Interview mit Jonas Boland von Packmatic über Packa
„Von reaktiver Dokumentation zu vorausschauender Compliance“
Zu den glücklichen Gewinnern des Deutschen Verpackungspreis 2026 gehört auch Packa, eine Lösung von Packmatic. Wir sprachen mit Gründer und Geschäftsführer Jonas Boland über die vom DVI ausgezeichnete Lösung für intelligentes Verpackungsmanagement und wie KI die Verpackungsentwicklung verändern wird.
Philip BittermannPhilipBittermannEditor-in-Chief neue verpackung / Automation NEXT
3 min
Bei Packa handelt es sich um eine Lösung für intelligentes Verpackungsmanagement.Packmatic
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Redaktion: Viele Unternehmen kämpfen mit verstreuten Verpackungsdaten in PDFs, Excel-Listen oder E-Mails. Wie groß ist dieses Problem in der Praxis und welche Folgen hat es für Nachhaltigkeit, Compliance und Effizienz?
Jonas Boland, Gründer und Geschäftsführer PackmaticPackmatic
Jonas Boland: Das Problem ist größer, als viele Unternehmen zunächst annehmen. Wenn wir mit einem neuen Kunden zum ersten Mal ein Verpackungsportfolio aufnehmen, stellen wir regelmäßig fest, dass 30 bis 70 % der für Compliance und EPR-Berechnung relevanten Daten wie Materialzusammensetzungen fehlen oder inkonsistent sind. Oft liegt das daran, dass diese Informationen über Jahre hinweg ohne zentralen Ablageort gesammelt wurden. Die Folgen davon zeigen sich insbesondere in drei Bereichen:
Erstens besteht das Risiko, im Ernstfall keinen belastbaren Nachweis für die Konformität liefern zu können, welche bei Anfrage innerhalb von zehn Tagen vorgelegt werden muss. Bei Nicht-Compliance drohen im Zweifel je nach Verstoß Bußgelder im sechsstelligen Bereich sowie In-Verkehrbringungs-Verbote.
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Zweitens sind diese Daten auch bei der Nachhaltigkeit enorm wichtig: Ohne verlässliche Daten zu Materialzusammensetzung und Recyclingfähigkeit lässt sich weder eine CO2-Bilanz seriös berechnen noch die EPR-Mengen korrekt reporten, was zu empfindlichen Mehrkosten führen kann. Infolgedessen wird mit Schätzwerten gearbeitet, was schnell in Richtung eines Greenwashing-Vorwurfs kippen kann.
Und schließlich leidet auch die Effizienz im Unternehmen unter der jährlichen Datensuche enorm. Immer wieder sammeln Mitarbeiter dieselben Informationen zusammen, anstatt sie einmal zu zentrieren und teamübergreifend zu nutzen.
Redaktion: Packa verknüpft Nachhaltigkeitskennzahlen, regulatorische Anforderungen und operative Entscheidungen auf einer Plattform. Warum ist gerade diese Verbindung heute für Verpackungsverantwortliche so wichtig?
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Boland: Weil sich mit der PPWR der Charakter von Compliance grundlegend ändert. Bislang waren Nachhaltigkeitskennzahlen, regulatorische Pflichten und operative Entscheidungen weitgehend voneinander getrennt. Der Packaging Engineer wählte ein Material nach Kosten und Funktion aus, während das Nachhaltigkeitsteam am Jahresende eine Bilanz zog. Die Compliance-Prüfung kam oft erst, als die Verpackung längst auf dem Markt war. Mit den seit dem 12. August geltenden PPWR-Verordnungen werden diese Vorgänge zusammengefasst.
Das bedeutet, dass eine Materialentscheidung nicht mehr nur eine Packaging-Frage ist. Die Entscheidung betrifft gleichzeitig auch die Kosten, die Compliance und den Nachhaltigkeitsaspekt. Werden diese drei Dimensionen getrennt betrachtet, fallen Entscheidungen, die sich möglicherweise im Nachgang als teuer oder nicht regelkonform herausstellen und dann aufwendig korrigiert werden müssen.
Redaktion: Mit Blick auf PPWR, EPR und andere regulatorische Vorgaben wächst der Handlungsdruck in vielen Unternehmen. Welche Herausforderungen begegnen Ihnen aktuell besonders häufig bei Ihren Kunden?
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Boland: Erstens die Terminlage: Die ersten PPWR-Verordnungen gelten mit dem 12. August 2026 in allen EU-Staaten und viele Unternehmen haben erst spät bemerkt, wie viel Datenarbeit tatsächlich hinter der Vorbereitung steckt.
Zweitens die Unsicherheit bei der Regulatorik und in der Lieferantenkommunikation: Welche Daten sind für die aktuellen PPWR-Dokumente relevant? Welche Informationen sind im Hinblick auf die weiteren Verordnungen sinnvoll zu hinterlegen? Wie fragen wir wichtige Nachweise direkt und schnell beim Lieferanten an?
Zu guter Letzt die interne Verantwortungsfrage: Die einzelnen Bereiche wie Einkauf, Engineering oder Legal sind zu unterschiedlichen Zeitpunkten involviert, aber selten behält jemand den Gesamtüberblick, was zu widersprüchlichen Angaben führen kann.
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Redaktion: Welche konkreten Tools stellt Packa überhaupt für die Kunden bereit, um zu einem besseren Verpackungsmanagement zu gelangen?
Boland: Im Grunde trägt eine Vielzahl an Anwendungen dazu bei, dass Packa die tägliche Arbeit verändert. Das ist zunächst einmal die KI-gestützte Datenextraktion aus Excel-, CSV- oder PDF-Exporten. Fehlende Pflichtangaben werden dabei sofort sichtbar und fallen nicht erst beim nächsten Reporting auf.
Das zweite ist die Spezifikationsverwaltung selbst: Packa ist ein zentrales Datenmanagement mit Versionskontrolle und standardisierten Freigabeprozessen. Die integrierte und kontinuierlich aktualisierte Compliance-Prüfung hilft dabei, nachteilige Verpackungen sehr früh zu identifizieren.
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Darüber hinaus ist Packa die Grundlage für ein übersichtliches Lieferanten- und Dokumentenmanagement. Es ist unter anderem ein zentrales, auditfähiges Repository für Zertifikate, Konformitätserklärungen und Nachweise. Über die automatisierte Anfragefunktion an Lieferanten kann man auch dieses Element in dem gesamten Prozess verfolgen und springt nicht zwischen E-Mails und diversen Dokumenten hin und her.
Redaktion: KI hält zunehmend Einzug in das Verpackungsmanagement. Welche Entwicklungen erwarten Sie in den kommenden Jahren und wie wird sich die Arbeit von Verpackungsentwicklern und Nachhaltigkeitsverantwortlichen dadurch verändern?
Boland: Wir erwarten vor allem eine Verschiebung von reaktiver Dokumentation zu vorausschauender Compliance. Packa beinhaltet ein sehr spannendes Feature auf Basis von KI, welches die Extraktion sowie das Mapping von Datenpunkten aus bestehenden Dokumenten ermöglicht und so digitale Spezifikationen erstellt.
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In Zukunft soll dasselbe Feature nicht nur auslesen und aufzeigen, welche Informationen fehlen, sondern bereits in der Entwicklungsphase einer Verpackung warnen, dass sie regulatorische Anforderungen verfehlen würde. Im nächsten Schritt könnten gleich recyclingfähigere Materialalternativen, inklusive ihrer Auswirkung auf Kosten und Lizenzgebühren, vorgeschlagen werden.
Nachhaltigkeits- und Verpackungs-Verantwortliche würden sich damit zunehmend von ihrer Rolle als Datensammler entfernen und dafür vermehrt zu Strategen des gesamten Produktportfolios werden.