Interview mit Erich Jaquemar, Key Account Manager bei Vetropack Austria zur Auszeichnung mit dem Deutschen Verpackungspreis 2026

„Individuelle Flaschendaten machen Mehrwegkreisläufe effizienter“

Jede Mehrwegflasche erhält eine digitale Identität: Vetropack wurde für seine serialisierten Glasflaschen mit dem Deutschen Verpackungspreis 2026 des Deutschen Verpackungsinstituts ausgezeichnet. Im Interview erklärt Erich Jaquemar, welche Vorteile dies für die Kreislaufwirtschaft bringt und warum die Kooperation entlang der Wertschöpfungskette zentraler Erfolgsfaktor war.

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Die mit Datamatrix Code ausgestatteten Mehrweg-Glasflaschen ermöglichen Transparenz entlang des gesamten Lebenszyklus – nicht zuletzt bezüglich der Umläufe bis zur Aussortierung.
Die mit Datamatrix Code ausgestatteten Mehrweg-Glasflaschen ermöglichen Transparenz entlang des gesamten Lebenszyklus – nicht zuletzt bezüglich der Umläufe bis zur Aussortierung.

Redaktion: Jede Flasche erhält durch den dauerhaft ins Glas eingebrachten Data-Matrix-Code eine individuelle digitale Identität. Welche neuen Erkenntnisse über den Umlauf von Mehrwegflaschen werden dadurch erstmals möglich?

Erich Jaquemar ist Key Account Manager bei Vetropack Austria
Erich Jaquemar ist Key Account Manager bei Vetropack Austria

Erich Jaquemar: Bereits in der Herstellung können wir dank der Datamatrix Codes Informationen erfassen und evaluieren, die uns vorher nicht zugänglich waren: Die genaue Zeit und der Ort der Herstellung, bis hin zu den einzelnen Stationen der Glasblasmaschine, und die durchlaufenen Inspektionen präzisieren zum Beispiel unsere hauseigene Qualitätskontrolle.

Sollten Fehler auftreten, die die Glasqualität beeinträchtigen, können wir die betroffenen Flaschen gezielt ausrangieren, statt eine ganze Charge zu entsorgen. So produzieren wir ressourcen- und energieschonender.

Da die Datamatrix Codes auch genau erfassen, wann und auf welcher Anlage eine Flasche befüllt wurde, profitieren auch unsere Kunden von einer gezielteren und effizienteren Qualitätskontrolle. Doch für Hersteller, Abfüller und Markeninhaber gleichermaßen ist die mit Abstand interessanteste Information, die unsere Datamatrix Codes liefern, wie viele Umläufe eine Mehrwegflasche wirklich schafft, bevor sie aussortiert wird.

Redaktion: Bisher wurden Mehrwegsysteme vor allem auf Basis statistischer Daten betrachtet. Wie verändert die Verfügbarkeit individueller Flaschendaten das Qualitätsmanagement und die Steuerung von Mehrwegkreisläufen?

Jaquemar: Zusammengefasst kann man sagen, individuelle Flaschendaten machen Mehrwegkreisläufe effizienter. Auf Basis der nun erstmals verfügbaren, konkreten Daten können Abfüller und Markeninhaber deutlich präzisere Leergutbestellungen vornehmen. So werden auf der einen Seite Ad-hoc Bestellungen und Out-of-Stock-Situationen vermieden, die Umsätze beeinträchtigen können. Auf der anderen Seite muss weniger Leergut vor Ort vorgehalten werden, wodurch Abfüllbetriebe ihre Flaschenparks minimieren können.

Redaktion: Die Jury hob in ihrer Begründung besonders die industrietaugliche Hot-End-Markierung hervor. Welche technischen Herausforderungen mussten gelöst werden, um die Codes dauerhaft lesbar in Glas einzubringen, ohne Produktionsprozesse oder Flascheneigenschaften zu beeinträchtigen?

Jaquemar: Der Entwicklungsprozess war technisch sehr komplex. Wir begannen bereits 2022 damit, die für die Datamatrix Codes zum Einsatz kommenden Lasermarkierungsgeräte an unsere Maschinen und an das thermische Härtungsverfahren für unsere Leichtglasflaschen Rezon anzupassen. Ursprünglich wollten wir die Flaschen am sogenannten kalten Ende der Produktion markieren, doch die Kennzeichnung der Flaschen bei dieser vergleichsweise niedrigen Temperatur führte zu minderwertigen Codes und beeinträchtigte die strukturelle Integrität des Glases. Also mussten wir von vorne beginnen und eine andere Lösung finden.

Jetzt markiert der Laser das Glas am heißen Ende bei einer Temperatur von 500 Grad Celsius und ist in die Maschine integriert, von der es direkt die Produktionsdaten erhält. Bei dieser hohen Temperatur ist das Glas noch formbar und seine Struktur bleibt intakt. Der resultierende Datamatrix Code hat zudem eine höhere Qualität und ist besser lesbar. Eine weitere Herausforderung war die Platzierung der Codes. Gemeinsam mit Coca-Cola und Myneral Labs haben wir in enger Abstimmung schließlich die jetzige Position definieren können – dort harmonisieren sie mit der Position des Etiketts und der des Haltbarkeitsdatums und beeinträchtigen die Messbarkeit der Füllstände nicht.

Redaktion: Die Lösung wurde gemeinsam mit Coca-Cola Europacific Partners (CCEP) , und dem Start-up Myneral Labs entwickelt. Welche Rolle spielte die Zusammenarbeit entlang der Wertschöpfungskette für den Erfolg des Projekts und welche Erkenntnisse haben Sie daraus gewonnen?

Jaquemar: Die enge Zusammenarbeit entlang der gesamten Wertschöpfungskette war ein zentraler Erfolgsfaktor des Projekts. Entscheidend war, dass der Datentransfer über alle Prozessschritte reibungslos funktioniert. Nur so lässt sich sicherstellen, dass die relevanten Informationen durchgängig verfügbar sind und jeder Datamatrix Code mithilfe von der KI-gestützten Kamerasysteme möglichst zuverlässig gelesen und ausgewertet werden kann.

Eine wichtige Erkenntnis ist daher, dass technologische Lösungen dieser Art nicht isoliert betrachtet werden können: Ihr Erfolg hängt maßgeblich davon ab, wie gut Schnittstellen, Datenflüsse und Anforderungen zwischen den Partnern aufeinander abgestimmt sind.

Redaktion: Mit der Lösung ist der Weg für den Digitalen Produktpass geebnet, der nun nach und nach in immer mehr Branchen verpflichtend wird. Gibt es darum auch schon Pläne mit Ihrem Partner Coca-Cola, die Serialisierung von Glasflaschen auf andere Marken im Konzern auszuweiten?

Jaquemar: Das Interesse an der Serialisierung ist insgesamt groß. Wir arbeiten daher bereits eng mit interessierten Kunden in unterschiedlichen Märkten zusammen, um weitere Einsatzmöglichkeiten zu prüfen und die Technologie auf unterschiedliche Anforderungen zu übertragen. Zu konkreten Plänen für eine Ausweitung auf weitere Marken innerhalb von CCEP können wir derzeit jedoch keine Angaben machen.