Anbieter von Vollpappe und Karton
Tullau Pappen meldet Insolvenz an
Der Vollpappe-Hersteller Tullau Pappen hat für seine beiden Produktionsgesellschaften Insolvenz angemeldet. Die Werke in Rosengarten-Tullau und Trauchgau produzieren vorerst weiter. Rund 90 Beschäftigte sind betroffen.
Der Standort Rosengarten-Tullau.
Tullau Pappen
Die Unternehmensgruppe Tullau Pappen ist in finanzielle Schwierigkeiten geraten. Für die Produktionsgesellschaften an den Standorten Rosengarten-Tullau in Baden-Württemberg und Trauchgau im bayerischen Allgäu laufen vorläufige Insolvenzverfahren. Nach Medienberichten wurde Rechtsanwalt Tibor Braun zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestellt. Die Produktion soll an beiden Standorten zunächst fortgeführt werden.
Als Gründe für die wirtschaftliche Schieflage werden vor allem stark gestiegene Kosten sowie das schwierige Marktumfeld genannt. Nach Angaben des vorläufigen Insolvenzverwalters haben sich in den vergangenen Jahren insbesondere die Aufwendungen für Energie, Rohstoffe und Personal deutlich erhöht. Gleichzeitig steht die Papier- und Pappenbranche unter erheblichem Wettbewerbs- und Preisdruck.
Geschäftsführer Matthias Kurz verwies gegenüber dem SWR insbesondere auf die hohen Preise für Strom, Gas und Öl sowie zusätzliche Kosten für CO2-Zertifikate. Die Kostensteigerungen ließen sich demnach nur begrenzt an die Kunden weitergeben, ohne Auftragsvolumen zu verlieren.
Produktion läuft vorerst weiter
An den beiden Werken sind nach Angaben des SWR jeweils rund 45 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschäftigt. Ihre Vergütungsansprüche sind bis einschließlich Oktober 2026 durch Insolvenzgeld abgesichert. Derzeit läuft die Produktion an beiden Standorten weiter. Der vorläufige Insolvenzverwalter will Möglichkeiten für den Erhalt der Betriebe und Arbeitsplätze prüfen. Denkbar ist dabei auch ein Verkauf der gesamten Unternehmensgruppe oder einzelner Unternehmensteile.
Tullau Pappen sieht sich nach eigenen Angaben als einen der führenden deutschen Anbieter von Vollpappe und Karton. Die beiden Produktionsstandorte verfügen zusammen über eine Kapazität von rund 40.000 t pro Jahr. Das Unternehmen produziert Format- und Rollenware für verschiedene industrielle Anwendungen und zählt nach eigenen Angaben bei Wickelpappe zu den Marktführern in Deutschland.
Fast 150 Jahre Pappenproduktion in Tullau
Die Geschichte des Unternehmens am Standort Tullau reicht bis ins Jahr 1878 zurück. In den vergangenen Jahren hatte der Hersteller bereits mehrere Belastungen zu bewältigen. Während der Corona-Pandemie führte die schwierige Versorgung mit Altpapier zeitweise zu Kurzarbeit. 2024 verursachte zudem ein Brand in einer Produktionshalle einen erheblichen Schaden.
Trotz der aktuellen Insolvenz sieht der vorläufige Insolvenzverwalter Chancen für eine Fortführung. Als Vorteil gelten die spezialisierten Produkte sowie die bestehenden Beziehungen zu namhaften Kunden. Wie eine langfristige Lösung für die beiden Werke aussehen könnte, ist derzeit jedoch noch offen.