Wie Schubert seine Marktposition mit breiterem Portfolio stärkt
„Komplexität kann schnell zum Hemmschuh werden“
Angesichts eines global dynamischen Umfelds hat Verpackungsmaschinenbauer Schubert seinen strategischen Kurs justiert. Was es damit auf sich hat, verraten Ralf Schubert, geschäftsführender Gesellschafter, Marcel Kiessling, Geschäftsführer Vertrieb und Service, und Marcus Schindler, Bereichsleiter Strategische Unternehmensentwicklung.
Das Gespräch fand bei Schubert in Crailsheim statt. v.l.: Chefredakteuer Philip Bittermann, geschäftsführender Gesellschafter Ralf Schubert, Geschäftsführer Vertrieb und Service Marcel Kiessling und Bereichsleiter strategische Unternehmensentwicklung Marcus Schindler.Tobias Vogt
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Redaktion: Schubert steht in den Augen vieler Anwender für TLM. Daneben gibt es Lightline und Tog. Welche Strategie steht hinter dem mehrgliedrigen Portfolio?
Marcel Kiessling: Mit TLM, den Toploading-Maschinen, hat Schubert Maßstäbe beim robotisierten Verpacken unterschiedlichster Konsumgüter gesetzt, vom Keks bis zur Impfstoffspritze. Doch nicht jeder Kunde benötigt eine vollintegrierte, komplexe Verpackungslinie, wie wir sie mit dem TLM-Baukasten bauen können.
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Manchmal muss es ein schnell betriebsbereites System oder eine platzsparende Automationszelle sein. Mit Lightline und Tog adressieren wir diese Bedarfe und stellen uns breiter in einem Markt auf, der eben diese Flexibilität explizit fordert. Fakt ist: Schubert löst komplexe genauso wie einfache Verpackungsaufgaben.
Fakt ist: Schubert löst komplexe genauso wie einfache Verpackungsaufgaben.
Marcel Kiessling, Geschäftsführer Vertrieb und Service bei Schubert
Redaktion: Können Sie das genauer erläutern?
Kiessling: Aus unseren TLM-Systemkomponenten wie Schlauchbeutelaggregaten, Schachtelaufrichtern, Transmodulen und Pick-and-Place-Robotern können wir hochspezifische Verpackungsmaschinen bauen, die Produkte von oben in die Verpackungen füllen – deshalb sprechen wir von Topload-Maschinen, kurz TLM. Das machen wir seit vielen Jahren sehr erfolgreich und lösen damit jedes Verpackungsproblem. Dabei entstehen sehr individuelle, nicht selten umfassende Maschinen für ganz bestimmte Anwendungen.
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Es gibt aber auch Verpackungsaufgaben, die nicht ganz so komplex sind, weil ein Kunde beispielsweise nur wenige Formate verpackt oder lediglich eine einfache Pick-and-Place- oder Flowpack-Anwendung benötigt. Genau dafür haben wir vor ein paar Jahren die Lightline eingeführt.
Marcus Schindler: Die Reihe steht für vorkonfigurierte Maschinen, die einfach standardisierbare Aufgaben wie Pick-and-Place, Schlauchbeutelverpacken und Kartonieren abdecken.
Lightline steht für für vorkonfigurierte Maschinen, die einfach standardisierbare Aufgaben wie Kartonieren abdecken.Tobias Vogt
Um die passende Lightline-Maschine zu ermitteln, schauen wir uns die Verpackungsszenarien des Kunden an – die Kombination aus Produkt, Verpackung, Packschema und Leistung. Auf der Basis unseres TLM-Baukastens haben wir bereits Lightline-Maschinen für diese Verpackungsszenarien konfiguriert und konstruiert. Damit bietet die Lightline-Reihe die ideale Lösung für all jene, die eine schnell einsetzbare Anlage ohne speziellen Konstruktionsaufwand und zu attraktiven Investitionskosten benötigen.
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Redaktion: Wie stellen Sie dies sicher?
Schindler: Die Parameter für gängige Verpackungsszenarien sind bei der Lightline bereits voreingestellt, sodass Kunden diese nicht erst bestimmen müssen. Das spart Zeit bei der Inbetriebnahme, in manchen Fällen bis zu 30 %.
Wir sehen die Lightline-Reihe deshalb als wichtigen Schritt einer Evolution – hin zu einer effizienteren, kostengünstigeren Produktion. Entsprechend intensiv bauen wir die Reihe aus. Mit dem Case Packing haben wir eine weitere Verpackungsaufgabe im Visier, für die es bald eine entsprechende Lightline-Maschine geben wird.
Redaktion: Und was hat es mit der Tog-Reihe auf sich?
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Ralf Schubert: Bei der dritten Produktlinie – einem komplett neuen, flexiblen, Produktionssystem – stehen wir noch am Anfang. Unter dem Namen Tog – die Kurzform von „together“ – bündeln wir automatisierte Produktionszellen, die in Zusammenarbeit mit dem Menschen eine ganz neue Produktionsumgebung schaffen. Die 100 % standardisierten, variabel einsetzbaren Module übernehmen einzelne Funktionen im Verpackungsprozess – das können sie in Schubert-Linien oder Verpackungslinien anderer Hersteller tun.
Aktuell arbeiten wir an einem standardisierten Tray-Entstapler, weitere Togs werden folgen. Allen gemein ist der MVP-Ansatz.
Ralf Schubert, geschäftsführender Gesellschafter bei Schubert
Derzeit umfasst die Reihe mit unserem Tog Cobot einen kognitiven Pick-and-Place-Roboter mit KI aus unserem Haus. Hinzu kommt die Tog Erecting Unit, ein einfacher Stand-Alone-Schachtelaufrichter. Da der Bedarf nach standardisierten, flexibel nutzbaren Produktionszellen spürbar steigt, wollen wir diese Reihe langfristig ausbauen. Das gelingt vor allem dank reduzierter Komplexität, die in diesen Zeiten schnell zum Hemmschuh werden kann.
Redaktion: Weil zu zeitintensiv und teuer?
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Kiessling: So ist es. Vor allem der deutsche Maschinenbau hat den Ruf, komplizierte, teure Ablagen zu bauen. Wir wollen nicht im Zusammenhang mit „German overengineering“ gesehen werden. Nicht allein aus Imagegründen, sondern weil unsere Kunden die Lösung erwarten können, die sie auch tatsächlich benötigen. Weitergehende Standardisierung lautet ein wichtiges Gebot der Stunde, um zeitsparender zu projektieren und wettbewerbsfähig zu bleiben.
Redaktion: Wo sehen Sie weitere Stellschrauben, um am Markt zu bestehen?
Die Tog-Reihe modularisiert einzelne Verpackungsschritte.Tobias Vogt
Schindler: Wir bleiben stets am Puls der Zeit. Evolution passiert, wenn wir aktuellen Entwicklungen nachspüren. So verhielt es sich mit KI-gestützter Robotik.
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Bis 2017 hatten wir damit wenig zu tun, erkannten aber schnell ihre Relevanz. 2019 gründeten wir ein internes Start-up, dessen internationales Team das Konzept für den Tog Cobot erarbeitete. Dieser nimmt inzwischen vielen Kunden monotone Aufgaben ab, weshalb wir bisweilen auch von einem kollaborativen Roboter sprechen.
Redaktion: Gilt das auch für den Tog.101?
Schubert: Nein, denn Tog bedeutet nicht umgehend Cobot oder KI. Die Reihe modularisiert einzelne Verpackungsschritte, ohne sie zwingend zu kognitiven Systemen zu machen.
Aktuell arbeiten wir an einem standardisierten Tray-Entstapler, weitere Togs werden folgen. Allen gemein ist der MVP-Ansatz. Das Minimum Viable Product steht für Technologie, die sich auf zwingend erforderliche Funktionen beschränkt. Eine Einheit ohne Extras, aber mit hoher Leistung – und in gewohnter Schubert-Qualität.
Kiessling: Alle drei Produktlinien zeigen wir auf der Interpack 2026, wo sie gleichberechtigt in jeweils eigenen Bereichen zu sehen sein werden:
Der TLM-Bereich zeigt die entsprechenden Maschinen dieser Gruppe mit einer großen Neuerung. Hier präsentieren wir außerdem eine Maschine von Schubert-Pharma.
Im Lightline-Bereich stehen ein Kartonier und – ganz neu – ein Case Packer für Schachteln in Wrap-Around-Kartonagen.
Unseren Tog Cobot und die Tog Erecting Unit finden Sie im Tog-Bereich. Für uns ist es wichtig, dass die Besucher verstehen, für welche Anforderungen sich welche Lösung am besten eignet.
Marcus Schindler auf der Packaging Machinery Conference 2026
Der Bereichsleiter Strategische Unternehmensentwicklung Marcus Schindler ist auch einer von vielen spannenden Speakers auf der diesjährigen Packaging Machinery Conference.
In seinem Vortrag "Die Kunst des Weglassens – Emerging Markets als Innovationstreiber" geht Schindler noch einmal im Detail darauf ein, wie der Verpackungsmaschinenbauer Schubert auf die Herausforderungen neuer Märkte reagiert.
Weitere Infos zum Event – natürlich inklusive der Möglichkeit zur Anmeldung – gibt es im Kasten untern.
Packaging Machinery Conference 2026
Termin: 16.–17. Juni 2026
Ort: Messezentrum Nürnberg
Die Packaging Machinery Conference ist der zentrale Branchentreffpunkt für den Verpackungsmaschinenbau. Sie bringt Entscheider aus dem Maschinenbau, der Automatisierung und der Anwendung zusammen, um aktuelle Herausforderungen und Zukunftsthemen der Verpackungsindustrie zu diskutieren.
Im Fokus stehen unter anderem Künstliche Intelligenz, Regulatorik, nachhaltige Verpackungskonzepte, Best Practices aus der Industrie sowie strategische Zukunftsfragen des Maschinenbaus.
Hochkarätige Keynotes, praxisnahe Vorträge und umfangreiche Networking Möglichkeiten – inklusive begleitender Fachausstellung und Abendveranstaltung – zeichnen das zweitägige Event aus.
Die Packaging Machinery Conference findet 2026 bereits zum dritten Mal statt und wird von Ultima Media (neue verpackung) in Kooperation mit der Nürnberg Messe (Fachpack) und dem Packaging Valley veranstaltet.
Zielgruppe: Entscheider und Fachleute aus Verpackungsmaschinenbau, Maschinen und Anlagenbau, Automatisierung, Digitalisierung sowie Anwenderindustrien.