Warum SACMI den französischen Verpackungsspezialisten GET übernimmt

„Wir verändern die Marke nicht – das wäre unklug“

Warum übernimmt SACMI den französischen Spezialisten GET? Herbert Hahnenkamp, General Manager DACH bei SACMI Packaging & Chocolate, erklärt, wie Et Pack das Portfolio stärkt, warum die Marken bestehen bleiben und weshalb die Integration vor allem eines ist: ein menschlicher Prozess.

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Blick in die Montagehalle bei Et Pack.
Blick in die Montagehalle bei Et Pack.

Redaktion: Herr Hahnenkamp, seit 2019 besteht zwischen SACMI und Et Pack – heute Teil der Group Emballage Technologies (kurz GET) – eine Kooperation. Nun folgt die Übernahme. Warum dieser Schritt?

Herbert Hahnenkamp, General Manager DACH bei SACMI Packaging & Chocolate
Herbert Hahnenkamp, General Manager DACH bei SACMI Packaging & Chocolate

Hahnenkamp: Vielleicht erst einmal zur Einordnung: GET besteht aus drei Unternehmen: Et Pack als Maschinenhersteller, Sermatec als Vertriebs- und Serviceorganisation sowie Pactisoud als Anbieter für Fördertechnik, Stahlbau und Bühnen.

Die Zusammenarbeit war bereits gut, insbesondere im französischen Markt, den Sermatec seit Beginn unserer Kooperation für uns betreut. Doch mit einem Partner, der ein breites eigenes Portfolio hat, ist der Fokus immer begrenzt. Als Teil der Gruppe ändert sich das: Der Blick richtet sich nun voll auf die SACMI Produkte.

Hinzu kommt, dass wir historisch in Frankreich nicht so stark präsent waren, wie wir es sein wollten. Das lag auch schlicht daran, dass es lange mit einigen wenigen Kunden „gut genug“ lief. Das reicht aber nicht, wenn man nachhaltig wachsen will – dazu muss man die Sprache sprechen, die Kultur kennen, vor Ort sein. Deshalb war Sermatec für uns als lokale Struktur besonders wertvoll.

Der dritte Grund betrifft das Produktportfolio: Et Pack fügt sich perfekt in unsere Sekundärverpackung ein. Während wir in Alba traditionell viele Sondermaschinen bauen – das ist unser Ferrero Erbe –, bringt Etpack hocheffiziente Standardlösungen fürs Toploading ein. Damit entsteht ein harmonisches Gesamtportfolio.

Redaktion: Wie lange hat der Prozess zwischen erstem Gespräch und Vertragsunterzeichnung eigentlich gedauert?

Hahnenkamp: Rund eineinhalb Jahre. Der ehemalige Eigentümer ist eine starke Persönlichkeit, und wir haben bewusst darauf gesetzt, erst einmal Vertrauen aufzubauen – nicht schnell, sondern richtig. Das nun erreichte Ergebnis stimmt, und das ist das Entscheidende.

Redaktion: Welche technologischen Mehrwerte bringt Et Pack über Toploading hinaus?

Hahnenkamp: Zwei Dinge haben mich besonders beeindruckt. Erstens die Maschinenreihe EcoWrap: Sie legt Papier- oder Kartonschlaufen um Multipacks, etwa 2×4 oder 2×6 Joghurtbecher. Anstelle von Folie entsteht eine nachhaltige, kunststofffreie Bündelung. Der Markt bewegt sich ohnehin in diese Richtung – das ist ein starkes Thema.

Zweitens ihre Kompetenz im Design von Kartontrays. Viele Lebensmittel – Kekse, Pralinen, Waffeln – sind heute noch in PET oder OPP Blistern verpackt. Et Pack kann komplette Kartontray Konzepte selbst entwickeln: Sie besitzen eigene Plotter, Designer und die Erfahrung, ein Tray so zu gestalten, dass es produktspezifisch, stabil und maschinengängig ist. Wir haben Ähnliches bisher über externe Partner in Turin abgewickelt. Das ist ein echter Mehrwert, und wir werden das auf der Interpack in einem eigenen Bereich zeigen.

Redaktion: Und wie ergänzt SACMI das GET Portfolio?

Hahnenkamp: Et Pack hat in seinen Pick and Place Anlagen bislang Roboter-Fremdkomponenten eingesetzt. Mit SACMI öffnet sich Etpack der Zugang zu unseren eigenen Pick and Place Lösungen, für die wir starke Referenzen haben.

Das bedeutet: mehr Know how im Haus und mehr Marge in der Gruppe – statt Fremdkomponenten einzukaufen. Und ich habe gelernt, dass Et Pack traditionell sehr starke Anwendungen im Bereich Schokolade und Pralinen hat, beispielsweise bei Lindt & Sprüngli in Frankreich. Dazu kommen viele Anwendungen im Tiefkühlbereich. Diese Vielfalt passt gut zu unseren eigenen Schwerpunkten.

Redaktion: Wie läuft die technische Zusammenarbeit künftig? Bleiben die Entwicklungsstrukturen der Einheiten bestehen?

Hahnenkamp: Grundsätzlich ja – jede Einheit bleibt an ihrem Standort. Aber übergeordnet arbeiten wir bereits heute sehr eng zusammen. Viermal im Jahr treffen sich die F&E Teams aller SACMI Business Units für dreitägige Entwicklungsmeetings: Brainstorming, Projektabgleich, Referenzbesuche.

Et Pack ist ab sofort vollständig eingebunden. Bei Themen wie digitaler Zwilling sind sie aufgrund ihres hohen Standardisierungsgrades in manchen Bereichen sogar weiter als wir.

Der Know-how Austausch läuft also in beide Richtungen.

Redaktion: Und jetzt einmal in die andere Richtung geblickt: Was haben Ihre Kunden unmittelbar von der Integration?

Hahnenkamp: Ein konkretes Beispiel: Wir hatten bisher keinen eigenen Side Loading Kartonierer. Viele Linien bestehen aber aus einem Tray, einem Beutel und einem Side Loader. Das mussten wir zukaufen. Jetzt haben wir die Kompetenz im Haus – technisch wie kommerziell ein Vorteil.

Ein prominenter Kunde ist Conditess, der große Kuchenbäcker. Dort hat sich gezeigt, dass wir auch preislich deutliche Vorteile gegenüber deutschen Wettbewerbern erzielen können.

Redaktion: Gerade Service ist für viele Maschinenbauer durch den Fachkräftemangel mittlerweile ein Pain-point. Wie wirkt sich die Übernahme dort aus?

Hahnenkamp: Mehr Manpower ist definitiv ein Vorteil. Wir haben aber bereits vorher immer sehr gut rekrutieren können – dank unserer starken persönlichen Netzwerke. In Deutschland, Österreich und der Schweiz zum Beispiel haben wir mittlerweile 14 hochqualifizierte Leute.

Norddeutschland betreuen wir aktuell noch vom Süden aus, aber wir haben bereits eine erste neue Kraft an Bord und bauen dort gezielt weiter auf. Denn Kundenservice funktioniert nur dann, wenn Menschen verfügbar sind – nicht mit 1.000 km Fahrten. Je näher wir dran sind, desto besser.

Sehr beeindruckt Kunden übrigens auch unser Nachwuchs: In Italien arbeiten extrem viele junge Leute, dank enger Kooperationen mit vielen Universitäten und Fachschulen in Norditalien.

Redaktion: Sie haben eine besondere Organisationsform. Wie wirkt sich das aus?

Hahnenkamp: Stimmt: SACMI ist eine Genossenschaft – im Maschinenbau eine Seltenheit. Wir sind also nicht profitorientiert. Unsere 300 Genossenschafter erhalten maximal drei Prozent Dividende. Alles andere wird reinvestiert.

Diese Struktur zieht junge Menschen an. Dazu kommen unsere klaren Werte: Nachhaltigkeit, Ausbildung, Verantwortung, Loyalität. Jeder Mitarbeiter sieht unsere „Corporate Values“ in jedem Interview und in jedem Personalgespräch. Das kommt sehr gut an.

Redaktion: Welche neuen Märkte erschließen Sie sich mit GET?

Hahnenkamp: Wir sind Packaging & Chocolate – der Schokoladenbereich war immer unser Kern. Doch um auf 300 Mio. Euro Umsatz im Packaging zu wachsen, müssen wir breiter werden. Das Kakaopreis Drama der letzten Monate hat gezeigt, wie volatil Schokolade sein kann.

Durch Et Pack öffnen wir uns stärker für:

• Tiefkühlprodukte, beispielsweise Crepes von Tipiak in Frankreich

• industrielle Bäckereien für Kekse, Waffeln, Kuchen

• Non Food- und Dry Food Bereiche

Das sind Wachstumsmärkte.

Pharma ist grundsätzlich ebenfalls attraktiv, aber extrem reguliert. Wir haben einzelne Projekte umgesetzt, etwa eine große Linie für Infusionsbeutel in den USA. Aber eine aktive Pharma Strategie verfolgen wir derzeit nicht.

Redaktion: Wie verläuft die Integration organisatorisch? Wie nehmen Sie die Menschen mit?

Hahnenkamp: Wir haben einen detaillierten Trainings und Austauschplan. Teams aus Italien besuchen Et Pack, und umgekehrt. Vertrieb, Technik, Service, Administration – alle Ebenen.

Mich hat beeindruckt, wie wertschätzend die Führungskräfte bei Et Pack mit ihren Mitarbeitern umgehen. Bei unserem letzten Fabrikrundgang hat der Direktor wirklich jeden Menschen persönlich begrüßt – auch die Reinigungskraft am Abend. Das ist gelebte Kultur.

Redaktion: Und wie sieht das Branding künftig aus?

Hahnenkamp: Die Marken bleiben erhalten: Et Pack, Sermatec, Pactisoud. In Frankreich haben diese Namen Gewicht. Wir würden uns ins eigene Fleisch schneiden, sie einzustampfen. Es wird Ergänzungen geben wie „A company of SACMI“, aber keine Umbenennungen.

Redaktion: Wenn wir in drei Jahren wieder sprechen: Woran erkennen Sie, dass die Integration erfolgreich war?

Hahnenkamp: Am Ende natürlich an den Zahlen. Wir arbeiten zwar konservativ, aber wir haben klare Ziele:

• Wie viele Maschinen verkauft Sermatec künftig in Frankreich?

• Wie viele Maschinen verkaufen wir außerhalb Frankreichs über die SACMI Strukturen?

Für Deutschland, Österreich und die Schweiz liegt das Et Pack Budget 2026 bei 1,1 Mio. Euro – also doppelt so viel wie im Vorjahr. Kein riesiger Betrag, aber ein sehr guter Start. Entscheidend ist, dass wir in jedem Produktbereich Referenzen schaffen, auf denen wir aufbauen können.

Packaging Machinery Conference 2026

Ob im Service oder anderen Bereichen: Der Verpackungsmaschinenbau sucht derzeit nach neuen Geschäftsmodellen. Als Erlösquelle und Unterscheidungsmerkmal zur globalen Konkurrenz. Weshalb wir in der bereits dritten Ausgabe der Packaging Machinery Conference, die 2026 am 16. und 17. Juni in Nürnberg stattfindet, gleich mehrere Vorträge zu dem Thema auf der Agenda haben.

Was und wer Sie in diesem Jahr alles auf der Plattform des deutschen Verpackungsmaschinenbaus erwartet? Unsere Speaker und ihre Themen stellen wir gerade aktuell nach und nach live unter https://www.packaging-machinery-conference.de/