Darstellung, wie ESG-Rating Umwelt, Soziales und die Unternehmensführung mit einschließt.

Ein ESG-Rating schließt Umwelt, Soziales und die Unternehmensführung mit ein. (Bild: Vector Mine – stock.adobe.com)

Kopfschmerzen der nachhaltigen Art drohen am Neujahrstag 2022 im wahrsten Sinne vielen produzierenden Unternehmen, die auch jetzt schon der EU-Richtlinie für unternehmerische Sozialverantwortung unterliegen. Für sie gilt das neue EU-Taxonomie-Regelwerk. Parallel dazu flattern die Anwenderanfragen nach Eco-Vadis-, Carbon-Disclosure-Project- (CDP) oder Sedex Members-Ethical-Trade-Prüfungen (Smeta) rein.

Verantwortlich dafür sind Regulierer und Finanzmärkte, die Nachhaltigkeit vermehrt als den ausschlaggebenden Entscheidungsfaktor sehen. Zum einen sehen Gesellschaft und Politik Nachhaltigkeit mittlerweile nicht mehr als freiwilligen Zusatz, sondern als festen Bestandteil eines Produktes. Zum anderen greift der wachsende Markt für Green Finance begierig nach neuen Möglichkeiten, Nachhaltigkeit zu bewerten.

Es stehen daher nun bei vielen Unternehmen in immer regelmäßigeren Abständen Prüfungen für Environmental-Social-Governance-Ratings (ESG) und -Reports an, sagt Jenny Walther-Thoss, Senior Consultant Sustainability bei Berndt + Partner Consultants. Ihr Rezept gegen nachhaltige Kopfschmerzen ist eine in der Praxis bewährte, sechsstufige Strategie für produzierende Unternehmen.

Die Non-Financial Reporting Directive (NFRD) ist eine EU-Verordnung, die es in sich hat. Die EU-Taxonomie-Richtlinie verpflichtet ab dem Jahr 2022 alle Banken, Versicherungen und kapitalmarktorientierten Unternehmen mit mehr als 500 Mitarbeitenden, für das Berichtsjahr 2021 entsprechend der NFRD zu berichten. Was heißt das für die betroffenen Unternehmen? Ihre Reports müssen sich ab Januar 2022 an neuen Berichtspflichten orientieren. Sie müssen also berichten, welcher Betriebskosten- und welcher Investitionskosten-Anteil EU-Taxonomie-konform ist oder nicht. Und durch die Revision der NFRD zur CSRD trifft dies ab 2024 dann auch alle anderen Unternehmen (ab 250 Mitarbeitern) die bis jetzt noch nicht CSR Report pflichtig waren.

Es geht um die Beantwortung dieser Frage: Welche laufenden Betriebsaufwände und Investitionen entsprechen der EU-Definition der Nachhaltigkeit in puncto Umweltziele und sozialer Ziele und welche nicht?

Für das Berichtsjahr 2021 steht dabei der Klimaschutz im Vordergrund, zu dem die EU-Kommission im August 2021 die Indikatoren veröffentlicht hat. Für alle anderen Kriterien werden die möglichen Reportingpflichten in 2022 veröffentlicht. Doch die EU-Richtlinie zu erfüllen, ist mehr als nur eine lästige Pflichtaufgabe. Wer ihr gewissenhaft nachkommt, kann auch in Zukunft Investoren für sein Unternehmen gewinnen, sich Geld auf dem Finanzmarkt besorgen oder als Lieferant Aufträge generieren. Aber dafür muss die gute Nachhaltigkeitsperformance transparent dargelegt werden.

Nachhaltigkeit im Mainstream angekommen

Auf der Fachpack 2021 wurde berichtet, dass ein multinationales Handelsunternehmen seinen Lieferanten mitgeteilt hat, dass bei der Lieferantenentscheidung ab jetzt der Product Carbon Footprint als dritter Faktor nach Preis und Spezifikation eine Rolle spielen wird.

2021 kommt der Druck beim Thema Nachhaltigkeit aus der Gesellschaft – Stichwort „Fridays for Future“ – , den Medien, von den Gesetzgebern und den Investoren. Der Vermögensverwalter Blackrock stellte 2020 sogar über 200 Unternehmen wegen geringer Erfolge beim Klimaschutz öffentlich an den Pranger. Betroffen waren auch deutsche „Vorzeigeunternehmen“ wie Siemens, Uniper, Mercedes-Benz, Lufthansa und Heidelberg Cement. Die Folge ist, dass diese Unternehmen den Druck weitergeben und von ihren Lieferanten unter anderem CDP-Reports und erfolgreiche ESG-Ratings verlangen.

Das Unternehmen muss neue Wege gehen

Wie beginnt man nun als Unternehmen diese Reise? Neue Wege geht man nur mit einer neuen Einstellung aller Mitarbeitenden. Oder wie es bei B + P Consultants heißt: „Nachhaltigkeit ist keine Energiesparlampe, sondern eine Geisteshaltung.“

Zur Zielerreichung steht viel Arbeit an. Die Ausgangslage sieht jedoch in vielen Branchen gut aus, denn oft gibt es das für Veränderung nötige Mindset bereits in den Unternehmen. So stellt Matthias Giebel, Partner bei B + P-Consultants, bei der Arbeit für die Verpackungsindustrie immer wieder fest, „dass es im deutschsprachigen Raum eine fast selbstverständliche, nachhaltige Unternehmenskultur gibt. Mitarbeiter und Umwelt spielen traditionell eine große Rolle.“

Aber Mindset allein reicht nicht aus. Der künftige Geschäftserfolg steht und fällt mit öffentlicher Transparenz, gemessen durch ESG-Ratings und öffentliche Nachhaltigkeits-Berichterstattung. Eine Selbsteinschätzung ist nicht erlaubt. Hersteller von Markenartikeln setzen bei Lieferanten oft auf Sedex, Eco-Vadis und für das Klimareporting auf CDP. Darüber hinaus gibt es weitere Reporting-Frameworks und Rankings wie den deutschen Nachhaltigkeits-Kodex (DNK) und die Global Reporting Initiative (GRI).
In der Beratungspraxis hat sich bei B+P Consultants eine sechsstufige Vorgehensweise bei den ESG-Ratings und CDP-Reports bewährt:

1. Ermitteln des Ist-Zustandes: Welche nachhaltigen Aktivitäten unternimmt das Unternehmen bereits – vom Produkt, der Produktion, Energieversorgung, Mitarbeiteraktionen bis hin zu ersten kleinen Umweltaktionen? Von welchen gesetzlichen Anforderungen im Bereich Nachhaltigkeit ist oder wird das Unternehmen betroffen sein?

2. Fokus auf Kunden: Welche Anfragen erhält das Unternehmen von Kunden, aus welcher Branche stammen sie? Hintergrund: Die Fokussierung auf die spezifischen Anforderungen der Abnehmerbranche erleichtert die weitere Vorgehensweise.

3. Risiko-Assessment: Es gilt, alle Ebenen der Nachhaltigkeit von Ökonomie (Produkte, Services, Lieferanten), Ökologie, (z. B. Klimarisiken, Wasser, Abfälle) bis hin zum Sozialen (Mitarbeiter, Risiken in der Lieferkette im Bereich Arbeits- und Menschenrechte) zu analysieren. Wichtig: anschließende Priorisierung in einer Wesentlichkeitsmatrix zur Entwicklung eines machbaren Zielpfades

4. Agiles Nachhaltigkeits- und Klimaprogramm: Gefragt ist eine maßgeschneiderte Strategie und ein auf Prioritäten fokussierendes Implementierungsprogramm, welches sich an wandelnde Kundenanforderungen und neue Herausforderungen anpassen lässt.

5. Anpassen des Lieferkettenmanagements: Das Ziel ist ein Mapping aller Lieferanten und ihre Einteilung in Risikoklassen. Je nach Risiko folgen gezielte Maßnahmen (vom Fragebogen bis zum Audit), um das Risiko von Arbeits- und Menschenrechtsverstößen in der Lieferkette zu minimieren.

6. Aufbau von Strukturen: Wie im Qualitätsmanagement ist eine mit den entsprechenden Ressourcen ausgestattete Managementstruktur erforderlich, um kontinuierlich an dem Thema zu arbeiten, Dokumente zu erstellen, Maßnahmen durchzuführen, zu überwachen, öffentlich zu berichten und stets über Neuerungen auf dem Laufenden zu sein. Bei großen Unternehmen empfiehlt sich der Einsatz einer Nachhaltigkeits-Software.

Viele Unternehmen starten gerne aufgrund von externem Druck mit einem Rating und führen zum Beispiel eine Eco-Vadis-Prüfung durch, bevor sie dann Schritt eins bis sechs angehen. B + P rät von dieser Vorgehensweise ab, denn Eco-Vadis basiert wie viele ESG-Ratings auf dem Kontinuierlichen Verbesserungsprozess (KVP), der sich bereits seit Jahrzehnten im Qualitätsmanagement bewährt hat. Somit kommt das Unternehmen zwar oft einigermaßen erfolgreich durch das erste Assessment, aber ohne einen kontinuierlichen Prozess wird schon das nächste Assessment wieder zum Klimmzug.

Nachhaltigkeit erfordert einen langen Atem

Doch was ist das Erfolgsgeheimnis von B + P-Consultant-Kunden aus der Verpackungsindustrie, die nicht nur ihre Position als Lieferant gehalten, sondern diese verbessert haben, indem sie ihre Eco-Vadis-Einstufung gesteigert haben? Bei näherem Hinsehen ergeben sich vier gemeinsame Nenner:

1) Professionelle Strukturen: Nachhaltigkeit ist eine strategische Aufgabenstellung, die sich nicht mal eben nebenher bewältigen lässt.

2) Transparenz: Das Unternehmen muss Daten sammeln, aufbereiten und kommunizieren.

3) Der Weg ist das Ziel: Erfolgreich ist die Pflichtübung Nachhaltigkeits- und Klimastrategie nur, wenn sie auf den erkannten und priorisierten Risiken (Wesentlichkeit) beruht – nicht alles auf einmal angehen, sondern Konzentration auf das Wesentliche.

4) Erfolge kommunizieren: Gelebte Nachhaltigkeit wirkt sich positiv auf das Geschäft aus. ESG-Ratings dokumentieren den Anwendern die erfolgreichen Maßnahmen in den Bereichen Lieferkette, Umwelt und Klima.

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