bussen, Zügen
und Autos durch leichte und leistungsstarke Composite-Lösungen. Die
verarbeiteten Glas-, Carbon-, Aramid- und Naturfasern sind Meister der extremen
Bedingungen und verbessern aerodynamische Eigenschaften, erhöhen die
Widerstandsfähigkeit gegen Umwelteinflüsse und tragen zu energieeffizienteren
sowie nachhaltigeren Anwendungen bei – und das branchenübergreifend.
Der IT-Kern ist die SAP
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Über 3.333 Verstärkungsmaterialien stellt das
Traditionsunternehmen aus dem Münsterland her und setzt dabei auf modernste
Fertigungsmethoden wie unter anderem eine digitale Materialinspektion und
Rollenberichte sowie ein Smart Detect Control System für die
Innenlageninspektion. Auf dem Weg zum volldigitalisierten Unternehmen stießen
bisherige Lösungen sowohl in punkto Funktionalität als auch Wartung und
Konnektivität aber an Grenzen, denn der IT-Kern ist und bleibt SAP und das
zugehörige ERP-System.
Rollenware auf dem Verpackungstisch.Saertex
Ein Beispiel dafür war das Verpacken von Carbon-Gelegen als
Rollenware sowie deren Verladen auf die richtige Palette. Die Herausforderung
dabei: Die Rollen können unterschiedlich breit sein, so dass teils
unterschiedliche Größen in derselben Verpackung landeten. Die Folge: Die
bestellte Ware wurde nicht korrekt verpackt und ausgeliefert, Zusatzkosten
entstanden. Zudem wurde die Charge falsch in die SAP-Lösung für den
Produktionsauftrag zurückgebucht, was im nächsten Schritt weitere Korrekturen
erforderte, falsche Reportings erzeugte und immer noch viel zu papierlastig
war.
AI-infused Apps für Verpackungsprozesse
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Mit der Low-Code-Plattform Simplifier und Artificial
Intelligence (AI) hat der Mittelständler für seine SAP-basierten
Verpackungsprozesse nun eine stabile und zukunftssichere Lösung entwickelt und
profitiert heute von einer einheitlichen Tool-Kette ohne Systembrüche. Oder
anders formuliert: Das Verpacken der Waren erfolgt dank eigens entwickelten
Low-Code-Anwendung nun mobil, ist skalierbar und lückenlos transparent und
punktet obendrauf mit einem durchdachtem Governance-Konzept für IT, Testing und
Data. Ein weiterer Vorteil: Mit der so genannten „Verpackungsprozess-App“
lassen sich auch ungelernte Fachkräfte ohne umfangreiche Einweisung in den
digital geführten Prozess integrieren. Dank des automatisierten Prozesses sind
auch Übertragungsfehler Geschichte, denn bei Fertigstellung eines Transports
wird der Vorgang sowohl in der Low-Code-Plattform als auch im SAP-System
abgeschlossen. Außerdem sorgt ein dynamisch generierter QR-Code dafür, dass
keine manuelle Eingabe von Artikeldaten mehr notwendig ist, was weitere Fehler
vermeidet.
„Mit der Plattform von Simplifier sind wir in der Lage, schnell, unkompliziert und kosteneffizient Lösungen zu schaffen, die einen echten Mehrwert bilden. Systemgrenzen sind für uns kein Problem mehr und transaktionale Daten werden dort gesichert, wo sie hingehören und nicht in irgendwelchen redundanten ‚Datentöpfen‘.“
Ingo Tegeder, Head of Global IT & SAP, Saertex GmbH & Co. KG
Die App-Entwicklung ging schnell und problemlos vonstatten,
und das hat vor allem zwei Gründe: Erstens ist Simplifier voll in SAP und
zweitens in die vorhandenen Schnittstellen zu bestehenden Systemen im Shopfloor
und Topfloor von Sertex integrierbar. Alles in allem hat sich der
Low-Code-Einsatz für den Weltmarktführer mehr als gerechnet: Die Fehlerquote
wurde unter 0,5 % gesenkt, die Folgekosten falsch verpackter Transportrollen
minimiert. Die „Verladekontrolle-App“ erhöht außerdem die Qualität im Verlade-
und Versandprozess, der nun digital in einer einzigen Anwendung gemanagt wird
anstelle wie früher über unstrukturierte, papierbasierte Prozesse und eine
Vielzahl unterschiedlicher Systeme, die nicht mehr gewartet werden konnten.
Low-Code als Türöffner für die App-Entwicklung
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Des Weiteren kann Saertex über die Verladekontrolle hinaus
weitere Anwendungen wie beispielsweise für das MDE-Terminal oder auch einen
KI-Chatbot für die SAP Sales and Service Cloud nun um ein Drittel schneller auf
den Markt bringen und somit bis zu 20 Projekttage pro Lösung einsparen – und
somit auch die dringend erforderliche bidirektionale SAP-Kommunikation zwischen
Produktion und Verwaltung dauerhaft etablieren. Und vor allem denkt Saertex
jetzt nicht mehr in Funktionen, sondern in durchgängigen SAP-Prozessen. Und da
keine Setup- und Service-Kosten anfallen und nur die reine Nutzung abgerechnet
wird, werden die oft begrenzten Ressourcen im Mittelstand weiter geschützt:
Denn Low-Code stellt wiederverwendbare Bausteine und Templates bereit, die man
anpassen und weiterentwickeln kann. Hinzu kommt der flexible Betrieb
nutzungsbasierter Cloud-Modelle bis hin zu lokalen AI-Modellen auf eigener
Hardware, insbesondere für Industrieanwender ein großer Vorteil, denn selbst in
rauen, netzschwachen Umgebungen wie Baustellen oder Fabrikhallen bleibt die
AI-unterstützte App verlässlich und performant nutzbar. Allesamt dringend
erforderliche Eigenschaften, die im Zuge der Digitalisierung sowie innovativer
und wettbewerbsfähiger IT-Lösungen vor allem im Mittelstand wichtig sind.
Die Simplifier-Plattform
Simplifier legt großen Wert auf die Erklärbarkeit und
Transparenz von AI-Funktionalitäten, so dass Unternehmen ihren Anwendern
jederzeit zeigen können, wie und warum ein AI-basiertes Ergebnis zustande
kommt. Typische Transparenzmechanismen sind zum Beispiel erklärbare Regeln und
Workflows. Das heißt, die AI wird in klar definierte Low-Code-Workflows
integriert, die visuell modelliert sind. Jeder Schritt wie zum Beispiel Vorverarbeitung, Modellaufruf oder Nachbearbeitung ist im Designer sichtbar und
nachvollziehbar – Nutzer und Entwickler können also jederzeit prüfen, welche
Logik hinter einer Entscheidung steckt. Zudem existieren konfigurierbare
Confidence Scores, die in der App-Oberfläche angezeigt werden, damit Nutzer
sehen, wie sicher die Erkennung wirklich ist. Apps können so beispielsweise Schwellenwerte festlegen, ab wann ein Ergebnis automatisch übernommen oder
lieber manuell geprüft wird. Gerade bei sensiblen Prozessen wird AI damit zum
Assistenzsystem statt Entscheidungsautomat. Ein weiterer wichtiger Dienst sind
auch die Ergebniserläuterungen (Explainable AI) im User Interface (UI): Für
bestimmte Modelle wie Bildklassifikation kann die App zusätzlich erläutern,
welche Merkmale zur Entscheidung geführt haben.