Künftig 20 oder 25 Cent pro Mehrweg-Glasflasche

Fritz-Kola-Chef Mirco Wolf Wiegert fordert höheres Pfand

Das Thema begleitet die Getränkebranche seit Längerem: Soll das Pfand auf Glas Mehrwegflaschen spürbar erhöht werden? Fritz-Kola-Gründer Wiegert plädiert für eine Erhöhung von derzeit 8 auf 20 bis 25 Cent – und fordert andere Hersteller auf, sich dieser Linie anzuschließen.

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Sieht das Mehrwegsystem gefährdet: Mirco Wolf Wiegert.

Mirco Wolf Wiegert ist mit seinem Plädyoer keineswegs alleine. Im Gegenteil, er bekommt Unterstützung von vielen kommunalen Entsorgern und Stadtwerken. Denn diese berichten, dass Glas‑Mehrwegflaschen mit geringem Pfandwert zunehmend im öffentlichen Raum zurückbleiben oder im Restmüll landen. Inflation und gestiegene Lebenshaltungskosten haben die Anreizwirkung des Pfands über Jahre ausgehöhlt. Eine Erhöhung, so die Hoffnung, könnte den Rücklauf beschleunigen, Flaschenverluste reduzieren und damit die ökologische Stärke des Mehrwegsystems absichern. Das Beispiel Österreich, wo das Pfand auf 0,5‑Liter‑Mehrwegflaschen Anfang 2025 von neun auf 20 Cent angehoben wurde, dient vielen als Beleg, dass eine Anpassung praktikabel ist.

Zahlen & Fakten

  • Aktuelles Pfand (Deutschland) meist 8 Cent pro Glas‑Mehrwegflasche
  • Diskutierte Höhe 15–25 Cent pro Flasche (u. a. gefordert von Fritz‑Kola, VKU, privaten Brauereien)
  • Einwegpfand zum Vergleich 25 Cent auf PET‑Einwegflaschen und Dosen
  • Kosten einer neuen Glas‑Mehrwegflasche ca. 20–21 Cent pro Flasche
  • Rückgabequoten (Angaben der Branche) offiziell 98–99 %, bei zunehmenden Verlusten im urbanen Raum
  • Ökobilanz Mehrweg‑Glas bis zu 40 Umläufe pro Flasche möglich

Mehrweg wieder zukunftsfähig machen

Wiegert gegenüber "neue verapckung": „Das Pfand für Glasmehrwegflaschen ist nicht mehr zeitgemäß. 1966 waren es 15 Pfennig, jetzt 8 Cent. Flaschen bleiben im öffentlichen Raum liegen und die Kosten für Neuglas werden durch das Pfand schon lange nicht mehr gedeckt. Gerade für kleinere Unternehmen wird es so immer schwerer, auf Glasmehrweg zu setzen. Und wirklich nachhaltig ist die Lösung nur dann, wenn die Flaschen auch wiederbefüllt werden können. Das Mehrwegsystem verliert an Wirksamkeit. Daher fordern wir die dringend notwendige Erhöhung des Pfands auf 20 bis 25 Cent, um die Rückgabe wieder attraktiv zu machen und einen echten Kreislauf zu ermöglichen. Es ist Zeit. Die Branche darf nicht länger abwarten. Wir müssen gemeinsam und entschlossen handeln, um Mehrweg wieder zukunftsfähig zu machen.“

Hoher Preis könnte kontraproduktiv sein

Auf der Gegenseite warnt insbesondere der Deutsche Brauer‑Bund vor unerwünschten Effekten. Eine neue Glasflasche kostet heute rund 20 Cent. Liegt das Pfand auf ähnlichem Niveau, könnte der wirtschaftliche Anreiz sinken, leere Flaschen über weite Strecken zurückzuführen – insbesondere im regional fragmentierten Mehrwegsystem. Hinzu kommen der organisatorische Aufwand einer Umstellung sowie mögliche Liquiditätsbelastungen, vor allem für kleine und mittelständische Betriebe. Kritiker verweisen zudem auf offiziell hohe Rückgabequoten und sehen das Mehrwegsystem insgesamt nicht in einer akuten Krise.

Der Vorstoß von Fritz‑Kola legt damit einen Zielkonflikt offen: Zwischen dem Wunsch nach stärkeren Lenkungswirkungen und der Sorge vor neuen wirtschaftlichen Verzerrungen. Entscheidend dürfte sein, ob sich die Branche auf eine moderate, abgestimmte Lösung verständigen kann. Gelingt das nicht, könnte der Ruf nach politischer Regulierung lauter werden.