Fachtagung Inno-Printpack 2025

Effizienzgewinne, neue Workflows und nachhaltige Lösungen

Die Inno-Printpack 2025 zeigte, wie dynamisch sich der Verpackungsdruck wandelt: 4C/7C-Fixed-Paletten, Automatisierung, Datenplattformen, Inspektion und PPWR-konforme Materialien standen im Fokus. Fachvorträge belegten Effizienzgewinne, neue Workflows und nachhaltige Lösungen.

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Das neue Label des Fachforums: „Inno-Printpack”

Der „Expertentreff Verpackungsdruck“ feierte unter dem neuen Namen „Inno-Printpack“ seine zehnte Auflage. Die Fachtagung fand Ende 2025 im neu errichteten Technologie- und Wissenszentrum der Follmann-Gruppe in Minden statt, das sich inmitten einer Spezialchemieproduktion befindet. Die moderne Infrastruktur bot geeignete Rahmenbedingungen für fachlich vertiefte Vorträge und den Austausch zwischen den Teilnehmenden 

Hier sind die Referenten und ihre Themen

Michael Weihing von GMG beleuchtete den Wandel vom Einsatz von Sonderfarben hin zu vier bis sieben Prozessfarben. Der Ansatz reduziert Rüstzeiten und Makulatur im */Drucksaal um bis zu 27 Prozent, wie ein Praxisbeispiel zeigte. Im dargestellten Szenario lassen sich Einsparungen von bis zu 337.000 Euro pro Jahr sowie ein zusätzliches Auftragspotenzial von rund 5 Mio. Euro pro Maschine erzielen. Standardisierte Prozesse erhöhen zudem die Reproduzierbarkeit der Druckergebnisse, verbessern die CO₂-Bilanz und ermöglichen eine flexiblere Auftragsreihenfolge bei kürzeren Lieferzeiten.

Anforderungen bei der Umstellung auf erweiterte Prozessfarben.

Uwe Alexander von Gallus stellte den 7C-Druck im Etikettenbereich vor. Weniger Farbwechsel, kürzere Rüstzeiten, reduzierte Waschvorgänge und die Produktion mehrerer Jobs in einem Durchgang über Kombiformen zählen zu den zentralen Vorteilen. Bei der Permapack AG wurde der 7C-Workflow nach Softwareanpassungen erfolgreich implementiert. Trotz eines geringeren Anteils geeigneter Aufträge als ursprünglich erwartet, insbesondere durch den hohen Digitaldruckanteil, bewertete das Unternehmen die Entscheidung positiv. Im Digitaldruck verschiebt sich der Break-even-Punkt gegenüber konventionellem Druck von etwa 2.000 auf rund 10.000 Laufmeter.

Jörg Rohde von Zecher zeigte, wie ein klar spezifiziertes Rasterwalzensortiment für den 4C/7C-Druck aufgebaut werden kann. Definierte Volumenstufen, abgestimmt auf Klischeeraster, Farbtyp, Substrat und Gravurform, tragen zur Prozessstabilität bei. Spezialgravuren wie SteppedHex ermöglichen höhere Lineaturen bei gleichem Volumen. Ein standardisierter Walzenbestand sowie dokumentierte Reinigung und Wartung reduzieren Rüstzeiten und sichern eine konstante Farbübertragung.

One Print garantiert konstante Farbe im Tiefdruckprozess

Alexander Sailer von Manroland Goss stellte eine zentrale Datenplattform für den Web-Offset-Verpackungsdruck vor, die Echtzeittransparenz über Energie-, Material- und Medienverbräuche schafft. Die automatisch erfassten Maschinen- und Sensordaten ermöglichen Analysen pro Auftrag oder Zeitraum, reduzieren Ausschuss und unterstützen die vorausschauende Instandhaltung. Dashboards visualisieren Kennzahlen und Abweichungen und erleichtern Vergleiche zwischen Aufträgen und Standorten über offene Schnittstellen.

Marco Schmidt von Bobst präsentierte das smartGRAVURE-System zur Digitalisierung des Tiefdruckprozesses. Das erweiterte Farbspektrum oneECG (7C) deckt rund 95 Prozent des Pantone-Farbraums ab und reduziert Sonderfarben. Digitale Auftragsvorbereitung, Inline-Farbmessung und eine durchgängige Datenanbindung sorgen für stabilere Prozesse und eine höhere Effizienz im Tiefdruck.

Tarik Sevinc von AVT zeigte den Einsatz moderner Inspektionssysteme zur 100-prozentigen Druck- und Lackkontrolle in Echtzeit. Die Systeme prüfen Register, Druckqualität und Barcodes über die gesamte Bahnbreite hinweg und sind sowohl für Schmalbahn- als auch für Etikettenanwendungen ausgelegt. Inline-Spektralfarbmessungen sichern reproduzierbare Farbkonstanz, während ein umfassendes Datenmanagement die Rückverfolgbarkeit unterstützt.

Ein gemeinsames Projekt von Esko, Asahi, Kongsberg und Allstein wurde von Dr. Thomas Klein und Dr. Dieter Niederstadt vorgestellt. Gezeigt wurde ein durchgängig automatisierter Workflow von der Flexo-Rohplatte bis zum Druck. AWPTM-Wasserplatten mit Quarz-Oberflächenstruktur und robotergestützte Montage führen zu hoher Prozesskonstanz und sind bereits kommerziell verfügbar.

Victor Asseiceiro von Hybrid Software erläuterte Fixed-Palette- und 7C-Workflows für analoge und digitale Drucktechnologien. Standardisierte 7-Farben-Prozesse mit vorhersagbaren ∆E-Werten verlagern die Wertschöpfung zunehmend in die Druckvorstufe. Eine enge ERP-Integration und Prepress-Automatisierung steigern die Gesamtanlageneffizienz.

Yair Gellis thematisierte die drucktechnischen Herausforderungen von MDO-PE-Folien. Aufgrund niedriger Oberflächenenergie, Temperaturempfindlichkeit und Memory-Effekt sind angepasste Prozessparameter erforderlich. Ein Corona-Refresh auf etwa 42 dyn/cm, Temperaturen unter 85 °C im Trockner und reduzierte Bahnspannungen stabilisieren den Druckprozess.

Vom QR-Code zum kopiergeschützten individualisierten QR-Code Vali-Gate.

Oliver Hissmann von OCS Service zeigte Inspektionslösungen für Recyclingfolien und neue Polymere. Das System erkennt Defekte wie Gele, Krater oder Beschichtungsfehler in Echtzeit. Die Multi Channel Evaluation reduziert Fehlalarme bei starkem Materialrauschen, insbesondere bei PCR-Folien.

André Altevogt von Follmann ging auf die ab 2026 geltenden Grenzwerte für Schwermetalle und PFAS im Rahmen der PPWR ein. Wasserbasierte Druckfarben mit geringem VOC-Anteil erfüllen die regulatorischen Anforderungen und ermöglichen hohe Druckgeschwindigkeiten. Fallstudien zeigen trotz höherer Reinigungskosten eine Reduktion der Gesamtkosten.

Dr. Steffen Scheibenstock von Scribos stellte die Authentifizierungslösung ValiGate® vor, einen serialisierten, kopiergeschützten QR-Code zur Einbindung der Endkunden in den Produktschutz. Die Verifizierung erfolgt ohne App direkt über das Smartphone.

Durch die Vereinfachung von Laminatstrukturen und Gewichtsreduzierung treibt BOPP aktiv die Kreislauffähigkeit von Verpackungsfolien voran.

Nicole Brandt von der PTS erläuterte Anforderungen der EU-Verordnung 2016/161 zur Fälschungssicherheit von Humanarzneimitteln. Individuelle Data-Matrix-Codes und Manipulationsschutz erfordern standardisierte Prüfungen zur Codierbarkeit und Langzeitbeständigkeit.

Dr. Sven Macher von VP Medical Packaging zeigte den Einsatz migrationsarmer UV-Druckfarben für medizinische Verpackungen. Migrationsstudien verdeutlichten die Anforderungen aus PPWR, MDR und ISO 11607 hinsichtlich Sterilisations- und Materialverträglichkeit.

Marcin Lapaj von Transparent Paper stellte PPWR-konforme BOPP-Monomateriallösungen mit hoher Barrierewirkung vor, die Aluminium in Mehrschichtlaminaten ersetzen können. Gewichtsreduzierung und vereinfachte Strukturen fördern die Kreislauffähigkeit.

Dr. Ricarda Hofmann von der Flint Group präsentierte Universalbasen für recyclingfähige Farbsysteme, die regulatorische Anforderungen erfüllen und die Komplexität im Drucksaal reduzieren. Attilio Borlenghi von Sun Chemical ergänzte dies mit ULM-Klebstoffsystemen mit sehr geringem Diisocyanatgehalt, die kurze Reifezeiten und Lebensmitteltauglichkeit ermöglichen.

Zum Abschluss fasste Karsten Schröder die Kernthemen der Veranstaltung zusammen. Der Inno-PrintPack Expertentreff zeigte die wachsende Bedeutung standardisierter 4C/7C-Workflows, datengetriebener Prozessführung, Automatisierung und Inline-Inspektion. Zugleich verdeutlichten die Beiträge, wie stark die PPWR die Entwicklung von Materialien, Farben und Klebstoffen im Verpackungsdruck beeinflusst.