Alternative zu konventionellen Kunststoffen
Traceless startet industrielle Produktion von Naturpolymeren
In Hamburg-Harburg hat Traceless seine erste industrielle Produktionsanlage eröffnet. Dort werden pflanzliche Reststoffe aus der Agrarindustrie zu einem vollständig biobasierten Material verarbeitet, das als Ersatz für fossile Kunststoffe eingesetzt werden kann.
Start frei in Hamburg-Harburg.
Traceless / Jonas Walter
Nach Angaben des Unternehmens handelt es sich um die
weltweit ersten industriellen Produktionskapazitäten für thermoplastisch
verarbeitbare Naturpolymere dieser Art. „Wir betreten hier Neuland“, erklärte
Gründerin und Geschäftsführerin Dr.-Ing. Anne Lamp bei der Eröffnung. Ziel sei
es, eine zirkuläre, ressourcenschonende Materialindustrie aufzubauen und die
Abhängigkeit von fossilen Rohstoffen zu reduzieren.
Neue Materialklasse für Verpackungen
Im Zentrum steht eine patentierte Technologie, die
Naturpolymere aus pflanzlichen Reststoffen extrahiert, ohne deren chemische
Struktur zu verändern. Das Ergebnis ist ein granulatbasiertes Material, das
laut Traceless biobasiert, heimkompostierbar und nicht als Kunststoff im
klassischen Sinne einzustufen ist. Gleichzeitig bleibt es thermoplastisch
verarbeitbar und kann mit bestehenden industriellen Verfahren eingesetzt
werden.
Damit eröffnen sich Einsatzfelder insbesondere dort, wo
Recycling technisch schwierig oder wirtschaftlich wenig sinnvoll ist. Dazu
zählen unter anderem Einwegprodukte, flexible Verpackungen,
Papierbeschichtungen oder Klebstoffe. Gerade in diesen Segmenten steht die
Branche unter wachsendem Druck, nachhaltige Alternativen zu entwickeln.
Deutliche CO2-Einsparungen
Der Produktionsprozess basiert vollständig auf
nachwachsenden Rohstoffen und ist auf kurze, möglichst regionale Lieferketten
ausgelegt, heißt es. Laut unternehmensbezogener Lebenszyklusanalyse können im
Vergleich zu herkömmlichen Kunststoffen bis zu 91 %
der CO2-Emissionen eingespart werden. Auch der
Wasserverbrauch reduziert sich demnach erheblich.
Bundesumweltminister Carsten Schneider würdigte das Projekt
bei der Einweihung als Beispiel für innovative Umwelttechnologien „Made in
Germany“. Biomaterialien wie das von Traceless könnten dazu beitragen, gleich
mehrere Herausforderungen gleichzeitig zu adressieren – von Klimaschutz über
Ressourceneffizienz bis hin zur Reduzierung von Plastikabfällen.
3.000 t Jahreskapazität
Der neue Standort umfasst rund 4.000 qm und vereint
Produktion, Entwicklung, Vertrieb und Verwaltung unter einem Dach. Die geplante
Jahreskapazität liegt bei etwa 3.000 t Material. Zu den ersten Kunden zählen
unter anderem der Verpackungs- und Papierkonzern Mondi, der Versandhändler Otto
sowie der Chemiedistributor Biesterfeld.
Die Produktion wird in den kommenden Monaten schrittweise
hochgefahren. Auch die bestehende Pilotanlage aus Buchholz in der Nordheide
soll perspektivisch nach Hamburg verlagert werden.
In das Projekt hat Traceless eigenen Angaben zufolge mehr
als 20 Mio. Euro investiert. Rund 5,1 Mio. Euro stammen aus dem
Umweltinnovationsprogramm des Bundesumweltministeriums.
Über Traceless
Das Hamburger Bioökonomie-Scale-Up Traceless Materials GmbH produziert aus pflanzlichen Reststoffen der Agrarindustrie einen natürlichen Plastikersatz. Mit seiner patentierten Technologie versteht sich Traceless als Pionier im Bereich der neuen Generation Naturpolymer-Materialien. Das Unternehmen wurde 2020 gegründet, 2026 wurde die erste industrielle Produktionsanlage in Hamburg in Betrieb genommen. Neben vielen weiteren Auszeichnungen wurde das Team um Gründerin Dr.-Ing. Anne Lamp für den Deutschen Zukunftspreis 2025 nominiert und vom Bundesumweltministerium gefördert.