Für Markenartikelhersteller und den Handel ist nachhaltige
Verpackung längst kein reines Kommunikationsthema mehr, sondern ein zentraler
Wettbewerbs- und Erfolgsfaktor. Klimaziele, regulatorische Vorgaben, steigende
Energiepreise und veränderte Verbrauchererwartungen erfordern
Verpackungslösungen, die messbar Emissionen senken, zuverlässig in
funktionierenden Kreisläufen geführt werden und gleichzeitig wirtschaftlich
skalierbar sind.
Verpackungen stehen damit im Zentrum unternehmerischer
Verantwortung, aber auch im Zentrum neuer Chancen. Die Studie „The carbon
footprint of carton packaging 2025“, veröffentlicht von Pro Carton, zeigt auf
Basis belastbarer, verifizierter Daten: Faltschachtelverpackungen erfüllen
diese Anforderungen bereits heute in hohem Maße. Gleichzeitig setzt sich die
Branche ambitionierte Ziele für die Zukunft und legt die Messlatte bewusst
höher, um ihre führende Rolle in der europäischen Kreislaufwirtschaft weiter
auszubauen.
Die Fakten
Studienbasis
- 70 Produktionsstandorte in Europa
- Abdeckung: rund 60 % der Kartonproduktion, etwa 16 % der Faltschachtelverarbeitung
- Berechnung durch RISE, unabhängige Verifizierung durch ifeu
- Standards: CEPI‑Framework, CITPA‑Guidelines
Zentrale Ergebnisse
- –8 % CO₂ seit 2021: von 929 auf 854 kg CO₂e pro Tonne (Cradle‑to‑Gate)
- Hauptverursacher: Kartonproduktion (73 %), Transport (6 %), Verarbeitung (21 %)
Wichtigster Hebel
Energieumstellung:
- Fossile Brennstoffe: 46 % → 39 %
- CO₂-armer Strom: 23 % → 66 %
Recycling & Kreislaufwirtschaft:
- Recyclingquote heute: etwa 87 %
- Ziel bis 2030: 90 %
- Cradle‑to‑Grave‑Fußabdruck: 824 kg CO2e pro Tonne
Stärken von Faltschachteln
- Biobasierte Rohstoffe aus nachhaltiger Forstwirtschaft
- Regionale Lieferketten und hohe Resilienz
- Geringe Abhängigkeit von fossilen Materialien
- Beitrag zur europäischen Bioökonomie
Belastbare Daten schaffen Vertrauen
Glaubwürdige Nachhaltigkeitsstrategien benötigen
verlässliche, vergleichbare und überprüfbare Daten. Genau hier setzt die
vorliegende Studie an. Sie folgt anerkannten europäischen Standards wie dem
CEPI-Framework für Carbon Footprints von Papier und Kartonprodukten
sowie den CITPA-Leitlinien für papierbasierte Verpackungen. 70
Produktionsstandorte in Europa lieferten detaillierte Daten und decken rund 60 %
der europäischen Kartonproduktion sowie 16 % der Faltschachtelverarbeitung ab.
Damit basiert die Studie auf einer deutlich breiteren Datenbasis als frühere
Erhebungen, heißt es bei Pro Carton. Die Berechnungen wurden von RISE (Research
Institutes of Sweden) durchgeführt und durch das ifeu – Institut für Energie-
und Umweltforschung in Heidelberg – unabhängig verifiziert. Diese Transparenz
schafft Vertrauen: bei Markenartiklern, Handel, Politik und Verbrauchern
gleichermaßen.
8 % weniger CO₂ – durch zukunftsgerichtete Investitionen
Im Fokus der Analyse steht der Cradle-to-Gate-Ansatz, der
alle fossilen Emissionen von der Rohstoffgewinnung über die Kartonherstellung
bis hin zur befüllbereiten Faltschachtel erfasst. Der fossile CO₂-Fußabdruck
sank von 929 kg CO₂e pro Tonne im Jahr 2021 auf 854 kg CO₂e pro Tonne im Jahr
2024. Dies entspricht einer Reduktion um 8 %. Für Markenartikelhersteller und
Handel ist diese Entwicklung von besonderer Bedeutung, da sie zeigt, dass
Emissionsreduktionen nicht auf kurzfristigen Kompensationsmechanismen beruhen,
sondern auf realen, strukturellen Verbesserungen entlang der industriellen
Wertschöpfungskette.
Wo der Hebel wirkt: Energie vor Effekten
Die detaillierte Analyse macht transparent, wo Emissionen
tatsächlich entstehen. Rund 73 % des fossilen CO₂-Fußabdrucks entfallen auf die
Kartonproduktion, insbesondere auf den Energieeinsatz in Zellstoff- und
Papierfabriken. Der Transport des Kartons zu den Verarbeitungsbetrieben trägt
etwa sechs % bei, die Verarbeitung zu Faltschachteln rund 21 %. Direkte
Emissionen aus fossilen Brennstoffen an den Standorten der
Faltschachtelhersteller spielen mit rund zwei Prozent eine untergeordnete
Rolle. Für Marken und Handel bedeutet dies: Der größte Hebel für weitere
Emissionsreduktionen liegt in der industriellen Basis – und genau dort
investiert die Branche konsequent.
Erneuerbare Energien machen den Unterschied
Der wichtigste Treiber der Emissionsreduktion ist der
Umstieg auf erneuerbare Energien. Der Anteil fossiler Brennstoffe in den
Kartonwerken sank von 46 % im Jahr 2021 auf 39 % im Jahr 2024. Gleichzeitig
wurde der Einsatz von Biobrennstoffen deutlich ausgeweitet. Auch beim
Strombezug zeigt sich ein klarer Fortschritt: Der Anteil CO₂-armen Stroms in
den Kartonwerken stieg im gleichen Zeitraum von 23 auf 66 %. Diese
Veränderungen sind strukturell verankert und wirken langfristig – ein
entscheidender Vorteil für Markenartikelhersteller und Handel, die auf
Planungssicherheit und belastbare Scope-3-Reduktionen angewiesen sind.
Recyclingquote als Benchmark
Neben der Reduktion von Emissionen ist die
Kreislauffähigkeit ein zentrales Entscheidungskriterium für Marken und Handel.
Papier- und Kartonverpackungen erreichen in Europa bereits heute eine
Recyclingquote von rund 87 % – ein Spitzenwert im Verpackungsmarkt. Doch die
Branche ruht sich auf diesem Erfolg nicht aus. Das klare Ziel lautet: 90 %
Recyclingquote bis 2030. Mit diesem ambitionierten Anspruch legt die
Faltschachtelindustrie die Messlatte bewusst höher und unterstreicht ihre
Führungsrolle in der europäischen Kreislaufwirtschaft.
Cradle-to-Grave: Der gesamte Lebenszyklus zählt
Neben der Herstellungsphase betrachtet die Studie auch den
gesamten Lebenszyklus der Faltschachtel. Aufgrund der hohen Recyclingquoten
sind zusätzliche Emissionen aus der Abfallwirtschaft vernachlässigbar. Wird
zusätzlich die Energierückgewinnung bei der Verbrennung nicht recycelter
Verpackungen berücksichtigt, sinkt der fossile CO₂- Fußabdruck weiter auf 824
kg CO₂e pro Tonne. Für Markenartikelhersteller und Handel bedeutet dies:
Faltschachteln überzeugen nicht nur in der Herstellung, sondern auch über den
gesamten Lebenszyklus hinweg.
Biobasiert, regional, resilient
Ein zentraler Vorteil faserbasierter Verpackungen liegt im
biogenen Kohlenstoffkreislauf. Der Basisrohstoff Holz für den Karton sowie auch
für die mehrheitlich eingesetzten Biobrennstoffe wachsen in nachhaltig
bewirtschafteten europäischen Wäldern und binden dabei CO₂. Die
Kohlenstoffspeicherung kompensiert die fossilen und biogenen Emissionen die
durch die Produktion von Karton, den Transport und die Fertigung der
Faltschachtel entstehen. Die Karton- und Faltschachtelwirtschaft ist
weitestgehend eine europäische Industrie. Sie basiert auf regional verfügbaren,
nachwachsenden Rohstoffen, kurzen Lieferketten und hoch automatisierten
Produktionsstandorten. Damit schafft sie zukunftsorientierte Arbeitsplätze,
stärkt die industrielle Wertschöpfung in Europa und reduziert die Abhängigkeit
von fossilen Materialien. In einem zunehmend volatilen geopolitischen Umfeld
ist dies ein strategischer Vorteil für Marken, Handel und Gesellschaft.
Kartonverpackungen bilden die Grundlage für die Entwicklung einer resilienten
europäischen Bio-Ökonomie.