Alternative zu konventionellen Kunststoffen

Traceless startet industrielle Produktion von Naturpolymeren

In Hamburg-Harburg hat Traceless seine erste industrielle Produktionsanlage eröffnet. Dort werden pflanzliche Reststoffe aus der Agrarindustrie zu einem vollständig biobasierten Material verarbeitet, das als Ersatz für fossile Kunststoffe eingesetzt werden kann.

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Start frei in Hamburg-Harburg.

Nach Angaben des Unternehmens handelt es sich um die weltweit ersten industriellen Produktionskapazitäten für thermoplastisch verarbeitbare Naturpolymere dieser Art. „Wir betreten hier Neuland“, erklärte Gründerin und Geschäftsführerin Dr.-Ing. Anne Lamp bei der Eröffnung. Ziel sei es, eine zirkuläre, ressourcenschonende Materialindustrie aufzubauen und die Abhängigkeit von fossilen Rohstoffen zu reduzieren.

Neue Materialklasse für Verpackungen

Im Zentrum steht eine patentierte Technologie, die Naturpolymere aus pflanzlichen Reststoffen extrahiert, ohne deren chemische Struktur zu verändern. Das Ergebnis ist ein granulatbasiertes Material, das laut Traceless biobasiert, heimkompostierbar und nicht als Kunststoff im klassischen Sinne einzustufen ist. Gleichzeitig bleibt es thermoplastisch verarbeitbar und kann mit bestehenden industriellen Verfahren eingesetzt werden.

Damit eröffnen sich Einsatzfelder insbesondere dort, wo Recycling technisch schwierig oder wirtschaftlich wenig sinnvoll ist. Dazu zählen unter anderem Einwegprodukte, flexible Verpackungen, Papierbeschichtungen oder Klebstoffe. Gerade in diesen Segmenten steht die Branche unter wachsendem Druck, nachhaltige Alternativen zu entwickeln.

Deutliche CO2-Einsparungen

Der Produktionsprozess basiert vollständig auf nachwachsenden Rohstoffen und ist auf kurze, möglichst regionale Lieferketten ausgelegt, heißt es. Laut unternehmensbezogener Lebenszyklusanalyse können im Vergleich zu herkömmlichen Kunststoffen bis zu 91 % der CO2-Emissionen eingespart werden. Auch der Wasserverbrauch reduziert sich demnach erheblich.

Bundesumweltminister Carsten Schneider würdigte das Projekt bei der Einweihung als Beispiel für innovative Umwelttechnologien „Made in Germany“. Biomaterialien wie das von Traceless könnten dazu beitragen, gleich mehrere Herausforderungen gleichzeitig zu adressieren – von Klimaschutz über Ressourceneffizienz bis hin zur Reduzierung von Plastikabfällen.

3.000 t Jahreskapazität

Der neue Standort umfasst rund 4.000 qm und vereint Produktion, Entwicklung, Vertrieb und Verwaltung unter einem Dach. Die geplante Jahreskapazität liegt bei etwa 3.000 t Material. Zu den ersten Kunden zählen unter anderem der Verpackungs- und Papierkonzern Mondi, der Versandhändler Otto sowie der Chemiedistributor Biesterfeld.

Die Produktion wird in den kommenden Monaten schrittweise hochgefahren. Auch die bestehende Pilotanlage aus Buchholz in der Nordheide soll perspektivisch nach Hamburg verlagert werden.

In das Projekt hat Traceless eigenen Angaben zufolge mehr als 20 Mio. Euro investiert. Rund 5,1 Mio. Euro stammen aus dem Umweltinnovationsprogramm des Bundesumweltministeriums.

Über Traceless

Das Hamburger Bioökonomie-Scale-Up Traceless Materials GmbH produziert aus pflanzlichen Reststoffen der Agrarindustrie einen natürlichen Plastikersatz. Mit seiner patentierten Technologie versteht sich Traceless als Pionier im Bereich der neuen Generation Naturpolymer-Materialien. Das Unternehmen wurde 2020 gegründet, 2026 wurde die erste industrielle Produktionsanlage in Hamburg in Betrieb genommen. Neben vielen weiteren Auszeichnungen wurde das Team um Gründerin Dr.-Ing. Anne Lamp für den Deutschen Zukunftspreis 2025 nominiert und vom Bundesumweltministerium gefördert.