Konjunkturbarometer 2. Quartal 2026
Aluminiumindustrie: gesunkene Produktion, weniger Recycling
Während zentrale Absatzmärkte der deutschen Aluminiumindustrie weiterhin unter Druck stehen, entwickelt sich die Nachfrage aus der Verpackungsindustrie vergleichsweise stabil. Nach Angaben von Aluminium Deutschland bewerten 63 % der befragten Unternehmen die Geschäftslage im Verpackungsbereich als gut
Aluminiumstangen vor der Weiterverarbeitung.
Rualuminas / Pixabay
Die deutsche Aluminiumindustrie verzeichnet im zweiten Quartal 2026 eine weiterhin angespannte wirtschaftliche Lage. Das zeigt das aktuelle Konjunkturbarometer des Verbands Aluminium Deutschland. Insgesamt bewertet die Hälfte der befragten Mitgliedsunternehmen ihre Auftragslage als schlecht bis sehr schlecht. Fast ein Drittel spricht von einer saisonüblichen Situation, 20 % beurteilen die Auftragslage als gut.
Deutliche Unterschiede zeigen sich zwischen den einzelnen Absatzmärkten. Neben der Luft- und Raumfahrt sowie dem Verteidigungssektor gehört die Verpackungsindustrie zu den vergleichsweise stabilen Abnehmerbranchen. Damit hebt sich die Verpackungsindustrie von den mengenmäßig bedeutenden Kernmärkten Automotive, Bau und Maschinenbau ab. Im Automobilbereich schätzen 63 % der Unternehmen die Lage als schlecht ein. Im Bauwesen und im Maschinenbau liegt der Anteil jeweils bei 60 %.
Verpackungsindustrie stabilisiert die Nachfrage
Aluminium wird in der Verpackungsindustrie unter anderem für Getränkedosen, Aerosoldosen, Tuben, Verschlüsse, Menüschalen und flexible Verpackungen eingesetzt. Die positiven Bewertungen des Verpackungsmarktes deuten darauf hin, dass die Nachfrage in diesem Segment aktuell stabiler ausfällt als in anderen industriellen Absatzbereichen.
Allerdings bleiben auch für Verpackungshersteller und Zulieferer Unsicherheiten bestehen. Insgesamt erwarten 55 % der befragten Aluminiumunternehmen bis Ende 2026 eine schwache Kapazitätsauslastung. 20 % rechnen mit einem saisonüblichen Niveau, während 25 % von einer guten oder sehr guten Auslastung ausgehen.
Produktion von Aluminiumhalbzeugen geht zurück
Die verhaltene Gesamtlage zeigt sich auch in den Produktionszahlen. Im ersten Halbjahr 2026 sank die Herstellung von Aluminiumhalbzeugen um zwei Prozent auf knapp 1,15 Mio. t. Im zweiten Quartal wurden 580.266 t produziert, drei Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum.
Auch das Recyclingvolumen ging zurück. Im ersten Halbjahr wurden rund 1,36 Mio. t Aluminium recycelt, zwei Prozent weniger als im Vorjahr. Im zweiten Quartal belief sich die Menge auf 671.236 t, ebenfalls ein Rückgang um zwei Prozent.
Eine Ausnahme bildeten die Aluminium-Refiner. Sie steigerten ihre Produktion im ersten Halbjahr um rund vier Prozent auf 253.400 t.
Aluminiumschrotte werden knapper und teurer
Für die Verpackungsindustrie ist insbesondere die Lage auf den Aluminiumschrottmärkten relevant. Sekundäraluminium spielt bei der Herstellung recyclingfähiger Verpackungen und beim Aufbau geschlossener Materialkreisläufe eine wichtige Rolle.
Nach Angaben des Verbands spüren 80 % der befragten Unternehmen eine Verknappung von Aluminiumschrotten auf dem europäischen Markt. Ebenfalls 80 % nennen die hohen Schrottpreise als zentrales Problem. Jedes zweite Unternehmen berichtet von einer eingeschränkten Verfügbarkeit von Post-Consumer-Schrotten. 45 % sehen zudem Engpässe bei Pre-Consumer-Schrotten, die während industrieller Produktionsprozesse entstehen. Die knappe Verfügbarkeit und die steigenden Preise können den Ausbau einer leistungsfähigen Kreislaufwirtschaft erschweren.
Geopolitische Spannungen erhöhen Kosten
Zusätzlicher Druck entsteht durch geopolitische Konflikte. Für die kommenden Monate rechnen 65 % mit weiteren Kostensteigerungen. 60 % erwarten zusätzliche Lieferengpässe. Als Reaktion haben 70 % der befragten Unternehmen ihre Preise angepasst, 55 % haben Veränderungen an ihren Lieferketten vorgenommen.
Wettbewerbsdruck aus China belastet den Standort
Auch der internationale Wettbewerb beschäftigt die Aluminiumindustrie. 85 % der Unternehmen bewerten China zumindest teilweise als Risiko für den Industriestandort Deutschland. 55 % sehen deutlich mehr Risiken als Chancen.
Als zentrale Herausforderungen nennen die Unternehmen den Preis- und Unterbietungswettbewerb, unterschiedliche Umwelt- und Sozialstandards sowie Abhängigkeiten bei Rohstoffen. Knapp ein Drittel befürchtet zudem Auswirkungen auf die Versorgung mit Aluminiumschrotten.