Verbundfolien, Monofolien oder Papier? Die Auswahl an Verpackungsmaterialien für Lebensmittel ist groß. Jede Option hat ihre Vor- und Nachteile. Ein Überblick über aktuelle Trends und zukünftige Entwicklungen.
Laura GaschoLauraGaschoLaura GaschoExpertin für flexible Verpackungen, Gerhard Schubert GMbh
Valentin KöhlerValentinKöhlerValentin KöhlerVerpackungsentwicklung, Gerhard Schubert GmbH
4 min
So vielfältig, wie die Lebensmittel sind, so vielfältig sind die Verpackungslösungen. Und das nicht ohne Grund.Ideogram
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Ohne Verpackung geht’s nicht: Die wenigsten Lebensmittel
bieten von sich aus ausreichend Schutz vor Hitze, Kälte, UV-Strahlung oder
Feuchtigkeit. Das macht sie anfälliger für Kontaminationen, die zum Verderb und
damit zu potenziell erheblichen gesundheitlichen Folgen für Verbraucher führen
können. Darüber hinaus kann ein Mangel an ausreichendem Schutz Produktverluste
begünstigen, die Unternehmen aus ökonomischen wie sozialen Gründen vermeiden
sollten.
Regelwerke wie das deutsche Lebensmittel- und
Futtermittelgesetzbuch (LFGB) definieren deshalb beispielsweise, welche
Materialien mit Lebensmitteln in Kontakt kommen dürfen und welche
Verpackungslösungen als umweltfreundlich gelten. Herstellern stehen damit
zahlreiche Materialoptionen offen, die sich für Primärverpackungen wie
Schlauchbeutel, aber auch für Schachteln oder Trays zur Zweitverpackung nutzen
lassen. Immer mit dabei: Kunststoff, ob als Hauptbestandteil, Dispersion oder
kaschierte Folie. Doch auch Papier setzt sich zunehmend durch, während andere
faserbasierte Lösungen Nischen bedienen.
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Multifunktional: Verbundfolien
Anders als Einstofffolien umfassen Verbundfolien unterschiedliche Polymere.Gerhard Schubert GmbH
Beim Griff in die Kühltheke sind sie nahezu unausweichlich:
Verbundfolien bilden die Grundlage für Blisterverpackungen, die beispielsweise
Käse oder Wurstwaren enthalten. Auch Beutel für Kaffee bestehen aus den
Mehrstofffolien. Bei den zunächst simpel anmutenden Verpackungen handelt es
sich um aufwändig hergestellte Produkte, deren Grundlage Folien aus Polyethylen
(PE), Polypropylen (PP), Polyamid (PA) und Polyethylenterephtalat (PET) im
Verbund bilden – daher ihr Name. Der Zusammenschluss mehrerer Kunststoffarten
ist von den Folienherstellern beabsichtigt, erfüllen die Polymere doch
unterschiedliche Funktionen hinsichtlich Produktschutz und Verarbeitung.
PA etwa hat hohe Barriereeigenschaften, die gerade bei
empfindlichen, frischen Produkten eine große Rolle spielen. Barrierefolien
weisen UV-Strahlen oder Feuchtigkeit ab und erhalten Aromen, beispielsweise
beim Kaffee. PP wiederum sorgt für Steifigkeit und kommt deshalb neben dem
hochtransparenten PET bevorzugt als Trägerfolie zum Einsatz. PE hingegen weist
einen niedrigen Schmelzpunkt auf und eignet sich deshalb ideal als
Siegelschicht beim Heißsiegeln – ein Verfahren, das bei Verbundfolien häufig
zum Einsatz kommt.
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Schlauchbeutel aus Einstofffolien bilden eine nachhaltige Alternative zu VerbundmaterialienGerhard Schubert GmbH
Mit speziellen Siegelwerkzeugen verbinden entsprechende
Verpackungsmaschinen dabei Folienteile durch Hitze. Bei Verbundfolien kommt
erst die äußere PET-Schicht mit den Siegelbacken in Kontakt; die Hitze dringt
anschließend allmählich bis zur tieferliegenden PE-Schicht durch. Wegen ihres
höheren Schmelzpunktes verbrennt die PET-Schicht währenddessen nicht, sodass
Verbundfolien sich allgemein effizient verarbeiten lassen.
Anders sieht es bei der Wiederverwertung aus: Einmal
entsorgt, werden Verbundfolien zurzeit verbrannt. Mechanisches Recycling kommt
nicht infrage, da die Polymere sehr unterschiedlichen Materialfraktionen
angehören. Einen Ausweg böte langfristig das aktuell noch teure und nicht
etablierte chemische Recyceln. Die lineare Nutzung der Verbundfolien steht im
Gegensatz zu einer auf Wiederverwertung ausgerichteten Kreislaufwirtschaft –
und damit den Zielen der PPWR.
Licht und Schatten: Einstofffolien
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Dem Kreislaufprinzip werden Folien gerecht, die zwar – wie
die Verbundfolien – aus mehreren Schichten bestehen, jedoch nur ein Material
verwenden. Einstoff- oder Monofolien bestehen überwiegend aus dem gut
erhitzbaren wie günstigen PP – mit einem geringem Fremdstoffanteil wie
Ethylen-Vinylalkohol-Copolymer (EVOH). Der transparente, in flüssiger Form
aufgetragene Kunststoff bildet eine hohe Sauerstoffbarriere. Beträgt der Anteil
von EVOH oder anderer Fremdstoffe bis zu fünf Prozent der Gesamtlösung, darf
diese nach wie vor als Monofolie auf den Markt gebracht werden.
Mit durchschnittlich 30 µm sind Einstofffolien deutlich
dünner als die im Schnitt 60 µm starken Verbundfolien. Damit steigt das Risiko
für Abriss beim Verarbeiten, lässt sich durch Anpassungen im Prozess jedoch
minimieren, etwa durch einen zusätzlichen Antrieb der Folienrollen, um den Zug
am Material zu reduzieren.
Besonders sorgfältig müssen Lebensmittelhersteller beim
Siegeln vorgehen: Weil Monofolien aus einem Material mit gleicher
Schmelztemperatur bestehen, ist das Heißsiegeln oft eine Herausforderung,
besonders bei hohen Geschwindigkeiten. Die Siegelschichten müssen sich
verbinden, ohne dass die Außenschicht verbrannt wird. Abhilfe verschafft das
Ultraschallsiegeln, bei dem Vibrationen Reibung erzeugen, die die Folien
schonend erhitzt.
Karton eignet sich als Traymaterial.Gerhard Schubert GmbH
Neu sind Monofolien mitnichten: Hersteller von Süßwaren
setzen seit Jahrzehnten auf Monofolien, etwa zum Verpacken von Schokoriegeln in
Schlauchbeutel. Lediglich das Einsatzgebiet der Einstoffvariante dürfte sich
durch die PPWR erweitern; zudem könnten Monofolien sie noch dünner werden –
wichtige Schritte hin zu einer zirkulären Nutzung von Verpackungsmaterialien.
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Vor diesem Hintergrund führt an einer stärkeren
Rezyklatnutzung langfristig kein Weg vorbei: Die PPWR fordert bis 2030
Mindestmengen an wiederverwertetem Kunststoff in Plastikverpackungen.
Sogenanntes Post-Consumer-Rezyklat (PCR) – wiederaufbereiteter Kunststoff aus
bereits genutzten Lebensmittelverpackungen – könnte dabei helfen, dieses Ziel
zu erreichen, wenngleich mit Anpassungen bei produktberührenden Teilen. So
dürfen Lebensmittel beispielsweise keinen direkten Kontakt mit PCR PP oder PCR
PE haben, da das Material minimale Verunreinigungen aufweisen kann, die selbst
ein umfassendes Recycling nicht beseitigt. Zusätzliche Schichten aus Neuplastik
in PCR-Verpackungen wären eine gangbare Lösung, um dieses Defizit
auszugleichen.
Eine Frage des Anspruchs: Papier
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Inmitten des überwiegend transparenten Materialmixes stechen
opake, aber nicht weniger ansprechende Folien hervor, die seit geraumer Zeit
immer als Primär- oder Sekundärverpackung dienen. Die Rede ist von Laminaten
aus Frischfaserpapier und Kunststoff, der wahlweise als wasserlösliche
Dispersion oder als Kaschierfolie auf das Papier kommt – und so dessen Siegel-
und Barrierefähigkeit fördert. Recycelbar sind beide Varianten, die aus
ökologischer Perspektive eine Alternative zu Verbundfolien darstellen – ganz
wie die Monofolien. Je höher die Barriereanforderungen eines Produktes jedoch
sind, desto weniger machen papierbasierte Folie Sinn.
Grasfaserbasierte Packmittel kommen aufgrund ihrer Stabilität und Sensorik nur sporadisch zum Einsatz.Gerhard Schubert GmbH
Mit Einstofffolien teilen Papierfolien wesentliche
Eigenschaften: Bei bis zu fünf Prozent Fremdanteil gelten papierbasierte Folien
nach wie vor als Papier und dürfen in die Papier- oder Recyclingtonne. Und sie
erfordern ein ebenso sorgsames Verarbeiten: Papier reißt schneller als andere
Folien, und auch das Falten kann zur Herausforderung werden. Mit entsprechenden
Formschultern können Hersteller gegensteuern. Wo Papier zum Einsatz kommt,
nutzen Werkzeuge zudem schneller ab: Das hochabrasive Material setzt deshalb
eine spezielle Beschichtung der Formschulter voraus, damit aus dem ökologischen
Vorhaben kein technischer Störfall wird.
Gras, Silphie und Algen
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Packmittelhersteller entwickeln laufend weitere Optionen,
damit die Vision einer ökologischen Verpackung Wirklichkeit wird – auch bei
Schachteln und Trays. Gras, aber auch die Silphie, eine einfach zu
kultivierende Pflanzenart aus der Familie der Korbblütler, kommen als Rohstoff
infrage. Bei Gras stehen jedoch die Stabilität und Sensorik einer breiten
Anwendung im Weg, sodass es sich nicht für den direkten Kontakt mit
Lebensmitteln, sondern eher für Umverpackungen eignet. Die Silphie wird mit
Kartonrecycling- oder Frischfasern gemischt und ist bereits im
Lebensmittelhandel im Einsatz. Bei Kunststoffen gibt es Versuche mit Algen und
Calciumcarbonat, die sich ebenfalls für Lebensmittelverpackungen eignen. Wie
maschinengängig diese Materialien sind, werden Tests zeigen müssen.
Ganzheitliches Angebot: Packaging Competence Center
Neben PPWR-Vorgaben müssen Lebensmittelhersteller Faktoren
wie Produktschutz, Maschinengängigkeit, Umweltfreundlichkeit,
Wirtschaftlichkeit und Verbrauchererwartungen berücksichtigen. Schubert hat
seine Beratungsdienstleistungen in den vergangenen Jahren erheblich ausgebaut
und unterstützt Hersteller so dabei, die Anforderungen der PPWR zu erfüllen.
„Packaging Competence Center“ lautet die ganzheitliche Dienstleistung. Das
Angebot, das gemeinsam mit der Verpackungsberatung Berndt+Partner Group entwickelt
wurde, umfasst neben Beratung auch die Verpackungsentwicklung, Verpackungsoptimierung,
ein modernes Testzentrum und Partnerschaften mit Packmittelherstellern.