Zu teuer in der Herstellung und sinkende Nachfrage
Ardagh prüft Stilllegung weiterer Glasschmelzwannen
Der Verpackungskonzern Ardagh Group will seine Produktionskapazitäten für Glasverpackungen in Europa weiter reduzieren. Nach der Schließung des Werks Germersheim stehen nun zwei Schmelzwannen in Dänemark und Großbritannien zur Disposition. Hintergrund sind die schwache Nachfrage, Überkapazitäten und hohe Energiekosten.
Allein in Deutschland sank der Produktionswert von Glas 2025 gegenüber dem Vorjahr um 5,7 %.
Ardagh
Ardagh Glass Packaging (AGP) prüft die Stilllegung von jeweils einer Schmelzwanne an den Standorten Holmegaard in Dänemark und Knottingley in Großbritannien. Das teilte der Verpackungskonzern Ardagh Group am 22. Oktober 2026 im Rahmen seiner Geschäftszahlen für das dritte Quartal mit. Die Vorschläge werden derzeit mit den lokalen Geschäftsleitungen und Arbeitnehmervertretungen erörtert. Eine endgültige Entscheidung steht noch aus.
Mit den möglichen Stilllegungen reagiert Ardagh auf die weiterhin schwierigen Marktbedingungen für Glasverpackungen in Europa. Insbesondere in Nordeuropa liege die Nachfrage deutlich unter dem historischen Niveau. Gleichzeitig belasten hohe Energiepreise und steigende Produktionskosten das Geschäft.
Die Kundenversorgung soll von den Maßnahmen nicht beeinträchtigt werden. Nach Unternehmensangaben können die benötigten Mengen über verfügbare Kapazitäten an anderen Standorten bereitgestellt werden.
Restrukturierung nach Schließung in Deutschland
Die geplanten Kapazitätsanpassungen sind Teil der Restrukturierungsstrategie „Clearly Ardagh“. Damit will der Konzern seine Produktionskapazitäten stärker an der Nachfrage ausrichten, die betriebliche Effizienz verbessern und die Wirtschaftlichkeit seines Glasgeschäfts steigern.
Bereits im Juli 2026 hatte Ardagh die Schließung des Glaswerks Germersheim in Rheinland-Pfalz für das dritte Quartal bestätigt. Die Entscheidung fiel nach Gesprächen mit den Arbeitnehmervertretungen und wurde ebenfalls mit der schwachen Nachfrage und bestehenden Überkapazitäten begründet. Von der Schließung sind rund 260 Beschäftigte betroffen.
Glasgeschäft unter Druck
Die schwierige Marktlage zeigt sich auch in den Quartalszahlen. Das bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) von Ardagh Glass Packaging sank im dritten Quartal 2026 gegenüber dem Vorjahreszeitraum um vier Prozent auf 179 Mio. US-Dollar. Die weltweiten Auslieferungen von Glasverpackungen gingen um ein Prozent zurück.
Regional entwickelte sich das Geschäft unterschiedlich: Während die Absatzmengen in Nordamerika um sechs Prozent sanken, verzeichnete Ardagh in Europa ein Plus von einem Prozent und in Afrika von zwei Prozent.
Trotz der anhaltend hohen Energiepreise hält der Konzern an seiner bereits reduzierten Ergebnisprognose für das Glasgeschäft im Gesamtjahr 2026 fest. Dazu tragen nach Unternehmensangaben auch Absicherungen gegen schwankende Energiepreise bei.
Getränkedosen entwickeln sich besser
Im Gegensatz zum Glasgeschäft verzeichnete Ardagh Metal Packaging (AMP) im dritten Quartal ein Ergebniswachstum. Das bereinigte EBITDA stieg um zwei Prozent auf 213 Mio. US-Dollar. Die weltweiten Auslieferungen von Getränkedosen erhöhten sich ebenfalls um zwei Prozent. In Europa betrug das Absatzwachstum sechs Prozent.
Angesichts der höheren Nachfrage will Ardagh seine Wachstumsinvestitionen im europäischen Getränkedosengeschäft beschleunigen. Im Glasgeschäft steht dagegen weiterhin die Anpassung der Produktionskapazitäten im Mittelpunkt.
Insgesamt erzielte die Ardagh Group im dritten Quartal 2026 ein bereinigtes EBITDA von 392 Mio. US-Dollar und lag damit nahezu auf dem Niveau des Vorjahres.