„Transparenz lässt sich nicht über einen Störer herstellen“
Hosta hat seine Kokos-Schokoladenmarke Romy neu aufgestellt. Neben einem modernisierten Verpackungsdesign wurde auch die Füllmenge reduziert. Im Interview erläutert Felix Gössling, Teamlead Marketing bei Hosta, die Hintergründe – und wie das Unternehmen mit einem sensiblen Thema kommunikativ umgeht.
Verantwortet das Marketing der Hosta-Brands: Felix Gössner.Hosta
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Redaktion: Herr Gössling, warum war ein Markenrelaunch für Romy
notwendig?
Gössling: Romy ist seit rund fünf Jahrzehnten am Markt und ein etablierter Klassiker –
mit einer sehr treuen Verwenderbasis. Gleichzeitig sehen wir aber, dass diese
Zielgruppe im Durchschnitt älter ist und es uns zuletzt schwerer gefallen ist,
jüngere Konsumenten für die Marke zu begeistern. Deshalb wollten wir Verpackung
und Format modernisieren, um neue Käufergruppen anzusprechen und die Marke
zukunftsfähig aufzustellen.
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Dabei war uns wichtig, die Balance zu halten: Wir wollten modernisieren, ohne bestehende Fans zu verlieren. Zentrale Elemente wie das Romy-Logo, die blaue Farbwelt oder die quadratische Form haben wir deshalb weiterentwickelt, aber nicht verworfen. Gleichzeitig rückt der Kokos-Aspekt visuell stärker in den Fokus und die Bildsprache ist emotionaler geworden. Ziel ist mehr Aufmerksamkeit und Differenzierung im Regal.
Redaktion: Welche Rolle spielt dabei die Verpackung konkret?
Gössling: Die Verpackung ist für uns der zentrale Hebel am Point of Sale. Sie muss sowohl bestehende Käufer wiedererkennen lassen, als auch neue Zielgruppen ansprechen. Deshalb haben wir das Design klarer und moderner gestaltet und gleichzeitig die Marken-DNA erhalten.
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Redaktion: Sie haben auch die Füllmenge von 200 auf 150 g reduziert. Was waren die Gründe dafür?
Seit rund fünf Jahrzehnten im Markt: Romy Kokosschokolade.Hosta
Gössling: Das hat im Wesentlichen zwei Ursachen. Zum einen haben wir in Verbraucherstudien gesehen, dass die 200-g-Tafel für potenzielle Erstkäufer eine Kaufbarriere darstellt – sowohl wegen der Menge als auch wegen des Preispunkts. Viele möchten ein Produkt zunächst in einer kleineren Einheit ausprobieren.
Zum anderen spielt natürlich die Kostenentwicklung eine Rolle: steigende Rohstoffpreise, insbesondere Kakao, aber auch Energie- und Verpackungskosten. Für uns war klar, dass wir weder Rezeptur noch Qualität verändern wollen. In der Kombination aus Kostenentwicklung und dem Ziel, neue Käufer zu gewinnen, war die Anpassung auf 150 g der konsequente Schritt.
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Redaktion: Wie wirkt sich das auf den Preis aus?
Gössling: Im Zuge der Anpassung haben wir die unverbindliche Preisempfehlung von 2,99 Euro auf 2,49 Euro gesenkt. Die konkrete Preisgestaltung liegt aber beim Handel.
Redaktion: Ein sensibles Thema ist die Kommunikation solcher Mengenanpassungen. Warum haben Sie keinen offensiven Hinweis auf der Vorderseite platziert?
Gössling: Wir sehen das etwas differenzierter. Auf der Verpackung gibt es einen klaren Hinweis „Neuer Look, gleicher Genuss“. Darüber hinaus wird auf der Rückseite explizit auf die neue 150-g-Tafel hingewiesen und die Hintergründe werden erläutert. Zusätzlich haben wir einen QR-Code integriert, der auf eine Website führt, auf der wir die Gründe ausführlicher darstellen. Sie wird ab dem 11. Mai online sein.
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Dieses Thema ist zu komplex, um es mit einem kurzen Hinweis auf der Front vollständig zu erklären. Deshalb kombinieren wir klare Kennzeichnung auf der Verpackung mit weiterführender Information für interessierte Verbraucher.
Redaktion: Wie begleiten Sie den Relaunch kommunikativ darüber hinaus?
Der QR-Code führt au eine Website. Dort erfährt der Konsument die Hintergründe für den Relaunch.Hosta
Gössling: Neben der Umstellung aller Verpackungs- und POS-Materialien setzen wir stark auf direkten Dialog. Ein zentraler Bestandteil ist eine Verkostungstour durch mehrere hundert Märkte. Dort wollen wir nicht nur das Produkt erlebbar machen, sondern auch aktiv mit Konsumenten ins Gespräch kommen und Fragen beantworten.
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Wir haben uns bewusst gegen reine Außenwerbung entschieden und setzen stattdessen auf persönliche Ansprache.
Redaktion: Das Thema Shrinkflation wird aktuell sehr kritisch diskutiert. Haben Sie sich darauf vorbereitet?
Gössling: Ja, definitiv. Uns ist bewusst, dass eine Grammaturreduzierung sensibel wahrgenommen werden kann. Gerade weil Romy eine treue Fangemeinde hat, sehen wir es als fair an, möglichst transparent damit umzugehen.
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Wir kennen die Beispiele aus dem Markt und haben das Thema deshalb von Anfang an mitgedacht. Unser Ziel ist es, offen zu kommunizieren und die Hintergründe nachvollziehbar zu machen.