Thyssenkrupp Rasselstein auditiert Versorgung mit recyceltem Zinn

Vom Schrott zurück ins Weißblech

Thyssenkrupp Rasselstein hat erstmals die Lieferkette für Sekundärzinn durch die Dekra auditieren lassen. Das Audit bestätigt die Rückgewinnung von Zinn aus Weißblechrecycling. Bereits 22 % des Bedarfs deckt der Hersteller mit recyceltem Material.

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Das für die Weißblechproduktion benötigte Zinn lässt sich wiedergewinnen und so im Kreislauf führen.
Das für die Weißblechproduktion benötigte Zinn lässt sich wiedergewinnen und so im Kreislauf führen.

Der Weißblechhersteller Thyssenkrupp Rasselstein ist einer der größten Zinnimporteure Deutschlands. Seit rund fünf Jahren setzt das Unternehmen bei der Deckung seines Zinnbedarfs anteilig auch auf den Bezug von Sekundärzinn. Dabei handelt es sich um recyceltes Material, das qualitativ direkt abgebautem Zinn in nichts nachsteht und den Ansprüchen der Industrie genügt.

Für dessen Herstellung werden sowohl Zinn aus den Produktionsprozessen von Thyssenkrupp Rasselstein als auch Zinn aus den Produktionsschrotten der Kunden zurückgewonnen und in den Kreislauf zurückgeführt. Hierfür arbeitet das Unternehmen mit Unterstützung seiner Tochtergesellschaft DWR (Deutsche Gesellschaft für Weißblechrecycling) eng mit der Nederlandse Onttinningsfabriek – der größten Produktionsstätte zur Entzinnung von Weißblech in Europa – und der Aurubis Beerse, einem der weltweit größten Hersteller von sekundärem Reinzinn mit einem Reinheitsgrad von bis zu 99,99 %, zusammen.

Weißblechhersteller auditiert Sekundärzinn seiner Partner

Um zu zeigen, dass das Recycling von Zinn alle gesetzlichen und umweltrelevanten Auflagen erfüllt und der Zinnkreislauf geschlossen ist, haben sich Thyssenkrupp Rasselstein, die Nederlandse Onttinningsfabriek und Aurubis Beerse entschieden, die Prozesskette durch einen unabhängigen Dritten zertifizieren zu lassen.

„Im Rahmen eines Third Party Audits durch die Dekra konnte nachgewiesen werden, dass die Prozesse der Zinnrückgewinnung in beiden Unternehmen technisch ausgereift, umweltverträglich und wirtschaftlich sind“, erklärt Dr. Peter Kirchesch, Head of Sustainability, Public Affairs and Communications bei Thyssenkrupp Rasselstein. „Die definierten Recyclingziele sind laut Audit ebenso erreicht wie die vollständige Integration in den operativen Betrieb; Umweltaspekte werden umfassend beachtet.“

Das Audit hat bestätigt, dass Thyssenkrupp Rasselstein über die überprüfte Lieferkette auch Sekundärzinn aus dem Recycling von Weißblechschrotten bezieht und in seiner Produktion einsetzt.

Bezug von Primärzinn seit Jahren auditiert

Zinn wird benötigt, um Weißblech vor Korrosion zu schützen und ist daher ein notwendiger Rohstoff, um die hohe Qualität von Produkten wie der Lebensmitteldose zu ermöglichen. Die Zinnauflage auf Weißblech ist dabei gering; sie liegt üblicherweise nur zwischen 1,0 g/m2 bis 11,2 g/m2.

Beim Einkauf von Primärzinn hat das Unternehmen bereits seit Jahren Verfahren etabliert, mit denen sich Lieferketten überprüfen und Risiken ermitteln lassen. Damit erfüllt der Weißblechhersteller die Anforderungen der EU-Verordnung 2017/821, die den Handel unter anderem von Zinn reguliert. Mit der Verordnung möchte die EU verhindern, dass durch den Handel der Mineralien bewaffnete Konflikte und Zwangsarbeit unterstützt werden.

„Für uns ist entscheidend, dass Abbau und Weiterverarbeitung von Zinn verantwortungsbewusst unter Einhaltung ethischer Grundsätze erfolgen“, kommentiert Jochen Zenz, Head of Raw Materials Procurement bei Thyssenkrupp Rasselstein. „Daher erfüllen wir nicht nur die gesetzlichen Vorgaben, sondern auch unseren unternehmenseigenen Code of Conduct.“

Üblicherweise überzeugt sich Thyssenkrupp Rasselstein regelmäßig vor Ort von den Bedingungen beim Abbau und der Verhüttung von Zinn oder beauftragt Dritte, die Situation bei den Lieferanten zu kontrollieren. Der Bezug von Primärzinn erfolgt bei langjährigen Partnern aus Peru, Bolivien, Brasilien und Thailand. Die Verfahren wurden von Thyssenkrupp Rasselstein nun auf freiwilliger Basis auf die Beschaffung von Sekundärzinn übertragen.

Einsatz von Sekundärzinn Teil der Unternehmensstrategie

So funktioniert der Kreislauf für Sekundärzinn.
So funktioniert der Kreislauf für Sekundärzinn.

Seit mehreren Jahren setzt Thyssenkrupp Rasselstein bei der Weißblechherstellung auch Sekundärzinn aus europäischer Produktion ein – mit dem Ziel, die lokale Beschaffung zu stärken und die Kreislaufwirtschaft zu fördern. Hierbei werden in Sekundärhütten Zinnschlamm aus der Veredlung und Zinnasche als Nebenprodukt beim Vergießen der Anoden wieder zu Reinzinn zurückgewonnen. Aus Weißblechschrotten der Produktion von Verpackungsherstellern – sprich der Kunden von Thyssenkrupp Rasselstein – wird ebenfalls Zinn zurückgewonnen und zu Sekundärzinn weiterverarbeitet. Das hierbei gewonnene Zinn wird dann in der Anodengießerei von Thyssenkrupp Rasselstein zu neuen Anoden vergossen und anschließend zur Herstellung von Weißblech eingesetzt.

„Die Nederlandse Onttinningsfabriek übernimmt in diesem Prozess die Aufgabe, Weißblechproduktionsabfälle durch Elektrolyse zu entzinnen“, erklärt Arti Klaasen, Inhaber des Unternehmens. Um hieraus Reinzinn mit einen Reinheitsgrad von 99,95 % zu gewinnen, erfolgt danach eine Behandlung des Zinnkonzentrats bei Aurubis Beerse. Dabei handelt es sich um einen Betrieb, der mittels Schmelze und Raffinationsverfahren Zinn zurückgewinnt und den erforderlichen hohen Reinheitsgrad erzielen kann. Das gewonnene Reinzinn wird in Form von Barren dann unter anderem an Thyssenkrupp Rasselstein geliefert.

„Das durch Recyclingprozesse gewonnene Zinn steht direkt abgebautem Zinn qualitativ in nichts nach und erfüllt die hohen Anforderungen unserer Weißblechgüten“, betont Zenz. Und Kirchesch ergänzt: „Zudem reduziert das Recycling von Zinn Treibhausgasemissionen, vor allem aufgrund des geringeren Energiebedarfs beim Einschmelzen von Sekundärzinn.“

Laut den im Dekra-Auditbericht genannten Zahlen betragen die Emissionen bei der Herstellung von primärem Zinn circa 2 t CO2/t Zinn, bei recyceltem Zinn dagegen nur circa 0,3 t CO2/t Zinn. Durch die Aufbereitung von 1 t Weißblechschrott können in Summe etwa 2 bis 3 kg Zinn gewonnen werden.

Bisher deckt Thyssenkrupp Rasselstein 22 % seines Zinnbedarfs durch Sekundärzinn. „Der Einsatz von Sekundärzinn ist im Hinblick auf die Versorgungssicherheit sinnvoll“, so Zenz.

Erstmals auch Audits bei Herstellern von Sekundärzinn

Sind Audits bei Lieferanten von Primärzinn inzwischen bei Thyssenkrupp Rasselstein langjährig gelebte Praxis, so wurden im November 2025 mit der Nederlandse Onttinningsfabriek und Aurubis Beerse erstmals zwei Lieferanten aus der Lieferkette von Sekundärzinn auditiert. Diese Auditierung erfolgte auf freiwilliger Basis in Anlehnung an die EU-Verordnung 2017/821 und unter Berücksichtigung der OECD-Leitlinien. Stichprobenartig wurden on-site Managementsysteme, Prozesse, Verfahren und Dokumente überprüft. Mit dem Audit bei beiden Unternehmen wurde der Nachweis erbracht, dass Thyssenkrupp Rasselstein nicht nur Primärzinn, sondern auch Sekundärzinn einsetzt, das aus dem Weißblechrecycling wiedergewonnen wird. „Dies ist ein weiterer Schritt, um den Zinnkreislauf gemeinsam mit unseren Partnern Nederlandse Onttinningsfabriek und Aurubis bei Rasselstein zu schließen“, fasst Kirchesch zusammen.