Interview mit Merle van der Ende über die prämierte Bag-in-Box Powergrip
„Innovation muss nicht komplex sein“
Smurfit-Westrock ist zweifacher Gewinner beim Deutschen Verpackungspreis 2026. Wir sprachen mit Merle van der Ende, Business Development Manager Smurfit Westrock DACH, über die prämierte Bag-in-Box Powergrip aus Wellpappe und flexiblem Kunststoffbeutel und wie sich Ergonomie und Ressourcenschonung bestmöglich verbinden lassen.
Redaktion: Frau van der Ende, wie entstand die Idee für den integrierten Powergrip, und welche konkreten Probleme herkömmlicher Bag-in-Box-Systeme oder Kanister wollten Sie damit lösen?
Van der Ende: Die Idee entstand aus der Beobachtung, dass herkömmliche Flüssigkeitsgebinde, insbesondere 3- bis 5-l-Kanister, für Anwender häufig unhandlich sind. Beim Ausgießen kommt es oft zu unkontrolliertem Flüssigkeitsfluss, Spritzen, Nachlaufen und damit verbundenen Produktverlusten. Gleichzeitig verursachen starre Kunststoffgebinde einen hohen Materialeinsatz und weisen oft große Leerraumanteile auf.
Bag-in-Box-Lösung mit verbesserter Ergonomie.Smurfit Westrock
Ziel war es deshalb, das gesamte Anwendungserlebnis neu zu denken. Mit dem integrierten Powergrip konnte die Ergonomie deutlich verbessert und gleichzeitig ein kontrolliertes Ausgießverhalten geschaffen werden. Die Kombination aus flexiblem Innenbeutel und speziell gestaltetem Griff ermöglicht eine sichere Handhabung und adressiert zugleich Herausforderungen wie PPWR-Konformität, Materialeinsparung und Logistikeffizienz.
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Redaktion: Das einhändige Ausgießen ist ein zentrales Merkmal der Lösung. Welche ergonomischen Anforderungen und Nutzungssituationen standen bei der Entwicklung im Mittelpunkt?
Van der Ende: Im Fokus standen Anwender, die regelmäßig größere Flüssigkeitsmengen bewegen und dosieren müssen, sei es im Haushalt, in der professionellen Reinigung, in Großküchen oder im gewerblichen Umfeld. Gerade bei 5-Liter-Gebinden sind häufig beide Hände erforderlich, was das Dosieren erschwert.
Der Powergrip wurde deshalb so entwickelt, dass das Gewicht optimal kontrolliert und das Gebinde einhändig geführt werden kann. Gleichzeitig sorgt das Beutelsystem dafür, dass die Flüssigkeit ohne das typische "Gluckern" oder Vorschießen ausfließt. Das Ergebnis ist ein sauberes, präzises und komfortables Ausgießen mit deutlich geringerem Kraftaufwand und weniger Produktverlusten.
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Redaktion: Nach Ihren Angaben lässt sich der Kunststoffverbrauch gegenüber einem vergleichbaren Kanister um bis zu 86 Prozent reduzieren. Wie wurde dieser Wert ermittelt, und welche Bestandteile der Verpackung tragen besonders zur Materialeinsparung bei?
Van der Ende: Der Vergleich basiert auf gleichwertigen Flüssigkeitsgebinden, bei denen ein klassischer HDPE-Kanister einer Bag-in-Box Powergrip-Lösung mit identischem Füllvolumen gegenübergestellt wurde. Dabei zeigt sich je nach Format und Anwendung eine Kunststoffreduktion von bis zu 86 Prozent im Gewicht.
Der größte Beitrag zur Einsparung entsteht durch den Wechsel von einem vollständig starren Kunststoffkörper zu einem flexiblen Innenbeutel, der deutlich weniger Kunststoff benötigt. Die tragende Funktion übernimmt stattdessen die Wellpapp-Außenverpackung. Zusätzlich reduziert das System Leerraum und ermöglicht eine flachliegende Anlieferung der Verpackung, wodurch auch Transportaufwand und CO₂-Emissionen deutlich sinken können.
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Redaktion: Was zeichnet aus Ihrer Sicht eine nachhaltige Verpackungslösung aus, die nicht nur ökologisch sinnvoll ist, sondern auch die Chancen hat, mit dem Deutschen Verpackungspreis ausgezeichnet zu werden?
Van der Ende: Nachhaltigkeit allein reicht heute nicht mehr aus. Eine wirklich zukunftsfähige Verpackung muss ökologische, wirtschaftliche und funktionale Anforderungen gleichzeitig erfüllen. Sie sollte Ressourcen einsparen, regulatorische Anforderungen unterstützen und gleichzeitig den Anwendern einen echten Mehrwert bieten.
Genau diese Verbindung erfüllt der Powergrip. Die Lösung reduziert Kunststoff, verbessert die Transporteffizienz, unterstützt die PPWR-Anforderungen und macht die Anwendung zugleich einfacher und sicherer. Aus unserer Sicht entstehen die besten Innovationen dort, wo Nachhaltigkeit nicht als Einschränkung wahrgenommen wird, sondern als Chance für eine bessere Nutzererfahrung und effizientere Prozesse.
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Redaktion: Gab es im Projektverlauf einen Moment, in dem Ihnen klar wurde, dass der Bag-in-Box Powergrip das Potenzial für eine echte Gewinnerarbeit besitzt und neue Maßstäbe bei Benutzerfreundlichkeit und Nachhaltigkeit setzen könnte?
Van der Ende: Ein solcher Moment war erreicht, als wir gesehen haben, dass wir zwei bislang oft getrennt betrachtete Ziele gleichzeitig erfüllen können: eine deutliche Verbesserung der Benutzerfreundlichkeit und eine erhebliche Reduktion des Kunststoffeinsatzes.
Besonders beeindruckend war dabei, dass die Lösung auf den ersten Blick erstaunlich simpel erscheint. Gerade diese Einfachheit macht den Bag-in-Box Powergrip so stark: Er erleichtert den Umgang für die Anwender spürbar, reduziert Materialeinsatz und zeigt, dass echte Innovation nicht zwangsläufig komplex sein muss.