Innovationskonferenz von Plastics Europe Deutschland
Forderung: Bessere Bedingungen für Innovationen
Die Kunststoffindustrie sieht Deutschland bei neuen Werkstoffen und Recyclingtechnologien grundsätzlich gut aufgestellt. Auf einer Innovationskonferenz von Plastics Europe Deutschland zeigten Unternehmen konkrete Investitionsprojekte. Zugleich fordert die Branche bessere Voraussetzungen, um neue Technologien schneller in den industriellen Maßstab zu bringen.
Dr. Christine Bunte, Geschäftsführerin von Plastics Europe Germany, war Gastgeberin der Innovationskonferenz.
Plastics Europe / Julia Schneider-Reissle
Auf einer Innovationskonferenz in Berlin hat Plastics Europe Deutschland die Bedeutung der Kunststoffindustrie für den Hightech-Standort Deutschland hervorgehoben. Vorgestellt wurden Anwendungen und Projekte unter anderem für Mobilität, Energieversorgung, Medizintechnik, Robotik und Kreislaufwirtschaft. Ein Schwerpunkt lag dabei auf der Frage, wie sich neue Werkstoffe und Recyclingverfahren aus Forschung und Pilotprojekten schneller in industrielle Anwendungen überführen lassen.
„Was uns zu oft fehlt, ist der Sprung von der Idee in den Markt“, erklärte Dr. Christine Bunte, Hauptgeschäftsführerin von Plastics Europe Deutschland. Für Investitionsentscheidungen seien insbesondere verlässliche Rahmenbedingungen erforderlich. Auch Covestro-Technologievorstand Dr. Thorsten Dreier verwies auf die Bedeutung der Materialkompetenz: Zukunftstechnologien seien auf leistungsfähige Werkstoffe und entsprechende Produktions- und Wertschöpfungsketten angewiesen.
Investitionen in recyclingfähige Verpackungsmaterialien
Mehrere der auf der Konferenz vorgestellten Projekte haben unmittelbaren Bezug zur Verpackungswirtschaft. Borouge International investiert am Standort Burghausen beispielsweise mehr als 150 Mio. Euro in neue Polypropylen-Lösungen. Davon fließen mehr als 100 Mio. Euro in eine neue Produktionslinie für High Melt Strength Polypropylen (HMS PP), mit der die Lieferkapazität verdreifacht werden soll. Das Material eignet sich unter anderem für leichte und recyclingfähige Schaumstoffanwendungen in der Verpackungsindustrie.
Weitere 49 Mio. Euro investiert das Unternehmen in den Ausbau der Produktion von Borstar Nextension PP in Burghausen. Damit sollen recyclingfähige Monomateriallösungen für Anwendungen unter anderem in Verpackungen, Gesundheitswesen und Mobilität ausgebaut werden.
BASF wiederum will bis 2030 einen Umsatz von 10 Mrd. Euro mit sogenannten „Loop Solutions“ erzielen. Darunter fasst der Konzern Lösungen zusammen, die beispielsweise recycelte oder nachwachsende Rohstoffe einsetzen, die Recyclingfähigkeit verbessern oder die Lebensdauer von Produkten verlängern.
Chemisches Recycling soll in den industriellen Maßstab
Ein weiterer Schwerpunkt der Konferenz war die Skalierung neuer Recyclingverfahren. Arcus Greencycling Technologies betreibt seit 2023 im Industriepark Frankfurt-Höchst eine Demonstrationsanlage, die nicht mechanisch recycelbare Kunststoffabfälle zu Pyrolyseöl verarbeitet. Ihre Kapazität liegt bei rund 4.000 t pro Jahr. In den kommenden acht Jahren plant das Unternehmen bis zu zehn Anlagen mit einer Gesamtkapazität von mehr als 100.000 t Pyrolyseöl jährlich.
Auch LyondellBasell arbeitet in Wesseling an einer großskaligen Anlage für chemisches Recycling. Röhm wiederum investiert in Worms in einen geschlossenen PMMA-Kreislauf. Eine eigene Aufreinigungstechnologie soll chemisch recyceltes MMA so aufbereiten, dass es erneut für hochwertige PMMA-Produkte eingesetzt werden kann.
Das Unternehmen Matterr treibt mit 30 Mio. Euro Förderung aus dem EFRE/JTF-Programm sowie privatem Kapital die Skalierung eines Verfahrens für komplexe PET-haltige Abfälle voran. Dabei werden Monomere zurückgewonnen, die wieder als Rohstoffe in bestehenden Produktionsanlagen eingesetzt werden können.
Branche sieht Skalierung als zentrale Herausforderung
Nach Ansicht der Teilnehmer entscheidet nicht allein die Forschung über die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts. Dr. Carsten Gerhardt von EY sprach sich dafür aus, stärker entlang kompletter Wertschöpfungsketten und konkreter Skalierungsprojekte zu denken. Dafür sei die Zusammenarbeit von Industrie, Wissenschaft, Start-ups, Investoren und Politik erforderlich.
Professor Manfred Renner vom Fraunhofer Cluster of Excellence Circular Plastics Economy CCPE sieht insbesondere das Tempo der Industrialisierung als entscheidend an. Das Risiko bestehe darin, dass andere Regionen neue Technologien schneller in den industriellen Maßstab überführten. Wo Pilotanlagen, Demonstrationsprojekte und Skalierung umgesetzt würden, entscheide letztlich auch darüber, wo künftig Wertschöpfung und Arbeitsplätze entstehen.
Damit neue Recyclingtechnologien und kreislauffähige Materialien tatsächlich breiter eingesetzt werden können, fordert die Branche daher vor allem Investitionssicherheit, verlässliche regulatorische Vorgaben und bessere Bedingungen für die Finanzierung industrieller Skalierungsprojekte.
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