Effizienzgewinne, neue Workflows und nachhaltige Lösungen
Die Inno-Printpack 2025 zeigte, wie dynamisch sich der Verpackungsdruck wandelt: 4C/7C-Fixed-Paletten, Automatisierung, Datenplattformen, Inspektion und PPWR-konforme Materialien standen im Fokus. Fachvorträge belegten Effizienzgewinne, neue Workflows und nachhaltige Lösungen.
Dieter FinnaDieterFinnaDieter FinnaPack consult
3 min
Das neue Label des Fachforums: „Inno-Printpack”OpenAI
Anzeige
Der
„Expertentreff Verpackungsdruck“ feierte unter dem neuen Namen „Inno-Printpack“
seine zehnte Auflage. Die Fachtagung fand Ende 2025 im neu errichteten
Technologie- und Wissenszentrum der Follmann-Gruppe in Minden statt, das sich
inmitten einer Spezialchemieproduktion befindet. Die moderne Infrastruktur bot
geeignete Rahmenbedingungen für fachlich vertiefte Vorträge und den Austausch
zwischen den Teilnehmenden
Hier sind die Referenten und ihre Themen
Anzeige
Michael Weihing von GMG beleuchtete den Wandel vom Einsatz
von Sonderfarben hin zu vier bis sieben Prozessfarben. Der Ansatz reduziert
Rüstzeiten und Makulatur im */Drucksaal um bis zu 27 Prozent, wie ein
Praxisbeispiel zeigte. Im dargestellten Szenario lassen sich Einsparungen von
bis zu 337.000 Euro pro Jahr sowie ein zusätzliches Auftragspotenzial von rund
5 Mio. Euro pro Maschine erzielen. Standardisierte Prozesse erhöhen zudem die
Reproduzierbarkeit der Druckergebnisse, verbessern die CO₂-Bilanz und
ermöglichen eine flexiblere Auftragsreihenfolge bei kürzeren Lieferzeiten.
Anforderungen bei der Umstellung auf erweiterte Prozessfarben.Gallus Ferd. Rüesch AG
Uwe Alexander von Gallus stellte den 7C-Druck im
Etikettenbereich vor. Weniger Farbwechsel, kürzere Rüstzeiten, reduzierte
Waschvorgänge und die Produktion mehrerer Jobs in einem Durchgang über
Kombiformen zählen zu den zentralen Vorteilen. Bei der Permapack AG wurde der
7C-Workflow nach Softwareanpassungen erfolgreich implementiert. Trotz eines
geringeren Anteils geeigneter Aufträge als ursprünglich erwartet, insbesondere
durch den hohen Digitaldruckanteil, bewertete das Unternehmen die Entscheidung
positiv. Im Digitaldruck verschiebt sich der Break-even-Punkt gegenüber
konventionellem Druck von etwa 2.000 auf rund 10.000 Laufmeter.
Jörg Rohde von Zecher zeigte, wie ein klar spezifiziertes
Rasterwalzensortiment für den 4C/7C-Druck aufgebaut werden kann. Definierte
Volumenstufen, abgestimmt auf Klischeeraster, Farbtyp, Substrat und Gravurform,
tragen zur Prozessstabilität bei. Spezialgravuren wie SteppedHex ermöglichen
höhere Lineaturen bei gleichem Volumen. Ein standardisierter Walzenbestand
sowie dokumentierte Reinigung und Wartung reduzieren Rüstzeiten und sichern
eine konstante Farbübertragung.
Anzeige
One Print garantiert konstante Farbe im TiefdruckprozessBobst
Alexander Sailer von Manroland Goss stellte eine zentrale
Datenplattform für den Web-Offset-Verpackungsdruck vor, die Echtzeittransparenz
über Energie-, Material- und Medienverbräuche schafft. Die automatisch
erfassten Maschinen- und Sensordaten ermöglichen Analysen pro Auftrag oder
Zeitraum, reduzieren Ausschuss und unterstützen die vorausschauende
Instandhaltung. Dashboards visualisieren Kennzahlen und Abweichungen und
erleichtern Vergleiche zwischen Aufträgen und Standorten über offene
Schnittstellen.
Marco Schmidt von Bobst präsentierte das smartGRAVURE-System
zur Digitalisierung des Tiefdruckprozesses. Das erweiterte Farbspektrum oneECG
(7C) deckt rund 95 Prozent des Pantone-Farbraums ab und reduziert Sonderfarben.
Digitale Auftragsvorbereitung, Inline-Farbmessung und eine durchgängige
Datenanbindung sorgen für stabilere Prozesse und eine höhere Effizienz im
Tiefdruck.
Tarik Sevinc von AVT zeigte den Einsatz moderner
Inspektionssysteme zur 100-prozentigen Druck- und Lackkontrolle in Echtzeit.
Die Systeme prüfen Register, Druckqualität und Barcodes über die gesamte
Bahnbreite hinweg und sind sowohl für Schmalbahn- als auch für
Etikettenanwendungen ausgelegt. Inline-Spektralfarbmessungen sichern
reproduzierbare Farbkonstanz, während ein umfassendes Datenmanagement die
Rückverfolgbarkeit unterstützt.
Anzeige
Ein gemeinsames Projekt von Esko, Asahi, Kongsberg und
Allstein wurde von Dr. Thomas Klein und Dr. Dieter Niederstadt vorgestellt.
Gezeigt wurde ein durchgängig automatisierter Workflow von der Flexo-Rohplatte
bis zum Druck. AWPTM-Wasserplatten mit Quarz-Oberflächenstruktur und
robotergestützte Montage führen zu hoher Prozesskonstanz und sind bereits
kommerziell verfügbar.
Victor Asseiceiro von Hybrid Software erläuterte
Fixed-Palette- und 7C-Workflows für analoge und digitale Drucktechnologien.
Standardisierte 7-Farben-Prozesse mit vorhersagbaren ∆E-Werten verlagern die
Wertschöpfung zunehmend in die Druckvorstufe. Eine enge ERP-Integration und
Prepress-Automatisierung steigern die Gesamtanlageneffizienz.
Yair Gellis thematisierte die drucktechnischen
Herausforderungen von MDO-PE-Folien. Aufgrund niedriger Oberflächenenergie,
Temperaturempfindlichkeit und Memory-Effekt sind angepasste Prozessparameter
erforderlich. Ein Corona-Refresh auf etwa 42 dyn/cm, Temperaturen unter 85 °C
im Trockner und reduzierte Bahnspannungen stabilisieren den Druckprozess.
Vom QR-Code zum kopiergeschützten individualisierten QR-Code Vali-Gate.Scribos GmbH
Oliver Hissmann von OCS Service zeigte Inspektionslösungen
für Recyclingfolien und neue Polymere. Das System erkennt Defekte wie Gele,
Krater oder Beschichtungsfehler in Echtzeit. Die Multi Channel Evaluation
reduziert Fehlalarme bei starkem Materialrauschen, insbesondere bei PCR-Folien.
Anzeige
André Altevogt von Follmann ging auf die ab 2026 geltenden
Grenzwerte für Schwermetalle und PFAS im Rahmen der PPWR ein. Wasserbasierte
Druckfarben mit geringem VOC-Anteil erfüllen die regulatorischen Anforderungen
und ermöglichen hohe Druckgeschwindigkeiten. Fallstudien zeigen trotz höherer
Reinigungskosten eine Reduktion der Gesamtkosten.
Dr. Steffen Scheibenstock von Scribos stellte die
Authentifizierungslösung ValiGate® vor, einen serialisierten, kopiergeschützten
QR-Code zur Einbindung der Endkunden in den Produktschutz. Die Verifizierung
erfolgt ohne App direkt über das Smartphone.
Durch die Vereinfachung von Laminatstrukturen und Gewichtsreduzierung treibt BOPP aktiv die Kreislauffähigkeit von Verpackungsfolien voran.Transparent Paper Ltd.
Nicole Brandt von der PTS erläuterte Anforderungen der
EU-Verordnung 2016/161 zur Fälschungssicherheit von Humanarzneimitteln.
Individuelle Data-Matrix-Codes und Manipulationsschutz erfordern
standardisierte Prüfungen zur Codierbarkeit und Langzeitbeständigkeit.
Anzeige
Dr. Sven Macher von VP Medical Packaging zeigte den Einsatz
migrationsarmer UV-Druckfarben für medizinische Verpackungen. Migrationsstudien
verdeutlichten die Anforderungen aus PPWR, MDR und ISO 11607 hinsichtlich
Sterilisations- und Materialverträglichkeit.
Marcin Lapaj von Transparent Paper stellte PPWR-konforme
BOPP-Monomateriallösungen mit hoher Barrierewirkung vor, die Aluminium in
Mehrschichtlaminaten ersetzen können. Gewichtsreduzierung und vereinfachte
Strukturen fördern die Kreislauffähigkeit.
Dr. Ricarda Hofmann von der Flint Group präsentierte
Universalbasen für recyclingfähige Farbsysteme, die regulatorische
Anforderungen erfüllen und die Komplexität im Drucksaal reduzieren. Attilio
Borlenghi von Sun Chemical ergänzte dies mit ULM-Klebstoffsystemen mit sehr
geringem Diisocyanatgehalt, die kurze Reifezeiten und Lebensmitteltauglichkeit
ermöglichen.
Anzeige
Zum Abschluss fasste Karsten Schröder die Kernthemen der
Veranstaltung zusammen. Der Inno-PrintPack Expertentreff zeigte die wachsende
Bedeutung standardisierter 4C/7C-Workflows, datengetriebener Prozessführung,
Automatisierung und Inline-Inspektion. Zugleich verdeutlichten die Beiträge,
wie stark die PPWR die Entwicklung von Materialien, Farben und Klebstoffen im
Verpackungsdruck beeinflusst.