Private Equity im Industriesektor

Investoren nehmen Industrieunternehmen ins Visier

Europas Private-Equity-Investoren erwarten im Industriesektor mehr Transaktionen. Besonders das Interesse an Industrieunternehmen und die Zuversicht in der DACH-Region steigen.

1 min
In der DACH-Region sollen die Transaktionen wieder .

Europas Private-Equity-Investoren stellen sich im Industrieumfeld auf eine aktivere Investmentphase ein. Das zeigt der aktuelle „MP Industrial Private Equity Indicator 1H26“ von MP Corporate Finance. Für die Studie wurden im zweiten Quartal 2026 mehr als 4.000 Senior-Private-Equity-Professionals in Europa befragt. 79 % erwarten ein steigendes Interesse an Industrieunternehmen, 74 % rechnen mit mehr Deal-Aktivität im Industriesektor.

Treiber ist vor allem der hohe Investitions- und Exit-Druck. Laut MP Corporate Finance verfügen europäische PE-Häuser über mehr als 1 Bio. Euro an nicht investiertem Kapital. Zugleich haben sich Halteperioden verlängert, viele Exits wurden verschoben. „Das Umfeld ist nach wie vor nicht ideal, aber der Handlungsdruck auf Seiten der Investoren, vor allem bei Private-Equity-Häusern, ist so hoch wie noch nie“, sagt Roman Göd, Gründungs- und Managing Partner bei MP Corporate Finance.

Strategische Käufer treiben den Markt

Besonders strategische Käufer treten laut Studie wieder stärker auf. Verkäufe an Strategen stiegen 2025 um 82 %, PE-to-PE-Transaktionen um 56 %. Unternehmen nutzen Übernahmen demnach, um schwächeres organisches Wachstum auszugleichen und ihre Marktposition durch synergiestarke Zukäufe zu stärken.

Für Industrieunternehmen – auch für Zulieferer, Maschinenbauer und technologieorientierte Anbieter aus dem Verpackungsumfeld – deutet das auf ein wieder anziehendes M&A-Interesse hin. Gefragt sind Unternehmen mit belastbaren Margen, operativer Stärke und klarer industrieller Positionierung.

Im deutschsprachigen Raum zeigt der MPiPE Indicator nach einem mehrjährigen Tief wieder steigende Zuversicht. 63 % der Befragten erwarten dort mehr industrielle Transaktionen. „Die DACH-Region bietet aktuell gute Einstiegsfenster“, sagt Gregor Nischer, Gründungs- und Managing Partner bei MP Corporate Finance. Chancen hätten vor allem Investoren, die operative Wertschöpfungskompetenz und Geduld mitbringen.

Renditen müssen operativ erwirtschaftet werden

Zugleich verändert sich das Renditemodell. Günstige Finanzierung und steigende Bewertungsmultiples reichen laut MP Corporate Finance nicht mehr aus. Fremdkapitalkosten von mehr als 8 % und sinkende Leverage-Niveaus erhöhen den Druck, Wertsteigerungen operativ zu erwirtschaften. Laut Studie wäre dafür häufig ein EBITDA-Wachstum von 10 bis 12 % nötig.

Bei der Due Diligence erwarten die Befragten Entlastung. Während Prüfprozesse zuletzt komplexer wurden, rechnet nun die Hälfte mit einer Vereinfachung. Grund ist der zunehmende Einsatz KI-gestützter Tools. Bremsfaktoren bleiben dagegen Fundraising und Fremdkapital: Nur 24 % erwarten eine Verbesserung des Fundraising-Umfelds, 66 % rechnen mit schlechterer Fremdkapitalverfügbarkeit.