Belastung für Verbraucher und Risiko für Wettbewerbsfähigkeit

IPV kritisiert massiv geplante Plastikabgabe

Der Industrieverband Papier- und Folienverpackung (IPV) lehnt die vom Bundesfinanzministerium vorgeschlagene Abgabe auf Kunststoffe entschieden ab. Die sogenannte Plastikabgabe sei wirtschaftlich kontraproduktiv, sozial unausgewogen und würde letztlich zu höheren Preisen für Verbraucherinnen und Verbraucher führen, warnt der Verband.

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IPV-Geschäftsführer Karten Hunger.

Hintergrund sind die vom Bund vorgelegten Eckwerte für den Haushalt 2027 sowie die Finanzplanung bis 2030. Darin sind neben geringfügigen Entlastungen mehrere neue Einnahmequellen vorgesehen – darunter auch eine Abgabe auf Kunststoffe. Nach Einschätzung des IPV wird diese nicht von den Herstellern aufgefangen werden können, sondern sich direkt in steigenden Verbraucherpreisen niederschlagen. Entsprechend sieht der Verband in der Abgabe einen zusätzlichen Inflationstreiber. Statt neuer Einnahmen fordert der IPV größere Sparanstrengungen auf Seiten des Staates. Angesichts der rezessiven Lage in Deutschland benötigten Unternehmen Entlastungen und keine zusätzlichen Belastungen. In Österreich hingegen wird auf die „Plastikabgabe“ verzichtet.

„Die Einführung einer weiteren Abgabe trifft am Ende vor allem die Menschen im Alltag – zum Beispiel beim Einkauf von Lebensmitteln und Konsumgütern“, sagt IPV‑Geschäftsführer Karsten Hunger. Bereits heute stehe die Verpackungsindustrie unter erheblichem Kostendruck. Für Verpackungen aus Kunststoff oder mit Kunststoffanteilen fallen unter anderem Kosten für Verpackungslizenzierung, die Einwegkunststofffondsabgabe, lokale Verpackungssteuern sowie reguläre Abfallgebühren an.

Keine pauschalen Zusatzabgaben

Hinzu kommen aus Sicht des Verbandes die anstehenden Aufwendungen im Zusammenhang mit der neuen europäischen Verpackungsverordnung (PPWR). Für Unternehmen bedeute deren Umsetzung hohe Investitionen, etwa für Designanpassungen, Prüfverfahren und umfangreiche Konformitätsnachweise. Eine zusätzliche nationale Abgabe verschärfe die ohnehin angespannte Situation weiter und gefährde die Wettbewerbsfähigkeit einer stark mittelständisch geprägten Branche in Deutschland.

Der IPV appelliert daher an die Bundesregierung, auf pauschale Zusatzabgaben zu verzichten und stattdessen innovationsfreundliche Rahmenbedingungen zu schaffen. Nachhaltige Verpackungslösungen müssten technologieoffen entwickelt werden und ökologische wie ökonomische Aspekte gleichermaßen berücksichtigen. Gestaltungsspielräume sieht der Verband insbesondere in der Umsetzung der PPWR sowie im geplanten deutschen Verpackungsdurchführungsgesetz.

Differenzierte Debatte gefordert

Zugleich mahnt der IPV eine differenzierte Debatte über Verpackungsmaterialien an. Verpackungen aus Papier, Kunststoff und anderen Materialien erfüllten jeweils wichtige Funktionen. Sie schützten Lebensmittel vor Verderb, verlängerten Haltbarkeiten und leisteten damit einen Beitrag zur Reduzierung von Lebensmittelabfällen. In sensiblen Bereichen wie Medizin und Hygiene seien Kunststofflösungen vielfach alternativlos. Eine pauschale Reduzierung sei hier nicht möglich.

Kritisch sieht der Verband auch den Ursprung der Abgabe. Diese gehe auf europäische Finanzierungsbedarfe infolge des Brexit zurück. „Eine zusätzliche nationale Abgabe, die aus einem europäischen Haushaltsloch resultiert und am Ende beim Konsumenten landet, ist in der aktuellen Lage ein fatales politisches Signal“, so Hunger.