Schubert: Sechs Jahrzehnte Erfolgsgeschichte aus Crailsheim

Vom Atelier zum globalen Verpackungsmaschinenbauer

60 Jahre am Markt lassen aufhorchen. Umso mehr, als sie zunächst von bescheidenen Verhältnissen erzählen, denen wegweisende Ideen, tragfähige Konzepte und schließlich weltweit gefragte Verpackungsmaschinen entsprangen. In den Jahren ihres Bestehens hat sich die Gerhard Schubert GmbH auch deshalb so erfolgreich entwickelt, weil sie früh den Weg ins internationale Marktumfeld einschlug.

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Heute hat Schubert eine eigene Vertriebsorganisation mit Niederlassungen in Deutschland, Großbritannien und Nordamerika.

Unternehmerische Ursprungsmythen sind so zahlreich wie die Organisationen, von denen sie berichten. Von der berühmten Garagen- bis zur Spontangründung mit verschwindend geringem Startkapital gibt es unzählige Varianten. In Crailsheim begann eine der wohl spannendsten Unternehmungen des deutschen Maschinenbaus im Atelier eines ortsansässigen Bildhauers. Dessen Sohn hatte dort die Idee eines modularen Maschinenbaukastens ausgearbeitet, die er ab 1966 im eigenen Unternehmen weiterentwickelte und vermarktete. Sein Name: Gerhard Schubert. Eine seiner ersten Entwicklungen, die vollautomatische Schachtelaufrichte- und -klebemaschine, kurz SKA, ging 1966 an den Lebkuchenhersteller Weiss aus Nürnberg.

 Dabei sollte – und durfte – es allerdings nicht bleiben. Denn nicht nur deutsche Unternehmen benötigten in Zeiten rascher Industrialisierung Lösungen, die ihnen den Verpackungsalltag erleichtern, und häufig mehr als eine SKA. Da traf es sich gut, dass sich das Portfolio bis in die 1970er-Jahre bereits weiterentwickelt hatte. Lösungen wie das Hubtelleraggregat, ein Vorgänger der heutigen Pick-and-Place-Roboter, und andere Baugruppen ermöglichten es, weitere Verpackungsschritte ohne menschliches Zutun zuverlässig auszuführen. Doch wie an die vielen potenziellen Abnehmer herantreten? Wie den Kundenkontakt auch über die deutschen Grenzen hinaus herstellen, damit sich ohne Weiteres an die Erfolgsgeschichte mit Weiss anknüpfen ließ?

Der Lebkuchenhersteller selbst, oder besser gesagt ein mit dem Auftrag vertrauter Geschäftsmann, brachte die Lösung: Karl-Josef Ehrhart, Geschäftsführer der Heidenheimer Edelmann GmbH & Co. KG, damals ein wachstumsstarker Hersteller von Verpackungen, hatte Gerhard Schubert mit Weiss zusammengebracht. Mehr noch: Ehrhart war Mitgesellschafter bei der Gerhard Schubert GmbH, kannte die Branche aufgrund seiner Tätigkeit bestens und hatte einen steten Draht zu Gründer Gerhard Schubert. Sich dieses Netzwerk zunutze zu machen, verstand sich nahezu von selbst, lieferte es doch jene entscheidende Grundlage, die ein noch junges Unternehmen für ein gesundes Wachstum braucht: Kontakte und damit Nährboden für die Ausweitung des Geschäfts.

Zwei starke Kanäle

Aus einem Partner wurden rasch zwei: Nicht nur Edelmann diente als Inlands-Vertriebskanal für den aufstrebenden Maschinenbauer aus Crailsheim. Auch die Firma Stabernack, ihres Zeichens ebenfalls Packmittelhersteller, unterstützte beim Vertrieb innerhalb Deutschlands. Wer hier nur an Maschinen denkt, irrt: Damals wie heute stand „Full Service“ im Mittelpunkt der unternehmerischen Tätigkeit, und damit die Verpackungsentwicklung genauso wie die Konzeption passgenauer Verpackungsprozesse. Schließlich kannten sich beide Partnerfirmen hervorragend mit allen gängigen Packstoffen aus und ergänzten so die tiefgehende Ingenieurskompetenz aus Crailsheim.

Für den internationalen Vertrieb zeichnete seit Beginn der 1970er-Jahre die in Crailsheim ansässige IPS – Internationale Packungs-Systeme GmbH – verantwortlich, die mit einer SKA nach Finnland ihren ersten internationalen Auftrag sicherte. Die aus ihr hervorgegangene Schubert Packaging Systems in Crailsheim vereint heute Engineering- und Systemlösungen für automatisierte Verpackungsanlagen unter einem Dach. Im Fokus stehen Planung, Umsetzung und Betreuung komplexer Verpackungslinien für verschiedene Branchen.

Nicht nur für After Eight

Derart breit aufgestellt, könnte man meinen, kann das Geschäft nur florieren. Das ist für sich genommen nicht falsch, setzt aber Maschinen voraus, die sich technologisch auf der Höhe der Zeit bewegen. Und das taten die Entwicklungen aus Crailsheim allemal.

 Gerhard Schubert hatte seine Idee eines modularen Ansatzes unermüdlich vorangetrieben. Das handfeste Ergebnis dieser Überlegungen, der umfassende Schubert-Sondermaschinen-Baukasten (SSB), ermöglichte jedem Hersteller, die passende Top-Loading-Verpackungsmaschine aus verschiedenen mechanischen Baugruppen zusammenzustellen. Dieser hochindividuelle Ansatz mit einem Hauch „Do it yourself“ – schließlich bestimmt bis heute der Kunde, was er haben möchte – fand auch international früh Anklang. Anfang der 1970er Jahre lieferte Schubert über Handelskontakte der IPS bereits eine Anlage zum Verpacken von Seifenstücken in Geschenkverpackungen nach Japan. Und in Großbritannien waren Kunden des Süßwarenherstellers Rowntree Mackintosh auf den Geschmack von „After Eight“ und das Unternehmen auf die Maschinen aus Crailsheim gekommen. Eine hohe Nachfrage braucht flexible Technologie, die mit ihr Schritt halten kann.

Immer internationaler

Mit der erfolgreichen Kombination aus mehreren Vertriebskanälen und Maschinen war es nur eine Frage der Zeit, bis Schubert seine Aktivitäten konsolidieren würde. Kürzere Wege, ein noch engerer Austausch. Gerhard Schuberts Wunsch, Dinge stets besser zu machen, umfasste auch den Vertrieb, den er mit Hilfe erfahrener Köpfe schrittweise ins Unternehmen holte. Die Vision: eine eigene Vertriebsabteilung am Stammsitz, ergänzt um weitere im Ausland. Das gelang nicht zuletzt dank international erfahrener Kollegen, die Gerhard Schubert um sich versammelte.

Erfolge wie die erste robotisierte Pralinen-Packstraße der Welt in Frankreich belegen eindrucksvoll, dass die Strategie aufging. Eigenständige Vertriebspartner in Australien, England und den USA machten das Netz noch effektiver. Im Laufe der Zeit zog Schubert dort vielfach mit eigenen Organisationen nach. Mit Schubert Packaging Systems in den USA – heute Schubert North America – und Schubert UK Limited bleibt das Unternehmen jenseits des Atlantiks beziehungsweise des Ärmelkanals eng an seinen Kunden. Der Vertriebspartner Selpak in Sydney sorgt dafür, dass die Technologien aus Crailsheim auch den Weg nach Australien und Neuseeland finden.

Fertigung nach Plan

Ein Vertriebsnetz arbeitet jedoch nur dann reibungslos, wenn die Pipeline gefüllt ist, sprich, wenn Maschinen aus Crailsheim kontinuierlich vom Band laufen. Wie passend, dass die Technologie modular daherkommt: Nicht nur Kunden stellen sich so ihre Anlage passgenau zusammen. Ihre gesamte Fertigung lässt sich auch standardisieren und damit nahezu wie am Fließband erledigen.

Mit diesem Gedanken im Hinterkopf konzipierte Gerhard Schubert 2002 das, was im Firmenjargon „Fließfertigung“ heißt. Dabei geht es im Kern darum, einzelne Zellen und Teilmaschinen stets nach dem gleichen Prinzip vorzumontieren, damit die Endmontage sie lediglich zur fertigen Linie zusammensetzen muss. Schienen im Boden der Halle 2 bilden dabei das „Band“, an dem die lackierten Gestelle einzelne Stationen durchlaufen und dabei schrittweise alle Standardaggregate erhalten, vom Picker über die Steuerung bis zur Elektronik und Strecken fürs Transmodul. Wie die Stationen sind die Aufgaben klar verteilt; jeder Monteur weiß, was er zu tun hat. Nach 14 solcher Takte steht eine voll funktionsfähige Teilmaschine bereit für die Endmontage. Die Fließfertigung legte den Grundstein für kürzere, einheitliche Montagezeiten und damit eine hocheffiziente Produktion, die zudem fest in einer speziellen Software wurzelt.

Denn wie weiß Kollege X, dass jetzt Teilmaschine Y dran ist? Gibt es genügend Leute, um den Job fristgerecht zu erledigen? Erfolgten Kommunikation und Konstruktion zu Beginn gewiss noch auf Zuruf, hielt mit Saturn bereits Mitte der 1990er Jahre ein Produktionsplanungssystem Einzug in Crailsheim, das den Durchblick verschafft. Wie vieles vor Ort handelt es sich um eine Eigenentwicklung, die Gerhard Schubert mit Software-Ingenieuren und Lachmann & Rink umsetzte.

 Saturn ist das „Gehirn“ der Produktion 

Wie die Ringe um den bekannten Planeten drehen sich bei Schubert sämtliche Prozesse um dieses leistungsstarke System, das gewissermaßen als „Gehirn“ der gesamten Produktion und Planung fungiert. Saturn vereint über 150 Einzelprogramme in einem für jeden Anwender passgenauen Portal. Hier bildet es von der Kalkulation eines Auftrags bis zur Auslieferung einer Maschine und ihrer Endabnahme sämtliche Schritte ab, die ein Unternehmen wie Schubert am Laufen halten.

Dazu gehört auch eine Übersicht, welche Kapazitäten gerade frei sind, womit sich der Kreis zur Fließmontage schließt: In Saturn sieht ein Meister frühzeitig, ob an einem bestimmten Tag ausreichend Kapazitäten und die benötigten Teile verfügbar sind – und kann gegebenenfalls rechtzeitig Maßnahmen einleiten, um die 14 Takte reibungslos abzuarbeiten. Die zentrale Entwicklung hat seit Einführung nichts an Aktualität eingebüßt, da die Software stets mit der Zeit ging.

Auch die Produktion selbst steht nicht still, weder prozessseitig noch strategisch: Aktuell baut Schubert das Portfolio aus, wodurch sich auch die Fertigungsprozesse erneut verändern werden. Schließlich benötigt die TOG-Reihe eigene Fertigungsprozesse: Anders als TLM und LIGHTLINE läuft die Fertigung der vollauf standardisierten Einzelfunktionsmaschinen noch nicht über die Vormontage, soll jedoch perspektivisch in diese integriert werden. Seine Prozesse möchte Schubert laufend schlanker gestalten, um am Ende leistungsstarke, kostengünstige Maschinen auf den Markt zu bringen, die bereits dem Firmengründer im Atelier des Vaters vorschwebten. Wettbewerbsfähig zu bleiben bedeutet, ganz mythenfrei betrachtet, möglichst effizient zu produzieren und Maschinen zu vermarkten, die jede Verpackungsaufgabe zu lösen vermögen.