Start frei für die Packaging Machinery Conference 2026
Am 16. und 17. Juni findet in Nürnberg die Packaging Machinery Conference (PMC) 2026 statt. Experten des deutschen Verpackungsmaschinenbaus sprechen über Perspektiven, Strategien und Lösungen für die Zukunft. Der Live-Ticker.
Redaktion .Redaktion.neue verpackung
9 min
Zwei Tage lang fundiertes Fachwissen und zukunftsorientierte Lösungen auf der PMC.Packaging Machinery Conference
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Zum dritten Mal treffen sich Fachleute aus der Verpackungsbranche mit Fokus Maschinenbau und Automatisierung, um sich auszutauschen und die wichtigsten Themen der Branch zu diskutieren. Dabei feiert die Packaging Conference 2026 in diesem Jahr Premiere: Erstmals wird das hochkarätig besetzte Event vom drei Organisationen ausgerichtet: Neben dem Initiator Ultima Media Germany mit dem Fachtitel "neue verpackung" sind erstmals auch die Messe Nürnberg und das Packaging Valley als Veranstalter mit an Bord.
9.00 Begrüßung und Einführung
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Philip BittermannPackaging Machinery Conference
Gemeinsam begrüßten Phuong Anh Do, Veranstaltungsleiterin Fachpack, Martin Buchwitz, Geschäftsführer Packaging Valley und Chefredakteur Philip Bittermann, die Teilnehmer. Bittermann freut sich über den großen Zuspruch der Conference, die auf dem Weg sei, eine Pflichtveranstaltung für die Branche zu werden. Phoung Anh Do weist darauf hin, wie wichtig es ist, eine gemeinsame Plattform zu schaffen. Um gemeinsam Lösungen zu erarbeiten. Auch Martin Buchwitz unterstreicht, wie wichtig der Plattform-Ansatz ist. Denn der Markt ändert sich schnell, die Anbieter und Hersteller hätten ein neues und herausfordernderes Umfeld, das unter anderem mehr Kooperationen und Partnerschaften fordert.
9.10 Keynote Johannes Schmid-Wiedersheim, Geschäftsführer VDMA Fachverbände Nahrungsmittel- und Verpackungsmaschinen
Johannes Schmid-WiedersheimPackaging Machinery Conference
Schmid-Wiederheims nimmt ein Bild, um die Situation der Branche darzustellen: Es sind Seilschaften, die den Berg mit Pickel und
schwerem Gerät den Berg erklimmen. Man möchte fast meinen, wir seien der Deutsche Alpenverein. Es sind mehrere Indikatoren, die den Status Quo charakterisieren: Die große Unsicherheit, wie sich weltweit die Wirtschaft entwickelt. Dann die Auslastung. Derzeit liegt die Auslastung bei den Verpackungsmaschinenbauer bei rund 70 %. Ein "besorgniserregender Wert". Auch bei den Beschäftigungszahlen sind Zahlen gesunken, 2026 ist die Zahl der Beschäftigten gegenüber dem Vorjahr um 2,3 % gesunken. Auch im Vergleich zum weltweiten Wachstum mit 3,2 % schneidet Deutschland schlechter ab. Doch es gibt auch positive Aspekte. Geringfügige Änderungen, so Schmid-Wiedersheim könnten das aktuell niedrige Potenzialwachstum erhöhen kann. Wenn Rentenreform umgesetzt wird, mehr Menschen in Arbeit gebracht werden, wenn es mehr private und staatliche Investitionen gibt und wenn, vor allem, die Produktivität erhöht wird - dann lässt sich auch das Wachstumspotenzial wieder Richtung ein Prozent steigern. Kurz: "Es lohnt sich , etwas zu verändern."
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Achim WapniewskiPackaging Machinery Conference
10.00 Kurzvorstellung Studie PV - Achim Wapniewski, CEO/ Managing Partner Ensign Advisory und Martin Buchwitz, Geschäftsführer Packaging Valley
Die Präsentation skizziert zentrale Zukunftsfragen für den
Verpackungsmaschinenbau bis 2035. Basis sind Interviews mit Mitgliedern des Packaging Valley. Kernaussage: Wettbewerbsfähigkeit entsteht
nicht mehr allein durch technologische Exzellenz, sondern durch das
Zusammenspiel mehrerer Fähigkeiten – insbesondere Digitalisierung, KI,
Nachhaltigkeit, Fachkräfte und globale Präsenz.
Drei Kräfte prägen die Branche: Nachhaltigkeit &
Kreislaufwirtschaft (getrieben durch Regulierung, neue Materialien und
Effizienzanforderungen), Digitalisierung/Automatisierung/KI (als Basis für
Daten, Prozesse, skalierbare Services und neue Geschäftsmodelle) sowie der
internationale Wettbewerb (mit steigender Dynamik, regional unterschiedlichen
Marktanforderungen und wachsendem Preisdruck). Digitalisierung hat aktuell die
höchste Priorität, jedoch ohne einheitlichen Umsetzungsweg.
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KI wird zum strategischen Hebel, wenn sie auf einer soliden
Daten- und Prozessbasis aufbaut und skaliert wird. Gleichzeitig müssen
Unternehmen globaler und lokaler zugleich agieren sowie Nachhaltigkeit
wirtschaftlich umsetzen.
Die größte Herausforderung liegt weniger in Ideen als in
Priorisierung, Geschwindigkeit und Umsetzung. Erfolgreiche Unternehmen treffen
klare Entscheidungen unter Unsicherheit und fokussieren auf Maßnahmen mit hohem
Impact. Zukünftig differenzieren sich Maschinen stärker über Software, Daten
und Modularität. Entscheidend ist daher die Fähigkeit, Transformation
konsequent umzusetzen – nicht Technologie allein.
11.05 Wie muss eine Verpackung für optimales Recycling verarbeitet sein? - Jonathan Scheck, Team Lead Packaging Consulting, Interzero
Jonathan ScheckPackaging Machinery Conference
Jonathan Scheck zeigt, wie Verpackungen im Sinne der EU‑Verordnung PPWR recyclinggerecht gestaltet werden müssen. Ziel ist eine funktionierende Kreislaufwirtschaft: Bis 2030 müssen alle Verpackungen recycelbar oder wiederverwendbar sein, inklusive Mindestanteil an Rezyklat sowie reduziertem Materialeinsatz und Leerraum.
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Recyclingfähigkeit bedeutet, dass Verpackungen nach Sammlung, Sortierung und Verarbeitung als Sekundärrohstoffe genutzt werden können. Entscheidend ist dabei die reale Umsetzbarkeit in bestehenden Systemen.
Den größten Einfluss hat das Design: Monomaterialien, gut trennbare Komponenten, passende Dichten sowie recyclingfreundliche Farben und Etiketten verbessern die Verwertbarkeit. Verbundmaterialien, dunkle Farben oder schwer lösbare Bestandteile wirken negativ.
Bewertet wird entlang der Stufen Erfassung, Sortierung und Verwertung. Fazit: „Design for Recycling“ muss bereits in der Entwicklung berücksichtigt werden, um gesetzliche Vorgaben zu erfüllen und hochwertige Rezyklate zu ermöglichen.
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12.00 Der Digitale Produktpass: Herausforderungen und Chancen - David Villamil, Product Manager, SEW-Eurodrive
David VillamilPackaging Machinery Conference
Der Digitale Produktpass (DPP) ist zentrales Instrument der
EU‑Ökodesign‑Verordnung (ESPR) zur Förderung von Nachhaltigkeit und
Kreislaufwirtschaft, skizziert David Villamil die Ausgangssituation.
Ein DPP ist ein digitaler Datensatz, der über QR‑Code oder
RFID abrufbar ist und Informationen wie Materialzusammensetzung, CO2‑Fußabdruck,
Reparierbarkeit und Recyclingfähigkeit über den gesamten Produktlebenszyklus
bereitstellt.
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Der DPP schafft Transparenz entlang der Lieferkette,
fungiert als „digitaler Zwilling“ und ermöglicht Rückverfolgbarkeit sowie
fundierte Entscheidungen für Unternehmen, Verbraucher und Behörden. Einführung
und Verpflichtung erfolgen schrittweise für verschiedene Produktgruppen (darunter
Batterien, Elektronik, Maschinen).
Herausforderungen liegen vor allem in Datenverfügbarkeit, IT‑Integration,
Standardisierung und Datensicherheit in komplexen Lieferketten. Gleichzeitig
bietet der DPP große Chancen: bessere Compliance, effizientere Prozesse, neue
datenbasierte Services sowie Wettbewerbsvorteile durch transparente und
nachhaltige Produkte.
Kurz: Der DPP entwickelt sich vom regulatorischen
Pflichtinstrument zu einem strategischen Schlüssel für digitale Transformation,
Marktzugang und zukunftsfähige Geschäftsmodelle.
14.00 Keynote zum Thema KI - Malcolm Werchota, AI-Evangelist, Werchota Business Consulting
Malcolm WerchotaPackaging Machinery Conference
"Nach den kommenden 40 Minuten werden Sie den KI-Chef in
Ihrem Unternehmen entlassen. Und ich werde Ihnen gezeigt haben, wir meine 8
Jahre alte Tochter Sie in punkto KI wegputzt." Malcolm Werchota nimmt in seinem Vortrag kein Blatt vor den Mund. Proviziert und kritisiert: Unternehmen nutzen KI überwiegend falsch. Rund 98 % nutzen sie nur zur internen Effizienz, darunter Mails oder Protokolle, während nur wenige KI gezielt zur Umsatzsteigerung einsetzen.
Im Fokus steht daher der Vertrieb. Werchota zeigt, wie KI – insbesondere Microsoft Copilot – den gesamten Verkaufsprozess automatisiert: von der Gesprächsdokumentation über Kundenrecherche und Angebotserstellung bis zur Nachverfolgung. Ziel ist es, repetitive Aufgaben zu eliminieren, damit sich Vertriebsteams auf den Abschluss konzentrieren können.
KI fungiert dabei als digitaler Co‑Verkäufer: Sie erstellt Profile, personalisierte Kommunikation und Angebote in Minuten und pflegt automatisch CRM‑ und Planungsdaten. Gleichzeitig bleiben Unternehmensdaten sicher im eigenen System.
Zentrale Botschaft: Der größte Hebel von KI liegt nicht in Effizienz, sondern in Umsatzwachstum. Unternehmen sollten KI strategisch im Vertrieb einsetzen und Mitarbeitende entsprechend schulen, um Wettbewerbsvorteile zu erzielen.
14.45 Wie wird KI zum Enabler neuer Geschäftsmodelle? - Dr. Marius Grathwohl, SVP Digital Products, Multivac
Dr. Marius GrathwohlPackaging Machinery Conference
KI ist eine Schlüsseltechnologie
zur Transformation von Verpackungsmaschinen hin zu datengetriebenen,
serviceorientierten Geschäftsmodellen, sagt Dr. Marius Grathwohl. KI wird
systematisch in eine digitale Infrastruktur integriert, darunter Smart
Services, Line Control, IoT‑Monitoring, die Maschinenzustände kontinuierlich erfasst, analysiert und optimiert.
Technisch steht die Nutzung von Machine‑Learning‑Verfahren
im Fokus: In der Computer Vision ermöglichen trainierte Modelle die
Klassifikation von Produkten und die Anomalieerkennung, so Qualitätsabweichungen bei Lebensmitteln, in Echtzeit. Dadurch werden
klassische regelbasierte Systeme ersetzt und die Prozessflexibilität erhöht.
Ein weiterer Kernbereich ist Predictive Maintenance:
Sensordaten und KI‑Algorithmen identifizieren frühzeitig Ausfallmuster,
ermöglichen zustandsbasierte Wartung und reduzieren ungeplante Stillstände.
Beispiele zeigen signifikante Einsparungen durch vermiedene Downtime und
optimierten Energieeinsatz.
Auf dieser technologischen Basis entstehen neue
Geschäftsmodelle wie „Pay per Use“, „Pay per Availability“ oder Equipment‑as‑a‑Service.
Voraussetzung ist eine durchgängige Datenbasis, Konnektivität sowie die
Integration von KI in Serviceprozesse.
15.40 Wie verändert KI das Engineering im Maschinenbau - Dr. Daniel Eckertz, Gruppenleiter Innovation Engineering, Fraunhofer IEM
Dr. Daniel EckertzPackaging Machinery Conference
Künstliche Intelligenz verändert das Engineering im Maschinenbau nicht durch einen radikalen Umbruch, sondern vor allem durch viele gezielte Verbesserungen im Arbeitsalltag. Im Fokus stehen Assistenzsysteme, die Ingenieure bei der Nutzung vorhandenen Wissens unterstützen, etwa bei technischen Dokumentationen, Variantenentwicklung und Wiederverwendung bestehender Lösungen.
Besonders große Potenziale liegen in den frühen Phasen des Entwicklungsprozesses wie Konzeption und Auslegung, da hier viele textbasierte Informationen entstehen, die sich gut durch KI auswerten lassen. KI hilft, schneller fundierte Entscheidungen zu treffen und Entwicklungszeiten zu verkürzen.
Erfolgreiches KI‑Engineering erfordert jedoch mehr als Technologie: Entscheidend sind eine belastbare Datenbasis, klare Prozesse und die Offenheit von Unternehmen, neue Ansätze zu erproben. KI wird dabei zum „Sparringspartner“ für Ingenieure, ersetzt sie aber nicht.
Langfristig führt KI zu effizienteren Entwicklungsprozessen, besserer Nutzung von Wissen und neuen Möglichkeiten im Maschinenbau – mit dem Menschen weiterhin im Zentrum der Entscheidungen.
16.30 Einsatz von KI bei Koch Pac-Systeme - Jürgen Welker, Director Automation and Technology, Koch Pac-Systeme und Jonas Schaub, Vorstand Elunic
Jürgen WelkerPackaging Machinery Conference
Jonas SchaubPackaging Machinery Conference
Jürgen Welker und Jonas Schaub zeigen in ihren Vorträgen, wie Künstliche Intelligenz bei Koch Pac‑Systeme konkret in der Praxis eingesetzt wird. Im Fokus stehen Anwendungen entlang der gesamten Wertschöpfung – von automatisierten Prozessen über datenbasierte Entscheidungen bis hin zur Optimierung von Produktion und Anlagensteuerung.
KI dient dabei vor allem dazu, bestehende Maschinen und Abläufe effizienter zu machen. Durch die Auswertung von Daten können Prozesse besser überwacht, schneller angepasst und gezielt verbessert werden. Gleichzeitig ermöglicht KI neue Ansätze in der Steuerung komplexer Verpackungslinien.
Ein wichtiger Aspekt sind die praktischen Erfahrungen aus der Einführung: Neben technologischen Potenzialen spielen Herausforderungen wie Datenverfügbarkeit, Integration in bestehende Systeme und organisatorische Anpassungen eine zentrale Rolle.
Die zentrale Botschaft lautet, dass KI im Maschinenbau kein Selbstzweck ist, sondern konkrete Mehrwerte schaffen muss – etwa durch höhere Effizienz, bessere Qualität und flexiblere Produktionsprozesse.
17.15 Ende des ersten Vortragstags
Ein Tag voller Wissen und Anregungen. Jetzt aber ist Zeit, ihn bei einem Getränk und leckerem Essen ausklingen zu lassen. Weiter geht es morgen um 9.00. Erster Vortrag ist "Wie Automatisierung Nachhaltigkeit und Wettbewerbungsfähigkeit im Maschinenbau stärkt" von Lazaros Patsakas, Global Industry Segment Manager - CPG & MDA, B&R Industrie-Elektronik
Tag 2 der Packaging Machinery Conference 2026
9.00 Begrüßung Philip Bittermann
Willkommen zum zweiten Tag der OMC 2026. Ein kurzer Rückblick:
Wir hatten jede Menge Spaß gestern: tole Themen, tolle Speaker. Wir hatten ein Einordnung
der Branchensituation durch den VDMA und das Packaging Valley, das Thema
Recycling, den Digitalen Produktpass und das vielleicht wichtigste Thema des
Jahrzehnts: KI. Auch heute erwartet uns ein abwechslungsreiches Programm.
9.10 Wie Automatisierung Nachhaltigkeit und Wettbewerbungsfähigkeit im Maschinenbau stärkt - Lazaros Patsakas, Global Industry Segment Manager - CPG & MDA, B&R Industrie-Elektronik
Lazaros PatsakasPackaging Machinery Conference
In seiner Präsentation zeigt Lazaros Patsakas, wie
Automatisierung die Wettbewerbsfähigkeit im Verpackungsmaschinenbau stärkt.
Treiber sind unter anderem Omnichannel-Vertrieb, wachsende Personalisierung,
steigender Wettbewerb und Premiumisierung. Daraus ergeben sich Anforderungen
wie höhere Flexibilität,
schnellere Markteinführung, Nachhaltigkeit, reduzierte Rüstzeiten sowie der Umgang mit Fachkräftemangel
und geopolitischen Veränderungen.
Automatisierung, kombiniert mit IIoT, Robotik und
Digitalisierung, ermöglicht flexible, skalierbare und produktive
Produktionssysteme, die Fehler minimieren und effizienter arbeiten. Zentrale
Entwicklung ist die „adaptive Maschine“, die sich dynamisch an unterschiedliche
Produkte und Losgrößen anpasst und High-mix/Low-volume ebenso wie
Massenproduktion unterstützt.
Künstliche Intelligenz spielt dabei eine Schlüsselrolle,
etwa durch Machine Vision, vorausschauende Wartung und intelligente
Softwareunterstützung. Ziel sind autonome, selbstoptimierende Systeme.
Praxisbeispiele weltweit belegen den Einsatz solcher
Lösungen. Ergänzend unterstützt B&R Kunden über Co-Creation-Ansätze dabei,
innovative Anwendungen gemeinsam zu entwickeln und umzusetzen.
9.40 Welche Chancen bieten Plattformstrategien? - Tim Hellwig, Geschäftsführer SweetConnect
Tim HellwigPackaging Machinery Conference
Plattformstrategien im Maschinenbau ermöglichen neue
Geschäftsmodelle. Davon ist Tim Hellwig überzeugt und erklärt, was vier Maschinenbauer, auch Wettbewerber, beim gemeinsamen Plattformbau gelernt haben. Ausgangspunkt ist, dass die
Kundenbeziehung nach dem Verkauf oft endet, obwohl Maschinen jahrzehntelang
laufen. Gleichzeitig verändern Vernetzung, steigende Serviceerwartungen und der
Wettbewerb im Lifecycle das Geschäft grundlegend.
Der isolierte Aufbau eigener OEM-Portale führt zu
Insellösungen mit hohem Aufwand, geringer Nutzung und fehlender
Durchsetzungskraft beim Kunden. Betreiber arbeiten meist mit 8 bis 12 Herstellern
parallel, was Komplexität und ineffiziente Informationszugänge verstärkt.
Plattformansätze lösen dieses Problem durch
herstellerübergreifende, gemeinsame Systeme. SweetConnect dient als Beispiel:
eine von mehreren Wettbewerbern gegründete Plattform für Aftersales-Services
wie Dokumentation, Ersatzteile und Wartung. Sie basiert auf klar getrennten
Datenräumen, DSGVO-konformem Hosting und dem Prinzip, dass Datenhoheit beim
Betreiber bleibt.
Der Mehrwert liegt in höheren Aftermarket-Umsätzen, besserer
Kundenbindung, geringeren Kosten durch geteilte Infrastruktur und neuen
digitalen Services bis hin zu KI-gestützter Wartung. Zentrale Erkenntnis:
Erfolgreich sind Plattformen, die Vertrauen schaffen, gemeinsame Nutzung
ermöglichen und echte Adoption erreichen.
10.35 Wie brechen wir (endlich) die Datensilos auf? - Matthias Markus, Plant Technical Manager, Bayer
Matthias MarkusPackaging Macherinery Confernece
Die Präsentation Matthias Markus auf der Packaging Machinery
Conference 2026 beleuchtet zentrale Herausforderungen und Chancen der
Digitalisierung in der Pharma‑Verpackungsindustrie. Ausgangspunkt ist eine
fragmentierte Maschinenlandschaft mit heterogenen Schnittstellen, instabiler
Datenkommunikation, fehlenden Standards und geringer Interoperabilität.
Gleichzeitig entstehen durch neue Technologien wie KI, IoT, Robotik oder AR/VR
erhebliche Potenziale zur Optimierung von Produktion und Wartung.
Ein zentrales Problem sind Datensilos, unklare
Datenstrukturen, Sicherheitsbedenken sowie steigende technische Komplexität und
regulatorische Anforderungen. Diese erschweren die Nutzung wachsender
Datenmengen entlang der Wertschöpfungskette und erhöhen Kosten sowie Aufwand.
Als Lösung wird im Projekt „Datenökonomie Pharma“ die
Entwicklung eines interoperablen Metastandards vorgeschlagen, der bestehende
Standards, darunter PackML, AAS, MTP, kombiniert. Ziel ist eine gemeinsame
Datenarchitektur für Verpackungsanlagen, die
Transparenz, Effizienz und regulatorische Konformität
verbessert. Eine Pilotanlage soll die Umsetzbarkeit demonstrieren.
Langfristig wird eine Industrievision beschrieben:
durchgängiger Datenfluss, Echtzeitnutzung, bessere Entscheidungen und flexible
Integration neuer Technologien über Herstellergrenzen hinweg.
11.40 Die Kunst des Weglassens: Emerging Markets als Innovationstreiber - Marcus Schindler, Bereichsleiter Strategische Unternehmensentwicklung, Gerhard Schubert
Marcus SchindlerPackaging Machinery Conference
Marcus Schindler plädiert in seinem Vortrag für einen radikalen Perspektivwechsel im Maschinenbau. Ausgehend von der Metapher eines Formel-1-Autos – das beste Auto ist jenes, das als erstes die Ziellinie erreicht und anschließend auseinanderfallen darf, weil es seine Aufgabe erfüllt hat – stellte er die These auf: Gute Konstruktion bedeutet vor allem, Überflüssiges wegzulassen. Gerade europäische Hersteller seien in einer „Premiumfalle“ gefangen, indem sie Maschinen mit immer mehr Funktionen und vermeintlichem Mehrwert ausstatten, die Kunden oft gar nicht benötigen.
Impulse dafür kommen laut Schindler aus Emerging Markets. Dort zählen Einfachheit, Robustheit und ein klarer Nutzen stärker als maximale Funktionalität. Für Schubert führte diese Erkenntnis zur Entwicklung standardisierter Produktlinien neben den hochflexiblen TLM-Anlagen. Mit der Lightline und der vollständig standardisierten TOG-Linie verfolgt das Unternehmen das Ziel, Komplexität konsequent zu reduzieren und Maschinen exakt auf definierte Anwendungsfälle auszulegen. Dabei wird jede Funktion hinterfragt: Erhöht sie Leistung, senkt sie Kosten oder reduziert sie Platzbedarf? Wenn nicht, wird sie weggelassen. Der Fokus liegt auf höherer Leistungsdichte statt auf mehr Funktionen. Schindlers Fazit: Innovation entsteht nicht nur durch neue Technik, sondern oft durch bewusste Vereinfachung. Entscheidend ist die Frage, welche Komplexität für den Kunden tatsächlich einen Mehrwert schafft.