Fortschreitende Portfoliobereinigung
Gerresheimer trennt sich von Kunststoffverpackungen
Der Pharmaverpackungshersteller Gerresheimer verkauft seine US-Tochter Centor sowie das globale Geschäft mit pharmazeutischen Primärverpackungen aus Kunststoff an von Apax Partners beratene Fonds. Der Wert der beiden Geschäftsbereiche liegt bei rund 1,5 Mrd. Euro. Damit will der Konzern seine Verschuldung deutlich reduzieren und den Fokus auf margenstärkere Pharma- und Biotechlösungen legen.
Das Headquarter in Düsseldorf.
Gerresheimer
Der Düsseldorfer Spezialverpackungshersteller Gerresheimer hat verbindliche Vereinbarungen zum Verkauf der Centor US Holding sowie seines weltweiten Geschäftsbereichs Primary Packaging Plastics (PPP) abgeschlossen. Käufer ist eine Tochtergesellschaft von Fonds, die von der Private-Equity-Gesellschaft Apax Partners beraten werden. Die Transaktion umfasst insgesamt 16 Produktionsstandorte in neun Ländern mit rund 2.400 Beschäftigten. Der kombinierte Unternehmenswert der beiden Bereiche beträgt rund 1,5 Mrd. Euro.
Centor entwickelt und produziert Verpackungssysteme für die Abgabe verschreibungspflichtiger Medikamente auf dem US-Markt. Das PPP-Geschäft stellt pharmazeutische Primärverpackungen aus Kunststoff her, darunter Flaschen, Behälter und Verschlusssysteme für Arzneimittel. Beide Geschäftsbereiche erzielten im Jahr 2025 zusammen einen Umsatz von rund 570 Mio. Euro.
Mehr unternehmerische Handlungsspielräume
Mit dem Verkauf setzt Gerresheimer seinen angekündigten strategischen Umbau fort. Künftig will sich das Unternehmen stärker auf hochwertige Drug-Delivery-Systeme, Medizinprodukte sowie Primärverpackungen für injizierbare Arzneimittel konzentrieren. „Mit dieser Transaktion gewinnen wir unternehmerische Handlungsspielräume zurück“, erklärte CEO Uwe Röhrhoff. Gleichzeitig werde die Position als Partner der Pharma- und Biotechindustrie weiter gestärkt.
Ein wesentlicher Treiber der Transaktion ist die finanzielle Situation des Konzerns. Gerresheimer plant, die erwarteten Mittelzuflüsse zur Senkung seiner Verschuldung und zur Optimierung der Kapitalstruktur einzusetzen. CFO Wolf Lehmann spricht von einem „wichtigen Meilenstein“ auf dem Weg zu einer nachhaltigeren Finanzierung.
Apax will die übernommenen Geschäfte als eigenständiges Unternehmen weiterentwickeln. Der Investor kündigte Investitionen in zusätzliche Kapazitäten, Innovationen und eine stärkere Expansion auf dem US-Markt an. Nach Angaben von Apax zählen Centor und das PPP-Geschäft weltweit zu den führenden Anbietern von Verpackungslösungen für Arzneimittel.
Hintergrund
Der Verkauf erfolgt in einer Phase, in der Gerresheimer unter besonderem finanziellem und regulatorischem Druck stand. In den vergangenen Monaten hatte das Unternehmen eine Überprüfung seiner Bilanzierung abgeschlossen und zugleich nach Möglichkeiten gesucht, seine Verschuldung zu reduzieren. Reuters zufolge lag die Finanzverbindlichkeit zuletzt bei rund 1,9 Mrd. Euro. Der Verkauf von Centor war bereits Anfang des Jahres angestoßen worden, die Einbeziehung des globalen Kunststoffverpackungsgeschäfts gilt dagegen als strategisch weitreichender Schritt.
Der Abschluss des Centor-Verkaufs wird bis Ende des Geschäftsjahres 2026 erwartet. Die Veräußerung des PPP-Geschäfts soll voraussichtlich im ersten Halbjahr des Geschäftsjahres 2027 vollzogen werden. Beide Transaktionen stehen noch unter dem Vorbehalt regulatorischer Genehmigungen.