Nachhaltige Verpackungslösungen

Zwischen Schutz und Kreislauf

Der Zielkonflikt ist nicht neu, gewinnt aber in den kommenden Jahren an Brisanz. Einerseits sollen Verpackungen Produkte sicher schützen, Haltbarkeit verlängern und Lebensmittelverluste vermeiden, zugleich aber mit weniger Material auskommen, recyclingfähig sein und wachsende regulatorische Anforderungen erfüllen.

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Einkaufswagen mit Lebensmittelverpackungen an der Kasse eines Supermarkts vor Regalen.
So vielfältig wie die Produkte selbst: Lebensmittelverpackungen.

Das grundsätzliche Problem dabei: Einfache Ersatzlogiken funktionieren nicht mehr. Nicht jede Kunststoffverpackung ist per se schlecht, nicht jede Papierlösung per se nachhaltig. Entscheidend ist, ob Material, Barriere, Design, Maschinenfähigkeit und Kreislauffähigkeit zusammenpassen.

Wie groß der Hebel ist, zeigt allein der Blick auf Lebensmittelverluste. Nach Zahlen des UN-Umweltprogramms werden weltweit jährlich rund 1,05 Mrd. t Lebensmittel verschwendet. Die ökologischen Folgen sind erheblich: Schätzungsweise 8 bis 10 % der globalen Treibhausgasemissionen hängen mit Lebensmitteln zusammen, die nie verzehrt werden. Nachhaltige Verpackung bedeutet deshalb im Food-Bereich nicht nur weniger Verpackungsabfall, sondern auch besseren Produktschutz.

Rezyklate für den Lebensmittelkontakt

Verpackter Salatkopf mit grünen und schwarzen Aufdrucken auf weißem Hintergrund.

Ein zentraler Trend ist der Einsatz von Rezyklaten in anspruchsvollen Food-Anwendungen. Die EU-Verpackungsverordnung PPWR erhöht den Druck: Verpackungen sollen weniger Abfall verursachen, stärker recycelt werden und künftig mehr Rezyklat enthalten. Im direkten Lebensmittelkontakt bleibt das technisch und regulatorisch besonders anspruchsvoll. Rezyklate sind für Lebensmittelverpackungen grundsätzlich zugelassen. Voraussetzung ist jedoch, dass sie aus von der EU anerkannten Recyclingverfahren stammen und die strengen Anforderungen der Verordnung (EU) 2022/1616 hinsichtlich Sicherheit, Rückverfolgbarkeit und Qualität erfüllen. Allerdings gibt es Fortschritte. So wurde in Europa kürzlich eine erste Recyclinganlage mit Recyclass-Zertifizierung für die Sortierung lebensmitteltauglicher Kunststoffe ausgezeichnet. Swedish Plastic Recycling sortiert dort unter anderem PET-Flaschen, PET-Trays und PS-Verpackungen aus getrennter Haushaltssammlung – rückverfolgbar von der Sammlung bis zur Aufbereitung.

Auch Materialanbieter richten ihr Portfolio darauf aus. WIS Kunststoffe beispielsweise bietet rPE- und rPP-Materialien mit FDA-Zulassung (Food and Drug Administration) für den direkten Lebensmittelkontakt an und verweist darauf, dass diese bereits Anforderungen erfüllen, die im Rahmen der PPWR ab 2030 relevant werden. Mopack hingegen setzt bei seinen Polyolefin-Feinschrumpffolien teils auf chemisch recyceltes PCR. Das Material wird auf molekularer Ebene gereinigt und neu polymerisiert. Für die Praxis zählt dabei nicht nur der Rezyklatanteil von 35 %, sondern auch, ob Optik, Geruch, Barriere und Maschinengängigkeit stabil bleiben. Seit März 2025 liegt für die Folien eine Dekra-Zulassung für den direkten Lebensmittelkontakt vor.

Material reduzieren, Funktion erhalten

Der zweite Trend lautet: weniger Material, allerdings nicht auf Kosten der Schutzfunktion. Besonders deutlich wird dies bei neuen Verpackungsdesigns. GEA beispielsweise hat eine Mehrkammerverpackung für Aufschnitt entwickelt, bei der zwei separat versiegelte Frischekammern portionsweises Öffnen ermöglichen. Das kann Lebensmittelverluste im Haushalt verringern, weil nicht die gesamte Packung auf einmal geöffnet wird. Zugleich sinkt der Kunststoffverbrauch nach Unternehmensangaben um mehr als 70 % gegenüber klassischen Blisterverpackungen. Möglich wird dies durch den stabilisierenden Kammeraufbau und eine Folienstärke von nur 50 µm. Viele Hersteller ersetzen zudem komplexe Verbundmaterialien durch Monomateriallösungen. Dadurch wird nicht nur die Recyclingfähigkeit verbessert, sondern häufig auch der Materialeinsatz, gerade beim Einsatz von Standbeuteln, reduziert und die Verpackung vereinfacht.  

Monomaterialien müssen maschinenfähig werden

Moderne Traysealer-Anlage der TX-Baureihe für nachhaltige Monomaterial-Verpackungen auf weißem Hintergrund.
Die Traysealer-Baureihe TX ist für die Verarbeitung nachhaltiger Verpackungskonzepte ausgelegt, darunter recyclingfähige Monomaterial-Lösungen auf PP- oder PET-Basis.

Der Wandel endet nicht beim Packstoff. Verpackungsmaschinen müssen zunehmend Materialien verarbeiten, die sich anders verhalten als etablierte Verbunde. Monomaterialien, papierbasierte Trays oder dünnere Folien stellen höhere Anforderungen an Siegelprozesse, Bahnführung, Zuführung und Qualitätskontrolle.

Ulma Packaging beispielsweise entwickelt Flowpack- und Traysealer-Lösungen für Monomaterialien sowie papier- und kartonbasierte Trays. So werden beispielsweise geschnittene Salate und Gemüsemischungen vollautomatisch in recyclingfähigen Monomaterialien verarbeitet. 

Multivac zeigte auf der Messe Interpack 2026 einen Traysealer der TX-Baureihe, der mit dem Closecut-Werkzeug ausgestattet war. Es siegelt die Trays unmittelbar nebeneinander, Tray an Tray. Dadurch entfällt der Folienzuschnitt zwischen den Schalen. So lassen sich bis zu 30 % Folienrest und entsprechende Kosten einsparen.  

Automatisierung für Hygiene und Effizienz

Vernetzter M50 R-Series Advancedline Metalldetektor in einer Edelstahl-Produktionsanlage auf Rollen.
Metalldetektoren wie die M50-R-Series Advancedline dienen der Automatisierung durch digitale Vernetzung, automatische Leistungsüberwachung, Datenaufzeichnung und reduzierte manuelle Eingriffe.

Mit wachsender Produktvielfalt und strengeren Hygieneanforderungen gewinnt auch die Automatisierung an Bedeutung. Stäubli Robotics bietet HE-Roboter für feuchte und raue Produktionsumgebungen. In der Fleischverarbeitung können TX2-Roboter Produkte per Wasserstrahl schneiden, während Visionsysteme die schonende Hochgeschwindigkeitshandhabung empfindlicher Lebensmittel unterstützen. Ishida hat mit der Übernahme des schwedischen Unternehmens Robot Grader AB sein Portfolio um robotergestützte Wiege-, Sortier- und Verpackungssysteme erweitert – relevant etwa für Fleisch, Geflügel, Fisch und Proteinprodukte. Mettler Toledo bietet Automatisierungs- und Inspektionslösungen für die Lebensmittelindustrie an, die konsequent auf Hygienic Design ausgelegt sind. Edelstahlkonstruktionen, IP69K-Schutz, reinigungsfreundliche Geometrien und Washdown-Ausführungen ermöglichen den Einsatz auch in besonders sensiblen Produktionsbereichen wie Fleisch-, Molkerei- oder Fischverarbeitung.

Das ist auch in puncto Nachhaltigkeit relevant. Präzise Automatisierung kann Ausschuss reduzieren, Packungsgewichte optimieren und Produktverluste in der Linie senken. Gleichzeitig erleichtert sie die Verarbeitung neuer Materialien, deren Prozessfenster oft enger sind als bei konventionellen Verbunden.

Faserbasierte Barrieren rücken nach vorn

Der sichtbarste Substitutionstrend betrifft papier- und faserbasierte Lösungen. Sie sollen Kunststoff- oder Aluminiumverbunde dort ersetzen, wo Papierkreisläufe etabliert sind und die Barriereanforderungen beherrschbar bleiben. Sappi Europe hat beispielsweise zwei recycelbare Hochbarrierepapiere für den direkten Lebensmittelkontakt entwickelt. Sie bieten Barrieren gegen Sauerstoff, Fett und Wasserdampf und eignen sich je nach Variante für Heißsiegel- oder Kaltsiegelanwendungen.

Produktpräsentation mit zwei Sappi-Barrierepapieren und mehreren Verpackungsmustern auf einem runden Tisch.
Mit Guard Pro OHS und Guard Pro OMH bietet Sappi faserbasierte Barrierepapiere an.

UPM Specialty Papers und Royal Vaassen gehen einen ähnlichen Weg. Ihr faserbasiertes Barrierepapier Barryrwrap soll Aluminiumlaminate bei Anwendungen wie Kaffee, Brühe oder Schokolade ersetzen. Als Trägermaterial dient UPM Solide Lucent, ein glattes, dichtes und stabiles Verpackungspapier, das geringe Beschichtungsgewichte ermöglicht. Stora Enso bietet Lösungen für Tiefkühlkost, Ready Meals, Becher, Trays und Foodservice-Anwendungen. Im Fokus stehen Dispersions-Barrieren, reduzierte Kunststoffanteile und biobasierte Beschichtungen. Mondi deckt mit der Produktfamilie Functional Barrier Paper verschiedene Schutzstufen gegen Sauerstoff, Wasserdampf und Fett ab und wird für Kaffee, Tee, Gewürze, Müsliriegel und Tiefkühlprodukte eingesetzt.

Auch Klebstoffe werden Teil der Bilanz

Nachhaltigkeit entscheidet sich zudem an Komponenten. Klebstoffe beispielsweise beeinflussen Energieverbrauch, Recyclingfähigkeit und Verarbeitungssicherheit. Henkel, einer der weltweit größten Anbieter von Verpackungsklebstoffen, bietet spezielle „Food Safe Packaging“-Konzepte an. Sie verbinden Lebensmittelsicherheit, regulatorische Konformität, Transparenz entlang der Lieferkette und nachhaltige Verpackungslösungen. Im Fokus stehen sichere Klebstoffsysteme, die Recyclingfähigkeit fördern, Ressourcen schonen und gleichzeitig die gewünschten Anforderungen an den Verbraucherschutz erfüllen. H.B. Fuller etwa hat unter anderem recyclingfreundliche Etikettenklebstoffe für PET-Flaschen, biobasierte und nahezu CO-neutrale Hotmelt-Klebstoffe und Lebensmittelverpackungsklebstoffe für Karton-, Etiketten- und Folienanwendungen im Programm.

Nachhaltigkeit wird konkret

Die wichtigsten Trends bei Lebensmittelverpackungen lassen sich klar benennen: lebensmitteltaugliche Rezyklate, Materialreduktion durch intelligentes Design, Monomaterialien, faserbasierte Barrieren, maschinenfähige Papierlösungen, Automatisierung und energieeffiziente Hilfsstoffe. Gefragt sind dabei Lösungen, die nicht nur in Nachhaltigkeitsstrategien gut aussehen, sondern im industriellen Alltag funktionieren: sicher, wirtschaftlich, skalierbar und recyclingfähig.

Nachhaltige Lebensmittelverpackungen entstehen nicht mehr am Ende der Entwicklungskette. Sie müssen von Beginn an gemeinsam gedacht werden – vom Packstoff über die Barriere und das Maschinendesign bis zur Sortierung und Verwertung.