Martin Buchwitz und Achim Wapniewski präsentierten auf der PMC 2026 ihre Zukunfsttudie
Warum gute Maschinen allein nicht mehr reichen
Packaging Valley und Ensign Advisory haben untersucht, welche Fähigkeiten Verpackungsmaschinenbauer bis 2035 brauchen. Entscheidend werden Digitalisierung, Nachhaltigkeit, internationale Präsenz – und die Fähigkeit zur Umsetzung.
Redaktion .Redaktion.neue verpackung
4 min
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Technologische Exzellenz war lange der zentrale Maßstab im Verpackungsmaschinenbau. Wer die leistungsfähigere, präzisere und zuverlässigere Maschine liefern konnte, hatte im Wettbewerb meist einen klaren Vorteil. Diese Logik verschiebt sich. Mechanische Qualität bleibt Voraussetzung, reicht aber allein nicht mehr aus. Wettbewerbsfähigkeit entsteht künftig stärker aus dem Zusammenspiel von Technologie, Software, Datenkompetenz, Nachhaltigkeit, Fachkräften und internationaler Marktnähe.
Zu diesem Ergebnis kommt eine Zukunftsstudie, die Packaging Valley Germany gemeinsam mit der Unternehmensberatung Ensign Advisory angestoßen hat. Einen ersten Einblick gaben Martin Buchwitz, Geschäftsführer von Packaging Valley Germany, und Dr. Achim Wapniewski, Managing Partner von Ensign Advisory, auf der Packaging Machinery Conference 2026. Befragt wurden 27 der 127 Mitgliedsunternehmen aus den Bereichen Maschinenbau, Automation, Komponenten und Engineering.
Drei Kräfte verändern die Branche
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Die Studie verdichtet die zentralen Herausforderungen auf drei Transformationsfelder: Nachhaltigkeit und Kreislaufwirtschaft, Digitalisierung, Automatisierung und KI sowie internationaler Wettbewerb. Diese Felder wirken nicht isoliert, sondern verstärken sich gegenseitig. Daraus entsteht eine neue Komplexität für das Management.
Dr. Achim Wapniewski, Managing Partner bei Ensign Advisory.Ronja Prokosch
Wapniewski formulierte die Leitfrage entsprechend grundsätzlich: Welche Fähigkeiten werden darüber entscheiden, welche Unternehmen im Verpackungsmaschinenbau im Jahr 2035 zu den Gewinnern gehören? Die Antwort liegt aus seiner Sicht nicht in einer einzelnen Technologie. Entscheidend werde sein, wie gut Unternehmen unterschiedliche Fähigkeiten verbinden und daraus umsetzbare Strategien ableiten.
Digitalisierung, Automatisierung und KI stehen bei vielen Unternehmen derzeit ganz oben auf der Agenda. Die Studie zeigt jedoch auch: Es gibt keine einheitliche Digitalisierungsstrategie für die gesamte Branche. Prioritäten hängen stark von Unternehmensgröße, Marktposition, Internationalisierung und der jeweiligen Rolle in der Wertschöpfung ab.
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KI braucht Daten und Prozesse
Besonders deutlich wird der Wandel beim Thema künstliche Intelligenz. Viele Diskussionen beginnen derzeit mit der Frage, welche KI-Tools eingesetzt werden sollen. Aus Sicht von Wapniewski ist das die falsche Reihenfolge. Ohne saubere Daten gebe es keine belastbare KI, ohne stabile Prozesse keinen Nutzen und ohne Skalierung keinen tragfähigen Business Case.
KI ist damit nicht der Ausgangspunkt der Transformation, sondern das Ergebnis einer skalierbaren digitalen Basis. Digitalisierung schafft zunächst die Datengrundlage. Automatisierung macht Prozesse beherrschbar. Erst darauf können KI-Anwendungen aufsetzen, die Muster erkennen, Empfehlungen ableiten oder Entscheidungen unterstützen. Neue Geschäftsmodelle entstehen wiederum erst, wenn diese Anwendungen skaliert und in Services, Prozesse oder Maschinenfunktionen integriert werden.
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Gleichzeitig warnt die Studie davor, mit KI zu lange zu warten. Erste Use Cases sind bereits heute möglich – etwa Assistenzfunktionen im Engineering, die Nutzbarmachung von Servicewissen oder die Unterstützung von Vertriebs- und Angebotsprozessen. Der Pilot dürfe jedoch nicht das Ziel bleiben. Der eigentliche Wettbewerbsvorteil entstehe erst durch Integration: belastbare Daten, stabile Prozesse, geeignete Schnittstellen, klare Governance und ein skalierbares Service- oder Geschäftsmodell.
Die Ziele sind klar, die Strategien differieren.Ensign Advisory
Regionale Antworten statt Einheitsstrategie
Neben der Digitalisierung verändert auch die internationale Wettbewerbsdynamik die Branche. China holt technisch schneller auf, als viele erwartet haben. Die USA verlangen zunehmend lokale Präsenz. Indien bietet Wachstumspotenzial, stellt aber hohe Anforderungen an Preis-Leistung. Europa bleibt ein wichtiger Innovationsstandort, steht jedoch unter wachsendem regulatorischem Druck. Auch Lateinamerika kann durch Marktöffnungen Chancen bieten, setzt aber ebenfalls lokale Nähe voraus.
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Für Verpackungsmaschinenbauer bedeutet das: Eine globale Strategie allein genügt nicht mehr. Unternehmen müssen regional differenzierte Antworten entwickeln. Kunden erwarten lokalen Service, lokale Ansprechpartner und kurze Reaktionszeiten. Gleichzeitig sprechen Effizienz und Skalierung für Standardisierung und zentrale Steuerung. Daraus entsteht ein Zielkonflikt, der nicht nur den Vertrieb betrifft, sondern das gesamte Betriebsmodell.
Nachhaltigkeit wird zur Maschinenfrage
Auch Nachhaltigkeit verschiebt sich vom reinen ESG- oder Compliance-Thema hin zu einem Wettbewerbsfaktor. Regulatorische Anforderungen wie PPWR, CSRD, Nachweise und Dokumentationspflichten machen Nachhaltigkeit zunehmend zur Eintrittskarte in den Markt. Gleichzeitig führen neue Materialien dazu, dass Nachhaltigkeit unmittelbar zur Maschinenfrage wird. Monomaterialien, Rezyklate oder Papier müssen stabil und effizient verarbeitet werden können.
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Entscheidend wird daher, wer Nachhaltigkeit wirtschaftlich umsetzen kann. Weniger Materialeinsatz, geringerer Energieverbrauch und weniger Ausschuss machen Nachhaltigkeit messbar wertvoll. Wettbewerbsvorteile entstehen dort, wo Maschinenbauer neue Materialanforderungen beherrschen und daraus Kundennutzen, Differenzierung und wirtschaftliche Effekte ableiten. Nicht jede Investition rechnet sich sofort. Fehlende Readiness kann künftig jedoch Marktchancen kosten.
Umsetzung entscheidet
Die zentrale Erkenntnis der Studie liegt weniger darin, dass Digitalisierung, Nachhaltigkeit und internationaler Wettbewerb wichtig sind. Diese Trends sind den meisten Unternehmen bekannt. Die eigentliche Herausforderung liegt in Priorisierung, Geschwindigkeit und Umsetzung.
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Generell gilt: Das Risiko des Nichthandelns wird unterschätzt.Ensign Advisory
Viele Unternehmen wissen, welche Themen relevant sind, haben aber begrenzte Ressourcen, Budgets und Kapazitäten. Sie können nicht alle Initiativen gleichzeitig mit maximaler Geschwindigkeit verfolgen. Deshalb wird die Fähigkeit zur Auswahl strategisch wichtiger Projekte selbst zum Wettbewerbsfaktor. Entscheidend sind drei Fragen: Welche Themen haben den höchsten strategischen Impact? Welche besitzen die größte Dringlichkeit? Und welche Maßnahmen lassen sich realistisch erfolgreich umsetzen?
Gerade das Risiko des Nichthandelns wird häufig unterschätzt. Kurzfristig spart Abwarten Budget und reduziert sichtbare Risiken. Langfristig kann es aber dazu führen, dass Wettbewerber früher lernen, schneller Kompetenzen aufbauen und sich organisatorische Routinen sichern. Transformation verursacht Kosten – Stillstand kann zeitverzögert jedoch deutlich teurer werden.
Die Maschine wird datenbasierter
Besonders relevant ist die Frage, wie sich die Verpackungsmaschine selbst verändert. Wie viel heutige Differenzierung ist noch mechanisch – und wie viel wird künftig software- oder datenbasiert sein?
Vier Fähigkeiten rücken dabei in den Vordergrund: Data Governance, Software, künstliche Intelligenz und Modularität. Unternehmen müssen Daten sauber erfassen, Schnittstellen standardisieren sowie Zugriff und Sicherheit regeln. Funktionen werden zunehmend per Software erweitert, Updates einfacher ermöglicht und digitale Services an Maschinen angebunden. KI kann Daten gezielt auswerten, Qualität und Stabilität verbessern sowie Expertenwissen skalieren. Modularität wiederum ermöglicht standardisierte Architekturen, schnellere Umrüstungen und flexiblere Automatisierung.
Die Verpackungsmaschine der Zukunft wird damit nicht nur schneller oder präziser, sondern intelligenter, vernetzter, erweiterbarer und anpassungsfähiger. Mechanische Exzellenz bleibt die Eintrittskarte. Die Differenzierung verschiebt sich jedoch zunehmend in Richtung Daten, Software und digitale Services.
Transformation als Kernkompetenz
In der Diskussion verwies Buchwitz auf ein Spannungsfeld: Die Auslastung sei vielerorts noch relativ gut, auch wenn sie tendenziell zurückgehe. Genau in dieser Situation müssten Unternehmen entscheiden, ob sie in jene Themen investieren, die für den künftigen Erfolg entscheidend sind. Gerade bei kleineren Unternehmen fehle häufig ein strategisches Innovationsmanagement; dort sei oft der Kunde selbst der Innovationstreiber. Auch in größeren Unternehmen werde Innovation vom Tagesgeschäft verdrängt.