Konjunkturumfrage IK Industrievereinigung Kunststoffverpackungen e.V. 

Nahost-Krise: Rohstoffengpässe und drastische Preisschübe

Die geopolitischen Spannungen im Nahen Osten bringen die deutsche Kunststoffverpackungs- und Folienindustrie massiv unter Druck. Das zeigt die aktuelle IK-Konjunkturumfrage für das zweite Quartal 2026, an der 105 Unternehmen teilgenommen haben. Versorgungssicherheit wie auch Lieferfähigkeit sind gefährdet.

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Rund 3,1 Mio. t Kunststoff werden jährlich in Deutschland zu Verpackungen verarbeitet .

Besonders dramatisch fällt der Einbruch bei der Rohstoffverfügbarkeit aus. Der entsprechende Indikator, der zu Jahresbeginn noch bei +13 Punkten lag, stürzt auf einen historischen Tiefstand von –86 Punkten ab. Viele Produzenten von Verpackungskunststoffen haben im Zuge der militärischen Eskalation im Mittleren Osten „Force Majeure“ erklärt, liefern entweder gar nicht mehr oder nur noch zu deutlich erhöhten Preisen. Die Folge: Weltweit geratene Lieferketten unter Druck, und für viele Verarbeiter wird der Materialbezug zur unkalkulierbaren Herausforderung.

Die Preiswelle trifft die Hersteller mit voller Wucht. Laut GKV-Umfrage (März 2026) sind 99 % der befragten Unternehmen mit massiven Preisaufschlägen ihrer Lieferanten konfrontiert. Allerdings gelingt es derzeit nur wenigen Betrieben, diese Mehrkosten an ihre Kunden weiterzugeben. Selbst dort, wo Preisgleitklauseln greifen, erfolgen Anpassungen häufig nur verzögert. Zwar wird die Ertragslage im zweiten Quartal 2026 etwas weniger negativ bewertet als in früheren Krisenzeiten – etwa den Lieferkettenproblemen während der Pandemie 2021 oder der energiepreisbedingt angespannten Lage 2022 –, jedoch verschlechtern die stark steigenden Rohstoffpreise und eingeschränkten Materialverfügbarkeiten die Perspektiven erneut. Branchenvertreter rechnen mit einer weiteren Zuspitzung der Situation in den kommenden Wochen.

Nachfrage hat sich zögerlich stabilisiert

Trotz der akuten Belastungen zeigt die Konjunkturumfrage leichte Signale einer Stabilisierung. Die Einschätzung der allgemeinen Wirtschaftslage verbessert sich gegenüber dem Vorquartal von –67,9 auf –51,4 Punkte, bleibt damit aber deutlich im negativen Bereich. Auch die Absatzerwartungen verharren auf dem Niveau des ersten Quartals. Gleichzeitig geht die Hälfte der befragten Unternehmen davon aus, dass ihre Gewinnmargen weiter sinken werden.

Angesichts der angespannten Lage fordert der Verband mehr Solidarität entlang der Wertschöpfungskette. „Die aktuelle Kombination aus Lieferunterbrechungen und extremen Preisaufschlägen bringt viele unserer mittelständischen Unternehmen an ihre Belastungsgrenze, zumal die Nachfrage sich gerade erst zögerlich stabilisiert“, erklärt IK-Hauptgeschäftsführer Dr. Martin Engelmann. Einige Kunststofferzeuger hätten zuletzt „kräftig an der Preisschraube gedreht“. Engelmann mahnt jedoch: „Wir sitzen entlang der Wertschöpfungskette alle in einem Boot. Angesichts der Energie- und Rohstoffkrise sind partnerschaftliche Anstrengungen notwendig, um die Versorgungssicherheit dauerhaft zu gewährleisten.“