Sechs Markenriesen bündeln Kräfte für Papier-Flexibles
Colgate-Palmolive, Mars, Nestlé, Pepsico, Procter & Gamble und Unilever haben sich im Paperflex Consortium zusammengeschlossen. Gemeinsam wollen sie flexible Verpackungen auf Papierbasis entwickeln, die Kunststoffformate wie Sachets, Wrapper und kleine Beutel ersetzen können.
Papier statt Kunststoff lautet die Devise.
OpenAI
Die Ellen MacArthur Foundation hat gemeinsam mit der Organisation (RE)SET das Paperflex Consortium ins Leben gerufen. Zu den sechs Gründungsmitgliedern gehören Colgate-Palmolive, Mars, Nestlé, Pepsico, Procter & Gamble sowie Unilever. Ziel ist es, Forschung und Entwicklung für flexible Verpackungen auf Papierbasis zu bündeln und geeignete Lösungen schneller zu skalieren.
Im Mittelpunkt stehen vor allem kleine flexible Verpackungen wie Sachets, Wrapper und Pouches. Nach Angaben der Ellen MacArthur Foundation zählen flexible Kunststoffverpackungen zu den am schnellsten wachsenden Kunststoffverpackungsformaten weltweit. Gleichzeitig fehlen insbesondere bei kleinen Formaten in vielen Ländern geeignete Sammel- und Recyclingsysteme.
Recycelbar und biologisch abbaubar
Das Konsortium verfolgt dabei einen doppelten Ansatz für das Lebensende der Verpackungen: Die entwickelten Lösungen sollen einerseits über geeignete Papierkreisläufe recyclingfähig sein und andererseits biologisch abbaubar sein, falls sie unbeabsichtigt in die Umwelt gelangen. Der Fokus liegt deshalb insbesondere auf Märkten, in denen bislang nur begrenzte formelle Sammel- und Recyclingstrukturen bestehen.
Technisch ist der Wechsel von Kunststoff zu Papier allerdings anspruchsvoll. In gemeinsamen Forschungs- und Entwicklungsprojekten wollen die beteiligten Unternehmen unter anderem biologisch abbaubare Barrierebeschichtungen und neue Beschichtungstechnologien untersuchen. Weitere Themen sind Produktschutz und Haltbarkeit sowie die Frage, wie sich papierbasierte Materialien mit ausreichender Geschwindigkeit und Prozesssicherheit auf bestehenden Verpackungslinien verarbeiten lassen.
Gerade hier sieht die Ellen MacArthur Foundation noch Entwicklungsbedarf. Papierbasierte Flexibles seien bislang nicht in der erforderlichen Kombination aus technischer Leistungsfähigkeit, industrieller Skalierbarkeit und Kosten verfügbar. Durch gemeinsame Versuche sowie geteiltes Knowhow sollen Entwicklungsrisiken und Kosten reduziert und geeignete Lösungen schneller zur Marktreife gebracht werden.
Sechs Kriterien für neue Papierverpackungen
Grundlage der Initiative ist ein im März 2026 veröffentlichter Bericht der Ellen MacArthur Foundation zu papierbasierten Alternativen für kleine flexible Kunststoffverpackungen. Darin formuliert die Organisation sechs Anforderungen: Die Materialien sollen verantwortungsvoll beschafft und hergestellt werden, technische und wirtschaftliche Anforderungen erfüllen, für Verbraucher geeignet und lokal recyclingfähig sein sowie problematische Chemikalien und persistente Kunststoffverschmutzung vermeiden. Zudem sollen sie Teil einer umfassenderen Kreislaufwirtschaftsstrategie sein.
Dabei versteht die Foundation Papier nicht als alleinige Lösung für das Problem flexibler Kunststoffverpackungen. Wo möglich, sollen kleine Verpackungsformate zunächst vermieden oder durch Mehrweglösungen ersetzt werden. Materialsubstitution sowie verbesserte Sammel- und Recyclingsysteme bilden weitere Bausteine.
Die sechs beteiligten Markenhersteller wollen ihre konkreten Verpackungsentscheidungen weiterhin unabhängig voneinander treffen. Das Konsortium soll vor allem die vorwettbewerbliche Forschung beschleunigen. Weitere Konsumgüterunternehmen, Material- und Technologieanbieter sowie Investoren sind nach Angaben der Initiatoren eingeladen, sich an der Initiative zu beteiligen.