Verarbeitet werden individuell geformte Pads

Yangi macht Faserschalen mit Dry Forming industrietauglich

Mit der Cellera-Technologie bringt das schwedische Unternehmen Yangi trockengeformte Faserverpackungen für Food, Kosmetik und Nonfood in den industriellen Maßstab auf den Markt. Das Verfahren soll Kunststoff und nassgeformte Faserlösungen ersetzen, Ressourcen sparen und die PPWR-Anforderungen unterstützen.

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Die serielle Maschinenplattform Cellera

Eine moderne Faserschale, die ohne Pulpe und Wassertanks sowie ohne Nasszellstoff auskommt und in einem Prozess entsteht, der sich eher an präziser industrieller Formgebung als an klassischer Papierverarbeitung orientiert – hinter dieser Entwicklung steht das schwedische Unternehmen Yangi AB aus Varberg. Der Faserspezialist konzentriert sich auf Dry Forming und bringt damit eine Technologie aus der Entwicklungsphase nach eigenen Angaben in den industriellen Alltag. Das Timing ist gut gewählt, denn die Industrie sucht angesichts der strengen Anforderungen der EU-Verpackungsverordnung PPWR sowie steigender Preise fossiler Rohstoffe nach Lösungen, die Kunststoff ersetzen können, ohne bei Funktion, Geschwindigkeit und industrieller Skalierbarkeit Einbußen hinzunehmen. Yangi ist auf die Dry-Molded-Fiber-Technologie von Fasern spezialisiert und bietet dafür nicht nur Materialien und Prozesse, sondern auch die passende Maschinentechnik an.

Dry Forming – Technologie für das Spezialgebiet

Die meisten faserbasierten Formteile entstehen heute entweder aus einer nassen Zellstoffsuspension oder aus einer Materialbahn. Das schwedische Unternehmen Yangi geht einen anderen Weg und konzentriert seine Entwicklungsarbeit auf die Frage, wie sich trockene Fasern präzise, schnell und reproduzierbar in komplexe dreidimensionale Verpackungen überführen lassen. Grundlage dafür sind mehr als zehn Jahre Erfahrung in der Fasertechnologie. Der Ansatz des Dry Forming unterscheidet sich grundsätzlich vom Wet-Pulp-Verfahren. Bei der Nassformung werden Fasern mit großen Mengen Wasser zu einer Suspension vermengt. Diese muss im Prozess kontinuierlich in Bewegung gehalten werden. Die Infrastruktur ist entsprechend komplex und der Energiebedarf hoch.

Auswahl an Produkten, die im Dry-Forming-Verfahren hergestellt werden.

Beim Dry Forming entfällt diese Nassphase. Die Fasern werden trocken verarbeitet, geformt und im Thermoformverfahren in eine dreidimensionale Form gebracht. Das vereinfacht den Gesamtprozess und spart Ressourcen ein. Im Vergleich zu herkömmlichen Verfahren sinkt der Wasserbedarf laut Yangi auf diese Weise um 90 bis 99 %. Der CO2-Fußabdruck liegt rund 80 % unter dem konventioneller Kunststoffalternativen. Solche Zahlen sind für die Verpackungsindustrie besonders interessant, da die Umstellung einer Technologie nicht allein über das Material entschieden wird, sondern die Wirtschaftlichkeit des gesamten Prozesses entscheidet.

Das Pad entscheidet über die Schale

Ein wesentlicher Unterschied zu klassischen faserbasierten Verfahren liegt auch in der Materialzufuhr. Mit der Technologie von Yangi werden Schalen nicht aus einer durchgehenden Materialbahn von der Rolle hergestellt. Stattdessen entstehen zunächst individuell geformte Pads aus einer maximalen Formfläche von bis zu 850 x 450 mm, aus denen anschließend die Schale entsteht. Was nach einem Detail klingt, bringt in der Praxis weitreichende Vorteile mit sich. So lässt sich die Materialverteilung besser steuern. Ein Pad kann an den Stellen mit weniger Fasermaterial ausgestattet werden, wo Faltenbildung die Weiterverarbeitung der späteren Verpackung beeinträchtigen könnte, beispielsweise an den Ecken oder an bestimmten Randbereichen. Die Kavitäten stehen außerdem nicht im Wettbewerb um Fasermaterial zueinander. Das ermöglicht einen bedarfsgerechten Materialeinsatz und reduziert unnötigen Materialüberschuss.

Die Gründerin von Yangi: Anna Altner

Dies reduziert den Verschnitt und damit einen erheblichen Anteil der Materialkosten, aber auch den Energiebedarf, der bei der Wiederaufbereitung von Verschnittresten anfallen kann.

Cellera: Die Maschine für den industriellen Maßstab

Das Herzstück der Yangi-Technologie ist die Cellera-Technologie. Sie kombiniert mehrere Prozessschritte in einer industriellen Plattform. Dazu gehört die Dual-Drum-Airlaid-Formung, die eine Herstellung von Pads aus zwei Komponenten mit gezielter Materialverteilung möglich macht. Damit erlaubt sie auch die Verwendung unterschiedlicher Fasern, so gebleachtes Material für Flächen mit Produktkontakt und naturbelassenes für die äußere Schale. Weitere Schritte umfassen die Inline-Herstellung individueller Pads sowie die Ausformung zur gewünschten Geometrie.

Drei Verfahren für trockene Faserformteile

Neben Yangi gibt es weitere Unternehmen, die auf faserbasierte Verpackungen setzen, die in einem trockenen Verarbeitungsprozess entstehen. In Deutschland sind hier Illig und Kiefel zu nennen. Alle drei Firmen unterscheiden sich jedoch deutlich beim Ausgangsmaterial und bei der Formgebung.

Kiefel verarbeitet mit dem Natureformer KFD bereits vorgefertigtes Papier oder Fasermaterial direkt von der Rolle. Die Bahn wird anschließend dreidimensional ausgeformt. Kiefel positioniert das Verfahren vor allem für Anwendungen mit geringer bis mittlerer Formtiefe, etwa Schalen, Deckel, Besteck oder Elektronikverpackungen.

Illig arbeitet ebenfalls mit einem trockenen, bahnförmigen Faserhalbzeug, insbesondere Airlaid-Vlies. Der Schwerpunkt liegt stärker auf der Umformtechnik. Mit einem eigens entwickelten Verfahren sollen deutlich höhere Streckverhältnisse sowie Ziehtiefen bis 120 mm möglich sein. Dadurch eignet sich der Ansatz auch für tiefere und komplexere Verpackungsgeometrien, etwa Becher oder anspruchsvollere Food-Trays.

Yangi setzt früher in der Prozesskette an. In der Cellera-Anlage werden lose trockene Fasern zunächst per Airlaid-Verfahren zu individuell aufgebauten Pads verarbeitet und anschließend dreidimensional ausgeformt. Dadurch lässt sich die Fasermenge innerhalb des Pads lokal steuern; auch unterschiedliche Faserarten können gezielt kombiniert werden.

Bei der Herstellung der Pads werden die Fasern präzise verteilt, sodass Produkte mit definierter Materialstruktur entstehen, aus denen sich hochwertige dreidimensionale Verpackungen formen lassen. Die Maschine ist für eine Produktion mit reproduzierbarer Qualität und hohen Taktzahlen ausgelegt. Je nach Produkt und Anwendung liegen die Zykluszeiten bei 4 bis 6 s. Im Sommer 2026 wurde die erste serielle Cellera-Maschine in einer realen Produktionsumgebung in Betrieb genommen. Für Yangi ist damit aus der Technologieentwicklung der Schritt zur industriellen Anwendung gelungen.

Faserbasierte MAP-Schale: Neue Möglichkeiten für Lebensmittel

Einer der wichtigsten Anwendungsbereiche für die faserbasierten Schalen im Dry-Forming-Verfahren ist die Lebensmittelindustrie. Die von Yangi entwickelte MAP-Schale ist auf Produkte wie Frischfleisch, Geflügel, Fisch, Feinkost oder Fertiggerichte ausgelegt. Hergestellt wird sie aus erneuerbaren, nachhaltig beschafften Frischfasern. Ihre Zusammensetzung ist PFAS-frei. Durch eine funktionale Laminierung, die abhängig von der Zusammensetzung recyclingfähig ist, kann sie für anspruchsvolle Produkte wie Fleisch eingesetzt werden. Die Schale lässt sich auf Hochgeschwindigkeits-Traysealern unter Schutzgasatmosphäre versiegeln. Sie behält auch unter gekühlten und tiefgekühlten Bedingungen sowie bei Mikrowellen- und Ofenanwendungen ihre Form und ihre Stabilität. Als Take-away-Lösung wird sie bereits in den Bereichen Catering und Foodtrucks eingesetzt. Über Lebensmittel hinaus decken die faserbasierten Verpackungsschalen ein breites Anwendungsspektrum ab und lassen sich beispielsweise für Kosmetikartikel und viele weitere Produkte aus dem Nonfood-Segment einsetzen, die heute in Kunststoffschalen oder anderen formstabilen Einwegverpackungen angeboten werden.

Dry Forming als Antwort auf die PPWR

Mit dem Inkrafttreten der europäischen Verpackungsverordnung PPWR ist der Handlungsdruck gestiegen. Hersteller müssen den Materialeinsatz, die Recyclingfähigkeit und den Einsatz von Kunststoff ihrer bisherigen Verpackungen überprüfen und neu bewerten. Die von Yangi entwickelten Dry-Forming-Schalen im Cellera-Verfahren sind eine Antwort darauf. Die Technologie steht für einen neuen Marktansatz im Bereich der faserbasierten Lösungen: Die Dry-Molded-Fiber-Technologie macht komplexere Formen möglich und zielt damit auf Anwendungen, die bisher stark von Kunststoff geprägt waren.



Yangi AB

Yangi ist ein Spezialist für nachhaltige Verpackungslösungen, der sich auf faserbasierte Technologien und Materialien spezialisiert hat. Auf Basis von über zehn Jahren Forschungs- und Entwicklungsarbeit bietet Yangi Trockenformtechnologie, die die Herstellung hochwertiger, kosteneffizienter und recycelbarer Verpackungen ermöglicht. Der Ansatz des Unternehmens reduziert im Vergleich zu herkömmlichen Verfahren deutlich CO2-Emissionen, Wasserverbrauch und Energiebedarf. Durch strategische Kooperationen entlang der gesamten Verpackungswertschöpfungskette verfolgt Yangi das Ziel, die Verpackungsindustrie zu transformieren und nachhaltige Alternativen zu konventionellen Kunststoffverpackungen bereitzustellen. Nach eigenen Angaben wurde bereits die erste Anlage an einen europäischen Konverter verkauft und wurden erste Produkte an Kunden in Asien ausgeliefert. Die betreffenden Unternehmen wurden jedoch nicht öffentlich genannt. Eine Ausnahme ist Flavor Boss, ein preisgekrönter Street-Food-Anbieter, der die von Yangi entwickelten faserbasierten Schalen im realen Gastronomiebetrieb testet und einsetzt.