Versteckte Kosten in der Frischelogistik

Worauf es bei EPS-Boxen für frische Lebensmittel ankommt

Der Stückpreis einer Transportbox lässt sich schnell vergleichen. Weniger sichtbar ist der Aufwand beim Befüllen, Stapeln und Umschlagen. Für Lebensmittelproduzenten, Verarbeiter und Großhändler lohnt deshalb der Blick auf die Anforderungen des Produkts und die Abläufe bis zur Warenannahme.

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Lachsfilets werden in eine EPS-Box eingelegt. Innenmaß und Füllhöhe müssen zum Produkt und zum Packprozess passen.

„Die entscheidende Frage ist, wie die Box im eigenen Ablauf funktioniert: mit der vorgesehenen Füllung, im Stapel und nach dem Transport“, sagt Maciej Grygorcewicz, Produktmanager für Schutzverpackungen bei Yetico, einem Hersteller von EPS-Verpackungen aus Polen. „Wer diese Bedingungen vorab prüft, kann Verpackung und Packprozess gezielter aufeinander abstimmen.“

 Kühlung auf Produkt und Strecke abstimmen

Frischfleisch, Milchprodukte, frische Salate und empfindliches Obst stellen unterschiedliche Anforderungen an den Transport. Maßgeblich ist der für das Lebensmittel vorgesehene Temperaturbereich. Die Welternährungsorganisation FAO weist bei Obst und Gemüse darauf hin, dass die Verpackung über den Luftaustausch auch Temperatur und Luftfeuchtigkeit beeinflusst. Hinzu kommt die Kälteempfindlichkeit einzelner Arten.

EPS, expandiertes Polystyrol, begrenzt durch seine luftgefüllte Struktur den Wärmeeintrag. Wie lange die Ware im vorgesehenen Temperaturbereich bleibt, hängt von Ausgangstemperatur, Umgebungsbedingungen und Kühlmitteleinsatz ab. Menge und Anordnung von Kühlakkus oder Eis gehören deshalb zur Planung. Angaben zur Kühldauer lassen sich anhand der Prüfbedingungen mit der eigenen Anwendung abgleichen.

Ein betrieblicher Versuch sollte die anspruchsvollen Bedingungen der eigenen Route abdecken, etwa warme Tage und typische Wartezeiten beim Umschlag. Dokumentiert werden Füllmenge, Kühlmitteleinsatz und Transportweg. Temperaturfühler an repräsentativen Stellen in den befüllten Boxen erfassen den Verlauf bis zur Warenannahme. Dabei ist auch die Position innerhalb der Ladung zu berücksichtigen.

Innenmaß und Stapellast beachten

Innenmaß und Füllhöhe müssen zur Ware passen und Platz für Schalen, Beutel, Einlagen und Kühlmittel bieten. Der Deckel sollte sich ohne Druck auf empfindliche Produkte aufsetzen lassen. Außenmaße und Stapelgeometrie bestimmen, wie die Behälter auf der Palette zusammenpassen. Bei einem Wechsel der Baureihe oder des Anbieters gehört auch die Kombination mit vorhandenen Boxen und Deckeln in den Praxistest.

Für den Stapelaufbau sind Gesamtgewicht, Stapelhöhe und Belastungsdauer maßgeblich. Die Belastungsangaben des Herstellers samt Prüfbedingungen geben dafür Orientierung. Mit befüllten Boxen lässt sich prüfen, ob die Konturen sauber ineinandergreifen und die Ladeeinheit beim Be- und Entladen stabil bleibt.

Fotos vor der Verladung und nach der Ankunft helfen, wiederkehrende Schäden an Ecken, Boden oder Deckelrand einem Arbeitsschritt zuzuordnen. Daraus lassen sich Verbesserungen an Materialausführung, Befüllung oder Handhabung ableiten.

Schmelzwasser gezielt ableiten

EPS-Boxen beim Verladen. Beim Vergleich von Verpackungen zählt auch der Aufwand für Stapelaufbau und Umschlag.

Wie stark das Produkt die Behälterausführung bestimmt, zeigt Frischfisch auf Eis. Beim Transport darf Schmelzwasser nach den EU-Hygienevorschriften nicht mit den Erzeugnissen in Berührung bleiben. Dafür können Ablauföffnungen und Einlagen zusammenspielen. Das EPS-Verpackungssystem Webox von Yetico lässt sich beispielsweise mit einer herausnehmbaren Einlage ausstatten, die überschüssiges Wasser von den Produkten ableitet.

Im Praxistest mit befüllten, gestapelten Boxen lässt sich verfolgen, ob die Abläufe frei bleiben, wo Wasser austritt und wie es beim Transport und beim Empfänger aufgefangen wird. So können zusätzliche Reinigungsarbeiten und Verzögerungen bei der Warenannahme vermieden werden.

Lebensmittelkontakt und Entsorgung klären

Für Kunststoffe im Lebensmittelkontakt sehen die EU-Vorschriften eine Konformitätserklärung vor. Die Europäische Kommission erläutert dazu, dass Prüfungen zum Stoffübergang unter Bedingungen erfolgen, die den vorgesehenen Einsatz abbilden. Betriebe sollten deshalb prüfen, ob die Dokumentation die konkrete Box beziehungsweise Einlage sowie die geplanten Lebensmittel, Kontaktzeiten und Temperaturen abdeckt. Das ist besonders relevant, wenn dasselbe Verpackungssystem für unterschiedliche Produktgruppen eingesetzt wird.

Auch der Entsorgungsweg beeinflusst die Kosten. EPS ist grundsätzlich recycelbar; für die Verwertung zählen die Annahmebedingungen des Sammelsystems. Mit dem Entsorger sollten Betriebe Sauberkeit, Sortierung und Sammlung, den Umgang mit Lebensmittelresten sowie die Abholkosten klären.

Den Aufwand je Sendung sichtbar machen

Versand und Warenannahme sollten dieselben Testsendungen betrachten. Neben Temperaturverlauf und Warenzustand werden beschädigte Boxen, Stapelkorrekturen und Umpackvorgänge mit Ursache, Arbeitszeit und Material erfasst. Vergleichbare Füllmengen, Kühlmittel und Transportbedingungen helfen, den Einfluss der Behälter auf den Ablauf zu beurteilen.

„Der wirtschaftliche Nutzen einer Box zeigt sich an den Arbeitsschritten entlang der Transportkette“, sagt Grygorcewicz. „Wenn weniger umgepackt oder nachgestapelt werden muss, lässt sich dieser Vorteil konkret erfassen.“

Die Rechnung je Sendung umfasst damit Box und Deckel, gegebenenfalls Einlagen, Kühlmittel, zusätzliche Arbeitszeit, Ersatzmaterial und Entsorgung. Auch Verluste durch beschädigte Ware gehören in die Auswertung. So wird sichtbar, an welcher Stelle ein passenderes Format, eine andere Behälterausführung oder ein veränderter Packprozess den Aufwand senken kann.