Die Perspektiven für die Pharmaindustrie sind positiv
Processing & Packaging für die Pharmaindustrie
Neue Therapien, steigende regulatorische Anforderungen und wirtschaftlicher Druck verändern die Pharmaindustrie spürbar. Produktionsprozesse werden komplexer, vernetzter und anspruchsvoller.
Messe DüsseldorfMesseDüsseldorfMesse Düsseldorf.
3 min
Eine rder wenigen Bereiche, in denen es weiter bergauf geht: Pharma und Kosmetik.Messe Düsseldorf / ctillmann
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In den Hallen 15 bis 17
zeigen Unternehmen wie IMA, Fette Compacting, Bausch & Ströbel, Uhlmann
Pac-Systeme, Groninger, Multivac Health Packaging, Körber Pharma, Romaco, Optima,
Harro Höfliger Verpackungsmaschinen, CAM oder die Marchesini Group auf rund
40.000 qm ihre Ansätze für Produktion und Verpackung im Pharmabereich.
Die Perspektiven für die
Pharmabranche bleiben positiv. Weltweit wurden 2024 pharmazeutische Produkte im
Wert von rund 1,9 Bill. Euro hergestellt (VDMA/Euromonitor). Bis 2029 wird ein
Wachstum von 24 % erwartet. Wachstumstreiber sind vor allem bevölkerungsreiche
und wirtschaftlich aufstrebende Märkte wie China, Indien und Brasilien sowie
Regionen in Südostasien, Nordafrika und dem Mittleren Osten.
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Insgesamt verändern sich die
Anforderungen an Produktion und Verpackung deutlich. Neue Therapien sowie
hochwirksame Wirkstoffe erfordern flexible und vernetzte Produktionssysteme.
Parallel steigen die Anforderungen an Qualität, Sterilität und Rückverfolgbarkeit.
Hinzu kommen steigende Kosten, volatile Lieferketten und der Bedarf an
effizienteren Prozessen. Wie groß die Herausforderungen sind, verdeutlichen
Unternehmen, die 2026 im Pharmabereich der Interpack vertreten sind.
Der Transformationsdruck steigt
Thomas Fricke, Commercial Director bei IMAIMA
Thomas Fricke, Commercial
Director bei IMA, beschreibt die Situation wie folgt: „Die Pharmaindustrie
steht aufgrund des Vormarsches von Biologika, Zell- und Gentherapien sowie
hochwirksamen Wirkstoffen unter erheblichem Druck. All diese Bereiche erfordern
fortschrittlichere, flexiblere und vernetzte Technologien. Zudem werden die
regulatorischen Anforderungen an Qualität, Sterilität und Rückverfolgbarkeit in
Echtzeit immer strenger. In wirtschaftlicher Hinsicht sehen sich die Hersteller
mit steigenden Produktionskosten, Schwankungen in der Lieferkette und der
Notwendigkeit schnellerer und effizienterer Prozesse konfrontiert.“
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Einschätzungen, die Joachim
Dittrich, CEO von Fette Compacting, teilt: „Steigende regulatorische
Anforderungen, hoher Kosten- und Preisdruck sowie auslaufende Patente zwingen
zu kürzeren Time-to-Market-Zyklen. Gleichzeitig verändern hochaktive Wirkstoffe
und individualisierte Therapien die Anforderungen an Produktion und
Containment. Unternehmen müssen heute Entwicklung, Technologietransfer und
Produktion datenbasiert verzahnen, statt isoliert zu optimieren – nur so lassen
sich Prozesse effizient, sicher und skalierbar gestalten.“
Damit verbunden entstehen neue
Zielkonflikte: „Vor allem steigende Anforderungen an Automatisierung,
Datensicherheit und Nachhaltigkeit treiben den Transformationsdruck voran.
Verschärft wird das durch regulatorische Vorgaben wie die PPWR. Daraus entsteht
ein Zielkonflikt zwischen Produktschutz, reduziertem Verpackungsvolumen und
Wirtschaftlichkeit“, beschreibt Michael Mrachacz, CSO & Managing Director
Uhlmann Pac-Systeme die Lage.
Automatisierung
und Nachhaltigkeit gehen zusammen
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Automatisierung oder
Nachhaltigkeit lautet nicht mehr die entscheidende Frage. In der Praxis
entwickeln sich beide Themen parallel und zunehmend integriert.„Das ist die zentrale
Herausforderung für die Pharmaindustrie, da sich keines dieser Themen isoliert
betrachten lässt, ohne andere zu vernachlässigen“, erklärt Thomas Fricke.
„Pharmahersteller investieren daher verstärkt in Automatisierung, KI-gestützte
Systeme und durchgängige Datenvernetzung, um Prozesskontrolle, Zuverlässigkeit
und Durchsatz zu verbessern. Parallel dazu gewinnt Nachhaltigkeit als
eigenständige strategische Priorität an Bedeutung.“
Valerio Soli, CEO der Marchesini GroupMarchesini
Auch bei der Marchesini Group
steht dieses Zusammenspiel im Fokus: „In den vergangenen Jahren haben wir ein
interdisziplinäres Team aufgebaut, das sich insbesondere mit der Analyse neuer
Verpackungsmaterialien und deren Verarbeitungseigenschaften beschäftigt, um die
Anforderungen der PPWR-Verordnung als Chance zu nutzen. Wir treiben die
Ablösung von PVC durch recycelbare Monomateriallösungen voran – etwa bei
Blistern und Trays – und setzen dabei auf Materialien wie R-PET, PP und
PVC-freies Aluminium“, so Valerio Soli, CEO der Marchesini Group.
Effizienz und Nachhaltigkeit
gehen heute Hand in Hand und werden nur durch integrierte Prozesskenntnis zu
einem echten Erfolgsfaktor, beschreibt Joachim Dittrich die Situation.
„Die größten Investitionen fließen aktuell in Automatisierung, datenbasierte
Prozesslösungen und KI. Wer seine Prozesse datenbasiert steuert, kann Material-
und Energieeinsatz messbar optimieren.“ „Ein holistischer Ansatz ist
entscheidend“, ergänzt Michael Mrachacz: „Nachhaltigkeit muss mit
Maschinengängigkeit und Effizienz vereinbar sein – dabei unterstützen wir
unsere Kunden durch unsere Beratungsservices entlang der gesamten Wertschöpfungskette.“
Was sich in den Investitionsstrategien abzeichnet, wird auf der Interpack 2026 konkret sichtbar. Hier finden Pharmaunternehmen Lösungen für Automatisierung, Datenintegration und Nachhaltigkeit.
Marchesini etwa zeigt in Halle 15 Maschinen und Linien für die Pharma- und Kosmetikindustrie. Im Fokus stehen Nachhaltigkeit, Innovation – etwa KI-, Robotik- und digitale Lösungen – sowie aseptische Technologien. „Die Marchesini Group wird auf der interpack mehrere innovative Lösungen im Bereich Robotik präsentieren, die zunehmend Künstliche Intelligenz integrieren. Die Pharmaindustrie benötigt immer komplexere, sicherere und vernetzte Produktionslinien, um Produkte von höchster Qualität und Sicherheit zu gewährleisten“, so CEO Valerio Soli zum Messeauftritt. Ebenso in der Halle 15 ist Uhlmann zu finden. „Auf der Interpack präsentieren wir in digitaler Form das PTC 200 für Parenteralia in Karton-Mono-Verpackungen sowie die BEC 500 als integrierte Blister- und Kartonierlösung. Im Fokus stehen materialeffiziente, recyclingfähige Lösungen sowie Softwarelösungen und digitale und analoge Services zur optimalen Verbindung von Nachhaltigkeit, Prozesssicherheit und Wirtschaftlichkeit“, so Michael Mrachacz.
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Auf einer Fläche von über 4.500 qm zeigt IMA in der Halle 17 Fortschritte in der sterilen Verarbeitung. „Dazu zählen Magnetschwebetechnologien, die vollständig handschuhlose Abfülllinien für Zelltherapieprodukte ermöglichen – ein Fortschritt bei Kontaminationskontrolle und Prozesssicherheit – sowie eine neue Version im Labormaßstab, die Forschungs- und Entwicklungsteams mehr Flexibilität bietet“, sagt Thomas Fricke. Weitere Schwerpunkte sind eine neue Generation von Tablettenpressen, nachhaltige Blisterlösungen, automatisierte Kartonierung mit bis zu 70 Prozent schnelleren Umrüstzeiten sowie modulare Systeme für die Montage von Autoinjektoren und End-of-Line-Anwendungen. Ergänzt werden diese Innovationen durch KI-gestützte digitale Tools zur Überwachung und vorausschauenden Wartung.
In der Halle 16 treffen die Besucherinnen und Besucher unter anderen auf Fette Compacting: „Am Stand zeigen wir Continuous Manufacturing mit der FE CPS, neueste Containment-Lösungen sowie Emulatoren und Lab Services. Der Mehrwert liegt in kürzeren Entwicklungszyklen, höherer Produktsicherheit, reduziertem Materialverbrauch und einer flexiblen Produktionsinfrastruktur, die sich nahtlos an neue Produkte und regulatorische Anforderungen anpasst“, so Joachim Dittrich.