Papierverpackungen zwischen Innovation, Regulierung und Wettbewerb
Unter dem Leitthema „Funktionelle Papiere für Verpackungsanwendungen“ beleuchtete die Inno-Fiber bei ihrer Premiere am 15. und 16. April 2026 in Osnabrück die Potenziale, Innovationen und Herausforderungen faserbasierter Verpackungsmaterialien. Drei Vorträge stellen wir hier näher vor.
Dieter FinnaDieterFinnafür Innoform
3 min
Nachhaltig und sicher sollen sie sein und gleichzeitig effizient zu verarbeiten: die Anforderungen an faserbasierte Verpackungsmaterialien haben es in sich.OpenAI
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Während die Verpackungsbranche in einem tiefgreifenden Umbruch steht, entwickeln sich funktionelle Verpackungspapiere zu einem zentralen Innovationstreiber: „Paperisation” gewinnt im Konsumgüterbereich spürbar an Dynamik.
Doch so groß die Chancen von Barrierepapieren in der flexiblen Verpackung sind, stoßen sie bei ihrer Recyclingfähigkeit noch an Grenzen. Marktdynamik, Regulierung und technologischer Neuerung bestimmen das Marktumfeld.
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Papierverpackungen: it´s complicated
Beispiel für ein gelungenes Design for Recycling sowie gelungenes Design for Selling.M.I.L.K.
Eleonore Eisath (M.I.L.K.) zeigte in ihrem Vortrag „Faserbasierte Verpackungen bei Lebensmittelherstellern – Trends und Herausforderungen” auf, warum papierbasierte Verpackungen derzeit einen starken Aufschwung erleben – und warum die Realität dennoch komplexer ist als der aktuelle „Papier-Hype“.
Die wachsende Bedeutung von Papierverpackungen im europäischen Verpackungsmarkt wird von regulatorischen Vorgaben, einem steigenden Umweltbewusstsein und den Onlinehandel getrieben, wodurch die Papier- und Kartonfraktion kontinuierlich wächst, während die Mengen an Kunststoffverpackungen weitgehend stabil bleiben. Gleichzeitig erreichen papierbasierte Verpackungen hohe Recyclingquoten und genießen bei Verbraucherinnen und Verbrauchern ein besonders nachhaltiges Image.
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In den Mittelpunkt ihres Vortrags stellte sie die Frage, wie Konsumenten Verpackungen wahrnehmen und bewerten. Studien zeigen, dass Papier unabhängig von der tatsächlichen Ökobilanz häufig als umweltfreundlichste Lösung angesehen wird. Besonders bei Lebensmitteln beeinflussen emotionale Faktoren die Kaufentscheidung: Papier vermittelt Natürlichkeit, Ehrlichkeit und Nachhaltigkeit. Farbe, Haptik und die einfache Entsorgungswahrnehmung erzeugen positive Assoziationen, die sich auf eine gesamte Marke übertragen können. Konsumentinnen und Konsumenten entscheiden oftmals heuristisch mit intuitiven Ansätzen, wobei Convenience, Funktion und Preis in vielen Fällen über der Nachhaltigkeit stehen.
Gleichzeitig machte Eisath deutlich, dass Markenhersteller in einem Spannungsfeld agieren. Neben Verbraucherwünschen steigen regulatorische Anforderungen durch die PPWR, Kunststoffabgaben und Recyclingvorgaben. Dem gegenüber stehen technische Anforderungen wie Produktschutz, Barriereeigenschaften, Maschinengängigkeit und Shelf Appeal.
Ihr Fazit: Erfolgreiche faserbasierte Verpackungslösungen entstehen nicht durch radikale Umbrüche, sondern durch intelligente Kompromisse und schrittweise Innovationen. Papier sollte nur dort eingesetzt werden, wo es funktional sinnvoll ist mit hoher Recyclingfähigkeit, kombiniert mit vertrauten Marken- und Designcodes sowie glaubwürdiger Nachhaltigkeitskommunikation.
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Recyclingfähigkeit heißt nicht (immer) Nachhaltigkeit
Unterschiedliche Verpackungsformen mit Monopapier-Lösungen.Sappi Alfred
Alexander Schröder (Sappi Alfeld) veranschaulichte in seinem Vortrag „Barriere Papiere mit Zukunft – Monopapiere zwischen Performance und End-of-Life” das Potential gezielt abgestimmter Barrierepapiere. Als nachhaltige Alternative zu kunststoffbasierten Verbundmaterialien können sie den Übergang zu recyclingfähigen Monomaterial-Lösungen ermöglichen. Dabei machte er deutlich, dass Nachhaltigkeit mehr als Recyclingfähigkeit ist und auch Ressourcenverbrauch, CO₂-Emissionen sowie den Bedarf an Energie, Wasser und Land umfasst.
Schröder erläuterte zunächst die Strategie von Sappi, Kunststoff durch leistungsfähige papierbasierte Verpackungslösungen zu ersetzen. Ziel sei es, einen vergleichbaren oder besseren Produktschutz zu erreichen und gleichzeitig Maschinengängigkeit, Recyclingfähigkeit und Kreislauffähigkeit sicherzustellen. Entscheidend dafür seien wasserbasierte Polymer-Barrierebeschichtungen, die individuell auf die jeweilige Anwendung abgestimmt werden. Standardlösungen gebe es nicht – vielmehr müsse jede Verpackung hinsichtlich Barrierewirkung, Materialeinsatz und Recyclingfähigkeit optimiert werden.
Besonders praxisnah zeigte Schröder zahlreiche Anwendungen für Schokolade, Tee, Backzutaten und andere Lebensmittel. Die vorgestellten Monopapier-Lösungen decken unterschiedliche Verpackungsformen ab – vom Flowpack bis zum Doypack – und böten sowohl hohe Funktionalität als auch Recyclingfähigkeit.
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Ein zentraler Punkt seines Vortrags war die kritische Betrachtung des Begriffs Nachhaltigkeit. Schröder machte deutlich, dass Recyclingfähigkeit allein nicht automatisch nachhaltige Verpackungen bedeutet. Anhand konkreter Szenarien zeigte er, dass höhere Papier-Grammaturen zwar die Recyclingausbeute verbessern, gleichzeitig aber den Ressourcenverbrauch deutlich erhöhen.
Sein Fazit: Wirklich nachhaltige Lösungen entstehen nur durch einen ganzheitlichen Ansatz im Sinne von „Remove, Reduce, Reuse, Recycle”. Zudem plädierte er für eine einheitliche „Sprache“ der Funktionspapierhersteller, um mit klaren und konsistenten Botschaften das Vertrauen im Markt zu stärken.
Herausforderungen bei der Maschinengängigkeit
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Links: Testschulter in einem Flow-Wrapping Test.Sacmi Packaging & Chocolate Swiss
In seinem Vortrag über „Abpackprozesse mit Papieren” ging Herbert Hahnenkamp (Sacmi Packaging & Chocolate Swiss) auf die Herausforderungen und Chancen ein, die die Umstellung auf faserbasierte Verpackungsmaterialien für moderne Verpackungsprozesse mit sich bringt. Dabei stand weniger das Verpackungsmaterial selbst im Fokus, sondern vor allem die Frage, wie sich papierbasierte Lösungen effizient auf bestehenden als auch neuen Maschinen verarbeiten lassen.
Hahnenkamp stellte zunächst die breite Aufstellung der Sacmi Group vor – von der Schokoladenherstellung über Formanlagen bis hin zu Primär- und Sekundärverpackungslösungen. Besonders im Bereich Flowpack- und Schlauchbeutelmaschinen arbeitet Sacmi intensiv an der Verarbeitung papier- und faserbasierter Materialien.
Im Mittelpunkt seines Vortrags standen moderne horizontale und vertikale Flowpack-Maschinen, die inzwischen speziell auf Papierfolien ausgelegt werden. Die vorgestellte JT-Advance-Maschinenreihe erreicht Geschwindigkeiten von bis zu 1.500 Verpackungen pro Minute und verarbeitet dabei auch papierbasierte Verpackungsmaterialien zuverlässig. Entscheidend dafür sind angepasste Siegeltechnologien, optimierte Maschinenparameter und speziell entwickelte Formschultern.
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Besonderes Augenmerk legte Hahnenkamp auf den Entwicklungsprozess neuer Papierverpackungen. Dieser beginnt mit einer detaillierten Materialanalyse und reicht über Testphasen bis hin zu Werks- und Linienabnahmen beim Kunden. Geprüft werden unter anderem Siegelqualität, Dichtigkeit und Materialverhalten im Hochgeschwindigkeitsbetrieb. Dabei zeigte sich: Papierverpackungen erfordern deutlich mehr Abstimmung zwischen Maschinenhersteller, Papierlieferant und Anwender als klassische Kunststofflösungen.
Anhand einer Live-Umfrage machte Hahnenkamp zudem deutlich, wo Unternehmen aktuell die größten Hürden sehen: fehlende Maschinenkompatibilität, begrenzte Produktionsgeschwindigkeiten, höhere Materialkosten und unzureichende Barriereeigenschaften.
Sein Fazit: Die Umstellung auf faserbasierte Verpackungen ist technisch machbar, verlangt jedoch ein enges Zusammenspiel entlang der gesamten Prozesskette. Erfolgreiche Lösungen entstehen nur durch intensive Entwicklungsarbeit, Praxistests und starke Partnerschaften zwischen Materialherstellern, Maschinenbauern und Markenartiklern.