Interview mit Jim Pittas, President und CEO, PMMI

„Ziel ist es, die Branche zukunftsfähiger zu machen“

PMMI President & CEO Jim Pittas erläutert, wie die Organisation globale Branchenbeziehungen stärkt, die Einführung von KI und Automatisierung vorantreibt und Verpackungs- und Verarbeitungsunternehmen auf Interpack 2026 vorbereitet, um sie zukunftsfähiger zu machen.

6 min
The packaging machinery industry faces a variety of challenges.
Die Verpackungsmaschinenindustrie steht vor einer Vielzahl von Herausforderungen.

Redaktion: PMMI gilt als eine der wichtigsten Organisationen für Verpackungs- und Verarbeitungstechnologien in Nordamerika. Wie sehen Sie die Rolle von PMMI innerhalb des globalen Verpackungsökosystems – insbesondere im Verhältnis zu internationalen Leitmessen wie der Interpack?

Jim Pittas, President and CEO, PMMI
Jim Pittas, Präsident und CEO, PMMI

Jim Pittas: PMMI fungiert als Tor zwischen der globalen Verpackungslieferkette und dem nordamerikanischen Markt und agiert als Vermittler, Marktinstanz und Business-Beschleuniger. Wir bringen Käufer und Lieferanten über die Pack Expo, die PMMI Media Group und PMMI ProSource zusammen, schaffen eine kontinuierliche Vernetzung, die über einzelne Veranstaltungen hinausgeht, und verstärken so die globale Sichtbarkeit, die durch Messen wie die Interpack entsteht.

Gleichzeitig stellen wir über unsere Business-Intelligence-Plattform entscheidende Marktinformationen und Geschäftstools bereit, die es Unternehmen ermöglichen, nordamerikanische Trends, Anforderungen und operative Rahmenbedingungen besser zu verstehen. Wir unterstützen unsere Mitglieder zudem aktiv auf internationalen Messen wie der Interpack, indem wir einen zentralen Auftritt, gezielte Beratung und Marktbriefings anbieten, damit sie globale Chancen bestmöglich nutzen können.

Letztlich besteht unsere Aufgabe darin, Anwender und Anbieter von Verpackungs- und Verarbeitungstechnologien in Nordamerika durch eine Kombination aus Live-Veranstaltungen und ganzjährigen Plattformen miteinander zu verbinden. Auf der Interpack 2026 wird PMMI in Halle 12, Stand A66 vertreten sein, wo wir mit globalen Partnern in den Austausch treten und gemeinsame Branchenforschung vorantreiben werden. Außerdem werden wir einen Pack-Expo-Empfang außerhalb des Messegeländes ausrichten, der einen wichtigen Berührungspunkt für die Vernetzung mit dem nordamerikanischen Markt darstellt.

Redaktion: Welche Ziele verfolgt PMMI für 2026 und welche Entwicklungen oder Programme wollen Sie priorisieren?

Pittas: Für 2026 konzentriert sich PMMI auf vier zentrale Prioritäten, die für die langfristige Wettbewerbsfähigkeit der Branche entscheidend sind.

Erstens treiben wir die Einführung praktischer, produktivitätssteigernder Technologien voran, insbesondere in Bereichen wie Automatisierung, KI-Integration, Robotik und modularem Anlagendesign. Der Schwerpunkt liegt auf Lösungen, die intuitiv, skalierbar und auf reale Betriebsbedingungen ausgerichtet sind.

Zweitens hat für uns die Resilienz der Lieferketten Priorität. Ziel ist es, der Branche zu helfen, „zukunftsfähiger“ zu werden, indem Unsicherheiten in Bereichen wie Verfügbarkeit von Arbeitskräften, regulatorische Veränderungen, geopolitische Dynamiken und Materialschwankungen proaktiv adressiert werden.

Drittens bleibt die Entwicklung der Belegschaft ein zentraler Schwerpunkt. Die Gewinnung, Bindung und Qualifizierung von Fachkräften ist entscheidend, da die Abläufe technisch komplexer werden und Engpässe beim Personal weiterhin die Produktivität beeinträchtigen.

Schließlich ist Nachhaltigkeit eine wichtige strategische Priorität. Sie ist nicht länger nur ein Berichtsthema, sondern eine systemweite operative Herausforderung, getrieben durch Materialinnovationen, regulatorische Anforderungen und sich wandelnde Verpackungsformate, die die gesamte Produktionslinie beeinflussen.

Über alle vier Bereiche hinweg ist es unser Ziel, die Branche mit den Werkzeugen, dem Wissen und den Technologien auszustatten, die benötigt werden, um effizienter zu arbeiten, sich schneller anzupassen und in einem sich rasch verändernden Umfeld erfolgreich zu konkurrieren.

Redaktion: Interpack 2026 wird sich auf KI, Automatisierung, neue Materialien, regulatorische Entwicklungen und zukünftige Qualifikationen konzentrieren. Welche dieser Themen haben derzeit den größten Einfluss auf die PMMI-Mitglieder – und warum?

Pittas: Unter den wichtigsten Schwerpunktthemen der Interpack 2026 haben Automatisierung, KI-gestützte Analytik und die Entwicklung der Belegschaft derzeit die unmittelbarsten Auswirkungen auf die PMMI-Mitglieder.

Herausforderungen in der Belegschaft bleiben kritisch, weshalb Unternehmen Schulung, Qualifizierung, Remote-Services und neue Ansätze zur Unterstützung der bestehenden Belegschaft priorisieren. Fachkräftemangel und der Bedarf an größerer Flexibilität beschleunigen Investitionen in Automatisierung und Robotik, insbesondere zur Unterstützung von Durchsatz und schnelleren Formatwechseln. Gleichzeitig werden KI und vorausschauende Wartung zu unverzichtbaren Werkzeugen zur Verbesserung von Verfügbarkeit, Qualität und Ferndiagnose, wobei KI-Anwendungen Bediener bei Wissensaustausch, Formatwechseln und Fehlersuche unterstützen.

Mitglieder setzen KI und Analytik (Bildverarbeitung, vorausschauende Wartung, digitale Zwillinge usw.) ein, um Stillstandzeiten zu reduzieren, die Qualität zu verbessern und Ferndiagnosen zu ermöglichen. KI wird von vielen Anwendern bereits als unverzichtbar angesehen, um Herausforderungen an der Linie zu bewältigen. Vorausschauende Wartung und vernetzte Analytik gehören zu den wichtigsten Prioritäten.

Nachhaltigkeit und regulatorische Anforderungen, einschließlich Serialisierung, sind ebenfalls wichtige Treiber, insbesondere in bestimmten Branchen, da sie weiterhin die Auslegung von Anlagen, Materialien und die Gesamtkomplexität von Systemen beeinflussen.

Redaktion: Aufgrund von Rohstoffknappheit, strengeren Vorschriften, Fachkräftemangel und unsicheren Lieferketten steht die Industrie unter Druck.

Welche Strategien empfehlen Sie Verarbeitungs- und Verpackungsunternehmen, um in diesem Umfeld widerstandsfähig zu bleiben?

Pittas: Insgesamt liegt der Fokus auf Flexibilität (bei Maschinen, Materialbeschaffung und Prozessen), stärkeren Industriepartnerschaften, Remote-Services, der Entwicklung der Belegschaft sowie verbesserten Materialien/Tests, ergänzt um Lieferkettenstrategien zur Risikominimierung und schnelleren Erholung.

1) Maschinen- und Linienflexibilität erhöhen: In modulare, umrüstbare Anlagen und schnellere Umrüstfähigkeit investieren, damit Linien alternative Materialien, neue Stock-Keeping-Units und kleinere Chargen ohne lange Stillstandszeiten verarbeiten können. Dies verringert die Anfälligkeit für plötzliche Material- oder Produktänderungen.

2) Lieferantenpartnerschaften stärken und frühzeitig einbinden: Bereits in frühen Entwicklungsphasen eng mit OEMs, Materiallieferanten und Marketingteams zusammenarbeiten, um Materialien zu testen, Prognosen zu teilen und gemeinsam Lösungen zu entwickeln (einschließlich Validierung für regulierte Branchen). Frühe, gemeinsame Tests verringern Überraschungen durch Materialschwankungen und Anlageninkompatibilität.

3) Kritische Materialversorgung diversifizieren und lokalisieren: Verringern Sie das Risiko von Lieferkettenstörungen, indem Sie mehrere Lieferanten qualifizieren, Nearshoring oder lokale Beschaffung dort nutzen, wo es möglich ist, und Rohstoffverschwendung durch besseres Design und verbesserte Prozesskontrolle reduzieren.

4) Selektive Automatisierung, Remote‑Services und vorausschauende Wartung einsetzen, um Arbeitskräftemangel auszugleichen: Setzen Sie Robotik/Automatisierung für repetitive Aufgaben mit hohem Durchsatz sowie Remote-Diagnosen/-Überwachung ein, um die Abhängigkeit von knappen qualifizierten Servicetechnikern im Außendienst zu verringern. Führen Sie Zustandsüberwachung und Predictive Maintenance für kritische Anlagen ein, um ungeplante Stillstände zu reduzieren und die Ersatzteillagerhaltung zu optimieren.

5) Talentpipelines aufbauen und Schulungen verbessern: Arbeiten Sie mit Fachschulen und Hochschulen zusammen, bieten Sie Praktika an, nutzen Sie gezieltere videobasierte Schulungen, setzen Sie Augmented-Reality-/Remote-Trainingstools ein und verlangen Sie von OEMs, intuitive Maschinen und starke Servicepakete bereitzustellen, um weniger erfahrene Bediener zu gewinnen und zu halten.

6) Externe Dienstleistungen strategisch nutzen: Ziehen Sie Lohnverpacker, externe Wartungsdienstleister oder Rahmenverträge in Betracht, um spezialisiertes Personal zu nutzen und Risiken zu streuen – Drittanbieter können arbeitskräfteeffizienter und erfahrener sein.

Redaktion: Aktuelle Forschungen von PMMI zeigen, dass die pharmazeutische Verpackung wächst, während gleichzeitig die betrieblichen Komplexitäten zunehmen. Welche Auswirkungen haben strengere regulatorische Anforderungen, der Automatisierungsdruck und die Serialisierung auf das Maschinendesign und den Anlagenbau?

Pittas: Strengere regulatorische Anforderungen, zunehmende Automatisierung und Serialisierung gestalten Maschinendesign und Anlagenbau grundlegend neu und treiben die Branche in Richtung stärkerer Konnektivität, höherer Flexibilität und besserer Rückverfolgbarkeit.

Diese Anforderungen beschleunigen die Integration von Datensystemen, IoT‑fähigen Anlagen und Serialisierungsfunktionen über gesamte Verpackungslinien hinweg. Gleichzeitig erhöhen sie jedoch die Systemkomplexität und den Bedarf an modularen, anpassungsfähigen Maschinendesigns. Parallel dazu verlängern sie Projektlaufzeiten und steigern die Bedeutung von Validierung, Dokumentation und Mitarbeiterschulung.

Letztlich sehen wir eine Entwicklung hin zu stärker vernetzten, datengesteuerten Abläufen, bei denen Compliance, Leistung und Flexibilität von Anfang an in das System hineinkonstruiert werden müssen.

Redaktion: Digitalisierung, Fernüberwachung und vernetzte Maschinen werden immer wichtiger. Welche Technologien oder Standards werden 2026 voraussichtlich den größten Einfluss auf Effizienz und Instandhaltung haben?

Pittas: Im Jahr 2026 werden die größten Effizienz- und Instandhaltungsgewinne aus vorausschauender Wartung, IoT-gestützter Fernüberwachung, sicherem Fernzugriff sowie KI-basiertem Support und Training resultieren.

Diese Technologien ermöglichen eine frühere Fehlererkennung, eine schnellere Fehlerbehebung und eine geringere Abhängigkeit von Einsätzen vor Ort. Dies verbessert letztlich die Anlagenverfügbarkeit und senkt die Betriebskosten. Gleichzeitig helfen sie, Herausforderungen im Bereich der Arbeitskräfte zu bewältigen, indem sie Remote-Expertise und effizientere Schulungen unterstützen.

Ebenso wichtig wird die Weiterentwicklung hin zu sichereren, standardisierten Konnektivitäts-Frameworks sein, um sicherzustellen, dass der erweiterte Zugriff und die stärkere Datenintegration durch eine robuste Cybersicherheit abgesichert werden.

Redaktion: Auf welche Entwicklungen werden sich Ihre Mitglieder auf der Interpack 2026 konzentrieren?

Pittas: Auf der Interpack 2026 werden sich die PMMI-Mitglieder auf zentrale Bereiche konzentrieren, die die Zukunft der Branche prägen.

Automatisierung und Robotik bleiben eine Top-Priorität, angetrieben durch Arbeitskräftemangel sowie den Bedarf an größerer Flexibilität und höherem Durchsatz. Gleichzeitig treiben KI, Analytik und vorausschauende Wartung die Digitalisierung voran und helfen, Verfügbarkeit, Qualität und operative Effizienz zu verbessern.

Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Stärkung der Belegschaft durch Remote-Services, sichere Konnektivität und Augmented-Reality-gestützte Unterstützung, die eine schnellere Fehlerbehebung und effektivere Schulungen ermöglichen.

Parallel dazu treiben die Mitglieder Anlagentechnologien voran, die neue Materialien und Nachhaltigkeitsziele unterstützen, und gehen gleichzeitig auf wachsende regulatorische Anforderungen ein, insbesondere in Bezug auf Serialisierung, Rückverfolgbarkeit und Validierung.

Insgesamt spiegeln diese Entwicklungen einen breiteren Wandel hin zu stärker automatisierten, vernetzten und anpassungsfähigen Verpackungsprozessen wider.

Redaktion: Wie bewertet PMMI die Zusammenarbeit zwischen nordamerikanischen und europäischen Herstellern – und wo entstehen die spannendsten Synergien?

Pittas: Auch wenn Unternehmen in Nordamerika und Europa global im Wettbewerb stehen, arbeiten sie gleichzeitig beim wichtigen Thema Normen zusammen. Dazu gehören Normen im Bereich Sicherheit, Steuerungssysteme und sogar Maschinen­nomenklatur. Ein gutes Beispiel ist eine neue Norm, die für den Ganzkörpereinstieg entwickelt wird. Dies ist ein wichtiges Thema, insbesondere bei größeren Maschinen, bei denen Bediener sich im Inneren oder auf der gegenüberliegenden Seite einer Maschine befinden können. Durch die Zusammenarbeit von Vertretern aus beiden Regionen wird erwartet, dass sie noch vor Ende 2026 verabschiedet wird.